|
Der Höckerschwan (Cygnus olor) gehört mit der Gattung Cygnus zu der
Familie der Entenvögel (Anatidae) und zur Ordnung der Gänseartigen.
Er kommt als Wildvogel auf der Norddeutschen Seenplatte vor; halbzahm,
verwildert oder als Parkvogel findet man ihn überall in Deutschland.
Zahme Schwäne sind durch einseitiges Amputieren der Handschwingen ihres
Flugvermögens beraubt. Ihre Nachkommen, die man oft vollflügelig läßt,
gewöhnen sich oft so gut an die Nähe des Menschen, daß sie den Winter
über freiwillig bei den amputierten Parkvögeln bleiben.
Früher hielten in und um Berlin die preußischen Könige zahme Schwäne
im großen; dieser Bestand wurde aber im ersten Weltkrieg und kurz danach
vernichtet. 1922 wurde auf Betreiben des Stadtrats Albrecht in Potsdam
ein neuer Bestand geschaffen, indem Dr. Oskar Heinroth Wildschwaneier
vom Spirdingsee holte und sie im Zoologischen Garten Berlin von Hausgänsen
ausbrüten ließ. Reste dieser Wiedereinbürgerung, Zukäufe aus dem Tierhandel
sowie Fänge auf dem Genfer See gaben den Grundstock für die zahmen und
halbzahmen Höckerschwäne unserer Parkteiche und der Havelseen.
Man erkennt den Höckerschwan an seinem schneeweißen Gefieder und dem
orangeroten Schnabel mit dem schwarzen Höcker am Oberschnabelgrunde,
der beim Weibchen kleiner ist als beim Männchen. Sonst zeigen die Geschlechter
keinen Unterschied. Ein Schwan wiegt etwa 9 bis 12 kg; fette Schwäne
können 20 kg erreichen.
Ein Höckerschwanpaar braucht zur Brutzeit eine große Wasserfläche für
sich allein; der Schwanenmann bekämpft und vertreibt Eindringlinge erbittert.
Erst wenn seine Kinder erwachsen sind, wird er verträglich. Zum Herbst
rotten sie sich in Scharen zusammen.
Höckerschwäne haben fast keine Stimme; zuweilen hört man ein Schnarchen
und Zischen, und zur Brutzeit einen leisen trompetenden Ton. Im Fluge
sind sie stumm, aber das sausende Geräusch ihrer Flügel, das wie ,,krau
krau krau" klingt, ist weithin hörbar. An Stelle der mangelnden Stimme
haben die Höckerschwäne eine Reihe von Verständigungsmöglichkeiten durch
Stellungen ihres Gefieders. Bei Wut und zur Drohung stellen sie die
Flügel auf, indem sie die Ellenbogen anheben. Zärtlichkeit wird durch
das Gegenteil ausgedrückt: das Gefieder wird ganz knapp angelegt. Im
Balzspiel tauchen die beiden Partner abwechselnd ihre Hälse, oft übereinanderreichend,
ins Wasser; im Nachspiel richten sie sich Brust gegen Brust auf. Diese
auffallenden Stellungen sind im Frühjahr oft zu beobachten.
Das Nest des Schwans steht an trockenen unzugänglichen Uferstellen oder
auf Inseln. Es besteht aus groben Rohrstengeln; darüber liegen feinere
Schilfhalme. Das Material legt das Männchen vor die Schwänin, die es
verbaut. Das Innere legt sie mit weißen, großflockigen Daunen aus, die
sie sich ausrupft. Sie legt im Mai meist 5 bis 7 graugrüne, weißkalkig
behauchte Eier, die sie in 35 1/2 Tagen ausbrütet, während der Schwanenmann
Wache hält.
Die Jungen haben ein graues, ungemein dichtes Daunenkleid und werden
von beiden Eltern geführt, die gründelnd Wasser- und Sumpfpflanzen heraufholen
und den Kindern auf dem Wasser vorstreuen, auch Gras und Knospen werden
vom Ufer abgezupft. Als Zukost werden Würmer, Mollusken, Kerbtiere,
Kaulquappen und ähnliches aufgenommen.
Das Jugendkleid ist grau; es wird über ein scheckig grauweißes Gefieder
schließlich ins Alterskleid gemausert. Es gibt aber unter den halbzahmen
Höckerschwänen eine Rasse (immutabilis = unveränderlich), deren Kinder
von Anbeginn weiß sind. Schwäne sind meist nach drei Jahren, selten
schon nach 2 Jahren fortpflanzungsfähig. Viele der halbzahmen Schwäne
finden sich im Herbst auf unseren Stadtgewässern oder den Havelseen
zusammen. Die Wildschwäne ziehen im Oktober bis Dezember entweder an
die Nord- und Ostseeküste oder südwärts in die Schweiz oder nach Frankreich.
Im Januar bis März kehren sie als gebietstreue Tiere in ihre Brutheimat
zurück.
Quelle: Der neue Sammelband der Berliner Morgenpost, mit freundlicher
Genehmigung der Berliner Morgenpost.
|