Algerien




Maghreb: Algerien

Geschichte:

Erst ab dem 16. Jh. kann man Algerien als Staatsgebiet mit einer einheitlichen Geschichte ansehen. In den Jahrhunderten zuvor ging es vor allem um die Beherrschung des Mittelmeers sowie der Eroberung und Teilbesiedlung des fruchtbaren nordafrikanischen Küstenstreifens, - wobei das Zentrum der Auseinandersetzungen die mächtigste Metropole vieler Jahrhunderte Karthago war.

Im Altertum gehörten Teile Algeriens 'Numidien' und 'Mauretanien', zu den zwei der fruchtbarsten Provinzen des römischen Reiches, die von 439 bis 533 unter die Herrschaft des Vandalenkönigs Geiserich gerieten, dem ersten Gründer eines von Rom unabhängigen Germanenreiches in Nordafrika. Um 600 nach kurzer Blüte unter byzantinischer Herrschaft, wurde Algerien gegen 700 von den Arabern erobert und zum Kalifat erklärt. Unter dem Kalifat bis 1269 entwickelten sich eine Reihe von Berber-Dynastien und unabhängige Stadtstaaten wie Algier, Oran, Bejaia (Bougie) und Ténès.(1)
Algier (arab. El-Djezair, d.h. die Inseln), zuvor unbedeutend, wurde ab 1492 Ausgangspunkt für die Rachefeldzüge der aus Südspanien (Granada) vertriebenen Mauren.(2) Ab 1509 setzten sich die Spanier fest, gegen die der türkische Herrscher Chaireddin (Cheir-ed-Din) Barbarossa türkische Truppen zu Hilfe rief und 1519 die Spanier vertrieb.

Lange Jahre blieb Algerien ein gefürchteter Seeräuberstaat. Chaireddins Piratenzüge an die spanischen und italienischen Küsten, beunruhigten alle christlichen Mittelmeerländer. Bis ins 19. Jh. hinein blieben Angriffe der europäischen Länder, die die Seeräuberei unter ihre Kontrolle bringen wollten, erfolglos. (3)

Die Franzosen führten einen Eroberungsfeldzug gegen Algier, das sie 1830 unter ihre Kontrolle brachten, und trotz heftiger Gegenwehr der Truppen Abd el-Kaders 1837 die völlige Unterwerfung Algeriens erreichten. Ab 1864 häuften sich die Aufstände der Eingeborenen, die in der Zeit des deutsch-französischen Krieges (1870/71) nahezu ganz Algerien zurückeroberten. Unter verlustreichen Kämpfen gelang den Franzosen erst 1882 die vollständige Annexion Algeriens.

Unter den nach Frankreich ausgewanderten algerischen Arbeitern bildete sich eine Nationalbewegung, die spätere Algerische Volkspartei (PPA) die für die Unabhängigkeit Algeriens eintrat und 1939 verboten wurde. 1943 veröffentlichte Ferhat Abbas ein 'Manifest des algerischen Volkes', woraus dann die gemäßigte Partei: 'Demokratische Union des algerischen Manifestes' (UDMA) entstand, die 1946 in die französische Nationalversammlung 11 Abgeordnete sandte. (4)

Um die fortdauernden Proteste in Frankreich und Algerien zu beruhigen, gewährte die französische Regierung Algerien eine gleichgewichtige Vertretung der Europäer (10 % Bevölkerungsanteil) und der Muslime (90% Bevölkerungsanteil) in der 'algerischen Landesversammlung'. Dieses machterhaltende Zugeständnis rief bei den Algeriern, die die Unabhängigkeit anstrebten, noch schärfere Reaktionen hervor. In der Folge versuchten sog. "Algerienfranzosen" durch Wahlfälschung ihre Macht zu erhalten. (5)

1954 brach der offene Aufstand aus. Eine radikale Gruppe um Ben Bella, die die 'Nationale Befreiungsfront' (FLN) ins Leben riefen kämpfte gegen die algerische Nationalbewegung MNA sowie die französischen Besatzungstruppen. Fremdenlegion und Fallschirmjäger (paras) beantworten Terror mit Gegenterror. Französische Nationalisten und Offiziere (Ultras) propagieren ein 'Algérie francaise'.

Ein liberales Rahmengesetz, das als Zugeständnis eine Teilautonomie Algeriens vorsah führte zu dem Militäraufstand der nationalistischen Teile der französischen Besatzungsarmee am 13.5.1958 unter General Massu, die ihren Einfluß schwinden sahen. Der Militärputsch rief eine Staatskrise im französischen Mutterland hervor, in deren Folge General de Gaulle die Macht übernahm. Im September 1959 bot de Gaulle Algerien die Selbstbestimmung an. Trotz weiterer rechtsgerichteter Putsche der OAS 1960/61 behielt das regierungstreue Militär unter dem Oberkommando von General de Gaulle die Oberhand. (6)

Noch im gleichen Jahr begann de Gaulle die Verhandlungen mit der algerischen Exilregierung (GPRA), die am 18.3.1962 zum 'Abkommen von Evian' führte, und einer algerischen Volksabstimmung, die die Unabhängigkeit Algeriens und eine Zusammenarbeit mit Frankreich befürwortete. Der aus französischer Haft entlassene Ben Bella, Mitte September 1963 zum algerischen Staatspräsidenten gewählt, verbot oppositionelle Parteien und schuf eine Einheits- und Kaderpartei. Algerien schloß sich als blockfreier Staat der Arabischen Liga an. Ben Bella wurde aufgrund von Konflikten mit der Militärführung im Juni 1975 vom Militär unter Oberst Boumédienne gestürzt der an der Spitze eines Revolutionsrates die Macht übernahm. Nach Boumidiennes Tod wurde im Februar 1979 Oberst Chadli zum Präsidenten gewählt. (7)

Als 1991 bereits beim ersten Wahlgang zum Algerischen Parlament deutlich wurde, daß die Islamische Heilsfront FIS aus den Wahlen als Siegerin hervorgehen würde wurde sie verboten und die Wahlresultate nicht veröffentlicht. Die Regierung annulierte die Wahl und verbot die siegreiche Partei im März 1992, da sie in Algerien angeblich einen 'muslimischen Gottesstaat' errichten wollte.

Seitdem gibt es im Land ein Klima der Unsicherheit und der Angst, da immer wieder von Todeskommandos ganze Dörfer geplündert und die Bewohner grausam verstümmelt werden. Die Regierung macht die islamischen Fundamentalisten für die Greuel verantwortlich, doch bisher wurden die Schuldigen nicht gefaßt. Der Tourismus ist durch die Vorfälle nahezu zum Erliegen gekommen.

Erst im Oktober '97 fanden wieder Kommunal- und Regionalwahlen, sowie im Dezember '97 die Wahl zum Nationalrat statt. Über die Wahlbeteiligung wurden sehr unterschiedliche Prozentzahlen bekannt. Die verbotene FIS rief zum Wahlboykott auf und die Regierungsparteien gingen erwartungsgemäß bei jeder Wahl als Sieger hervor. Die legale Opposition sprach von massivem Wahlbetrug. Im Januar 1998 nennt Ministerpräsident Ahmed Ouyahia als offizielle Zahl der Terroropfer 26 536 Tote, seit Beginn des Bürgerkrieges. Die Opposition nennt 100 000 und internationale Organisationen nennen die Zahl 80 000 Tote. Als Urheber wird die 'Bewaffnete islamische Gruppe' GIA genannt, die als einzigste Fraktion der Islamisten noch die Strategie des Terrors verfolgt. Da die Algerische Regierung bisher alle internationalen Untersuchungskomissionen ablehnte, wird seit längerem die Verstrickung von Geheimdienst und Armee in die Vorkommnisse diskutiert.(8)

Anmerkungen:
Maghreb: arab. Westen im Unterschied zu Maschrik (arab. Osten) der westliche Teil der arabisch-muslimischen Welt (Marokko, N.-Algerien, Tunesien, Tripolitanien (A, Bd. 11)

(1) A, Bd.1, S.113
(2)B, Bd.1, S.329f
(3) nach: B, Bd.1, S.329
(4) nach: B, ebd.
(5) C, S. 269
(6) nach: B, S.329/30
(7) ebd. S.330
(8) E, S.59f

Literatur:
A. dtv Brockhaus Lexikon in 20 Bänden. Mannheim und München 1986
B. Brockhaus Enzyklopädie in 20 Bänden, Bd.1, Brockhaus Verlag, Wiesbaden 1966
C. dtv-Atlas zur Weltgeschichte. 2 Bände (14. Aufl.) Dt. Taschenbuch Verlag, München 1979
D. Zahlen, Daten, Fakten. Der Fischer Weltalmanach '99. Fischer tb-Verl., Frankfurt a. Main, Oktober 1998

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In der Haupstadt Algeriens

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