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DIE BACHSTELZE

 

Die Bachstelze (Motacilla alba) stammt aus der Familie der Stelzen (Motacil- lidae), die zur Unterordnung der Singvögel und zur Ordnung der Sperlingsvögel gehören.
Von den drei deutschen Stelzenarten, Bachstelze, Viehstelze und Gebirgsstelze, ist die Bachstelze am leichtesten zu erkennen an ihren schwarz-weißen Abzeichen, der schwarzen Kopfplatte, dem schwarzen Brustlatz und dem weißen Bauch. Die beiden anderen Stelzenarten haben einen gelben Bauch; unserer Bach- stelze fehlt das Gelb im Gefieder vollständig. Sie ist viel häufiger als die beiden anderen Arten, und sie kommt als Brutvogel in ganz Europa vor; vom Mittelmeer bis nach Island und in's nördliche Skandinavien hinein.
Man trifft das schwanzwippende, kanarienvogelgroße Tierchen mitten in menschlichen Siedlungen an — es ist so recht ein Dorfvogel —, aber auch mitten in Berlin. Die Bachstelze muß nicht an Teichen und Bächen leben. Auch in trockenen Kiefernwäldern können wir sie brüten sehen, wenn sie auch sehr gern an Teich- und Flußufern trippelnd nach Nahrung sucht.
Schon im März kommt das Bachstelzenpaar in sein Nistrevier, wo alle anderen Stelzenmännchen vom Besitzer bekämpft und daraus verjagt werden. Das Männchen umtrippelt in dieser Zeit sein Weibchen balzend mit gespreiztem Schwanz und geöffneten Flügeln. Sie suchen eine geeignete Höhle oder Halbhöhle, die kniehoch bis 3 m hoch liegen kann, im Mauerwerk, an Gebäuden; oft unter Stalldächern, auf Balkenköpfen oder in Löchern unter Brücken, in Felsen, in hohlen Bäumen, z. B. Eichen, Erlen und oft in Kopfweiden; auch Höhlungen in Holzstößen, Beisighaufen oder in größeren Horsten von Störchen und Adlern sowie künstliche Nisthöhlen werden gern angenommen, wenn sie statt des Einflugloches einen Schlitz unter dem Dach besitzen.
Das Weibchen allein trägt Halme, Reiser, Blätter, Wurzelfasern und Moos zu einein wirren Haufen in die Löcher ein und legt die innere Mulde mit feineren Niststoffen, Federn und Haaren aus. Das Männchen begleitet sein Weibchen beim Suchen und Umhertrippeln. Sie sind eifrig und ausdauernd im Laufen, aber auch sehr ge- wandte Flieger. Eigentümlich ist ihr hüpfender Bogenflug: nach kurzem raschem Anstieg legen sie die Flügel zusammen und schießen unter Höhenverlust wie ein Bolzen dahin. Diese Flugweise ist angeboren; schon die Jungen im Nest flattern im gleichen Rhythmus. Auch das Schwanzwippen betreiben die Kinder schon im Nest.
Im April werden 5—6 Eier abgelegt; jedes fast 3 g schwer, von bläulich-weißer Grundfarbe mit blassen grauen Wolkenflecken, und über und über mit vielen dunklen Punkten und Strichen besät. Im Juni wird eine zweite und oft noch, wie auch hier in Berlin, eine dritte Brut großgezogen. 12—14 Tage brütet das Weibchen allein; bei Störungen fliegt es ganz still und rasch ab.
Die ausschlüpfenden Jungen sind blind und tragen große weiße Daunenbüschel auf der Oberseite; erst nach einigen Tagen öffnen sich die Augen. Die Sperrachen sind gelb, die Zunge sticht als rotes Dreieck davon ab, außen bildet der Schnabelwulst einen hellgelben Saum. Beide Eltern füttern die Brut, die nach 14—15 Tagen flügge ist. Tritt um diese Zeit eine Störung ein, dann zetern beide Eltern und um- fliegen mit ,,Zisiss"-Rufen den Störenfried. Der Gesang der Bachstelze ist ein Gezwitscher, aus dem uns der Lockton „Zilipp" oft entgegenschallt.
Bachstelzen ernähren sich von allerlei Kerbtieren und Würmern, die sie an Ufern, auf Äckern oder an Komposthaufen auflesen; auch fliegend wird manches Insekt geschnappt.
Den Kindern fehlen noch die schwarzen Abzeichen der Alten. Sie sind oben bräunlich grau, unten trüb weiß. Wenn sie im Juli bis September mausern, ähneln sie den Eltern schon mehr, die inzwischen ein Ruhekleid mit weißer Kehle angelegt haben. Im Februar mausern alle ins Brut- kleid (Bild). In Süd- und Westeuropa sind die Bachstelzen Standvögel, bei uns Zugvögel. Nach der letzten Brut finden sie sich in Scharen zusammen und bevölkern das Schilf. Im Oktober ziehen sie nach Südeuropa, Afrika oder Kleinasien.

Quelle: Der neue Sammelband der Berliner Morgenpost, mit freundlicher Genehmigung der Berliner Morgenpost.


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