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GRAUER UND TRAUERFLIEGENSCHNÄPPER

 

Die Fliegenschnäpper (Gattung Muscicapa) gehören zur Unterfamilie der Fliegenschnäpper (Muscicapinae), zur Familie der Fliegenschnäpperartigen (Muscicapidae), zur Unterordnung der Singvögel (Ordnung der Sperlingsvögel).
Fliegenschnäpper betreiben ihr Gewerbe, nämlich das Fliegenschnappen, im Fluge. Sie machen entweder von einer Warte aus kleine Rundflüge oder fliegen im Gezweig von Ast zu Ast, wobei sie die fliegenden Insekten mit ihrem an der Basis breiten, beborsteten Schnabel erschnappen. Von den vier deutschen Arten kommen in und um Berlin der Graue und der Trauerfliegenschnäpper vor. Der Graue Fliegenschnäpper (Muscicapa striata) findet sich überall bei menschlichen Siedlungen ein: in kleineren Gärten und Parks, in der Nähe von Gebäuden und Ställen, wo ihm Dung- oder Komposthaufen die nötige Anzahl Fliegen und andere Kerbtiere für sich und zur Jungenaufzucht liefern. Dort fehlt es dem Halbhöhlenbrüter auch nie an guten Plätzen für sein Nest: eine Efeuwand, ein Weinspalier, Fenster- und Dachgesimse, Balkenköpfe und Mauernischen; auch gut belaubte Astgabeln oder künstliche Halbhöhlen nimmt er mit Vorliebe für den Nestbau. Dabei gewöhnen sich die Alten und auch die Nestjungen an jeden Verkehr, und das ist wohl der Grund, weshalb sich der Graue Fliegenschnäpper mit der Kultur anscheinend stark vermehrt hat.
Beide Geschlechter sind unscheinbar grau gefärbt. An seinem eigentümlichen gleichzeitigen Zucken mit Flügeln und Schwanz kann man den Vogel schon von weitem als Fliegenschnäpper erkennen, besonders wenn er auf seiner Fliegenwarte, etwa einer Umzäunung, einem Draht oder einem Zweig, sitzt. Von Mitte Mai an hört man seinen unschönen zischenden Lockton „tschi" oder „zitt"; bei Erregung ruft er „teck teck". Sein leiser Gesang besteht nur aus einigen anspruchslosen Zwitscherlauten wie „sip-sip-sih-sitti-sih-sih".
Beide Partner bringen für das locker gefügte Nest Halme, Fasern, Moos und Flechten in die Halbhöhle und legen die Mulde mit Haaren, Federn, Tier- und Pflanzenwolle, aus. Beide verteidigen ihr Revier gegen artgleiche Eindringlinge. Ende Mai bis Juni liegen 3 Eier im Nest. Sie zeigen bläulichweißen Grund und zahlreiche rostrote Tupfen. Meist brüten beide Eltern abwechselnd; zuweilen nur das Weibchen, das dann vom Männchen gefüttert wird. Nach 12 bis 14 Tagen schlüpfen die gelbrosafarbenen Kinder aus, die bis auf ein paar spärliche Daunen in der Rückenmitte nackt sind und einen dunkelgelben, hellgesäumten Sperrachen haben. Nun füttern beide Eltern und nehmen den Kleinen die Kotballen ab.
Nach 14 Tagen fliegen die gefleckten Jungen aus, die mit zwei Monaten das graue Alterskleid tragen. Oft wird noch eine zweite Brut angeschlossen. Im September ziehen sie, nun auch Beeren von Holunder. Faulbaum und anderen Pflanzen pickend, auf die weite Reise ins tropische und südliche Afrika.
Der Trauerfliegenschnäpper (Muscicapa hypoleuca) ist als Höhlenbrüter mehr ein Park- und Waldvogel, der alte Alleen und lichte Laub- und Mischwälder liebt. Als 1945 der alte Baumbestand des Berliner Tiergartens zerstört wurde, stürzten sich alle dort beheimateten Trauerfliegenschnäpper bei ihrer Rückkehr aus Afrika zunächst invasionsartig auf die alten Bäume des Zoologischen Gartens und nahmen viele der von uns aufgehängten Nistkästen an.
Bei dieser Art sind die Geschlechter im Brutkleid recht verschieden; die Männchen tragen aber hier bei uns oft nicht das klar schwarz-weiß abgesetzte Kleid, die weißen Abzeichen sind vielmehr bräunlich verwischt, und nur die weißen Flügelflecken bleiben als Erkennungsmerkmal; die schwarzen Gefiederteile sind mehr braun. Im Herbst tragen alle unscheinbarere Ruhekleider, die dem Brutkleid des Weibchens ähneln.
Der Gesang des Trauerfliegenschnäppers ist schön und laut. Er beginnt meist mit den Silben ,,wutit wutit" und endet in einem Gezwitscher. Die Laute sind nicht angeboren. In der Brutbiologie ähneln sich die Fliegenschnäpper sehr. Beim Trauerfliegenschnäpper sind Brutdauer und Nestlingszeit einen Tag länger.

Quelle: Der neue Sammelband der Berliner Morgenpost, mit freundlicher Genehmigung der Berliner Morgenpost.


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