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Der Dalmatiner

Der Dalmatiner ist ein kurzhaariges, auffallend gezeichnetes Tier, das in Deutschland nie zu einem Modehund geworden ist, doch häufig als Statist im Film spielt. Die Schulterhöhe des Tieres beträgt 50-68 cm. So klar, wie man es nach seinem Namen vermuten möchte, ist die Herkunft des Dalmatiners nicht. Sicher ist nur, daß er seit vielen Jahrhunderten ohne Einkreuzung fremder Rassen gezüchtet wird.

Im Laufe der Zeit hat er viele Namen bekommen. Sein letzter und endgültiger stammt aus England, wo er vor hundert Jahren ein beliebter Begleithund für Pferdewagen und Reiter war. Die Namen "carriage-dog” und "coach-dog” stammen aus dieser Zeit. "Kleiner Däne” hieß er wegen seiner vermeintlichen Ähnlichkeit mit der Tigerdogge, die man früher Dänische Dogge nannte.

Indien wird vielfach als seine Heimat angesehen. Der Name "Bengalische Bracke” deutet darauf hin. "Türkischer, Italienischer, Französischer Hund” deuten den Weg an, den er gegangen sein mag, bis er schließlich nach England gelangte. Auf griechischen und ägyptischen Abbildungen, zum Beispiel in den Gräbern von Beni Hassan (2200-2000 v. Chr.), sind weißschwarz gefleckte Laufhunde dargestellt, die sich vom heutigen Dalmatiner kaum unterscheiden und den Hunden gleichen, die vor hundert Jahren in Indien in Meuten jagten. Als Jagdhund wurde der Dalmatiner im Mittelalter viel in Italien verwendet; zunächst als Vorstehhund, dann mehr in der Art einer Bracke. Einkreuzungen der Bracke (einer sehr alten Jagdhundform) dürften auch die einzigen Quellen fremden Blutes gewesen sein.

Gute Bilder vom Dalmatiner sind uns von italienischen Malern überliefert. Vermutlich sind die Vorfahren dieser Hunde als Laufhunde, noch bevor sie sich als Vorstehhunde spezialisiert hatten, nach Spanien gekommen, wo sie sich ebenfalls aus dem Laufhund zum Vorstehhund entwickelten.

So typisch italienisch war einstmals die Rasse, daß sie in der Cromwellschen Ära der englischen Zeitkarikatur als Verkörperung von "römisch-katholisch” diente.— In Dalmatien, dem Land, das ihm den Namen gab, war der Dalmatiner "Kriegshund” und wurde an der dalmatinisch-kroatischen Grenze als Wachposten gegen die türkischen Überfälle eingesetzt.

Sein starkes Laufbedürfnis, das Erbe des früheren Laufhundes, machten sich die Engländer zunutze, als sie ihn neben den Pferden laufen ließen. Dabei züchteten sie ihm die Liebe zum Pferd so stark an, daß sie noch heute in seinem Erbgut verankert ist. Ein Dalmatiner, der zum erstenmal in seinem Leben ein Pferd zu sehen bekommt, fühlt sich gleich zu ihm hingezogen.

Amerikanische Wissenschaftler fanden überdies, daß ihm nicht nur die Liebe zum Pferd angeboren ist, sondern sogar der Platz, den er bei Ausfahrten einnimmt. So wird von manchen Dalmatinern der Platz an den Fesseln des Pferdes vorgezogen, andere rennen hinter dem Wagen und wieder andere zwischen den Pferden. Auch heutige Dalmatiner schaffen bei freiwilligem Lauf neben dem Wagen Strecken, die man zwangsweise keinem Hund zumuten wurde.

Ebenso vorzüglich, wie sie laufen, springen und klettern sie, ja schwimmen sie sogar manchmal; deshalb gaben sie früher beliebte Zirkushunde ab. Dalmatinerbesitzer, die dieses Tier wegen seines sauberen Kurzhaars als angenehmen Hausgenossen schätzen, sollten unbedingt dem Laufbedürfnis ihres Hundes Rechnung tragen. Die kleinen Dalmatiner sind bei der Geburt ganz weiß. Nach 14 Tagen tritt die erste Zeichnung auf und breitet sich schnell über den ganzen Körper aus. Bis zu einem halben Jahr, manchmal auch etwas länger, kann sie sich noch verändern. Es treten dann neue Flecke auf, oder die vorhandenen vergrößern sich. Die schwarzen oder braunen Flecke sind groschen- bis fünfmarkstückgroß, sollen ganz rund sein und sich gleichmäßig über den Körper verteilen. Auch die mäßig langen Behänge (hängende Ohren) sollen gefleckt sein. So unterscheidet sich die Zeichnung des Dalmatiners von der der Tigerdogge. Beim Erbgang tritt der Unterschied der beiden Tiere noch stärker zutage: Die Dalmatiner sind reinerbig;
d. h., die Jungen sind genauso gefleckt wie die Eltern.


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