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DAS ROTKEHLCHEN

 

Das Rotkehlchen (Erithacus rubecula) gehört zur Familie der Fliegenschnäpperartigen (Muscicapidae), zur Unterordnung der Singvögel und zur Ordnung der Sperlingsvögel.
Es wird oft mit dem Buchfinken verwechselt, der auch eine rote Brust hat, wenn auch keine so orangerote wie das Rotkehlchen. Das Rotkehlchen hat aber einen viel feineren Schnabel; es ist ja kein Finkenvogel und kein Körnerfresser! Auffallend sind seine großen Augen, die auf uns einen kindlichen, schwermütigen Eindruck machen. Sie ermöglichen ihm, im Halbdunkel des Dickichts und in der Dämmerung noch gut zu sehen. Der Vogel wirkt eigentümlich hochbeinig und wippt den Schwanz in die Höhe. Rotkehlchen sind dem Namen nach sehr volkstümlich, selten aber werden sie wirklich erkannt.
Sie wiegen etwa 16 g. Männchen und Weibchen sind schwer zu unterscheiden. Sie leben den Sommer über recht versteckt im dichten Gebüsch. Nur wenn sie singen, sitzen sie freier und höher. Der liebliche flötende Gesang zählt zu den besten unserer gefiederten Sänger. Er klingt zart und getragen, beginnt mit einigen gepreßten Tönen und geht dann in perlende Tonreihen und Triller über. Der Lockton, mit dem die Rotkehlchen in Gebüsch und Gärten sich sofort verraten, ist ein Tripsen und Schnickern: „schnickerik".
Wie die ihm nahestehende Nachtigall liebt das Rotkehlchen buschreiche Gärten mit altem Fallaub oder Parkanlagen mit Dickichten, die nicht jedes Frühjahr durchgeharkt werden. Feldgehölze mit Gerank, Laub- und Mischwälder. Zur Balz singen beide Partner leise und fortlaufend, suchen dann ein Revier und einen Nistort, wobei Artgenossen in der Umgebung wütend bekämpft und verfolgt werden.
Das Weibchen baut ein sorgfältig verstecktes Nest, indem es in einer Halbhöhle an einer Böschung, an Grabenrändern, unter Baumwurzeln oder in alten Baumstubben, auch im Gerank an Lauben, trockene Blätter als Unterbau einträgt und die Mulde mit Wurzeln, Hälmchen, Fasern, Pflanzenwolle, Haaren und manchmal auch Federn auspolstert. Vor dem Eingang liegt oft ein freier Hof, aber gut unter Ranken versteckt.
Im April / Mai und im Juni / Juli gibt es je eine Brut. Das Weibchen legt meist 5 bis 6 Eier, die einen rahmgelben oder grünlichgelben Grundton haben und mit rotbräunlichen oder lehmgelben Flecken und blassen violetten Schalenflecken versehen sind. Das Weibchen übernimmt das Brüten allein; in 14 bis 15 Tagen schlüpfen die Jungen. Die blinden Nesthocker haben auf Kopf und Vorderrücken ein paar lange graubraune Daunenbüschel und sperren mit einem dunkel-zitronengelben Sperrachen.
Beide Eltern füttern die Nestlinge in 12 bis 15 Tagen hauptsächlich mit Insekten auf. Noch flugunfähig, verlassen die Kinder das Nest, sitzen im Dickicht umher und zeigen den weiterfütternden Eltern ihren Standort mit „zit" an. Nach einigen Tagen können sie fliegen. Ihr Jugendkleid ist dunkel gefleckt und sehr ähnlich dem der nächstverwandten Nachtigallen und der Rotschwänze; nur um Kopf und Brust herum etwas gelblicher. Bis zum September vertauschen sie das Jugendkleid durch eine Mauser des Kleingefieders gegen das Alterskleid. Dann werden sie von den Eltern aus dem Revier vertrieben.
Die Rotkehlchen ernähren sich von vielerlei Bodeninsekten und deren Larven, von Spinnen, kleinen Würmern, Nacktschnecken und ähnlichem kleinen Getier. Gegen den Spätsommer und Herbst dienen ihnen viele Wildbeeren z.B. Heidel-, Johannis-, Brom-, Holunder-, Faulbaumbeeren und Traubenkirschen zur Nahrung. Rotkehlchen sind Stand- und Zugvögel. Viele, besonders die alten Männchen, bleiben hier und kommen an kalten Schneetagen bis in die Häuser auf Nahrungssuche; die anderen ziehen einzeln des Nachts nach Frankreich, Italien oder Nordafrika und kehren im März zurück.
Als Käfigvögel sind Rotkehlchen sehr beliebt. .Sie sind zutrauliche und kluge Pfleglinge, die ihren Käfig und den Menschen als ihren Futterspender schnell kennenlernen. Allerdings sind sie gegen ihresgleichen im selben Käfig äußerst unverträglich.

Quelle: Der neue Sammelband der Berliner Morgenpost, mit freundlicher Genehmigung der Berliner Morgenpost.


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