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DER BUCHFINK

 

Der Buchfink (Fringilla coelebs) gehört zur Familie der Finkenvögel; also zur Unterordnung der Singvögel und zur Ordnung der Sperlingsvögel.
Der Buchfink ist einer unserer bekanntesten und besten Sänger. Schon im März ertönt sein „Uit", bis die Weibchen ein- treffen. Dann wird das Revier gegen andere Finkenhähne verteidigt, und überall erschallt unermüdlich der Finkenschlag durch den Vorfrühling: „Zi zi zi zi zi zie zie zie würzgebür"; der dreisilbige Endschlag kann auch viersilbig wie „sibirie" oder zweisilbig wie „reitzug" klingen. Der Volksmund übersetzt das Lied mit „Kommst du nicht bald, mein lieber Bräutigam?" Der laute Lockton „pink" oder „fink" hat dem Vogel den Namen gegeben. Oft hört man auch ein „Wried", das als Rulschen oder Regenruf bezeichnet wird; es wird aber auch bei gutem Wetter ausgestoßen. Im Fliegen rufen die Buchfinken leise „jüp jüp". Alle diese Töne sind nicht angeboren und müssen erlernt werden.
Das Buchfinkenmännchen ist mit seiner weinroten Brust, der blaugrauen Kopfplatte und den zwei weißen Flügelbinden ein wunderschönes Vögelchen. Das Weibchen ist oben einfarbig olivbraun, aber leicht an den zwei weißen Flügelbinden von anderen Finkenvögelweibchen zu unterscheiden. Sie ist es, die allein den kunstvoll fest geflochtenen Nestnapf aus Halmen, Fasern und Wurzeln herstellt. Man kann ihn nur schwer entdecken, da sie ihn mittels klebriger Spinnweben und Raupengespinste mit Flechten, Moos und Papierschnitzeln aus der Umgebung tarnt. Man sieht sie in dieser Zeit häufig an Häusermauern und in Mauerwinkeln nach Spinnwebfäden suchen. Die Nestmulde legt sie weich mit Haaren, Pappelwolle und Federn aus. Überall wo Bäume oder höhere Hecken stehen, findet sie einen Astquirl oder waagerechten Zweig als Standort für das Nest. Ganz ausnahmsweise soll auch manchmal das Männchen bauen helfen.
Ende April oder Anfang Mai werden die 4 bis 6 Eier, die zwischen einem graurötlichen und einem rein hellblauen Grund stark variieren können, aber immer scharf abgesetzte sogenannte Brandflecke zeigen, vom Weibchen ausgebrütet. Das dauert 12 bis 13 Tage. Das Hähnchen hat mit Singen viel zu tun; nur selten wird das Weibchen von ihm gefüttert.
Die Jungen sind zunächst noch blind und tragen gelbe Daunenbüschel auf Kopf und Rücken; sie strecken den Eltern einen roten Sperrachen entgegen, dessen oberer Zipfel blau ist und in zwei Flügeln hufeisenförmig das Rot umfaßt. Rechts und links bilden die Schnabelwülste einen blaßgelben Saum. Zunächst zirpen die Nestlinge, später schilpen sie; diese Kindertöne äußern auch die Alten in den Flitterwochen, wenn sie einander ihre Zärtlichkeit zeigen. Ähnliches tun wir Menschen ja auch, wenn wir ein geliebtes Wesen mit Koseworten wie ein Kind ansprechen.
Beide Eltern tragen Futter herbei, das während der Jungenaufzucht hauptsächlich aus Kerbtieren besteht. Nach 13 bis 14 Tagen fliegen die Nestlinge aus. Anfang Juni gibt es eine zweite Brut. Die ausgeflogenen Jungen ähneln den Weibchen, erst im Laufe des Herbstes mausern sie ins Alterskleid. Bei den Männchen sind im Herbst die lebhaften Farben noch durch weißliche Federsäume getrübt, die sich jedoch bis zum Frühling abreiben; so entsteht das lebhaft gefärbte Brutkleid. Buchfinken vermehren sich mit ihren 10 bis 12 Jungen stark. Das ist zur Arterhaltung nötig, denn viele von ihnen werden außerhalb der Städte eine Beute der Raubvögel.
Bei uns sind die Buchfinken zum größten Teil Zugvögel. Die meisten Weibchen, die Jungen und ein Teil der Männchen ziehen im September/Oktober in großen Zügen nach Frankreich, Spanien und Oberitalien; manche bis Nordafrika. Viele alte Männchen überwintern als Standvögel bei uns. Große Scharen von nordischen Finken überfliegen unser Gebiet, einzelne davon überwintern hier. Im März kehren alle in ihre Heimat zurück. Im Herbst und Winter gehen die Buchfinken zu vegetarischer Ernährung über und nehmen mit allerlei Samen, Körnern, keimender Saat, Salat, Beeren und Knospen vorlieb.

Quelle: Der neue Sammelband der Berliner Morgenpost, mit freundlicher Genehmigung der Berliner Morgenpost.


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