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Die Ordnung der Tauben (Columbae) ist eine gut abgegrenzte Gruppe unter
den Vögeln, die keine nähere Verwandtschaft zu anderen Vogelordnungen
zeigt.
Eine ganze Reihe von Besonderheiten zeichnet sie aus. Vor allem ziehen
alle Taubenarten ihre Jungen in der ersten Zeit ihres Daseins nicht
mit der Nahrung auf, die sie selbst aufgenommen haben, sondern mit einer
Art Milch, der sogenannten Kropfmilch. Das ist ein weißkäseartiger Brei,
den beide Eltern in drüsigen Taschen ihres Kropfes absondern. Taubenkinder
haben einen besonders langen Schnabel, den sie in die Schnabelwinkel
ihrer Eltern einbohren und dann öffnen, worauf diese den Kropfbrei heraufwürgen,
direkt in den Schnabel der Jungen hinein. Erst nach einigen Tagen, bei
der Ringeltaube nach 9, bei der Haustaube schon nach 5 Tagen, werden
im Kröpf erweichte Körner zugefüttert.
Alle Tauben trinken in eigentümlicher Weise: sie stecken den Schnabel
bis fast zu den Augen ins Wasser und saugen es ein. Wie anders trinken
z.B. Huhn oder Kanarienvogel; diese schöpfen das Wasser mit dem Schnabel,
heben den Kopf und lassen es so in die Kehle laufen.
Die Eier aller Taubenarten sind weiß, sie lassen sie nie unbedeckt.
Das Sitzen auf den Eiern ist in strenger Arbeitsteilung geregelt: die
Männchen brüten tagsüber von vormittags bis in die Nachmittagsstunden,
die Täubinnen sitzen stets über Nacht, bis sie der Tauber ablöst.
Hier
in Berlin, wie in vielen Städten Europas, ist die Ringeltaube (Columba
palumbus) überall anzutreffen; in Parkanlagen, Gärten, Alleen, sogar
auf Straßenbäumen im Hauptverkehr. Sie hat sich aus einem Waldvogel
zu einem zutraulichen Kulturfolger entwickelt. Mit einem Gewicht von
einem halben Kilo ist sie unsere größte Wildtaube.
Schon im März streiten sich die Ringeltauber um ihre Brutreviere, und
wir vernehmen den dreiteiligen Balzruf: „Rugu gugu, rugrugu rugu, rugugu
rugu, ru". Er hört fast stets mit einem kurzen Endlaut auf. Dann
schließt der Tauber den Balzflug an, indem er aufsteigt, die Flügel
klatschend zusammenschlägt und wieder abgleitet. Das Nest baut das Paar
in Astgabeln, oft auf Ahorn, Eschen, Kastanien, Traubenkirschen; meist
bringt der Tauber die Reiser herzu und die Täubin verbaut sie. Oft kommt
es schon im April zur ersten Brut.
Zwei weiße glänzende Eier werden in 16 bis 17 Tagen in strenger Ablösung
von beiden bebrütet. Die Jungen tragen spärliche rahmgelbe Daunen, durch
die die Haut bläulichrosa schimmert. Beide Eltern füttern 9 Tage lang
reine Kropfmilch, dann aufgeweichte feine Sämereien, Körner, Beeren,
frische Triebe und auch Regenwürmer und Schnecken. Im Herbst dienen
ihnen vor allem Eicheln zur Nahrung.
Oft gibt es drei Brüten im Jahr. Dann ziehen Alte und Junge gemeinsam
in größeren Scharen nach Südwestfrankreich, Portugal oder Italien. Große
Schwärme nördlicher Ringeltauben überfliegen unser Gebiet.
Die zweite Taubenart, die in und um Berlin in Büschen und Bäumen der
Gärten, Parks und Friedhöfe zahlreich brütet, ist die Türkentaube (Streptopelia
decaocto). Sie stammt ursprünglich aus Indien und ist erst im letzten
Jahrzehnt von Südosten her nach Deutschland eingewandert. Sie erscheint
im Freien recht lang- und spitzschwänzig und ist eine kleine Taube von
160 g Gewicht. An dem viersilbigen Ruf „du duuh du" können wir
sie mit Sicherheit erkennen. Sie baut ein flaches Nest aus Reisern,
legt es aber im Gegensatz zur Ringeltaube mit feinen Halmen und Würzelchen
aus. Sie hat auch mehrere Brüten von je 2 Eiern im Jahr, die 14 bis
16 Tage bebrütet werden. Die Jungen wandern nach allen Richtungen ab
und tragen zur schnellen Weiterverbreitung der Art bei. Die Türkentaube
bleibt im Winter bei uns.
Die ändern beiden heimischen Wildtauben, die Turteltaube (Streptopelia
turtur) und die Hohltaube (Columba oenas) bekommen wir Städter seltener
zu Gesicht; sie bewohnen größere Wälder. Die Scharen von Tauben, die
unter Simsen und in Verzierungen größerer Gebäude nisten, sind meist
verwilderte Haustauben, sogenannte Feldtauben.
Quelle: Der neue Sammelband der Berliner Morgenpost, mit freundlicher
Genehmigung der Berliner Morgenpost.
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