|
Die Feldlerche (Alauda arvensis) gehört ebenso wie die Haubenlerche
zur Familie der Lerchen (Alaudidae); zur Unterordnung der Singvögel
und somit zur Ordnung der Sperlingsvögel.
Alle Lerchen haben an ihrer Hinterzehe eine sehr lange, etwas gebogene
Kralle, den sogenannten „Lerchensporn". Wenn die Feldlerche auch nicht
gerade mitten in der Stadt lebt, so können wir sie doch gleich am Stadtrand,
wo einige Wiesen, Brachgelände, Heide oder die ersten Getreide- und
Kleefelder liegen, stets schon Anfang April bei klarem Wetter hoch in
der Luft singen hören. Ihr schönes fortlaufendes Lied, in das jubelnde
Triller eingestreut sind, ist nicht angeboren; das Männchen lernt es
vom Vater oder von anderen Lerchenmännern; auch Laute anderer Vögel
werden nachgeahmt. Ein Lerchenmann hat viele Kämpfe mit den Nachbarn
zu bestehen, bis die Bodenreviere abgegrenzt sind und ehe die etwas
später ankommenden Weibchen eintreffen. Sein Lied darf das Lerchenmännchen
nur über dem Stück Boden singen, das sein Brutgebiet ist; darum steigt
er flatternd so kerzengerade singend in die Höhe. Hält er seinen ,,Luftkorridor"
nicht ein, gibt es erneute Kämpfe mit den Nachbarn.
Lerchen sind Bodenvögel, sie laufen ausgezeichnet. In Anpassung an die
Bodenfarbe tragen sie ein auf der Oberseite braunes Gefieder mit schwarzbrauner
Längsstreifung. Von anderen ähnlich „lerchenfarbig" gezeichneten Vögeln
kann man sie an den weißen Rändern des Schwanzes unterscheiden, auch
vielleicht an der runden Haube, die bei Erregung vom Kopf abgehoben
wird. Lerchen
baden nie im Wasser, sie nehmen Staub- und Sandbäder wie unsere Haushühner.
Im März bis in den April hinein kommen die Weibchen aus der Winterherberge.
Die Männchen empfangen sie mit Balzflügen oder balzen sie am Boden an,
indem sie die Haube heben, die Flügel hängen lassen, ihnen mit gestelztem
Schwanz die Hinterfront präsentieren und dazu am Boden singen und hüpfen.
Das Nest ist ein lockerer Bau aus Halmen und Wurzeln, dessen Mulde mit
einigen Tierhaaren ausgelegt ist. Es steht in Vertiefungen zwischen
Erdschollen oder hinter Grasbüscheln auf Wiesen und Feldrainen oder
auf Feldern.
Etwa von Mitte April an finden wir 3 bis 5 gelblich-weiße, mit dunklen
Flecken und Punkten versehene Eier darin, die das Weibchen allein bebrütet,
während das Männchen am Boden oder in der Luft singt. In 11 bis 14 Tagen
schlüpfen die dunkelhäutigen Kleinen; ihr Rücken ist mit gelben, wirrstrahligen
Daunen bedeckt, die wie trockenes Gras aussehen.
In 9 Tagen wächst ihnen ein braunes, mit weißen Perlflecken besätes
Kleid, und schon verlassen sie das Nest. Sie können noch nicht laufen,
nur hüpfen und sind noch flugunfähig. Sie streben auseinander; der biologische
Sinn dieses Verhaltens ist klar: Ein Wiesel wird nicht alle zugleich
auffinden! Beide Eltern füttern sie weiter, und die Kleinen machen sich
durch ,,Sri"-Rufe bemerkbar. Beim Füttern richten sie sich ganz hochbeinig
auf; ihr Sperrachen ist gelb mit angedeuteten Zungenpunkten. Mit 3 Wochen
picken die jungen Vögel schon selbst Nahrung auf. Die Jungen beginnen
mit 4 Wochen ins Alterskleid zu mausern, das sie mit 2 Monaten angelegt
haben. Die Lerche brütet im Jahr zwei- bis dreimal. Sie braucht eine
starke Vermehrung, denn sie ist durch Raubvögel sehr gefährdet; fast
ein Zehntel aller Raubvogelrupfungen sind Lerchen. Ihr Hauptfeind ist
der Sperber, aber auch der Baumfalke greift viele von ihnen, besonders
unerfahrene Jungvögel.
Die Feldlerchen ernähren sich während der Jungenaufzuchten von Insekten
und anderen Kerbtieren, im Herbst und Winter mehr von Körnern und Kleinsämereien,
die sie nicht enthülsen wie die Finkenvögel, sondern ganz verschlucken.
Im September bis Oktober verlassen sie uns und verbringen die Hauptzeit
des Winters im Rheinland, in Frankreich oder in den Mittelmeerländern;
manche gehen bis Südafrika. Schon früh im Jahre, im Februar und März,
erscheinen die Männchen wieder in ihren Brutgebieten, die Weibchen kehren,
wie schon gesagt, erst etwas später, im März und April, zurück.
Quelle: Der neue Sammelband der Berliner Morgenpost, mit freundlicher
Genehmigung der Berliner Morgenpost.
|