Die Haubenlerche (Galerida cristala) gehört zur Familie der Lerchenartigen
(Alaudidae), zur Unterordnung der Singvögel und zur Ordnung der Sperlingsvögel.
Dieser überspatzengroße, 45 g schwere Vogel mit der auffälligen spitzen
Haube ist uns wohlbekannt; er kommt im Winter mitten in die Großstädte.
Das Paar hält auch über die kalte Jahreszeit zusammen; und zu zweien
trippeln die Haubenlerchen auf Sandwegen und Plätzen umher, dicht
neben dem stärksten Straßenverkehr. Bis März und April treffe ich
sie immer auf dem Wittenbergplatz und auf dem von Gebäudetrümmern
befreiten Dreiecksplatz des früheren „Romanischen Cafes" an der Gedächtniskirche
und höre ihr hübsches „Düdidrie", mit dem sie sich gegenseitig ihr
Dasein anzeigen.
Die Haubenlerche ist heutzutage über ganz Deutschland verbreitet;
sie wanderte erst vor 300 - 400 Jahren von Osten und Süden her ein;
sie folgte den neuen Landstraßen und später den Eisenbahnen. Eigentlich
ist sie ein Wüsten- und Ödlandvogel; dicht bewachsene Wiesen und Äcker
meidet sie, breite Landstraßen und Schienendämme sind ihr gerade recht.
Auf ihnen drang sie seit 1550 immer weiter nach West- und Norddeutschland
vor; 1850 bis 1900 wanderte sie in Dänemark ein.
Stets treibt es das Haubenlerchenpaar in die Nähe der Ortschaften
und der Menschen. Sportplätze, Rennbahnen, Schuttabladeplätze neben
Laubensiedlungen, wüste Gelände am Rande von Städten sucht es sich
zum Brüten aus.
Das
Weibchen baut ein verstecktes, unauffälliges, in den Boden gedrücktes
oder hinter einem Grasbüschel verborgenes Nest aus Halmen, Wurzeln
und Blattresten. Es ist ein lockerer Bau; die Nestmulde wird mit feinen
Hähnchen ausgelegt. Das Männchen hilft nicht mit; es begleitet das
Weibchen aber auf Sammelausflügen und balzt es dabei am Boden an.
Den Schwanz über seinen Rücken gestelzt, die Haube gesträubt, mit
hängenden Flügeln, trippelt es um sie herum und singt laut. In der
Nähe des Nestes verhält sich das Paar still.
Das erste Gelege ist Ende April/Anfang Mai fertig. Es besteht aus
3 - 5 weißen bauchigen Eiern mit grober, wolkenartiger Fleckung. Das
Brutgeschäft besorgt das Weibchen allein; das Männchen wacht leise
singend in der Nähe oder erhebt sich manchmal mit eigentümlich flattrigem
Fluge in die Luft und singt laut sein weiches, flötendes, feldlerchenähnliches
Liedchen. In Brutpausen begleitet es das Weibchen bei der Futtersuche
am Boden.
Nach 13 Tagen schlüpfen die blinden, langbedaunten Jungen aus; sie
sind nicht sehr frostempfindlich und werden trotz der Kühle schon
Anfang Mai oft unbedeckt gelassen. Das Männchen bringt das Futter
herbei, das Weibchen übernimmt und stopft es in die hellgelben Sperrachen
der Jungen, die mit leisem „Zizizi" betteln.
Nur 9 Tage bleiben sie im Nest; sie verlassen es noch völlig flugunfähig
und verstreuen sich in der Umgebung. Sie rufen die Alten mit ,,die-die"-Tönen,
die erst später in den flötenden Lockton der Alten übergehen. Zunächst
laufen sie noch nicht wie die Erwachsenen, sondern hüpfen ruckweise
mit beiden Füßen zugleich. Das deutet wohl darauf hin, daß die Lerchen
von hüpfenden Baumvögeln abstammen und daß ihr Trippeln erst später
als Anpassung an das Bodenleben entstanden ist. Mit 18 Tagen sind
die Jungen flugfähig und selbständig. Bis Anfang Juni gibt es eine
zweite Brut.
Als Futter lesen die Haubenlerchen bei ihrem Umhertrippeln Insekten
und allerlei Wildsämereien und Grassamen auf; sie nehmen auch zarte
Grasspitzen und junge Pflanzenteile.
Wie alle Lerchen baden Haubenlerchen nie im Wasser, sondern nehmen
Sandbäder; schon mit 14 Tagen versuchen es die Jungen. Als Stubenvögel
bleiben sie, jung aufgezogen, nur bei großem Geschick des Pflegers
nett und zahm. Man muß darauf achten, daß sie, sobald sie selbständig
werden - mit etwa 3 Wochen -, Futter nur aus der Hand des Pflegers
bekommen. Auch darf man in ihrer Umgebung nichts verändern, da sie
vor allem Unbekannten scheuen und dann im Käfig toben und wild flattern.
Quelle: Der neue Sammelband der Berliner Morgenpost, mit freundlicher
Genehmigung der Berliner Morgenpost.