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Fauna
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DIE AMSEL
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Die Amsel war vor etwa 70 Jahren noch ein Waldvogel. Jetzt ist sie in allen deutschen Großstädten Brutvogel geworden; überall in Parkanlagen, Gärten, auf Friedhöfen, wo Hecken und Gebüsche stehen, wurde sie heimisch. Das Männchen, einfarbig schwarz mit leuchtend gelbem Schnabel, fällt uns schon im zeitigen Vorfrühling auf. Nach ihm heißt die Art auch Schwarzdrossel. Das braune Weibchen ist unscheinbarer. Schon im Ausgang des Winters sieht man die Amselhähne bei der Abgrenzung ihrer Brutgebiete: Sie stoßen leise Sih"-Rufe aus und laufen mit erhobenem Schwanz umeinander. Bei der Nahrungssuche pflegen sie zu hüpfen und nicht zu laufen. Sie versuchen, durch diese gespreitzte Fortbewegung dem Gegner zu imponieren. Zuweilen springen sie aneinander hoch oder verfolgen einander fliegend. Auch die Weibchen geraten sich gegenseitig öfters in die Federn, bekämpfen sich sogar viel ernsthafter als die Männchen und fügen einander zuweilen blutende Wunden zu. Im Februar singen die Hähnchen leise, später wird ihr Gesang laut. Sie sitzen dabei gern auf einem erhabenen Platz, einem Dachfirst oder einer Baumspitze. Das melodisch flötende, getragene Amsellied gehört zu den schönsten Vogelliedern überhaupt. Es ist angeboren. Auch ohne Beispiel bringt der junge Amselmann sein Lied zustande; daneben hat er die Fähigkeit, gehörte Pfeifmelodien einzuflechten. Bei der ersten Brut im Jahre wird meistens weniger gesungen als bei der zweiten und dritten. Sieht das Amselpaar eine Gefahr, z.B. eine Katze, dann ruft es tix tix tix" in langen Reihen. Einmal wollte das Tixen vor meinem Fenster kein Ende nehmen; und als ich nach der Gefahr ausschaute, sah ich eine Ringeltaube auf dem Baum. Beide Amseln um-tixten sie, bis sie wegflog. Bei Gefahr von oben, z.B. fliegenden Raubvögeln, rufen sie ein wiederholtes langgezogenes Sih". Beide Eltern suchen einen passenden Nistplatz auf Bäumen, in Hecken, auch in Mauerecken. Das Weibchen baut das feste, mit viel Erde abgedichtete Napfnest ganz allein aus Moos, Wurzeln und Graspolstern. Bei der Balz umkreist das Hähnchen sein Weibchen mit erhobenem Kopf und gefächertem Schwanz, hebt und senkt dabei rhythmisch die geöffneten Flügel und singt leise und gepreßt. Ganz selten aber sieht man die beiden zärtlich miteinander umgehen, wie z. B. Finkenvögel es tun; und später, beim Füttern der Jungen, hat man den Eindruck, daß die beiden nicht gern zusammentreffen; einer wartet in der Nähe, bis der andere vom Nest wieder abfliegt. Das Weibchen brütet auch die 5 bis 6 hellgrünen, rotbraungepunkteten Eier allein aus. Nach 13 bis 14 Tagen schlüpfen die dunkelgrau bedaunten Jungen, die einen einfarbig gelben Sperrachen haben wie alle heimischen Drosseln. Zunächst deckt das Weibchen die Kinder noch einige Tage; das Männchen bringt Futter, meist Regenwürmer herbei, übergibt sie dem Weibchen, das sie den Jungen unter sich zusteckt. Später fliegen beide zur Futtersuche auf Rasenflächen oder drehen altes Laub nach Würmern, Schnecken und Kerbtieren um. Nach 14 Tagen verlassen die Kinder, noch flugunfähig, das Nest und sitzen unter Zi zit"-Rufen am Boden umher, wo sie noch 14 Tage lang gefüttert werden; vom Vater oft noch länger, während die Mutter schon wieder eine neue Brut vorbereitet. So gibt es bei den Amseln drei Brüten im Jahr, von denen erwiesenermaßen die Hälfte des Nachwuchses durch Platzregen, Hagel oder Raubzeug oder durch Kälterückschläge im zeitigen Frühjahr zerstört wird. Etwa ein Drittel unserer Amseln, vor allem Weibchen und Junge, ziehen westwärts in mildere Gegenden, z. B. nach Belgien, Frankreich, Italien, während wir Zuzug von nordischen Amseln erhalten. Die Hiergebliebenen ernähren sich von Obst, Wildbeeren, wie Taxus-, Efeu- und Holunderbeeren, Ebereschen, Wacholder-früchten,Mistelbeeren und Hagebutten,die manchmal im Fliegen abgeflückt werden. |
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