|
Die Lachmöwe (Lärus ridihundus) gehört zur Familie der Möwen (Laridae)
und bildet zusammen mit den Seeschwalben, Schnepfenvögeln und Trielen
die große Ordnung der Watvögel und Möwen ( Laro-Limicolae).
In den Wintermonaten sehen wir die Lachmöwen überall in Berlin auf den
Brückengeländern und Uferzäunen der Spree und der Kanäle wie aufgereiht
sitzen, von einander gerade so weit entfernt wie ihr Schnabel reicht:
weiße Vögel mit einem schwarzen Ohrfleck, mit rotem Schnabel und roten
kurzen Beinen, mit hellgraublauen spitzen Flügeln. Sie warten dort auf
Futter, das ihnen die Städter zuwerfen, fangen es im Fluge auf oder
zanken sich kreischend um einen ins Wasser gefallenen Bissen.
Während die großen Möwen an den Meeresgestaden zu Hause sind, ist unsere
Lachmöwe die Brutmöwe des Binnenlandes und der Ebene. Sie brütet im
Landinnern an großen Teichen und Seen mit schilfbestandenen und gut
bewachsenen Ufern, an toten Flußarmen, auf überschwemmten Wiesen, in
Mooren und Brüchen. Lachmöwen sind gesellige Tiere. Sie brüten nur in
größeren .Kolonien, wo dicht nebeneinander die Nester aus Stücken
von Binsen, Schilfstengeln, Riedgrashalmen und Wurzeln stehen, die beide
Partner zusammentragen.
Beide verteidigen eifrig ihr Nest und haben andauernd Streitereien mit
ihren Nachbarn; daher ist es in einer Lachmöwenkolonie niemals still.
Immerfort hört man die spitz-krähenden Töne „krrjäh, haha, querr kjweru",
die zuweilen wie rauhes Lachen klingen. Wenn wir uns den Nestern nähern,
fliegen alle Brutvögel mit lautem Gekreisch auf und kreisen über der
Kolonie.
Sowohl Männchen als auch Weibchen tragen zur Brutzeit ein anderes Kleid.
Ihr Kopf ist dann bis zum Nacken und. Unterhals schwarzbraun. Im Alter
von zwei Jahren sind sie brutreif; einige Weibchen auch schon am Ende
des ersten Jahres. Die Balz ist reizend anzusehen: Das
Weibchen läuft mit gesenktem Schnabel vor dem Männchen her, das ihm
mit gefächertem Schwanz und locker hängenden Flügeln folgt; ab und zu
schleudern sie die Köpfe hin und her, manchmal umtrippeln sich beide,
und manchmal übergibt das Männchen seiner Frau ein Fischchen.
Etwa Anfang Mai legen die Weibchen im Abstand von einem Tag drei Eier,
die von olivgrüner Grundfarbe sind, getupft mit größeren braunen Flecken.
Möweneier finden viele Feinschmecker. Sie werden in manchen Gegenden
systematisch gesammelt und kommen auf den Markt. Die beraubten Weibchen
legen sofort neue Eier; das ist ein sogenanntes Nachgelege, das meist
nur zwei Eier enthält. Diese werden dem Paar belassen, und es bebrütet
sie abwechselnd.
Nach etwa 23 Tagen schlüpfen die Jungen. Sie sind ganz mit Daunen bedeckt
und haben offene Augen. Mit ihrem rostbraunen Kleid, das einige schwarze
Flecken hat, heben sie sich kaum von ihrer Umgebung ab. Nach einigen
Tagen verlassen sie das Nest und warten, unter Blättern versteckt, auf
den Vater, der das Futter vor sie auf den Boden speit. Er weiß allerlei
Insekten, wie Heuschrecken, Käfer, Raupen, Libellen, Schnaken und Mücken,
Muscheln, Schnecken, Frösche und Mäuse zu erbeuten; auch Engerlinge
und Würmer liest er hinter dem Pflug auf. Die Kinder ,,sperren" nicht
nach Art der Singvögel, sondern betteln mit weit vorgestrecktem Hals.
Auch wenn sie sich anfreunden wollen, nehmen sie eine solche ,,Demuthaltung"
ein. Bei Störungen sausen die Kleinen in Deckung; oft geraten sie dabei
in Reviere fremder Paare und werden gebissen oder totgehackt; deshalb
soll man Möwenkolonien im Juni nicht besuchen. Mit 6 - 7 Wochen sind
die Kinder selbständig; man kann sie noch lange an ihrer dunklen Schwanzbinde
als Jungmöwen erkennen.
Beringungen haben ergeben, daß Lachmöwen sowohl ihrem Brutgebiet als
auch ihrem Überwinterungsort treu bleiben. Sie suchen immer wieder
die gleichen Städte auf. Manche fliegen Jahr für Jahr bis ins Mittelmeergebiet;
die Schweizer Lachmöwen ziehen an die spanische und die französische
Atlantikküste oder ins westliche Mittelmeer; die holländischen überwintern
in der Schweiz.
Quelle: Der neue Sammelband der Berliner Morgenpost, mit freundlicher
Genehmigung der Berliner Morgenpost.
|