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KOHLMEISE, BLAUMEISE, SUMPFMEISE

 

Diese drei Meisenarten (Parus major, Parus caeruleus, Parus palustris) gehören zur Fanlilie der Meisen (Paridae), zur Unterordnung der Singvögel und zur Ordnung der Sperlingsvögel. Sie sind ständige Gäste unserer winterlichen Futterbrettchen vor den Fenstern und auf den Baikonen. Die beiden ersten Arten kommen manchmal in großen Schwärmen, die Sumpfmeise erscheint stets paarweise. Sie halten sich vor allem an ölhaltige Sämereien, Hanf und Sonnenblumenkerne, die sie unter ihre Füße klemmen und mit dem Schnabel zerkleinern. Das ist eine Triebhandlung, zu der außer den Meisen nur sehr wenige Vögel fähig sind, z. B. die Rabenvögel und die Würger.
Die Kohlmeise, wahrscheinlich nach ihrer schwarzen Kopf- und Halszeichnung so genannt, ist die größte unserer Meisen; 18 g schwer, etwa wie ein Kanarienvogel. Die äußerst lebhafte Blaumeise und die Siimpfmeise mit der auffallend schwarzen Kopfplatte wiegen nur 11 g. Alle drei treffen wir in ganz Deutschland als häufige Brutvögel. Sie beleben Laub- und Mischwälder, Feldgehölze, Parkanlagen und Gärten.
Die Meisen sind Höhlenbrüter. Sie sind unsere ersten Frühlingskünder. Schon im Januar und Februar lassen die Blaumeisenmännchen an schönen Tagen ihr „Tgi tgi tgi" oder ein „Zi zi da" erschallen, dem sich im Frühjahr ein glöckchenhelles „Zizizirr", das sogenannte Klingeln, anschließt. Die etwas lautere Kohlmeise ruft ihr „Zi zi da", zuweilen auch auf der zweiten Silbe betonend, unermüdlich im Vorfrühling. Die Sumpfmeise hat einen klappernden Gesang „djep djep djep" und einen viersilbigen Frühlingsruf „ziät-ziät-ziät-zia".
Bei allen drei Arten sucht das Weibchen, vom Männchen begleitet, eine Bruthöhle aus: Astlöcher in alten Bäumen, Spechthöhlen, ebenso Mauerlöcher, zuweilen die Höhlung eiserner Zaunpfähle, Briefkästen oder auch künstliche Nistkästen, deren Einschlüpfloch für Kohlmeisen einen Durchmesser von 32 mm, bei den beiden anderen 27 mm haben muß. Sumpfmeisen brüten auch gern am Boden in ausgehöhlten Stubben. In den Höhlen bauen die Weibchen aus Moos, Halmen, Wurzelfasern ein Nest, das mit feinem Material wie Hälmchen, Federn und Haaren ausgepolstert wird.
Die Eier haben eine weiße Grundfarbe; bei den Kohlmeisen sind sie mit gröberen roten Flecken, bei den Sumpfmeisen mit kleineren und bei den Blaumeisen mit feinen roten Punkten versehen. Die Meisen legen im Vergleich zu anderen Kleinvögeln besonders viele Eier, die Kohlmeise 8—10, die Blaumeise sogar etwa 12 Eier bei jeder ihrer zwei Jahresbruten; die Sumpfmeise 7-9 bei nur einer Brut.
Das bedeutet eine ganz beträchtliche Zahl von Jungen, die zur Erhaltung der Art nötig ist, weil die alten Meisen im Winter hierbleiben und viele von ihnen den Wintergefahren zum Opfer fallen. Besonders wenn der Rauhreif alle Bindenritzen und die dort überwinternden Raupen, Puppen und Eier der Kerbtiere überdeckt, wenn hoher Schnee alle Sämereien verbirgt, droht den kleinen, sich leicht verkühlenden Geschöpfen der Tod.
Die Weibchen brüten etwa 15 Tage allein auf den Eiern, während die Männchen ihr Brutrevier eifrig gegen Artgenossen verteidigen. Die ausschlüpfenden Kleinen sind blind und nackt; nur auf dem Kopfe haben sie schüttere Daunenbüschel, die Sumpfmeise hat auch noch Nackendaunen. Ihre Sperrachen sind leuchtend gelb, so daß sie im Dämmerlicht der Höhlen noch deutlich sichtbar sind. Die Nestlinge der Meisen haben eine weitere Besonderheit: Am Körperende umgibt ein weißer Federkranz die Öffnung, die sie dem fütternden Elternteil ebenfalls von Zeit zu Zeit präsentieren. Ehe der in der Öffnung erscheinende, sauber umhäutete Kotballen zwischen die Kinderschar fallen kann, hat ihn der fütternde Vogel mit dem Schnabel erfaßt, um ihn fortzutragen; so bleibt die Meisenhöhle sauber.
Beide Eltern füttern die Kinder mit allerlei Insekten, die sie von Blättern und Binden ablesen. Mit etwa 18 Tagen fliegen die Kleinen aus und folgen den Eltern unter lautem „Di di da da" durch die Wipfel. Wenn sie selbständig sind, verlassen sie das Brutrevier und machen im Winter weite Wanderungen.

Quelle: Der neue Sammelband der Berliner Morgenpost, mit freundlicher Genehmigung der Berliner Morgenpost.


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