Fauna

 

DIE STOCKENTE

 

Die Stockente (Anas platyrhynchos) ist eine Schwimmente (Anas), gehört zur Familie der Entenvögel (Anatidae) und zur großen Ordnung der Gänsevögel (Anseres), die außer den Enten auch alle gänse- und schwanartigen Vögel umfaßt.
Die Stockente ist nicht nur unsere häufigste Wildente, sie ist die Stammutter unserer Hausenten. Der Mensch hat aus ihr die vielen Hausentenrassen wie Peking-, Rouen-, Laufenten und ähnliche gezüchtet.
Die Stockente wiegt 800 bis 1400 g. Männchen und Weibchen sind recht verschieden gefärbt; unser Bild zeigt das Brutkleid, das sie bis Juni / Juli tragen. Sie mausern gleich nach der Brut ins sogenannte Sommerkleid, ein unscheinbares eintönig braunes Gefieder. Dieses tragen sie nur kurze Zeit, wechseln die Federn mit Ausnahme der Schwingen und legen wieder das Brutkleid bis Oktober / November an. Den Erpel erkennt man im Brutkleid an seinen vier henkelförmig gebogenen Ringelfedern auf dem Schwanz.
Die Stockente ist überall da in Deutschland ein häufiger Brutvogel, wo Seen und andere Gewässer mit Schilfgürteln vorhanden sind; besonders liebt sie flache stehende Binnenseen, Teiche mit Uferdickichten, Brüche und Lachen, Altwässer und Sumpfgebiete mit kleinen Tümpeln. Auch in Parkanlagen lebt sie auf den Gewässern vieler Großstädte.
Im Frühjahr können wir das tiefe schnarrende „Räb räb" des Erpels oder den weithin schallenden „Waak-waak-waak-waak"-Ruf der Ente und das wispernde Fluggeräusch der Schwingen „wich wich wich" hören. Das Nest steht meist am Boden, am Rande der Brutgewässer, wo sich genügend Deckung findet, im Grase und Schilf, im Gebüsch und Gerank, in Erdlöchern oder in alten Baumstümpfen, ja sogar auf den flachen Dächern unserer Großstadthäuser.
Wie allen Enten, Schwänen und Gänsen fehlt den Stockenten der Trieb, Nestmaterial fliegend herbeizutragen. Das Weibchen baut mit dem Schnabel an dem Nistort, den der Erpel aussuchte, eine Mulde und rundet sie mit dem Körper aus, zieht dann aus der Umgebung Schilfstengel, Halme und Blätter heran, zupft sich Daunen aus und polstert damit das Nest aus. Sie legt Ende März bis April 9 bis 13 Eier, die hellgrüngrau oder gelbgrau sind. Jeden Tag legt sie ein Ei hinzu und beginnt nach Vollendung des Geleges mit der Brut.
In den Brutpausen deckt sie die Eier zu und geht, meist in Begleitung des Erpels, auf Nahrungssuche. In 22 bis 26 Tagen schlüpfen alle Jungen zugleich aus und folgen dem mütterlichen Lockton, der die ganze Schar zusammenhält. Die Küken suchen gleich von Anfang an ihr Futter: Mücken, kleine Wasserinsekten oder Wasserlinsen - unter der Führung der Alten. Der Erpel macht unterdessen an einer versteckten Stelle im Schilf seine Mauser durch. Wie alle Entenvögel wird er vorübergehend flugunfähig, da alle Schwingen zugleich abgeworfen werden.
Nach dem Flüggewerden der Jungen kehrt die Ente wieder ins Nestgebiet zurück, zu ihrem Erpel. Im Herbst können wir auf unseren Gewässern den „Verlobungs"-Spielen der Stockenten zusehen. Sie liegen in Scharen auf dem Wasser. Eine Ente beginnt, den Trupp mit vorgestrecktem Kopf zu umschwimmen, worauf ein Erpel mit einem Ruck seinen Vorderkörper aus dem Wasser hebt, den Schnabel an die Brust legt und einen hellen Pfiff ausstößt. So bilden sich die Paare, die sich im Herbst schon gelegentlich, im Frühjahr häufiger begatten. Im Frühjahr kann man das „Reihen" der Enten beobachten, wobei zwei Erpel hinter einer Ente herfliegen. Der erste Verfolger ist ein fremder Erpel, dem sich die Ente zu entziehen versucht; ihr eigenes Männchen folgt, um seine Ente nicht zu verlieren, bis der fremde abdreht.
Im Winter bleiben unsere Stadt-Stockenten hier; andere überwintern an den Küsten, manche ziehen sogar bis Abessinien, Senegambien, Uganda oder Kenya. Dort „verloben" sich viele Erpel und folgen dann ihrer Ente in deren Heimat.
Stockenten nähren sich zum kleinen Teil tierlich, von Schnecken, Würmern, Insekten; in der Hauptsache aber pflanzlich von Wasserlinsen, Grasspitzen, Sämereien aller Art; im Winter auch von Eicheln.

Quelle: Der neue Sammelband der Berliner Morgenpost, mit freundlicher Genehmigung der Berliner Morgenpost.


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