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RAUCH- UND MEHLSCHWALBE

 

Die Rauchschwalbe (Hirundo rustica) und die Mehlschwalbe (Delichon urbica) gehören zur Familie der Schwalben (Hirundinidae), zur Unterordnung der Singvögel und zur Ordnung der Sperlingsvögel. Man darf sie nicht mit den Mauerseglern verwechseln, die wir bereits bei ihrer Ankunft Ende April begrüßt haben. Sie ähneln sich zwar mit ihren langen schmalen Flügeln, ihren Schnäbeln, die sie weit öffnen können, und den winzigen schwachen Beinchen äußerlich sehr. Wir müssen diese Ähnlichkeiten als gleichlaufende Anpassungen an die gleiche Lebensweise ansehen. Stammesgeschichtlich aber stehen sich Schwalbe und Mauersegler recht fern.
Die Schwalben treffen wir in der Mehrzahl am Stadtrande oder dort in der Stadt an, wo es noch Pferde- oder Kuhställe gibt. Außerdem brauchen Schwalben offene lehmige Erde, aus der sie ihre Nester bauen. Nach dem Kriege brütete in den Rinderställen des Berliner Zoos mehrere Jahre hindurch ein Pärchen Rauchschwalben, das aber verschwand, als um 1951 die Wege wieder mit Sand, Kies und Schotter bestreut oder gepflastert wurden.
Beide Schwalbenarten bauen aus Lehm- und Erdklümpchen, die sie mit dem Schnabel aufnehmen und mit Speichel durchkneten, ihre eigentümlich gewölbten Nester. Sie backen auch Heu und Strohhalme zur Verfestigung mit hinein.
Die Rauchschwalbe, die man an den verlängerten äußersten Schwanzfedern, den Spießen, erkennen kann, klebt ihr oben offenes Nest in Gestalt einer Viertel- bis Halbkugel unter Torbögen, an Balken und Simse in offenstehenden Ställen und Scheunen so an, daß stets ein Dach darüber ist. Beide Partner tragen die Erde und zur Auspolsterung Heu, Haare und Federn herbei. Nach einer Brutdauer von 14 bis 18 Tagen (je nach der Witterung wird bei schlechtem Insektenflug und schwerem Nahrungserwerb weniger gebrütet), die allein vom Weibchen geleistet wird, schlüpfen die Jungen aus den 4 bis 5 klein-braunrot gefleckten Eiern aus.
Ihre Sperrachen sind gelb; längere dünne Daunenbüschel tragen die Jungen auf Kopf, Hals und Rücken. Nun füttert auch das Männchen mit, das bisher oft in der Nähe des Nestes sein Liedchen sang: ein plauderndes Zwitschern mit eingeschaltetem Schnurren, das der Volksmund mit „Will mein Hemdchen nähn, hab' keinen Zwirrrn" übersetzte. Von Eltern und Jungen hört man dauernd den Lockruf „witt" oder „wittewittewitt"; erschreckt rufen sie „bewist".
Ist die eine Brut in 3 Wochen ausgeflogen, bereiten die Eltern meist im gleichen Nest eine zweite Brut vor; oft gibt es bis zum Herbst noch eine dritte, ehe sie im Oktober / November nach Afrika ziehen. Dort erst legen die Jungen das Kleid mit den langen Spießen an.
Unsere häufigste Schwalbe, die Mehlschwalbe, hat wegen ihres rein weißen Bauches und Bürzels diesen Namen erhalten. Sie lebt nur an den Außenseiten von Gebäuden; unter Dachvorsprüngen und Simsen klebt sie - oft in Kolonien - ihr oben geschlossenes Nest an, das nur ein kleines Einschlupfloch von 4 cm hat.
Der Mensch ist nicht begeistert von der Schwalbenbrut, denn die Jungen spritzen ihren flüssigen Kot aus der Nestöffnung und beschmutzen damit Hauswände und Fenstersimse. Das Lied des Mehlschwalbenmännchens ist ein einfaches Zwitscherlied ohne Schnurren, auch die Locktöne sind anders als bei der Rauchschwalbe: „schär" oder „trr" und bei Erregung „sihr".
Die 4 bis 5 Eier sind fleckenlos weiß. Die Mehlschwalbe hat ebenfalls 2 bis 3 Bruten im Jahr. Die Jungen haben etwas für Singvögel ganz Ausgefallenes: mit den ersten Federn sproßt ihnen ein weißes Pelzdaunenkleid; wozu, weiß man nicht. Die Mehlschwalben gehen schon etwas eher, im September, auf die Reise. Sie verstreuen sich über ganz Afrika, kehren aber bereits vor der Rauchschwalbe, im April, zurück.
Die dritte bei uns heimische Schwalbe, die Uferschwalbe (Riparia riparia), kommt nur stellenweise dort vor, wo sie abschüssige Sand-, Lehm- oder Erdwände zum Graben ihrer Neströhren findet; man sieht sie an Uferböschungen, in Sandgruben oder an Erdabstürzen.

Quelle: Der neue Sammelband der Berliner Morgenpost, mit freundlicher Genehmigung der Berliner Morgenpost.


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