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UNSERE ROHRSÄNGER

 

Die Rohrsänger tragen ihren wissenschaftlichen Namen Acrocephalus = Spitzkopf mit Recht: Der feine spitze Schnabel geht allmählich und unmerklich in den Kopf über, ohne abgesetzte Stirn. Sie gehören der Unterfamilie der Grasmückenartigen (Sylviinae) und der umfassenden Familie der Fliegenschnäpper (Unterordnung der Singvögel, Ordnung der Sperlingsvögel) an.
Bei uns gibt es fünf Rohrsängerarten, von denen drei schlicht einfarbig wirken: Die 11 bis 14 g wiegenden Teichrohrsänger (Acrocephalus scirpaceus) und Sumpfrohrsänger (Acr.palustris) und die viel größeren um 40 g wiegenden Drosselrohrsänger ( Acr. arundinaceus); und zwei an Kopf und Körper geneckte Arten, die Seggenrohrsänger (Acr.paludicola) und die Schilfrohrsänger (Acr.schoenobaenus). Alle fünf kommen in und um Berlin vor; sogar den seltenen Seggenrohrsänger trifft man in den Luchgegenden unserer Mark. Der häufigste ist hier wohl der Schilfrohrsänger. Alle fünfzig Schritt kann man an unseren verschilften Seen oder auch in Weiden-, Distel- und Heckengebüsch ein Pärchen sein Wesen treiben sehen. Im Frühjahr steigt das Männchen balzend ein paar Meter singend auf und läßt sich flatternd und singend schräg abgleiten. Sein Liedchen ist knarrend und flötend, mit eingestreuten Trillern und tönenden „Woid-woid"-Rufen. Dicht am Boden und gut im Gerank versteckt, bauen beide Partner das Nest, einen dicken Bau aus Moos und Stengeln; darauf eine Mulde aus alten Rohrblüten, Halmen und Stengeln. Das Weibchen polstert sie aus.
Mitte Mai bis Juni, oft auch im Juli in zweiter Brut, werden 4 bis 6 Eier von beiden Eltern in 12 bis 13 Tagen ausgebrütet. Die Jungen sind zunächst kahl und haben gelbe Sperrachen mit zwei lackschwarzen Zungenpunkten wie alle Rohrsängerkinder. Schon nach 10 Tagen huschen die Kleinen, noch flugunfähig und mit winzigem Schwänzchen, in dem dichten Bodenbewuchs umher. Wie alle Rohrsängerarten sind sie ausgesprochene Zugvögel, die im September nach Südafrika ziehen und im April wieder an die Brutplätze kommen.
In größeren Schilfrohrgürteln hören wir stets den Drosselrohrsänger lärmen. Sein „Karre karre kiet kiet kiet", diese schrillen und schnarrenden Töne, haben ihm bei den Berlinern den Namen „Karl kiek" eingetragen. Auch die Redensart „er schimpft wie ein Rohrspatz" ist ursprünglich auf ihn geprägt, obgleich dieses Getön sein Gesang und kein Geschimpfe ist, und er selbst mit dem Spatzen nicht näher verwandt ist.
Der Drosselrohrsänger baut ein echtes Rohrsängernest, so daß mehrere Rohrhalme fest in die Nestwand eingeflochten und mit Speichel verklebt sind. Der sehr tiefe Nestnapf schwebt zwischen den Rohrstengeln über dem Wasserspiegel. Bei dieser Art baut das Weibchen das Nest allein. Es verwendet Halme und Stengel von Wasser- und Sumpfpflanzen, die es beim Verbauen ins Wasser taucht. Das Männchen begleitet es singend.
Die 4 bis 6 Eier werden von beiden Eltern in 14 bis 15 Tagen ausgebrütet, wobei das Männchen zuweilen dem brütenden Weibchen Futter bringt. Auch hier klettern die Jungen schon mit 12 Tagen aus dem Nest und sitzen in der Nähe, an die Rohrhalme angeklammert, umher. Mit 23 Tagen lesen sie selbst allerlei Insekten im Rohrwald auf. Im Herbst nehmen sie als Zukost Holunderbeeren. Schon im August und September zieht der Drosselrohrsänger nach Südafrika und kehrt im April bis Mai zurück.
Der Teichrohrsänger ist hier ebenfalls häufig. Er ist die „verkleinerte Ausgabe" des Drosselrohrsängers. Ihm genügen einige dünne Rohrhalme, an denen er sein Nest befestigen kann; es ist dem des großen Vetters ganz ähnlich, nur viel kleiner. Der Gesang des Teichrohrsängers klingt leise und anspruchslos etwa wie „Tiri tiri tiri tier tier zäck zäck zerr zerr tiri tiri scherk scherk". In Teichrohrsängernester legt das Kuckuckweibchen oft sein Ei.
Der letzte unserer Rohrsänger, der Sumpfrohrsänger, ist der Sängerfürst unter ihnen. Sein hübsches fortlaufender Lied erkennt man an eingestreuten wirbelnden Lauten; auch baut er viele andere Vogelstimmen in sein Lied ein.

Quelle: Der neue Sammelband der Berliner Morgenpost, mit freundlicher Genehmigung der Berliner Morgenpost.


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