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Der Kleiber (Sitta europaea) gehört zur Familie der Kleiber (Sittidae),
zur Unterordnung der Singvögel und zur Ordnung der Sperlingsvögel.
Wenn wir in der Nähe von Parkanlagen mit alten hohen Bäumen wohnen,
kommt der Kleiber selbst mitten in der Stadt zur Winterzeit an unser
Futterhäuschen. Meistens erscheint er paarweise, zuweilen als Anführer
einer ganzen Schar von Meisen, die sich wohl von ihm angezogen fühlen,
denn er hat einen ähnlichen Lockruf und Stimmfühlungston wie sie: „sit".
Oft leeren die Kleiber das Futterbrett in kurzer Zeit. Eilig packen
sie Sonnenblumenkerne oder Hanfkörner und fliegen mit ihnen zu den Rindenritzen
hoher Bäume, wo sie Vorratslager anlegen. Später können wir beobachten,
wie sie, kopfunter an der Rinde festgekrallt, die Körner mit dem Schnabel
aufmeißeln.
Das kurz gebaute stämmige Vögelchen mit dem blaugrauen Rücken, von dem
die kastanienbraunen Seiten und der ockergelbgraue Bauch so kontrastreich
abstechen, wird seines bunten Gefieders wegen oft für einen Eisvogel
oder, seines kräftigen Schnabels wegen, für einen Specht gehalten. Man
nennt den Kleiber zuweilen auch Spechtmeise. Er gehört aber zur gesonderten
Familie der Kleiber, die sich durch seitliches oder senkrechtes Klettern
an Baumstämmen auszeichnet. Der Schwanz wird dabei nicht als Stütze
gebraucht.
Unsere Berliner Kleiberrasse mit ihrem hellockergelbgrauen Bauch hält
im Aussehen die Mitte zwischen einer nördlich und östlich lebenden weißbäuchigen
und einer westlich lebenden kastanienbraunbäuchigen Rasse. Oft schon
Ende Februar läßt das Männchen singdrosselähnliche Flötentöne und Triller
hören. Findet sich eine ganze Gruppe Kleiber ein, erklingt andauernd
ein ärgerliches hastiges „Twät-twät-twät"; denn Kleiber sind unverträglich
und zänkisch untereinander.
Nur das Paar hält sich dicht zusammen in den nun folgenden Flitterwochen.
Findet das Männchen einen guten Bissen, dann füttert es unter zärtlichen
Sit-Tönen seine Frau. In
Höhlen alter Bäume trägt das Weibchen unermüdlich Rindenschuppen oder
trockene Laubstücke ein. Zu weite Höhleneingänge werden von beiden mit
Lehm oder toniger Erde unter Beimengung von Speichel verklebt (daher
der Name Kleiber) und so weit verengt, daß die Vögel gerade durchschlüpfen
können. Ist das Baumloch von Natur schon passend, so kann es der Kleiber
manchmal nicht unterlassen, seinem Klebetrieb nachzugehen, indem er
außen ein paar Lehmkügelchen anklebt, besonders wenn wir für ihn Nistkästen
mit 32 mm Eingangsdurchmesser anbringen.
Ende April bis Anfang Mai legt die Kleiberin 6-8 Eier, die milchweiß
und mit feinen rostroten Flecken getupft sind. Sie sind winzig, sie
wiegen nur 2 g. Das Weibchen bebrütet sie, während das Männchen vor
der Höhle wacht und ihm Futter zubringt. Nach etwa 17 Tagen schlüpfen
die blinden Nesthocker; sie sehen sehr häßlich aus mit ihrer nackten
faltigen rosafarbenen Haut. Nur ein langes graues Daunenbüschel tragen
sie auf dem Kopf, ein anderes auf dem Rücken.
Einen lebhaft-zitronengelben Sperrachen mit sehr hellgelber Schnabelwulst-Umrandung
sperren sie ihren Eltern entgegen, die beide eifrig allerlei Kerbtiere
wie Käfer, Raupen, Schmetterlinge, Spinnen, aber auch Sämereien, wie
Ahorn-, Linden-, Ulmen-, Tannen-, Fichten- und Kiefernsamen, Nüsse und
Vogelbeeren in ihren Schnäbeln herbeibringen. Die Kinder bleiben 24
Tage in der sicheren Höhle, was im Vergleich zu anderen Singvögeln eine
recht lange Nestlingszeit bedeutet. Bei den Kleibern gibt es nur eine
Brut im Jahr, und die Eltern widmen sich auch nach dem Ausfliegen noch
lange der Führung ihrer Kinder. Sie ziehen mit der Schar, die mit zunehmendem
Alter auch untereinander zänkisch wird, auf Nahrungssuche immer in der
Nähe des Brutplatzes umher. Das Verstecken von Nahrung in Rindenritzen
ist den Kindern angeboren und beginnt, sobald sie selbst ihre Nahrung
suchen.
Als Stubenvögel sind Kleiber für den Vogelliebhaber nicht sehr erfreulich,
weil sie fahrig und scheu werden wie Wildfänge und nicht zutraulich
zum Pfleger kommen wie z. B. die Meisen.
Quelle: Der neue Sammelband der Berliner Morgenpost, mit freundlicher
Genehmigung der Berliner Morgenpost.
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