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Der Kernbeißer (Coccothraustes Coccothraustes) ist der größte in der
Familie der Finkenvögel. (Unterordnung der Singvögel, Ordnung der Sperlingsvögel.)
Er wiegt etwa 55 g.
Kernbeißer gibt es in Mittel- und Südeuropa bis nach Persien hinein.
Er ist einer der schönsten unserer heimischen Vögel - mit seinen zarten
Farbtönen von Braun und Grau, mit der abgesetzten schwarzen Maske um
den Schnabel bis an die Augen, mit der weinroten Unterseite, den weißen
Schulterflecken und den rüschenartig gebogenen Armschwingen: eine Zierde,
die in der Vogelwelt selten ist.
Seine Gestalt ist weniger elegant; er wirkt durch seinen kurzen Schwanz
sogar etwas plump; und besonders unförmig ist sein gewaltiger Schnabel,
der zur Brutzeit schön blitzeblau, im Winter hell hornfarben ist. Mit
diesem mächtigen Schnabel kann er harte Obststeine, wie Pflaumen- und
Kirschkerne, zerknacken (der griechische Name Coccothraustes heißt wörtlich
übersetzt Kernzerbrecher) und so den süßlichen Nußkern erlangen und
verspeisen. Aus dem Fruchtfleisch macht er sich nichts, er wirft es
fort.
Der Kernbeißer ist auch in unserer Stadt nicht selten; er bewohnt unsere
Parkanlagen, größere Obstgärten und Mischwälder, wo er in höheren Laubbäumen
sein Nest baut. Er geht dabei heimlich und verstohlen zu Werke, oft
macht uns nur das scharfe „Zicks zicks" oder „Zicksit" seines Lockrufes
auf das Paar aufmerksam.
Wenn wir Glück haben, können wir das verträgliche und zärtliche Pärchen
auf der Futtersuche am Boden, wo sie vorjährige Ahornsamen und ähnliches
aufpicken, beobachten. Das
Weibchen läßt sich zur Balzzeit mit hängenden und zitternden Flügeln
wie ein Jungvogel vom Männchen unter leisen zärtlichen „Bübübü"-Tönen
füttern. Der Gesang ist unbedeutend; nur ein knarrendes leises Schwatzen,
das wie „tik tik tör-hui-hui" klingt und gern vom Männchen, auf einer
Baumspitze sitzend, vorgetragen wird. Im Gegensatz zu dem verfilzten
Nest anderer Finkenvögel baut der Kernbeißer ein lockeres Reisignest,
in dem eine Mulde aus Halmen, Fasern und Moos liegt, die dann mit Haaren
und Pflanzenwolle ausgelegt ist.
Die Kernbeißer bauen so unauffällig und heimlich, daß man bis heute
noch nicht weiß, ob beide das Baumaterial heranbringen oder nur ein
Partner. Um Anfang Mai herum legt das Weibchen 5 bis 6 hellblaue, mit
grauen blassen Schalenflecken und schwarzen Punkten und Schnörkeln gezierte
Eier, die in der Hauptsache vom Weibchen bebrütet werden; nur über Mittag
übernimmt das Männchen die Brut. Nach 14 Tagen schlüpfen die Jungen,
die mit ihren langen weißen Daunen recht putzig aussehen. Sie haben
die buntesten Sperrachen unter unseren heimischen Vögeln ; sie sind
um die Zunge und den Gaumen herum blutrot, rings von einem himmelblauen
Kreis umgeben, die Zipfel der inneren Schnabelspitzen sind orangegelb
mit einem hellgelben Saum, die breiten Schnabelwülste links und rechts
des Schnabels leuchtend gelb.
In 14 Tagen haben die Jungen ihr Jugendkleid angelegt, das auf der Oberseite
etwas abgeblaßt die Farben der Alten hat; der Bauch ist hell-gelbgrau
mit großen braunen Tupfen, die beim jungen Männchen stärker und gröber
sind als bei seiner Schwester. Der Schnabel ist noch weich und hornfarben.
Mit 6 bis 7 Wochen mausern sie das Kleingefieder und kommen damit ins
Alterskleid. Wenn sie ausfliegen, folgt je eine Hälfte der Kinder je
einem Elternteil. Sie werden noch lange geführt; die Alten haben Zeit.
Es gibt immer nur eine Brut im Jahr.
Der Kernbeißer liebt vor allem die Kerne von Pflaumen und Kirschen,
er knackt aber auch Buchen- und Hainbuchenfrüchte, nimmt Taxusbeeren,
Samen von Ahorn, Esche, Traubenkirsche, Erlen, Hasel- und Walnüsse,
auch Erbsen; im Frühjahr zur Zeit der Jungenaufzucht Insekten, ihre
Larven und andere Kerbtiere, weiche Sämereien und Knospen.
Im Winter ist er bei uns Standvogel und besucht gern die Futterstellen.
Östlich und nördlich von uns ist er Zugvogel. Als Stubenvogel macht
er viel Freude. Er ist verträglich gegen andere Vögel und bleibt, jungaufgezogen,zärtlich
zu seinem Pfleger.
Quelle: Der neue Sammelband der Berliner Morgenpost, mit freundlicher
Genehmigung der Berliner Morgenpost.
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