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DIE NACHTIGALL

 

Die Nachtigall (Luscinia megarhynchos) ordnet man in die Unterfamilie der Drosseln und die Familie der Fliegenschnäpper ein. Sie gehört damit zur Unterordnung der Singvögel und zur Ordnung der Sperlingsvögel.

Die Nachtigall ist in Deutschland stellen-weise'ein häufiger Vogel. In einem schmalen Küstenstreifen an der Ostsee entlang und in Ostpreußen wird sie von dem sehr ähnlichen Sprosser vertreten, dessen Verbreitungsgebiet sich weiter nördlich über Dänemark, Süd- und Mittelschweden, Südfinnland und, östlich der Weichsel, über das westliche Rußland bis ans Schwarze Meer, nach Mazedonien und Griechenland erstreckt.

Berlin fällt also in das Verbreitungsgebiet der echten Nachtigall. Früher waren die Nachtigallen hier bei uns noch häufiger. Sie brauchen viel Unterholz, dichtes Gebüsch und ein Gerank von Brombeeren, Brennesseln und ähnlichem; denn sie sind Erdbrüter, denen es in unseren sauber geharkten und nicht verkrau-teten Anlagen und Parks an versteckten Nistmöglichkeiten mangelt. Wo Hunde frei durch Anlagen laufen und nachts Katzen streunen, flüchtet die Nachtigall. Sie ist leider kein anpassungsfähiger Vogel wie der Hausrotschwanz oder die Amsel, die auch in der Wildnis gern tief unten brütet, hier in der Stadt aber den Gefahren in die Höhe ausweicht. Die Nachtigall tut das nicht; sie kommt deshalb nur in alten Parks, in dichten Ufergebüschen oder Laubwäldern vor.

Dazu kommt, daß ihre Kinder, wie bei vielen Erdbrütern, das Nest noch flugunfähig schon mit 11 Tagen verlassen; sie hocken dann im Dickicht umher, rufen schnarrend die Elternvögel und müssen noch lange gefüttert werden. Hier in den kleinen gesäuberten Parkanlagen der Stadt wären sie tausend Gefahren ausgesetzt und würden kaum groß werden. In den ersten Jahren nach dem Kriege, als der hintere Teil des Zoologischen Gartens noch verwildert liegenblieb, hatten wir zunächst drei brütende Nachtigallenpärchen, später noch zwei, dann nur noch eins; und seit 1950 - da der Park wieder „zu ordentlich" gehalten ist — gibt es dort keine mehr. Inzwischen ist aber das Gebüsch des großen Tiergartens wieder dicht geworden; und auch im alten Tegeler Park, an den Havelseen, im Spandauer Forst und in Gärten mit dichten Hecken können wir die Nachtigallen schlagen hören.

Die Nachtigall gilt als unsere beste Sängerin. Auch bei ihr, wie bei'allen Singvögeln, wird das Lied nur vom Männchen gesungen. Es besteht aus einer großen Anzahl verschiedener Strophen; bezeichnend für das Nachtigallenlied ist eine Reihe langgezogener „Du du du du", die immer schneller und kräftiger werden, das sogenannte Schluchzen der Nachtigall, das dem sonst sehr ähnlichen Lied des Sprossers fehlt. Auch Reihen von tiefen „Tschuck tschirck tschuck" machen uns auf sie aufmerksam. Der Gesang wird oft in der Dämmerung und nachts, aber auch tagsüber, vorgetragen; er ist nicht angeboren und muß von den jungen Männchen durch das Vorbild der alten gelernt werden. Die Locktöne „wihd karr" und „teck" sind Männchen wie Weibchen angeboren.

Die Nachtigall ist bei uns Sommervogel. Im April kommt sie aus der Winterherberge vom Südrand der Sahara zurück und baut ein lockeres unauffälliges Nest aus altem Laub und Halmen unter Büschen im Dickicht. Im Mai/Juni brütet das Weibchen die 5 einfarbig olivgrünen, zuweilen braun gefleckten Eier in 13 Tagen aus. Die ausschlüpfenden Jungen haben einige lose lange Daunen auf dem Rücken, sonst sind sie rosig und kahl und zeigen einen gelben Sperrachen.

Beide Eltern füttern mit Kerbtieren und Insektenlarven, die sie zwischen altem Laub am Boden auflesen. Später nehmen sie auch Holunderbeeren und ähnliches. Die Kinder tragen beim Ausfliegen ein an Kopf und Brust getupftes Jugendkleid, das bei den nächsten Verwandten der Nachtigall, bei Sprosser, Rotkehlchen und dem Gartenrotschwanz ganz ähnlich ist. Sie legen in einer Kleingefiedermauser bis zum September das rötlichbraune, unten weißgraue Kleid der Alten an. Schon Ende August / Anfang September ziehen die Nachtigallen nach Afrika.


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