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Der Gimpel (Pyrrhula pyrrhula) gehört zur Familie der Finkenvögel (Fringillidae)
und zur Unterordnung der Singvögel. Er zählt somit zu der großen Ordnung
der Sperlingsvögel.
Wenn hoher Schnee liegt, erscheint der Gimpel an unserem Futterbrett,
besonders am Stadtrand Berlins: ein über spatzengroßes, prächtig gefärbtes
Vögelchen mit auffallend rosenroter Unterseite und schwarzer Kopfplatte
(danach und auch nach seiner etwas behäbigen Form in manchen Gegenden
Dompfaff genannt). Meist kommt auch sein etwas unscheinbarer gefärbtes
Weibchen mit. Es hat zwar auch die schöne schwarze Kopfplatte, die Unterseite
aber ist schlicht bräunlich. Die beiden halten auch über den Winter
treu zusammen.
In West- und Süddeutschland sind die Gimpel Standvögel, bei uns in Mitteldeutschland
streichen sie im Winter umher. Die Pärchen suchen bereits um die Mitte
des April ihre Brutreviere auf. Sie lieben waldreiche Gegenden in hügeligem
Gelände; in der Ebene sind sie mit Gebüschen zufrieden, in denen einige
Fichten, Eiben oder Wacholderbüsche stehen. Hier in der Umgebung Berlins
brüten sie in Forsten mit Mischwald, in größeren buschreichen Gärten
und auf Friedhöfen.
Geschlossene Kiefernwälder lieben sie nicht. Die Tiere verraten sich
durch einen hübschen, leisen Lockton, der flötend klingt, als ob man
leise über die Öffnung eines hohlen Schlüssels bläst; man könnte ihn
mit „diü diü" ausdrücken. Auch ein zärtlich klingendes „Büt büt" hört
man. Ob beide Eltern das Nest bauen oder nur einer von ihnen, weiß man
noch nicht. Aus feinen trockenen Zweigen wird ein Unterbau, locker und
beinahe liederlich, hergestellt, und darauf eine Mulde aus feinen Würzelchen,
Blättchen, Flechten und Haaren gebaut; das Nest ist nicht so stabil
und verfilzt wie bei anderen Angehörigen der Finkenfamilie. Anfang Mai
sehen wir darin etwa 5 Eier. Jedes wiegt etwas über 2 g und ist blaßblau
mit rötlichbraunen Flecken, zwischen
denen vereinzelt tiefschwarze Punkte und Kritzelstriche stehen; die
Fleckung ist am stumpfen Eipol gehäuft.
Das Weibchen bebrütet die Eier 13 Tage und wird dabei vom Männchen aus
dem Kröpf gefüttert. Nur ganz selten einmal setzt sich das Männchen
auf die Eier. Die ausschlüpfenden Jungen sind blinde Nesthocker mit
blaugrauen langen Daunenbüscheln an Kopf, Hals, Rücken und Seiten. Sie
sperren ihren Eltern einen sattroten Sperrachen mit blauen Seitenflecken
und gelber Schnabelwulst-Umrandung entgegen. Sie stoßen dabei ein wimmerndes
Pfeifen als Bettelton aus, das wie ein gezogenes „Thüringe" klingt.
Nach dem sorgsamen Füttern (durch beide Eltern) mit Spinnen, Raupen,
kleinen Schnecken, oft auch mit unreifen Wildsämereien, sind die Kinder
mit etwa 16 Tagen erwachsen. Zunächst sehen sie ihren Eltern kaum ähnlich
— in ihrem einfarbig rostbraunen Kleid, ohne die schöne schwarze Kopfplatte.
Erst im Laufe der nächsten drei Monate mausern sie allmählich ins Kleid
der Altvögel.
Im Juni gibt es eine zweite Brut. Wenn einmal durch Sturm oder anderes
Unglück eine Brut zerstört wird, bringt das Weibchen in 11 Tagen ein
Nachgelege. Im Herbst suchen Alte und Junge gern die Ebereschenbäume
auf und schälen sich aus den Beeren die Körnchen heraus; das Fruchtfleisch
werfen sie fort.
Im Norden und Nordosten Europas lebt eine etwas hellere und größere
Rasse, der Große Gimpel, von denen einige bei uns überwintern. Im Westen
des Kontinents kommt eine kleinere und trüber gefärbte Rasse vor, der
Kleine Gimpel. Die Deutschen Gimpel (Pyrrhula pyrrhula germanica) halten
die Mitte zwischen den beiden Extremen.
Als Stubenvögel sind die Gimpel ihrer Schönheit, aber auch ihrer Ruhe
und Behäbigkeit wegen sehr beliebt. Wenn sie, nestjung aufgezogen, an
den Menschen gewöhnt sind, behalten sie ihre Zutraulichkeit zum Pfleger
und beschäftigen sich gern mit ihm. Bei der Aufzucht merkt man, daß
ihnen die zarten Locktöne nicht angeboren sind; auch nicht ihr rauher,
unter Schwanzzucken hervorgestoßener Gesang. Sie nehmen Töne auf, die
sie in ihrer Umgebung hören, und lassen sich leicht zum Liedernachpfeifen
abrichten.
Quelle: Der neue Sammelband der Berliner Morgenpost, mit freundlicher
Genehmigung der Berliner Morgenpost.
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