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HAUSSPERLING UND FELDSPERLING

 

Die beiden Sperlinge (Passer domesticus und Passer montanus) gehören zur Familie der Finkenvögel; somit zur Unterordnung der Singvögel und zur Ordnung der Sperlingsvögel.
Der Haussperling, auch Spatz genannt, ist bei uns in Berlin der häufigste und darum populärste Vogel. Das Männchen erkennt man am schwarzen Brustlatz, der bis zum Schnabel reicht, und an der aschgrauen Kopfplatte, die kastanienbraun eingefaßt ist. Das Weibchen hat diese bezeichnenden Farben nicht; sie muß sich mit dem Sperlingsgraubraun begnügen.
Sein Vetter, der Feldsperling, ist nicht ganz so häufig. Wir können aber auch ihn regelmäßig in Parkanlagen und Gärten antreffen. Für ihn ist eine milchkakaofarbene Kopfplatte bezeichnend, die beide Geschlechter haben, so daß man Männchen und Weibchen kaum unterscheiden kann. Das schmucke Vögelchen hat noch zwei weiße Binden über den braunen Flügeln und weiße Ohrflecken mit einem schwarzen Tupfen in der Mitte. Beide Sperlingsarten sind Kulturfolger, d.h., sie breiten sich mit den menschlichen Siedlungen aus. In geschlossenen großen Wäldern wird man sie nicht finden, so sehr sind sie an den Ackerbau und das Leben des Menschen gebunden. Sie haben im Vergleich zu den anderen Finkenvögeln (z.B. Finken, Gimpeln Grünlingen) manche Besonderheiten:
Ihre schlüpfenden Jungen sind völlig nackt; die der ändern sind bedaunt. Sie sind Höhlenbrüter. Haben sie keine Höhlen zur Verfügung, bauen sie überwölbte Kugelnester mit seitlichem Eingang; das deutet auf verwandtschaftliche Beziehungen zu den afrikanischen Webervögeln hin. Sie neigen auch zum Siedlungsbrüten. Die Männchen sind verträglich untereinander und pochen nicht auf ein eigenes Revier wie die anderen Finkenvögelmännchen. Streitereien unter den Männchen kommen nicht vor. Auch sind die Sperlinge frost- und kälteempfindlicher als Finken oder Gimpel und können unsere Winter nur dadurch überstehen, daß sie triebmäßig ihre Nester dick mit Federn auspolstern und sie auch in der Nacht als Schlafnester benutzen, was sonst in der Vogelwelt ganz selten ist. Der Feldsperling schläft sogar paarweise darin; die Pärchen bleiben auch im Winter und wohl für ihr ganzes Leben beieinander. Ferner baden die Sperlinge gern in Staub oder Sand, aber auch im Wasser; auch diese Doppelvorliebe ist ganz ausgefallen.
Als Singvögel sind beide Sperlinge Stümper: Der Haussperling kann mit' seinem eintönigen lauten Schilpen im wilden Wein an der Hauswand oder in Efeuranken ziemlich auf die Nerven gehen. Der Feldsperling hat einen etwas weicheren Gesang, etwa wie „tet tet", ,,uik" und „lip".
Beide Sperlinge haben 2 bis 3 Brüten von Anfang April bis August, der Feldsperling hat oft nur 2 Brüten bis Ende Juli. Jedesmal werden 5 bis 6 Eier gelegt; beide Eltern bauen, und beide brüten abwechselnd 13 bis 14 Tage. Die Sperrachen der kleinen Haussperlinge sind blaßrosa, die der Feldsperlinge intensiv purpurrot, bei beiden mit gelben Schnabelwulsträndern umsäumt.
Die Balz der Haussperlinge besteht in einem Herumhüpfen des schwanzstelzenden Männchens um sein Weibchen. Die Spatzen sind so rege, daß sie schon im Altertum für über die Maßen unkeusch gehalten wurden, und man glaubte, daß der Spatzenmann dabei überhaupt nur ein Jahr leben könnte. Dieser Irrtum geht wohl auf die Beobachtung zurück, daß im Herbst die schwarzschnäbligen Männchen ihre Schnabelfarbe in Gelb wandeln; und man hielt die nun gelbschnäbeligen Männchen für Junge.
Oft sieht man eine ganze Horde schilpender und schimpfender Spatzenmännchen hinter einem Weibchen herjagen und sie beißen; nach kurzer Zeit fliegen alle auseinander. Den Sinn dieser Beißerei durchschauen wir noch nicht.
Als Stubenvogel ist der Spatz - besonders das Männchen -, jung und allein aufgezogen, ein reizender anhänglicher Geselle. Sperlinge sind ,,vogelfrei", kein Naturschutzgesetz schützt sie. Trotzdem halten sie sich in nächster Nähe des Menschen und setzen sich durch, was für ihre Klugheit spricht.

Quelle: Der neue Sammelband der Berliner Morgenpost, mit freundlicher Genehmigung der Berliner Morgenpost.


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