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Der Star (Sturnus vulgaris) gehört zur weitverbreiteten Familie der
Stare (Sturnidae), die als Besonderheit spitze Federn an Hals, Kopf
und Brust, lange spitze Flügel und einen recht kurzen Schwanz haben.
Sie zählen zur Unterordnung der Singvögel (Ordnung der Sperlingsvögel).
In Berlin hört man bei klarem Frostwetter regelmäßig Stare singen, und
viele Leute behaupten dann, daß die Stare ,,schon wieder da" seien.
Im Januar ist das sicher ein Irrtum, denn es bleiben immer eine ganze
Anzahl Stare bei uns, die den Unbilden des Winters trotzen und sich
auf die Winterfütterung des Menschen oder auf den Abfall in den Städten
verlassen.
Ein Teil zieht nach Südeuropa oder sogar bis Nordafrika. Die englischen
und die südeuropäischen Stare ziehen gar nicht fort, die westdeutschen
nur selten. Die östlichen Stare, baltische und ostpreußische, gehen
Ende September an die Nord- und Ostseeküsten und nach England, die Schweizer
an die westlichen Mittelmeerküsten, die schlesischen nach Süd- und Westeuropa
und Nordafrika. Recht früh jedoch, Anfang März, kommen die Wanderer
zurück. Sie lösen sich aus den Zugschwärmen, und die Männchen besichtigen
die Brutreviere, suchen eine Bruthöhle aus oder nehmen die vorjährige
wieder in Besitz.
Wenn die Stare aus den Winterherbergen kommen, sehen sie anders aus
als im Herbst. Beim Abzug war ihr Gefieder über und über mit weißen
Punkten wie mit Perlen übersät. Man nennt diese Herbststare ,,Perlstare".
Die Perlen sind weiße Spitzen an den dunklen Federn, die sich im Laufe
des Winters abscheuern und langsam verschwinden. Im Vorfrühling trägt
der Star dann ein prächtig rot und grün schillerndes dunkles „Hochzeitskleid",
das tatsächlich das abgescheuerte Kleid ist. Ähnliches beobachten wir
beim Hänfling, wenn allmählich seine rote Kopfplatte erscheint. Zum
Hochzeitskleid wird der schwarze Starschnabel gelb.
Stare wiegen
etwa 80 g und sind gesellige Höhlenbrüter, die Astlöcher und Spechthöhlen,
möglichst dicht beieinanderliegend, belegen; sie nehmen auch gern Löcher
in altem Gemäuer oder Nistkästen an. Das Männchen säubert zunächst die
Höhle von alten Niststoffen und trägt als neuen Unterbau Stroh, Gras
und Reiser ein. Das Weibchen, das einige Tage später kommt, widmet sich
dem feineren Ausbau der Nestmulde mit Hälmchen, Werg und Federn. Etwa
von Mitte April an legt es jeden Tag ein Ei, meist bis zu sechs, manchmal
mehr. Die Eier sind einfarbig, hübsch hell-blaugrün, mattglänzend und
mit feinen Poren wie mit Nadelstichen übersät; sie wiegen 7 g. Nun brüten
beide Partner abwechselnd, jeder etwa eine halbe Stunde. In der Nacht
sitzt nur das Weibchen, während die Männchen mit Nachbarn zusammen gesellig
Schlafplätze aufsuchen.
Nach einer Brutdauer von 14 Tagen schlüpfen die blinden Nesthocker,
die bräunliche spärliche Daunen auf Kopf und Rücken haben und einen
sattgelben Sperrachen zeigen. Beide Eltern füttern und tragen auch die
umhäuteten Kotballen der Jungen fort. Mit 4 Wochen erlischt der
Sperrtrieb der flüggen Jungen. Sie tragen jetzt ein erdbraunes Kleid
mit weißer Kehle und weißen Bauchstreifen. Bis zum Herbst mausern sie
in das Perlkleid der Alten. Vom Sommer an tun sich alle zu großen brausenden
Schwärmen zusammen, die gemeinschaftlich ins Schilf zum Übernachten
einfallen.
Stare suchen ihre Nahrung vorwiegend, indem sie über den Boden laufen
(nicht hüpfen). Sie bedienen sich dabei einer merkwürdigen Triebhandlung,
des ,,Zirkeins", das heißt, sie stecken den geschlossenen Schnabel in
den Boden und öffnen ihn dann mit großer Kraft. So erweitern sie Löcher
und Ritzen und gelangen in die Bohrgänge von Würmern und Larven. Außerdem
sammeln sie noch Schnecken, Insekten, Beeren und andere 'Früchte, zarte
Triebe, Keimpflänzchen und Körner. Das Lied der Stare besteht aus pfeifenden,
knarrenden und schnarrenden Tönen, in die sie auch Laute anderer Vögel
einflechten. Sie haben nämlich in hohem Grade die Fähigkeit des „Spottens".
Auch unsere Worte lernen sie nachsprechen, und zwar, ohne daß man ihnen
„die Zunge löst". Sie sind anhängliche nette Stubenvögel.
Quelle: Der neue Sammelband der Berliner Morgenpost, mit freundlicher
Genehmigung der Berliner Morgenpost.
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