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Der Mäusebussard (Buteo buteo) gehört zur Ordnung der Raubvögel (Accipitres).
Sein Flugbild kennt wohl jeder Städter, denn dieser Raubvogel pflegt
oft stundenlang in großen Kreisen am Himmel zu schweben - mit aufgebogenen
Schwingenspitzen an den breiten, nicht geknickten brettartigen Flügeln;
dabei hört man öfters ein miauendes „Wjieä". Meistens sagen dann die
Leute: „Dort fliegt ein Habicht"; aber ganz selten nur zieht ein Habicht
im Segelflug am Himmel; er lauert vielmehr in irgendeinem Busch oder
einer Waldecke auf Beute, und der Laie bemerkt ihn kaum.
Der Mäusebussard ist ein in ganz Deutschland verbreiteter Brutvogel.
Er sieht adlerartig aus und wiegt zwischen 700 und 900 g; das Weibchen
ist wie bei vielen Raubvögeln etwas größer und schwerer. Sein Kleid
kann sehr verschieden gefärbt sein; gewöhnlich ist es graubraun, auf
der Unterseite heller, mit dunklen Tropfenflecken in den ersten Jahren,
später mehr gebändert. In der gleichen Brut können aber auch Geschwister
sein, deren Kleingefieder hell, fast weiß ist, mit nur wenigen dunklen
Tupfen am Bauch; auch ganz dunkle Tiere sieht man zuweilen.
Der Mäusebussard liebt größere Laub- und Nadelwälder, auch Feldgehölze;
in unseren Berliner Stadtforsten am Stadtrand bevorzugt er die Kiefern.
Auch in Eichen, Birken, Erlen und Fichten, aber nie auf einzeln stehenden
Bäumen, baut er in 10 bis 20 m Höhe seinen Horst. Schon von Februar
an suchen die alten Mäusebussarde ihr früheres Brutrevier wieder auf.
Das Paar kreist stundenlang darüber, und das Männchen rudert in der
Balz weitausholend mit wuchtigen Flügelschlägen durch die Luft, wie
es sonst nicht seine Art zu fliegen ist; auch Sturzflüge wie im Übermut
kann man um diese Zeit oft sehen. Sie bauen beide einen großen Horst
von 60 bis 80 cm Durchmesser aus groben Ästen; obenauf werden feine
Reiser getan, und es entsteht eine Mulde aus Gräsern, Laub, Baumrinde,
Mulm, Moos und Tierhaaren. Beim Bau und überhaupt auf dem Horstrand
sind sie recht laut. Der Horst dient ihnen mehrere Jahre als Kinderwiege
und wird jedes Jahr mit trockenen oder frischen belaubten Zweigen ausgebessert.
Auch während der Brut und der Jungenaufzucht wird der Horstrand durch
Äste weiter verstärkt und höher gebaut, so daß die Absturzgefahr
für die Jungen geringer wird.
Alle 4 Tage legt das Weibchen ein Ei, gut hühnereigroß und 62 g schwer;
meist 2, zuweilen auch 3 Eier, die kalkig weißen Untergrund und
gelbe bis dunkelbraune, nicht sehr dicht stehende Tupfen zeigen. Die
Eltern lösen sich beim Brüten ganz still regelmäßig ab; in der Freizeit
sucht jeder seine Nahrung.
Nach 28 bis 31 Tagen schlüpfen die niedlich weiß bedaunten, blinden
Jungen; die später dunklen Geschwister haben jetzt schon einen dunklen
Anflug auf den Rückendaunen. Mit 8 Tagen können sie schon sehen und
sitzen, mit 12 Tagen sproßt ihnen ein wolliges zweites Daunenkleid mit
auffallend weißem Nackenfleck, sonst etwas grauer als das erste. Zunächst
bleibt stets ein Elternteil am Nest; das Männchen bringt Beute, das
Weibchen zerteilt und verfüttert sie. Später jagen beide im Umkreis
von 3 bis 4 km. Mit 6 bis 7 Wochen verlassen die Jungen den Horst. Sie
sitzen als Ästlinge einige Tage umher und werden noch monatelang von
den Alten gefüttert und geführt. Dann streichen sie aus dem Brutrevier
ab.
Der Mäusebussard ist ein Massenvertilger von Feldmäusen, Ratten, Hamstern,
Maulwürfen, Spitzmäusen, Eidechsen, Fröschen und größeren Insekten,
wie Käfern, Engerlingen, Heuschrecken und Spannerraupen; gelegentlich
nimmt er auch Kaninchen, Junghasen oder kranke Vögel. Meist sitzt er
auf einem Pfahl oder auf einer ähnlichen Warte und greift die Feldmäuse
mit den Fängen. Feste, unverdauliche Teile wie Haare, Knochen oder Chitinpanzer
der Insekten, werden als Gewölle durch den Schnabel ausgeworfen. Auch
die Jungen bilden schon Gewölle und speien sie auf den Horstrand. Ihren
Kot spritzen sie in hohem Bogen über den Horstrand hinweg.
Mäusebussarde sind Zug-, Strich- und Standvögel. Alte Männchen versuchen,
in der Nähe des Brutreviers zu überwintern.
Quelle: Der neue Sammelband der Berliner Morgenpost, mit freundlicher
Genehmigung der Berliner Morgenpost.
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