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Goldland Ophir

,Und Hiram sandte Knechte mit den Knechten Salomos. Und kamen gen Ophir und holeten daselbst vierundzwanzig Centner Golds und brachten's dem Könige Salomo.´
Das erste Buch der Könige

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Zu den Eigentümlichkeiten Abessiniens gehört es, daß über seine Bodenschätze seit Jahrzehnten die unwahrscheinlichsten Gerüchte verbreitet werden und geglaubt werden, indessen die Suche nach den Lagern der verschiedenen Mineralien systematisch seit wenigen Jahren erst betrieben wird. So bedurfte es eines deutschen Ingenieurs, damit festgestellt werde, daß der rote Hang, auf dem Meneliks frühere Residenz Antotto liegt, zu nicht weniger als 75 Prozent aus Brauneisenstein besteht. Sicherlich sind im Lande Erz-, Kohlen- und wertvolle Gesteinslager vorhanden, aber sie zu heben, dazu bedarf es der sprichwörtlichen Geduld, die zur Auffindung von Seeräuberschätzen gehört.

Das erste diesbezügliche Kapitel über Abessinien steht in den Heiligen Schriften, und es gibt zwei Umstände, die glauben machen, daß der Westen des Landes das sagenhafte Goldland Ophir der Bibel sei.

Die Galla der Provinz Wollega erzählen, daß in den Felsklüften des Tulu Wallel, des höchsten Berges der Landschaft (3301 Meter), die Königin von Saba ihre Schätze verborgen habe. Da die Galla auf ihren Wanderungen vom Osthorn Afrikas erst im 16. Jahrhundert in diese Gegenden kamen, müssen sie die Sage von den Semiten und den Protohamiten übernommen haben übernommen haben, die hier ihre Wohnsitze hatten. Der Umstand allein, daß alle Flüsse dieser Provinz Gold führen, kann die Galla nicht veranlaßt haben, den Ursprung dieses Goldes mit der ihrer Geschichte fremden Sabäerin in Zusammenhang zu bringen. Irgend etwas also muß die "Königin von Reicharabien" mit diesen Zonen zu tun gehabt haben. Und wirklich hat den Beweis, daß dem so ist, der Archäologe Graf Byron de Prorok erbracht.

Dieser Gelehrte hat für seine Wissenschaft neue Arbeitsmethoden eingeführt. Er war es, der vor etwa zehn Jahren, mit einem Taucheranzug bekleidet in die Bucht von Karthago viele Meter unter Wasser Götterfiguren ausgrub; er war es, der mit Unterstützung von England, Frankreich, Italien und den vereinigten Staaten von Nordamerika sich auf die Suche nach den uralten Verkehrswegen zwischen Niger und Nil machte. Er entdeckte — den Karawanenweg, der vor dreitausend Jahren Ägypten und Äthiopien verbunden hatte.

Die Expedition Prorok stieg aus der Ebene von Kurmuk im Sudan zu den Hochgrenzen der Kolla auf den Berg Dul im Westen Abessiniens auf. Auf dem Weitermarsch nach Osten kam der Graf zum Yabus, einem Nebenfluß des blauen Nils, der die Provinz Beni Shagul, die vom Scheich Shogoli beherrstch wird, von der Landschaft Sibu trennt. Der uralte Karawanenweg, dessen Verlauf durch die ganze goldführende Gebirgszone Prorok festgestellt hat, führte bis ins Gebiet von Kassala an der erythräischen Grenze, wo in den letzten vier Jahren Gold im Werte von 550-000 Pfund Sterling gefördert wurde. Im Sommer 1934 setze man in dieser Gegend mit einem Kostenaufwand von 59.000 Pfund eine altägyptische Goldgrube wieder in Betrieb. Sie ergibt je Tonne einen Reinnutzen von 100 Piastern. Ebenso große Möglichkeiten sind ohne Zweifel im ganzen Westen und Norden Abessiniens vorhanden. Dort aber muß die einheimische Bevölkerung, die seit Generationen aus Quarz und Flußsand Gold wäscht, den ertrag heimlich verkaufen, da ihn sonst die Provinzchefs rauben würden, die mit friedlichen und kriegerischen Mitteln darüber wachen, daß kein Fremder an "ihr" Gold herankommt. Darauf ist es auch zurückzuführen, daß die deutsche Gesellschaft Schmidt seit elf Jahren hier mineralogische Studien treibt, ohne die Produktion aufzunehmen. Ebensowenig haben Hall & Co., ein deutsches Handelshaus in Addis Abeba, mit der Ausbeutung der Schürfstellen beginnen können, die 1928 von dem baltischen Forscher von Roth-Roesthof untersucht worden sind.

Die Goldadern sind im Beni-Shangul-Land und im Norden der Wollega-Provinz zwischen Schiefern und Granit in Quarz eingesprengt, neben dessen Muttergestein oft in mächtigen Schichten grüner Marmor liegt. Die Zeichnung dieses Marmors ist so schön, daß sich eine Exploitation im Tagbau rentieren müßte, machte nicht der völlige Mangel an Verkehrsstraßen jeden Abtransport unmöglich. Solange dieses Problem, das für ganz Abessinien brennende Wichtigkeit hat, nicht gelöst wird, kann kein Kapitalist die für ein solches Unternehmen notwendigen Investitionen wagen.

Auf dem Marsch nach dem Innern der Beni-Shangul-Provinz fielen der Expedition Prorok Höhlen auf, die in großer Zahl in die Felsen gegraben waren. Bei näherer Untersuchung erwiesen sie sich als alte, oft eingestürzte Schächte aus prähistorischer Zeit. In manchen dieser Gänge fanden sich Mumien, von denen Graf Prorok annimmt, daß es sich um solche von Sklaven handelt, die von den Pharaonen und von Salomo als Goldgräber verwendet wurden. Das Gebiet um den Dul führt das nämliche Gold, dessen Qualität uns aus den Grabschätzen der Beherrscher Ägyptens bekannt geworden ist.

In einer der halb eingestürzten Minen erstand der Expeditionsleiter von einem Neger, der dort hauste, für eine Flasche griechischen Kognaks, ein Messer mit feststehendem Griff und eine alte Flinte, zwei aus Kamelhaut genähte Säcke, in denen Amethyste, Achate, Karneole, Elfenbein, Bronzestücke, Opale, Goldnuggets, Bergkristalle und Smaragde wahllos durcheinandergemischt waren. Zwar hatten diese Smaragde nicht das Wasser der brasilianischen, aber sie glichen vollkommen den in Pharaonengräbern gefundenen. Wäre der Salomonische Tempel nicht zerstört, wären seine Schätze nicht nach Babylon geführt worden, so könnten wir wahrscheinlich beweisen, daß die Smaragdminen Salomos in Westabessinien gelegen waren.

Hier ist auch die Goldstadt Ophir zu suchen, von der die Bibel und Herodot erzählen. Graf Prorok entdeckte die Trümmer von zwei Stadtfestungen, die im Viereck von Mauern mit Wachttürmen umgeben waren. Innerhalb der Schutzwälle überwucherte Bambusdschungel Ruinen von Rundtempeln, wie sie Sonnenanbeter zu bauen pflegten, und die viereckigen Grundrisse von Häusern, deren Trümmer Skulpturen mit lanzenbewaffneten Kriegern zeigen. Diese Festungen lagen über Kulturschichten, die bis zum Neolithikum zurückreichen.

Der Zeichner, der eine geologische Karte von Abessinien zu entwerten hätte, müßte die traurige Feststellung machen, daß seine Aufgabe fast undurchführbar ist. Nur wenige Teile des Landes sind so exakt erforscht, daß die Bodenstruktur bekannt ist. Westlich des Blauen Nils dominieren Urgesteinsformationen: Gneis, Glimmer und Granit. Aus der Jura- und der Kreideperiode sind nur ,Zeugen', Terraininseln von geringem Umfang zurückgeblieben. Durch die zahlreichen vulkanischen Eruptionen und die im Zusammenhang damit erfolgten Verwerfungen sind Basalte zu Tage getreten, deren Verschiedenheit darauf schließen läßt, daß die Eruptionen sich auf einen langen Zeitraum verteilt haben.

Bei solcher Struktur sind reiche Funde an verwertbaren Mineralien zu erwarten. Wenig aber ist bisher festgestellt worden. Eisenerze liegen in der Gegend von Debra Libanos im Lande Salali und an vielen Orten in Godscham; Kupfer gibt es im Gurage-Gebiet in Gesteinen, die von den Eingeborenen zu grünem Mehl zerrieben und in Tiegeln geschmolzen werden. Auch nördlich von Harrar gibt es Kupfer.

Die zur Verhüttung dieser Erze erforderliche Kohle findet sich bei Ankober im Nordosten von Addis Abeba und bei Baltsthi am alten Karawanenweg von der Küste zur Hauptstadt. Es scheint, daß der ganze Gebirgsrand am Hawasch und die ganze Seenlinie vom Suai bis zum Viktoria auf Kohlenlager geologisch untersucht werden muß: es ist mehr als wahrscheinlich, daß hier Braunkohlenflöze liegen, die eine Versorgung der noch aufzubauenden Industrie auf Jahrhunderte hinaus verbürgen würden.

Im Ogaden und in Kaffa gibt es Glimmer in großen weißen Platten. An zwei Stellen, in Seabeli und in Serrera, wurde mit der Verwertung begonnen, doch zeigte sich, daß im Ogaden der Bau einer Wasserleitung notwendig wäre, um größere Arbeiterlager errichten zu können, die den Betrieb rentabel machen würden. In Kaffa dagegen ist bei der Auswertung der vorhandenen Glimmermengen deren Lagerung in der Kolla hinderlich, weil die grassierende Malaria die Arbeit, zumindest während der Regenzeit, vollkommen ausschließt.

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Aus dem gleichen Grunde mußte auch die Gesellschaft, die die größte, an Ausländer erteilte Bergbaukonzession auswertet, die ,Société Minière des Concessions Prasso en Abyssinie' ihren Betrieb vollkommen umstellen. Die Gesellschaft wertete eine Konzession am Birbir im Wollega-Land aus, einem Nebenfluß des Baro, wo sich Gold und Platin in großen Mengen finden. Die Konzession wurde einem Italiener namens Prasso erteilt, der sie an die Banque de Paris et des Pays Bas verkaufte, nicht ohne sich 6000 Aktien zu 500 Francs Nominale zu behalten. Das Gesamtkapital betrug 12,000.000 Francs, doch mußte es 1935 auf 2,4 Millionen herabgesetzt werden. Wiewohl die Gesellschaft 1932 230.750 Gramm Platin im Verkaufswert von 3,675.05 Francs, :933 178.691 Gramm Platin im Verkaufswert von 2,084.247 Francs produziert hatte, waren die Verluste unvermeidlich gewesen, weil 1934 eine schwere Malariaepidemie die Produktion fast vollständig stillegte. Prasso hatte nämlich die Arbeiterlager nach dem Muster der Diamanten-Compounds von Kimberley anlegen lassen. Im Flußtal, der Brutstätte der Anopheles, lag der Betrieb, umgeben von den mit Wellblech gedeckten Hütten der eingeborenen Arbeiter. Der Generalversammlungsbericht sogar gibt zu, daß zwei Drittel der Belegschaft mehrere Monate lang arbeitsunfähig waren. In Wirklichkeit hatte es täglich zwischen zwei und zehn Toten gegeben, so daß die Galla aus der grausamen Flußniederung flüchteten. Schließlich mußten sechshundert Eingebornenhütten und das Lager der europäischen Aufsichtsbeamten und Ingenieure tausend Meter höher verlegt werden. Es kostete auch da noch Mühe genug, neue Arbeiter anzuwerben. Überdies sah sich die Gesellschaft genötigt, von den zwei Lagern Sayo und Yubdo aus 240 Kilometer Straßen zu bauen, um die großen Karawanenkosten zu ersparen. Für das Jahr 1935 wurden weitere Mutungsgebiete der Societe Prasso am Birbir an die ,Birbir Mines Limited' m London, Gebiete am Baro-Fluß an eine andere englische Gesellschaft in Unterpacht gegeben, um die Risken zu verteilen und zu reduzieren.

In der Nähe dieses Gebietes liegt auch die Konzession des Fitaurari Deressa, eines abessinischen Fürsten, der nicht nur seine eigenen Gold-und Platinfelder sehr energisch von seiner Privatarmee bewachen, sondern auch neu auftauchende Prospektoren aus den angrenzenden Gebieten sofort von seinen Soldaten vertreiben läßt. Man muß dem Fitaurari zubilligen, daß sein Vorgehen eines gewissen privatkapitalistischen Weitblicks nicht ermangelt. Daß aber solche Privateskapaden nicht nur dem Ansehen des Landes schaden, sondern auch seine Erschließung verhindern, ist bei den im Lande üblichen Anschauungen eine Angelegenheit zweiter Ordnung.

Die Schatzkammer Abessinien hat viele Räume. In der Provinz Tigre, die an Erythräa grenzt, wurden vor zwei Jahren reiche Lager von Blei-, Kupfer- und Eisenerzen erforscht. In Dschigdschiga, an der Karawanenstraße nach Berbera, sind 1927 im Glimmer sehr schöne Opale und Rubine gefunden worden. Schoa hat ausgezeichneten Töpferton.

Die heißen Quellen, die fast überall aus dem Boden strömen, die Fil-Oha der Eingeborenen, haben an manchen Orten so starke Radium-Emanationen, daß man ihnen nicht mit unbelichteten Platten in der Photokamera nahekommen darf. Die Platten werden durch die Radiumstrahlung belichtet. Das ließe den Schluß zu, daß Uran-Pechblendenlager vorhanden sind. Bei dem durchwegs vulkanischen Charakter des Bodens ist die Wahrscheinlichkeit gegeben, daß Abessinien ein Radiumproduzent wird, der den kongobelgischen, kanadischen und Joachimsthaler Betrieben empfindliche Konkurrenz machen könnte.

Der deutsche Ingenieur Hentze, der zu Beginn dieses Jahrhunderts in Meneliks Diensten stand, hält Abessinien für eines der goldreichsten Länder der Welt. Im Sommer 1904 hat Hentze im Auftrage der Regierung den Quarz und den feinkörnigen Sand Wollegas untersucht und hat einen Gehalt von 217 Gramm Gold je Tonne festgestellt.

Vielleicht aber wird Abessinien zu einem Goldland in ganz anderem Sinne. Gerade in der Danakilwüste, im Lande der Afar, deren Name so viele Forscher veranlaßt hat, dieses Gebiet für das alte Ophir zu halten, gibt es Naturschätze, die auch dort, wo sie bekannt sind, noch nicht ausgebeutet werden. Vielleicht muß man in den Depressionen, die in gerader Linie westlich von den Dahlaak-Inseln liegen, wirklich nur Bohrungen entsprechend tief niederbringen, um auf Petroleum 7u stoßen. Bei der Dahlaak-Gruppe stehen die Bohrtürme im Meer, das seinen Schatz durch eine dicke Ölschicht selbst verraten hat. Die italienische Expedition Franchetti hat 1928 und 1929 die Danakilwüste erforscht. Oft sind den Geologen am Morgen dunkle Flecken auf den Abhängen aufgefallen, aus denen die Italiener auf das Vorhandensein von Erdöl schlössen. Es war aber nur die stark hygroskopische Salzschichte, die den Boden bedeckt, die Flecken waren aufgesogene Nachtfeuchtigkeit und verschwanden bei höherem Sonnenstand. Aber das Salz liegt nicht nur als dem Boden jede Fruchtbarkeit nehmendes und das Wasser untrinkbar machendes Mineral über der Wüste, es steht auch als ganzer Berg da.

Der rote Berg Assale, wenige Kilometer von der erythräischen Grenze im Nordosten Abessiniens gelegen, besteht ganz aus Salz. Da die Ausfuhr dieses Minerals aus dem Lande verboten ist, bestimmen die abessinischen Provinzchefs den Preis des Salzes, dessen Abbau so gering bezahlt wird, daß man von Lohnsklaverei sprechen muß. Die Danakilstämme, die den Salzberg abbauen, erhalten für 300 bis 350 Kilogramm Salz bloß einen Taler. Diese Salzmenge muß überdies zu Stangen von 5 x 5 x 25 Zentimeter geschnitten sein. Eine solche Stange heißt Amolie und wird in ein Palmblatt gewickelt. Die schützende Verpackung ist im Salzpreis Inbegriffen. Ohne Emballage bekommt der abessinische Provinzchef für einen Taler 600 Kilogramm.

Diese Art von Handel und Ausbeutung der Salzproduzenten hat zu zahlreichen Kämpfen — auch unter den Danakil selbst — Anlaß gegeben, so daß die Provinzialverwaltung von Enderta sich entschließen mußte, einen Balghedä zu ernennen. Dieser Beamte versammelt an der Zollstation Baraile alle Danakil, die sich, mit Werkzeug, Proviant und Transporttieren ausgerüstet, an der Salzgewinnung beteiligen wollen. Von einer Wotader-Eskorte geleitet, macht sich der Zug, der oft aus einigen Tausend Menschen und Kamelen besteht, auf den Weg nach dem Assale. Allmonatlich einmal, vom Oktober bis Juni, wird eine solche Karawane abgeschickt.

Während der Regenzeit wird am Salzberg nicht gearbeitet. Ebenso ist es verboten, am Assalc ohne Überwachung zu arbeiten. Wer das versucht und dabei überrascht wird, läuft Gefahr, daß ihm nicht nur das gewonnene Salz, sondern auch die Transportkamele beschlagnahmt werden. Der abessinische Staat überwacht dieses Monopol mit besonderer Schärfe, da ihm bei ungeregeltem Transport ins Binnenland die Marktzölle von Makalle, wohin das ganze Salz von den Karawanen gebracht wird, entgehen könnten.

Der Salzberg von Assale ist unerschöpflich, weil während der Regenzeit die vom Hochplateau herabströmenden Flüsse ihre Wassermassen in das viele Geviertkilometer weite Tal um den Assale tragen, wo das aus der Wüste angeschwemmte Salz infolge seines Gewichtes zu Boden sinkt und nach der Verdunstung der Wasser kristalliert. Damit ist das Gewürz fertig und es ist von ausgezeichneter Qualität.

Nicht als Speise-, aber als Viehsalz kommt das ,Ganfur' in Betracht, das in anderen Gegenden Dankaliens gewonnen wird. Es ist stark mit Basaltsand vermischtes Salz von dunkler Farbe, das sich aber im Notfall durch einen Sudprozeß reinigen ließe. Reiner als Ganfur ist das Salz des Arak-Sees, der auf dem Karawanenweg vom Sultanat Biru nadi dem von Teru (zwei Danakil-Provinzen) liegt. Es kristallisiert in Körnchen und wird von den Hirten in kleinen Säckchen gehandelt.

Auf dem Markt in Makalle werden alljährlich an Salzzöllen 100.000 Taler bezahlt. Da die Zölle sich auf zehn Prozent vom Marktwert belaufen, repräsentiert die in neun Monaten am Assale gewonnene Salzmenge einen Wert von 1,000.000 Taler. Bei rationell durchgeführtem Abbau und Export über die Grenze ließe sich der Ertrag wesentlich steigern.

Abessinien verfügt über zwei Mineralien, deren Wert im Lande selbst gar nicht erkannt wird, weil das Land sie (noch) nicht verwendet. Bei Dire-Daua, ein paar Wegstunden von der Siedlung an der Bahn und mit Lastautos erreichbar, liegen in einer Höhe von 1500 Meter, m Serpentin eingebettet, abbauwürdige Asbestadern. Hier wäre die Aufnahme des Betriebes sofort und ohne große Investition möglich und rentabel, weil die Nähe der Bahn die Transportfrage ausschaltet. Aber — die Konzession wird von der Regierung nicht erteilt, weil im Lande selbst Asbest (vorläufig) nicht gebraucht wird.

Ebensowenig verwendet Abessinien die Kalisalzablagerungen der Thermalseen von Dallol, weil eine Bodendüngung im Lande nicht angewendet wird. Vor dem Weltkrieg hatten deutsche Firmen die Kaligewinnung in Pacht.

Dallol liegt ein paar Kilometer von der Grenze Erythräas. Es könnte geschehen, daß in einem Krieg Abessiniens Gegner das Gebiet um Dallol am gleichen Tage besetzt, an dem die Feindseligkeiten ausbrechen. Ein Schicksal, vor dem auch der Salzberg von Assale nicht gefeit ist.

Quelle: Graf Ludwig Huyn - Josef Kalmer, Abessinien, Afrikas Unruge-Herd, Verlag Das Bergland Buch, 1935 copyright von rado jadu 2001

Bilder aus Abessinien

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