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Welcome Home mit ihrer Initiative
Berlin-Botschafter lud ein zur "Langen Nacht der Diplomaten"
und fast alle kamen am Abend des 8. März 2000 ins Metropol. So willkommen,
wie der Slogan der Initiative verheißt konnte man sich an diesem
Abend - zumindest in der Anfangsphase - jedoch nicht fühlen.
Um 18.30 Uhr war Einlaß, wer pünktlich war, und das waren die
meisten der 1977 nicht ausgewählten Bewerber um den Ehrentitel "Berlin-Botschafter",
drängte sich vor den Eingängen. Zunächst wurden jedoch
nur die VIP´s und die Presse eingelassen. Um das zu erfahren mußte
Mann/Frau sich jedoch zunächst mühsam bis zum Eingang durch
die Mitmenschen schieben.
Der erste Eindruck - Organisation gleich Null. Gegen 19.30 Uhr hatten
wir es dann geschafft, den einzig "für das Fußvolk"
vorgesehenen Eingang zur Rechten, durch kontinuierlich dezentes vorandrängeln
zu erreichen. Vor den Garderoben wiederholte sich die drangvolle Situation,
so daß das Gros der Besucher inclusive ihrer Mäntel und Jacken
zum Saal strebte. Wir jedoch wollten uns nicht mit unserer Kledage belasten
und arbeiteten uns zur Garderobe vor. Dort kostete ein zu deponierendes
Kleidungsstück sage und schreibe 2 DM. Im doppelten Sinne erleichtert,
tasteten wir uns die nur mit schwachen Funzeln versehenen Treppen hinauf.
Wir sollten wohl den Eindruck vermittelt bekommen, Höhlenforscher
in einer ägyptischen Pyramide zu sein, denn die Pappmaché-
und Holzimitate erinnerten an Teile aus dem ägyptischen Museum. An
der Bar und im Saal angelangt, kamen wir uns vor wie an einem Hochsommerwochenende
am Wannseestrand .
So war es ein ausgesprochenes Glück, daß gegen 20 Uhr "Erci
E" mit seinem "aggresiv vernuschelten" Hipp-Hopp-Stück
"Weil ich ein Türke bin" einen nicht unbeträchtlichen
Teil des Publikums wieder aus dem Saal vertrieb. Ich will der Organisationsleitung
keinen Vorsatz unterstellen, aber das wurde echt - zufällig vermutlich
- gut organisiert.
Nun konnte man wieder tief einatmen ohne die Nebenstehenden zu bedrängen.
Stühle und Tische gab es nur für VIP´s und Presse in der
oberen Etage, die von Ordnern abgeschirmt war. Korrigiert werden sollten
die Preise für alkoholfreie simple-drinks wie Wasser und O-Saft.
Der Orangensaft kostete mit 6 DM, ebensoviel wie ein kleines Glas Wein,
das Bier war sogar für den Spottpreis von 5 DM zu haben.
Dann fand der verspätete Auftritt von Dr. Volker Hassemer statt,
des Schirmherren der Initiative. Er erschien zwar ohne Schirm dafür
jedoch wegen des Menschenstaus vor der Garderobe, im hellen Trenchcoat
auf der Bühne. Seine Begrüßung fiel blaß aus und
riß "meiner Ansicht nach" keinen vom nicht vorhandenen
Hocker. Daß der Beifall so spärlich ausfiel liegt meiner Meinung
nicht nur daran, daß die Anwesenden von den Umständen enttäuscht
waren, sondern vor allem auch weil es keine Möglichkeit gab, das
Glas abzustellen. Klatschen Sie mal mit einem gefüllten Glas in der
Hand.
Die Vertreter der Initiative Welcome Berlin und Personen,
die die Sponsoren repräsentierten kamen kurz zu Wort, während
auf einer großen Leinwand über der Bühne kontinuierlich
die Logos der Sponsoren flimmerten. Der kurze Werbestreifen für die
ITB war ausgenommen unscharf und unverständlich, eher eine Anti-Werbung.
Hätte man besser weggelassen.
Als dann die "echten" Diplomaten auf die Bühne stürmten
hörte man deutliche Enttäuschung in den Reihen der cirka 2000
"Möchtegern"-Diplomaten im Saal, - kein weibliches Wesen
war zu entdecken. Die Honoratioren machten eher den Eindruck - auch kleidungsmäßig
- , eines Herrenchores im fortgeschrittenen Alter, der jedoch rasch verflog.
Die Stimmung schlug um, als die Herren sich einzeln vorstellten. Sie waren
alle sehr freundlich, einige recht humorvoll und alle überrascht
und dankbar wegen des starken Echos der Initiative. Anwesend waren Botschafter
aus: Ägypten, Armenien, Bolivien, Brasilien, Norwegen, Moldawien,
Bosnien, Slowenien, Lettland und Großbrittanien ("einem kleinen
Land am Rande Europas"). Danach stellten sich die Bürgermeister
der Bezirke Marzahn, Hellersdorf, Tempelhof und Prenzlauer Berg vor und
eine Vertreterin des Bezirksamtes Spandau lud die Anwesenden ein, am 19.
März beim "Lauf der Sympathie" teilzunehmen (Info-Telefon
des Bezirksamtes Spandau, Ausländerbeauftragte: 33 03 39 40).
Die auserwählten 23 Berlin-Botschafter (eine[r] aus
jedem Berliner Bezirk), unter denen sich erfreulicher Weise auffallend
viele Frauen befanden, stellten sich dem Publikum und den offiziellen
Diplomaten vor, indem sie kurz über ihre Motive für dieses Ehrenamt
sprachen.
Der hauptsächlich geäußerte Gedanke war, daß sie
bei ihren Auslandsaufenthalten eine freundliche Aufnahme und Hilfe erfahren
haben und sie hier den aus vielen Ländern kommenden Botschaftern
ebenso freundlich und hilfreich entgegenkommen möchten wie sie es
erfahren haben. Das ist hier und heute leider noch nicht (oder nicht mehr?)
selbstverständlich.
Die Athmosphäre entspannte sich zusehends als auch die VIP-Lounge
geöffnet wurde und der Confrencier den Besuchern freistellte, nun
die Gelegenheit zu nutzen um zwischenmenschliche Kontakte zu knüpfen,
um die es ja bei der Völkerverständigung hauptsächlich
geht.
In diesem Sinne verstehen sich auch die Mitarbeiter von JADU als Botschafter,
die das Verständnis und die Toleranz unter den Berlinern woher sie
auch kommen, fördern möchten. Über das Medium Internet
informieren wir über Sitten und Gebräuche sowohl der Deutschen
als auch unserer internationalen Gäste und Mitbürger. Wir sehen
unsere Aufgabe darin, eine friedliche, freundliche und offene Beziehung
aller Menschen in unserem Land zu fördern. Das ist nicht nur unsere
Absicht, wir leben es tagtäglich und es bedarf auch einer kontinuierlichen
Anstrengung und täglichem Kampf gegen Intoleranz anzugehen, und für
die Würde des Menschen einzustehen.
(Copyright, 2000 by stielzchen/JADU)
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