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DER TURMFALK

 

Der Turmfalk (Faico tinnunculus) gehört zu der Raubvogelfamilie der Falconiden und zur großen Ordnung der Raubvögel (Accipitres). Unser Turmfalk ist weit über Europa und Nord- und Westasien verbreitet. Oft nimmt er inmitten der Städte seinen Wohnsitz; auch hier über Berlin können wir ihn fliegen sehen. Das Flugbild ist an den sehr spitzen Flügeln und dem langen schmalen Schwanz leicht zu erkennen. Man wird auf ihn aufmerksam durch sein schnelles und helles, weitklingendes „Klikliklikli" oder „Gihgihgihgih", das er im Fluge hören läßt. Am Turm der Gedächtniskirche und über dem Zoologischen Garten gehört er zeitweise zu den alltäglichen Erscheinungen.
Im Winter hält sich an hohen Türmen der Stadt oft auch der Wanderfalk auf; mit diesem dreimal größeren Falken kann man unseren kleinen Turmfalken aber kaum verwechseln.
Männchen und Weibchen der Turmfalken sind verschieden gefärbt. Dem kleineren Männchen mit etwa 200 g Gewicht, das von den Falknern als Terzel bezeichnet wird, ist ein schönes Blaugrau am Kopf eigen. Das etwas größere Weibchen, das etwa 230-250 g wiegt, ist kastanienbraunrot bis zimtbraun. Beide sind auf dem Kücken mit dunklen pfeilspitzenförmigen Flecken besät.
Schon im März beginnt das Männchen seine Balz, die von klingenden Rufen und Flugspielen begleitet wird. Es sucht einen Nistplatz aus. Turmfalken bauen nie einen eigenen Horst, sondern setzen sich gern in hochstehende Krähen-, Elstern- und Raubvogelhorste, die sie zuweilen etwas ausbessern.Diese Niststätten können in Feldgehölzen oder an Waldrändern stehen. In felsigen Gegenden nimmt der Turmfalk auch mit Felsnischen und Klippen vorlieb; in Städten nistet er in altem Gemäuer, in Turmluken, Verzierungen und Mauerlöchern hoher Gebäude.
Etwa Ende April legt das Weibchen alle zwei Tage ein Ei, im ganzen 5 - 6 Eier, die so eng mit braunen und dunkelrotbraunen Flecken bedeckt sind, daß man den gelblichweißen Grund nur selten durchschimmern sieht; sie wiegen etwa 21g. Mit dem vollen Gelege beginnt das Weibchen zu brüten und wird vom Männchen mit Futter versorgt. Nur selten setzt sich das Männchen auf die Brut.
Nach 28 - 31 Tagen schlüpfen die niedlichen, weißsamtig-bedaunten Kleinen, die gleich beim Füttern die Augen schlitzartig öffnen können. Etwa 12 Tage lang bringt das Männchen allein Futter herbei und übergibt es dem Weibchen, das es den mit „zierr-zirr" bettelnden Jungen reicht; später fliegt auch das Weibchen auf Beutefang aus, und beide Eltern füttern.
Den Kindern sproßt mit 8 Tagen ein dichtes hellgraues Kleid aus flockigen Pelzdaunen, zwischen denen schließlich das braunrote dunkelgefleckte Jugendkleid erscheint. Die Jungen bleiben bis zu 33 Tagen im Nest; mit 35 Tagen können sie schon gut fliegen. Die Familie bleibt oft bis in den Herbst beisammen.
Der Turmfalk kann im Fluge keine Beute, auch keine Kleinvögel, schlagen. Er muß die Tiere auf dem Boden greifen. Daher „rüttelt" er in eigentümlichem An-Ort-Fluge darüber und läßt sich dann mit angelegten Flügeln auf die Beute niederfallen. (Deshalb sein Name „Rüttelfalk" in manchen Gegenden.) Im Winter besteht die Nahrung hauptsächlich aus Kleinnagern, vor allem aus Mäusen; im Sommer aus Heuschrecken und anderen großen Kerbtieren, auch aus Eidechsen, Blindschleichen und Fröschen.
Unsere Turmfalken sind im allgemeinen Standvögel und weichen nur in sehr harten Wintermonaten der Kälte ein wenig nach Süden und Westen aus. Die nördlicher und östlicher Beheimateten sind Zugvögel. In südlich oder südwestlich gerichtetem Zuge fliegen sie, vor allem anscheinend die Jungvögel, im September unter Umständen bis ins äquatoriale Afrika. Im März kehren sie wieder in die Heimat zurück. Immer aber bleiben einige in der Brutgegend und verstreichen nur für kurze Zeit in mildere Gegenden.
Oft findet man Junge, die offenbar beim Drängeln während des Fütterns aus dem Nest gefallen sind. Sie lassen sich leicht mit zerkleinerten Mäusen und Kerbtieren aufziehen; der Städter gibt sie dann am besten in einen Zoo.

Quelle: Der neue Sammelband der Berliner Morgenpost, mit freundlicher Genehmigung der Berliner Morgenpost.


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