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Der Habicht (Accipiter gentilis) gehört zur Familie der falkenartigen
Raubvögel (Falconidae) und zur Ordnung der Raubvögel (Accipitres).
Wie bei vielen Raubvögeln ist das Weibchen größer als das Männchen;
es wiegt etwa 1100 g, das Männchen nur 800 g. Beide Geschlechter ähneln
sich im Kleid sehr; beim Weibchen ist der helle Überaugenstreif und
der schwarze Augenstrich etwas verwaschener.
Im Volksmund wird leider jeder Raubvogel als Habicht oder Stößer bezeichnet,
obgleich es bei der Scheuheit und Heimlichkeit des Habichts gar nicht
so leicht ist, ihn zu Gesicht zu bekommen. Er ist Kulturfolger: er sucht
nicht abgeschiedene große Waldeinsamkeiten, sondern lebt an Waldrändern
in der Nachbarschaft von Feldern und Obstplantagen.
Im Berliner Stadtbezirk war er noch bis 1937 Brutvogel, aber durch die
starke Verfolgung seitens des Menschen wird er immer seltener. Am Rande
unserer Stadtforsten liegen noch eine Reihe Habichtreviere, die ungefähr
5 km im Durchmesser umfassen. Jedes Paar hat ein scharf abgegrenztes
Revier. Nachbarn gehen sich aus dem Wege; ja die Habichte legen sogar
gegenüber benachbarten Sperberpaaren (siehe unten) solche Grenzen fest
und respektieren oft noch eine neutrale Zone dazwischen. Das Nest steht
immer auf Bäumen - hier bei uns auf alten Kiefern oder Eichen - gut
in der Krone versteckt, aber auch in Kiefernstangenholz oder im Mischwald.
Es ist ein Horst aus dicken Reisern und Knüppeln, die in den Füßen (Fängen)
und im Schnabel gebracht werden. Auch noch während der Brutzeit werden
täglich grüne Zweige von Laub- und Nadelbäumen eingetragen.
Während
der Balzzeit im März und April hat man am besten Gelegenheit, Habichte
fliegen zu sehen, da das Männchen dann öfters größere Bogen- oder steile
Aufwärtsflüge unternimmt. Im April bis Mai legt das Weibchen, meist
im Abstand von zwei Tagen, gewöhnlich 3 bis 4 Eier, die weiß sind, mit
einem Stich ins Grünliche. Sie wiegen etwa 60 g, wie große Hühnereier.
Das Weibchen brütet die meiste Zeit des Tages, das Männchen fängt und
bringt ihr Beute. Sie verläßt dann die Eier, nimmt die Nahrung auf einem
Nachbarbaum in Empfang und rupft und „kröpft" sie dort, während
das Männchen sich für kürzere Zeit auf die Eier setzt.
Nach 35 bis 38 Tagen schlüpfen die Jungen, die nach Raubvogelart schon
sehen können, aber Nesthocker sind. Sie haben ein dichtes weißes Daunenkleid,
zwischen dem bei schnellem Wachstum graue Daunen sprossen. In den ersten
10 Tagen teilen sich die Eltern in die Arbeit: Das Männchen bringt die
Nahrung, das Weibchen zerpflückt und hält sie den Kleinen vor. Wird
das Weibchen abgeschossen, so sind die Jungen dem Tode geweiht, denn
dem Männchen ist es nicht gegeben, sich in dieser Zeit auf das Füttern
der Jungen umzustellen. Erst später, vom 11. Tage an, fliegen beide
auf Beute aus und verfüttern sie unmittelbar an die Jungen. Mit etwa
40 Tagen ist ihr Jugendkleid fertig. Sie sehen ganz anders aus als die
Eltern; es fehlt die schwarzweiße feine Bänderung des Bauches, dafür
haben sie eine dunkle Tropfenfleckung auf hell-braunem Grund. Erst im
nächsten Jahr legen sie das gebänderte Kleid an.
Im Winter streifen die Habichte 75 km im Umkreis ihres Brutgebietes
beutesuchend umher. Sie greifen einerseits mittelgroße Vögel, Eichelhäher,
Krähen, Ringeltauben, Rebhühner, Fasanen, Enten, Turmfalken, Bussarde,
Sperber, Drosseln, Stare, aber auch Eichhörnchen, Hasen, Kaninchen,
Igel, Wiesel, Jungfüchse, wildernde Katzen und Ratten.
Der kleinere Vetter des Habichts ist der Sperber (Accipiter nisus),
dessen Stärke genau wie beim Habicht in seiner großen Gewandtheit beim
Überraschen der Beute liegt. Auch er vermag auf kurze Entfernung blitzschnell
zuzustoßen, zu wenden oder zu bremsen. Das Sperberweibchen ist in der
Färbung sozusagen eine verkleinerte Ausgabe des Habichts und wiegt 250
g; das Männchen ist an den Flanken rostfarbig und wiegt 160 g. Im Winter
kommt der Sperber oft in die Städte herein und greift in Gärten und
Parkanlagen Sperlinge, Grünlinge und andre Kleinvögel; er verschmäht
auch Mäuse nicht.
Quelle: Der neue Sammelband der Berliner Morgenpost, mit freundlicher
Genehmigung der Berliner Morgenpost.
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