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GOLDAMMER UND ANDERE AMMERN

 

Die Goldammer (Emberiza citrinella) gehört wie alle Aminern zur Familie der Finkenvögel (Unterordnung der Singvögel, Ordnung der Sperlingsvögel).
Die Ammern zeichnen sich durch eine besondere Schnabelform aus: die Schneide des Oberschnabels ist am Grunde abwärts gebogen, die Schneiden bilden also eine geschweifte Linie. Sie enthülsen damit Sämereien. Ihre Jungen füttern die Ammern zunächst mit Kerbtieren (Raupen, Heuschrecken) auf, später geben sie ihnen Sämereien aus dem Kröpf hinzu. Zum Nahrungserwerb halten sie sich häufig auf dem Boden auf.
Die häufigste und bekannteste Ammer hier um Berlin ist die Goldammer. Männchen und Weibchen sind recht verschieden. Das Männchen pflegt in der Nähe des Nestes zu sitzen und sein eintöniges Lied zu singen: „Ti ti ti ti ti lieh", dessen letzte Silbe etwas höher oder auch tiefer liegt als die vorherigen; volkstümlich 'wird es mit „Wie wie wie wie hab' ich dich lieb" wiedergegeben; die Endsilbe wird in manchen Gegenden zweisilbig gesungen.
Die Goldammer lebt an buschreichen Waldrändern und auf Lichtungen, in Feldgehölzen und Hecken. Das Nest ist manchmal leicht zu finden. Es steht meist nur kniehoch im Gebüsch, in Brombeerranken oder jungen Nadelholzschonungen; als „Indianerzeichen" müssen wir einige wie zufällig auf die Zweige verstreute Büschel von Halmen werten und dort die Zweige durchsuchen. Die Nestmulde ist kunstvoll aus Gräsern, Wurzeln und Moos verwoben und auf eine gröbere Unterlage gestellt, innen glatt und weich mit Hähnchen und Tierhaaren ausgelegt.
Von April bis Juni gibt es 2 Brüten. Die 4 bis 5 Eier, die wie alle Ammereier auf hellem Grund die charakteristischen dunklen Haar-, Schnörkel- und Wurmlinien zeigen, werden in der Hauptsache vom Weibchen ausgebrütet; das Männchen brütet stets sehr wenig, zuweilen wohl überhaupt nicht mit. Es hat viel mit Singen zu tun. In 13 bis 14 Tagen schlüpfen die Jungen aus, bekleidet mit spärlichen Daunenbüscheln auf der Mittellinie des Kopfes, Halses und Rückens und mit einem rosa Sperrachen in gelber Unirahmung. Beide Eltern füttern die Kinder, auch noch nach 14 Tagen, wenn die Jungen ausfliegen. Im Winter bleiben die Goldammern bei uns; in Trupps streifen sie auf Futtersuche umher. Im Februar sondern sich die Paare schon wieder ab.
Eine zweite, hier an unseren märkischen Seen und Flußläufen häufige Ammer ist die Rohrammer (Emberiza schoenicius). Sie hat eine sperlingsfarbige Oberseite; das Männchen hat einen schwarzen Kopf und Kehllatz und einen hübschen weißen, unten offenen Halsring. Sein Gesang ist ein unbedeutendes Gestammel, das in vollendetster Ausführung etwa „zja tit tai zissis tai zier zissis" lautet. Oft ist es einfacher. Das Nest ist ein lockerer kunstloser Bau aus Pflanzenteilen. Meist liegt es zwischen hohem Gras auf Seggen und Kaupen, im Sumpf oder in Farnkraut und Nesselbüschen, an Teichrändern und Gräben; es steht im gleichen Brutgebiet wie das des Schilfrohrsängers. Beide Eltern brüten in 12 bis 14 Tagen die 5 bis 6 Eier aus und füttern gemeinsam die Jungen auf. Eine erste Brut findet im April/Mai und die zweite im Juni/Juli statt. Zum Überwintern gehen die Rohrammern im Oktober in die westlichen Mittelmeerländer und kehren im März zurück.
Eine dritte Ammer, die Grauammer (Emberiza calandra), treffen wir sehr häufig in Landstrichen mit Ackerbau an. Das Männchen sitzt meist auf Telegrafendrähten an den Landstraßen und singt sein kurzes Lied: „Zick zick zick zick knirl", weshalb der Volksmund ihm den Namen „Strumpfwirker" gab. Diese Ammer ist mit 60 g unsere größte; das Weibchen wiegt nur etwa 40 g. Beide Geschlechter sind gleich lerchengrau gefärbt. Das Männchen beteiligt sich weder am Bau des Nestes, das in Bodenvertiefungen auf Feldern, Wiesen oder Kleeäckern steht, noch am Brüten oder an der Aufzucht der Jungen; alles besorgt das Weibchen allein. Nur bei den ausfliegenden Jungen füttert er dann mit. Er hat viel Zeit zum Singen, und wenn sich ihm andere Grauammerinnen nähern, sucht er mit ihnen einen Nistplatz und gründet so einen kleinen Harem. Grauammern sind, bis auf wenige, Zugvögel.

Quelle: Der neue Sammelband der Berliner Morgenpost, mit freundlicher Genehmigung der Berliner Morgenpost.


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