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DER WALDKAUZ

 

Der Waldkauz (Strix aluco), unsere zweitgrößte Eule, gehört zur Familie der Eulen (Strigidae) und zur Ordnung der Eulen (Striges).
Seinen schauerlich-schönen Balzgesang, ein langgezogenes heulendes Pfeifen aus Hu-Lauten, etwa ,,Huu,hu huuuuuuuuh", am Schluß absinkend und bebend, können wir nachts in und um Berlin schon im Januar und Februar hören; das Weibchen antwortet gellend „kjuwiik". Beide geben außerdem stöhnende und knackende Laute sowie rollendes Gemecker von sich.
Waldkäuze werden in der Dämmerung und nachts lebhaft; tagsüber sitzen sie still und versteckt in Astgabeln hoher dichter Bäume. Man wird zuweilen dadurch auf sie aufmerksam, daß viele Kleinvögel sich in ihrer Nähe ansammeln und unruhig unter Schreck- und Warnlauten hin und her fliegen; sie „hassen" auf den Waldkauz, der rindenfarbig und dickköpfig dasitzt. Wird ihm das Geschrei zuviel, fliegt er geräuschlos wie alle Eulen (infolge von Samtleisten auf der Oberfläche geben die Schwingen kein Fluggeräusch) in einen anderen Baum.
Daß Eulen am Tag blind seien, ist ein Märchen. Tatsache ist vielmehr, daß ihr Sichtvermögen auch bei starker Dämmerung gut ist; bei völliger Dunkelheit vermögen aber auch die Eulen nichts mehr zu sehen.
Das Waldkauzweibchen ist etwas größer als das Männchen; sie wiegt reichlich ein halbes Kilo, er etwa 100 g weniger. Von unseren anderen Eulen kann man den Waldkauz leicht an seinen großen dunklen Augen (bei ändern Eulen gelb oder orangefarbig) und seinem rindenbraungrauen Gefieder unterscheiden. Unter unseren Waldkäuzen gibt es ausgesprochen graue und andererseits braune bis rotbraune Formen sowie auch alle Übergänge. Sie kommen oft im gleichen Nest verschiedenfarbig vor; es sind also keine Rassenunterschiede.
Waldkäuze findet man in ganz Deutschland. Sie sind Baumhöhlenbrüter in alten Wäldern, in Parkanlagen und großen Gärten, auch mitten in der Stadt. Finden sie keine Höhlen, dann brüten sie auch in Nistkästen, auf Taubenböden, in Felsnischen, Mauerlöchern und Ruinen, sogar in verlassenen Raubvögel-, Krähen- und Elsternestern; sie selbst tragen nie Niststoffe ein.
Schon im Februar oder März legt das Weibchen gewöhnlich drei fast kugelige weiße Eier im Abstand von zwei Tagen. Es bebrütet sie vom ersten Ei an, so daß die Kinder nach 28 Tagen in Abständen ausschlüpfen und daher verschieden groß sind; das Männchen trägt die Nahrung zu, und beide verteidigen mutig die Höhle, oft auch gegen Menschen. In der Abwehr stellen sie die gespreizten Flügel schräg an den Körper und wirken dadurch imponierend groß.
Eulen haben eine Wendezehe, die in der Nestlingszeit noch nach vorn steht, wie bei den meisten anderen Vögeln. Nach dem Ausfliegen aber ist sie stets nach der Seite oder nach hinten gerichtet, so daß von vorn nur zwei Zehen zu sehen sind.
Das Weibchen bleibt noch 14 Tage in der Höhle bei den Kleinen. Diese schlüpfen als blinde Nesthocker in einem dichten weißen Daunenkleid; erst nach 8 Tagen öffnen sich allmählich ihre Augen. Ein neues Kinderkleid wächst jetzt unter den Daunen und hebt diese vom Körper ab. Nach 4 bis 5 Wochen verlassen die Jungen die Höhle. Sie sitzen dann als sogenannte ,,Astlinge" in der Nähe und werden noch lange von den Eltern gefüttert, die vor allem Mäuse und Ratten in den ,,Fängen" (Füßen) herbeitragen, aber auch Wiesel und größere Insekten. Zuweilen greifen sie auch Kleinvögel im Schlaf.
Waldkäuze sind Standvögel und bleiben auch im Herbst und Winter in ihrem Brutrevier. Die Jungen wandern ab, um anderswo Nisthöhlen zu suchen. Sie sind von den Alten nicht mehr zu unterscheiden, denn sie haben durch eine allmähliche Mauser ihr Kinderkleid gewechselt.
Man liest oft von ,,augenrollenden" Eulen; aber gerade bei ihnen sind die Augenbälle mit knöchernen Kapseln fest verwachsen. Dafür ist ihr Kopf erstaunlich beweglich. Sie können ihn bis auf den Rücken drehen. Eulen gelten als Symbol der Klugheit; der Waldkauz ist sicher einer der klügsten. Rabenvögel, Graugänse oder Kraniche sind ihm jedoch geistig überlegen.

Quelle: Der neue Sammelband der Berliner Morgenpost, mit freundlicher Genehmigung der Berliner Morgenpost.


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