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Die Gattung der Laubsänger (Phylloscopus) gehört zur Unterfamilie der
Grasmückenartigen, zur Familie der Fliegenschnäpper; damit zur Unterordnung
der Singvögel und zur Ordnung der Sperlingsvögel. Sie ist bei uns durch
drei Arten vertreten: Durch den Zilpzalp (Phylloscopus collybita), den
Fitis ( Phylloscopus trochilus) und durch den Waldlaubsänger (Phylloscopus
sibilatrix). Alle drei sind kleine, ungemein ähnliche Vögel; namentlich
Fitis und Zilpzalp gleichen sich sehr: alle sind oben olivbraungrau,
unten gelblich grün. Trotz ihrer Häufigkeit übersieht man sie, weil
sie sehr klein sind und versteckt leben.
Sie singen überall in Gärten, Parks und Laubwäldern, und besonders Zilpzalp
und Fitis lassen vom April bis in den Spätsommer unermüdlich ihre Stimme
erschallen. Die Laubsänger leben im Gebüsch und in mittelhohen Bäumen,
um dort ihre Nahrung, Insekten in allen Entwicklungsstadien, zu suchen.
Um so erstaunlicher ist es, daß sie auf dem Boden oder fast auf der
Erde brüten; sie legen ihre überwölbten, backofenförmigen Nester im
Grase oder Pflanzengewirr versteckt an. Nur der Zilpzalp geht zuweilen,
besonders hier in der Stadt, auch in kleinere Büsche, in Fichten- und
Lebensbäumchen sowie Eiben.
Der Zilpzalp, früher auch Weidenlaubsänger genannt, ist ein winziger
Vogel von etwa 8 g Gewicht.
Er kann nichts weiter als „zilp zaip zilp zaip" in endloser Reihe
singen; sein wissenschaftlicher Name collybita bedeutet Geldwechsler,
weil sein Zilp zaip ähnlich klingt, wie wenn man Hartgeld aufzählt.
Er
kommt besonders häufig in unseren Gärten und Parks vor. Er überwölbt
sein Nest nicht ganz vollständig, so daß man die Eier von oben noch
sehen kann. Außen ist das Nest sehr liederlich; es gleicht einem Haufen
trockenen Grases oder alten Laubes und ist dadurch unauffällig. Obgleich
der Zilpzalp schon im März aus der Winterherberge bei uns eintrifft,
hat er doch nur eine Brut im Jahr, wie seine Verwandten. Er nimmt sich
Zeit mit dem Nestbau, den das Weibchen allein besorgt. Das Männchen
begleitet es; mit dem Lockton „hüid" halten sie sich zusammen.
Das Nest aus Halmen, Moos, Bastfasern und Blättern wird mit vielen Federn
ausgepolstert. Meist im Mai legt das Weibchen 5 bis 6 Eier, die weißen
Untergrund haben und mit wenigen schwarzrötlichen Punkten betupft sind.
Auch die Brut besorgt das Weibchen allein, während das Männchen singt;
oft spricht es das Weibchen im Nest zärtlich mit „trip trip het"
an, dieses antwortet dann ,,zig zig zag". Nach 13 Tagen schlüpfen
die oben lang hellgelb bedaunten, sonst rosahäutigen Jungen aus; sie
haben leuchtend gelbe Sperrachen wie alle Laubsänger. Sie werden vom
Weibchen aufgefüttert, das Männchen singt. Unter Führung des Weibchens
bleiben alle bis Anfang September beisammen; dann löst sich der Familienverband
auf. Sie ziehen im September und Oktober ins Mittelmeergebiet bis an
den Nordrand des tropischen Afrika.
Der Fitis, etwas größer als der Zilpzalp, wiegt 11 g und ist in größeren
Gärten und Parkanlagen, an buschreichen Waldrändern und in Feldgehölzen
zu Hause. Den Namen hat er wohl von seinem etwas schwermütig klingenden
Lockton „huid" oder „fuid". Sein Lied ist eine hübsche, längere
Strophe, die ähnlich wie beim Buchfinken beginnt, dann aber wie schwermütig
abgleitet; etwa: „didi di die düe düe dea dea düe deida da". Auch beim
Fitis baut nur das Weibchen das überdachte, backofenförmige Nest und
brütet Ende Mai oder im Juni die 5 bis 7 weißen, mit etwas größeren
rostroten Flecken betupften Eier aus. Die Jungen haben graue Daunen
und gelbe Sperrachen; hier füttert auch das Männchen mit und trägt die
Kotballen fort. Der Fitis ist im Gegensatz zum Zilpzalp selten Kuckuckswirt;
er verläßt dann sein Gehege. Sein Überwinterungsgebiet liegt im tropischen
und südlichen Afrika.
Unser dritter Laubsänger, der Waldlaubsänger, braucht größere Wälder
als Brutgebiet; wir können ihn im Tegeler und im Spandauer Forst hören:
„sip sip sip sip sipsip sirrr" singt er abwechselnd mit melodischen
„djü"-Reihen. Seine Winterherberge liegt in Zentralafrika.
Quelle: Der neue Sammelband der Berliner Morgenpost, mit freundlicher
Genehmigung der Berliner Morgenpost.
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