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Das Teichhuhn (Gallinula chloropus) bildet, zusammen mit einigen anderen
Gattungen, die Ordnung der Rallen (Ralli). Die deutschen Namen dieser
Rallenarten werden mit Huhn oder Hühnchen gebildet, z.B. Teichhuhn, Sumpfhühnchen,
Bläßhuhn, obgleich sie alle nichts mit den echten Hühnervögeln gemeinsam
haben. Alle Rallen sind Nestflüchter, die nach dem Schlüpfen ihren Eltern
nachlaufen oder nachzuschwimmen vermögen. Im Gegensatz zu den Hühnervögeln
entwickelt sich ihr Flugvermögen auffallend langsam.
Das Teichhuhn wiegt um 250 g; heimlich und versteckt lebt es an bewachsenen
Ufern stehender Gewässer, an Wassergräben, an Teichen und Tümpeln, auch
von Parks und Gärten. In den Anlagen mitten in der Stadt bürgern sich
die Teichhühner immer mehr ein. Hier in Berlin können wir sie z.B. freilebend
im Charlottenburger Schloßpark oder im Zoologischen Garten sehen. Die
Geschlechter sind gleichgefärbt. Nur die rote Stirnblesse, ein horniges
Schild über dem Oberschnabel, ist beim Männchen etwas größer; an diesem
Abzeichen sind Teichhühner auch vom Laien leicht zu erkennen. Sie locken
sich mit langen Reihen von „ick ick ick"; im Frühjahr ruft das Männchen
mit „back back" nach einem Weibchen. Als Warnruf haben sie ein scharfes
„Kürrk". Im dämmerigen Schilfwald dient ihnen beim Umherstreifen
ihr unterwärts weißer Schwanz, der dauernd auf und nieder geschlagen wird,
als Signalschild zum Zusammenhalten.
Im März schon suchen die Paare ihr Brutgebiet auf und beginnen mit der
Balz, indem sie sich mit eingeknickten Fersen vorn niederlassen und mit
dem Körper Scheinmulden ausdrehen, meist nicht an der Stelle, wo sie später
nisten. Das
Nest bauen beide gemeinsam in Wassernähe im Gras oder unter Büschen -
aus Schilfstengeln und Zweigen, die sie im Schnabel herbeitragen und fest
verflechten. Die Mulde wird mit feinen Grashalmen und Wurzeln ausgelegt.
Die Teichhühner haben zwei Brüten: die erste Ende April / Mai, die zweite
im Juli. Bei der zweiten Brut werden oft frische grüne Halme und Blätter
verbaut; auch während des Brütens wird am Nest weitergearbeitet.
Das Weibchen legt meist 6 bis 8 Eier, deren gelbweißer Grund mit rostbraunen
und schwarzen Flecken bedeckt ist. Beide Eltern bebrüten abwechselnd die
Eier; das Weibchen leistet den Hauptanteil. In 19 bis 22 Tagen schlüpfen
die Jungen und werden noch einige Tage bedeckt im Nest gehalten, obschon
sie sogleich schwimmen und laufen können.
Die Kleinen sehen drollig aus: sie sind in kurzsamtige schwarze Daunen
gehüllt, die Gesichter sind nackt und zeigen blitzeblaue und rote Bogenstreifen,
die Füße sind lackschwarz. Erst mit 3 Wochen, wenn der ganze Körper sich
mit bleibenden Pelzdaunen bedeckt, verschwindet die Buntfärbung. Gleich
von Anfang an, wenn sie noch gar keine weißen Unter- schwänze haben, zeigen
die Jungen das bezeichnende Schwanzwippen. Erst mit sieben Wochen werden
sie flugfähig.
Die Jungen sind sehr verträglich untereinander, beknabbern sich sogar
zärtlich; sie bleiben in der Nähe der Eltern und helfen, wenn die Jungen
der zweiten Brut geschlüpft sind, diese zu füttern, indem sie ihnen genau
wie die Alten Bissen vorhalten. Dies niedliche Schauspiel kann man mit
etwas Geduld Ende Juli / Anfang August auf dem Charlottenburger Schloßteich
beobachten.
Hier in Berlin haben sich die Teichhühner angewöhnt, im Winter zu bleiben.
Gewöhnlich geht dies gut, aber bei sehr lange anhaltender Kälte kommt
es vor, daß sie verhungern und erfrieren. Teichhühner, die weiter nördlich
brüten, sind Strich- oder Zugvögel, die nach Südwesten an offene Wasserstellen
verstreichen oder im September / Oktober nach Südeuropa ziehen, und zwar
nur nachts. Sie kehren Mitte März bis Anfang April wieder in ihre Brutgebiete
zurück.
Die Teichhühner nähren sich teils von tierischen Stoffen, wie von Wasserinsekten
und ihren Larven, von Muscheln, Schnecken und deren Laich, den sie von
Wasserpflanzen abrasieren, aber auch von pflanzlichen Nährstoffen, wie
Algen, frischen Trieben, Beeren und Samen; im Winter oft von den Saaten
auf den Feldern.
Quelle: Der neue Sammelband der Berliner Morgenpost, mit freundlicher
Genehmigung der Berliner Morgenpost.
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