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Der Fichtenkreuzschnabel (Loxia curvirostra) gehört zu den Finkenvögeln
(Fringillidae), zur Unterordnung der Singvögel (Oscines) und zur Ordnung
der Sperlingsvögel (Passeres).
Der Fichtenkreuzschnabel, oft auch nur kurz Kreuzschnabel genannt, hat
seinen Namen von den gekreuzten Schnabelspitzen, die ihm beim Auseinanderspreizen
der Samenschuppen von Fichten- und Tannenzapfen, zwischen denen er mit
der Zunge die Samen herausholt, als Werkzeug dienen. Auch als Christvogel
wird er bezeichnet; vielleicht weil er sich öfter zur Weihnachtszeit zeigt,
oder weil er schon im Dezember/Januar zu brüten beginnt; oder aber weil
von ihm die Sage erzählt, er habe bei der Kreuzigung Christi versucht,
die Kreuznägel mit dem Schnabel herauszuziehen und sich dabei die Schnabelspitzen
verbogen.
Der Fichtenkreuzschnabel ist mit etwa 40 g Gewicht etwas größer als ein
Spatz. Männchen und Weibchen tragen sehr verschiedene Kleider, wie unser
Bild zeigt. Unser Vogel ist ein rechter Zigeuner. Für gewöhnlich brütet
er in den Fichtenwäldern der Alpen und der Mittelgebirge. Wenn aber in
Norddeutschland ein zapfenreiches Jahr ist, brütet er auch dort. Auch
mit der Zeit seiner Brut wechselt er: oft brütet er schon im Dezember/Januar;
eine zweite beliebte Brutzeit ist März/April, denn in diesen Monaten sind
die Nadelbaumzapfen reif. Meist gibt es nur eine Brut, gelegentlich zwei.
Außerhalb der Brutzeit zieht er in Scharen unstet umher, auf der Suche
nach Zapfen, Nadelbaumtrieben und -blütenknospen. Auch
im Stadtgebiet lassen sich die Trupps öfters sehen. Wir werden auf sie
aufmerksam durch ihre Lock- und Flugtöne, die wie „gib gib" oder
„göb" klingen.
Zur Brutzeit fällt der Trupp in eine gute „Zapfengegend" ein. Die
Paare sondern sich vom Schwarm ab, und das Männchen wirbt mit Balzflügen
und einem hübschen, leisen, flötenden Gesang um das Weibchen. Dieses baut
auf den Nadelbäumen zwischen zwei übereinanderhängenden Zweigen das Nest,
so daß man von oben nicht hineinsehen kann und auch ein gewisser Schutz
gegen Schnee und Regen besteht. Es ist ein festgewirkter Bau, der 3 cm
dicke Wände hat und aus Reisern, Grasstengeln und vielen Flechten und
Moosen zusammengefügt ist.
Auf allen Sammelflügen wird das Weibchen vom Männchen begleitet. Das Gelege
besteht aus 3, zuweilen 4 Eiern, die auf grünlichweißem oder gelbweißem
Grund rötliche Wölkchen und rotbraune bis schwarze Punkte und Kritzel
zeigen. Das Brüten übernimmt das Weibchen allein und bleibt vom ersten
Ei an auf dem Nest sitzen, so daß ein Zerfrieren der Eier bei großer Kälte
oder Schneestürmen verhindert wird. Das Männchen versorgt die Brütende
mit Futter aus seinem Kröpf.
Nach 14 bis 16 Tagen schlüpfen die Jungen. Sie haben weißliche Daunen
auf der Oberseite und einen dunkelroten Sperrachen mit schmalem gelbem
Schnabelwulstrand. Das Weibchen deckt und wärmt die Kinder noch eine Woche
lang; dann fliegt sie mit auf Futter aus. Nach 14 Tagen verlassen sie
das Nest und werden von den Eltern draußen noch weiter gefüttert.
Erst in dieser Zeit bildet sich der gekreuzte Schnabel aus. Bis dahin
haben die Jungen völlig normale Finkenvögelschnäbel. In der vierten Lebenswoche
beginnt zuerst die Oberschnabelspitze, dann die vom Unterschnabel zuwachsen;
dann kreuzen sie sich. Zugleich fangen die Jungen an, an allem herumzuknabbern
und den Schnabel in Ritzen zu stecken und drehend zu öffnen, was sie dann
bald an Fichtenzapfen tun. Wenn sie selbständig sind, ziehen sie noch
lange im Verein mit den Alten umher und tragen dabei noch lange ihr gestreiftes
Jugendkleid.
Fichtenkreuzschnäbel werden oft als Käfigvögel gehalten und erfreuen durch
ihre papageiartige Kletterfähigkeit; allerdings wird man meist traurig,
weil das schöne Rot beim Männchen abblaßt. Der etwas größere aber in der
Färbung der Geschlechter ähnliche Kiefernkreuzschnabel schließt sich öfters
den zigeunernden Trupps seines Vetters an. Er brütet im nördlichen Europa,
zuweilen aber auch in Ost- und Westpreußen, Schlesien oder Thüringen.
Sein klobiger Schnabel öffnet die hartverholzten Kiefernzapfen.
Quelle: Der neue Sammelband der Berliner Morgenpost, mit freundlicher
Genehmigung der Berliner Morgenpost.
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