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Die Spechtvögel ( Pici) bilden eine besondere Vogelordnung. Zu ihr gehören
eine Reihe verschiedener Gattungen, die man in der Familie der Spechte
( Picidae) zusammenfaßt. Sie alle können mit Hilfe eines steifen Stützschwanzes,
der fischbeinartige federnde Kiele hat, senkrecht an Stämmen emporklettern.
Die Spechte sind Höhlenbrüter. Sie tragen keine Niststoffe ein, sondern
legen ihre weißen Eier auf den blanken Höhlengrund, wenn sich nicht zufällig
Mulm oder Späne dort befinden. Ausgangs des Winters und im Frühling vernehmen
wir oft das Trommeln der Spechte, wobei die Vögel unglaublich rasch mit
dem Schnabel gegen Baumstämme, Bleche und hohle Gegenstände schlagen;
damit trommeln sich die Geschlechter zusammen.
Die Spechtzunge ist erstaunlich lang vorstreckbar und durch ein leimiges
Drüsensekret klebrig, so daß sie aus Bohrgängen und Ritzen Insekten herausholen
kann. Die Jungen sperren nicht wie Sperlingsvögel, sondern packen auf
Berührung ihres Schnabelwulstes nach dem elterlichen Schnabel. Alle Spechtarten
haben nur eine Brutzeit von 12 bis 14 Tagen, und auch das Wachstum der
Jungen geht sehr schnell vonstatten. Trotzdem machen alle nur eine Jahresbrut.
Spechte sind recht unverträglich. Das Ehepaar mag sich gegenseitig nicht
leiden. Stets streicht der eine ab, wenn der andere sich nähert, und auch
die Nestjungen bekämpfen sich dauernd und streben beim Ausfliegen sofort
voneinander weg. In und um Berlin können wir fünf Vertreter der Spechte
antreffen.
Am häufigsten ist der Buntspecht (Dryobates major), der mit seinen 80
g Gewicht etwa drosselgroß ist. Die Geschlechter sind gleichgefärbt, bis
auf das rote Genickband, das nur das Männchen hat.
Der Buntspecht ist Bewohner von Misch-, Au- und Nadelwäldern, brütet aber
auch in alten Parkanlagen und größeren Gärten, selbst mitten in der Großstadt.
Schon im Februar finden sich die Paare unter viel Gejage und „Gigigigigig"-Rufen.
Beide Gatten zimmern die Höhle; das Männchen bestreitet allerdings den
Hauptanteil. Weichhölzer wie Weiden, Pappeln werden bevorzugt, aber auch
Buchen, Linden, Eichen und Kiefern sind dem Buntspecht erwünscht.
Das Gelege von meist 6 Eiern wird nachts vom Männchen, tagsüber vom Weibchen
bebrütet. Beide Eltern füttern die zunächst nackten Jungen und tragen
die Kotballen fort. Schon nach 3 Wochen verlassen sie, völlig flugfähig
und selbständig, Höhle und Brutrevier der Alten. Der Buntspecht ernährt
sich vor allem von Borken- und Holzkäfern, deren Larven und Puppen, aber
auch von anderen Insekten wie Gallwespenlarven oder Raupen. Im Winter
klemmt er Kiefern- und Fichtenzapfen in Ritzen und Löcher und hämmert
mit dem Schnabel die Samen frei (Spechtschmiede); er zerkleinert Eicheln,
Bucheckern, Hasel- und Walnüsse und nimmt auch wilde Beeren, Obst, Knospen
und junge Triebe.
Auch den Kleinspecht (Dryobates minor), der mit 18 bis 25 g unser kleinster
Specht und nur spatzengroß ist, können wir hier in unseren Parkanlagen,
auf Friedhöfen und in Gärten mit alten Bäumen sowie in den Wäldern unserer
Mark brütend finden. Sein Weibchen hat an Stelle der roten Kopfplatte
eine weißbräunliche. Seine scharfen turmfalkenähnlichen „Gick-gick"
-Reihen und sein schnelles Trommeln können wir von März bis Mai hören.
Der Grünspecht ( Picus viridis), mit 200 g etwa taubengroß, lebt in unseren
Stadtforsten und kommt zuweilen in die Parks und Gärten des Stadtrandes.
Er ist mehr Bodenvögel als die anderen Spechte, da er fast nur von Ameisen
und ihren Puppen lebt, die er mit seiner klebrigen Zunge aus den Bauen
herausholt. Seine ,,Glück-glück-glück ...'' -Rufe hallen weit.
Unser größter Specht, der Schwarzspecht (Dryocopus martius), kommt nicht
in die Stadt; in den Kiefern- und Mischwäldern der Mark können wir seinen
klagend klingenden Lockruf „Klahüt", sein wirbelndes „Rürrürrür"
und sein volltönendes „Kluckluckluck" vernehmen.
Ein Specht ohne Stützschwanz, der Wendehals, ist in unseren Parks und
auf Friedhöfen nicht selten. Sein Frühjahrsruf „Weidweidweid ..."
verrät ihn dem Vogelfreund weithin.
Quelle: Der neue Sammelband der Berliner Morgenpost, mit freundlicher
Genehmigung der Berliner Morgenpost.
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