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Reisen S.M.S. "Gneisenau"

Shimidzu

Ist ein unbedeutender Ort, dessen Bewohner sich hauptsächlich vom Fischfang nähren. Jedoch kann man von hier sehr lohnende Ausflüge in die überaus reizende Umgebung machen. Shimidzu hat Eisenbahnverbindung mit Shidzuoka, einer Stadt, welche in cir. l stündiger Fahrt durch die blühenden Felder zu erreichen ist. Hier werden vorwiegend Lacksachen hergestellt und das Leben und Treiben in dem Städtchen bietet allerlei des Interessanten und Unterhaltenden. Von Shimidzu aus hatten wir, allerdings nur für kurze Zeit, den herrlichen Anblick des berühmten Fuji-no-yama, welcher durch die Strahlen der aufgehenden Sonne beleuchtet, wie mit Gold übergössen erschien. Der Vulkan wird auch wohl Fuji-san od. kurz Fuji genannt, das von den Fremden allgemein gebrauchte Wort Fuji-yama ist unjapanisch. Er ist der höchste und heiligste Berg Japans und wird oft als Motiv der jap. Malerei u. Dekorationskunst verwendet. Der ßergkegel erhebt sich als regelmässige Pyramide mit abgestumpfter Spitze bis zu 3778 m. Die ebenmässige Form wird nur durch einige kleine parasitäre Krater und radiale Wasserrinnen etwas gegliedert.

In den Gipfel ist ein Krater von 500 m Durchmesser und 180 m Tiefe eingesenkt. Seit 1708 ruht der Vulkan, darf aber keineswegs als ganz erloschen gelten. Der letzte Ausbruch von 1701/08 war sehr heftig und lieferte in der Hauptsache Asche, die namentlich das ganze südwärts gelegene Gebiet bis 3 m hoch bedeckte. An der Südostseite des Berges öffnete sich eine Spalte, der Lava entquoll. Die Kultur steigt in Suruga auf der Südseite (viel Teebau) 600—700 m hoch; dann folgt blumenreiches, baumloses Gebiet bis 1500 m, Wald bis 2400 m, hierauf die Krummholzregion bis 2600 m und schliesslich die Region der Hochgebirgs-ilora, die aus arktischen und alpinen Pflanzenarten gemischt ist. Der Gipfel ist nur im Juli und August schneefrei und wird zu dieser Zeit jährlich von 16 bis 20 000 buddhistischen Pilgern erstiegen.

Der Aufenthalt in Shimidzu währte bis zum 14. V., an welchem Tage wir früh 5 Uhr nach Kobe (Jap.J in See gingen. Dort ankerten wir am 15. V. gegen Mittag. Im Hafen lag das französische Kanonenboot Decidee.

Kobe

War früher ein Fischerdorf und hat sich erst seit 1868, als dort eine Fremdenniederlassung gegründet wurde, so rapide entwickelt. Die Stadt ist jetzt der Hauptseehafer, des westlichen Japans und hat eine Ein- und Ausfuhr von 600 Millionen Mark. Mit Kobe zusammen bildet Hyogo eine Doppelstadt, deren Bevölkerung 000 Köpfe beträgt. Das Strassenleben weist einen sehr geschäftigen Zug auf und durch elektrische Strassenbahn ist gute und schnelle Verbindung mit allen Teilen der beiden Städte hergestellt. Die Hauptgeschäftstrasse in Kobe ist die Motomachi, Geschäftshäuser aller Art sind hier vertreten und die seltsamsten Kuriositäten kann man hier bewundern. Zum Zeitvertreib dienen einige Theater, Kinos, Teehäuser u. ä. Besonders buntes Leben und Treiben herrschte auf der Ausstellung. Neben den Hallen, in welchen die Erzeugnisse der japanischen Industrie untergebracht waren, befanden sich auch Gebäude, die lediglich der Unterhaltung der Besucher dienten. Die Ausstellung umfasste hauptsächlich die Bronze-, Lacksachen- und Seidenindustrie. Die letztere war durch besonders künstlerische Stickereien im Verkaufswerte bis zu 1250 Yen vertreten. Ausserdem war die Ausstellung aber auch mit anderen Erzeugnissen gut beschickt und man hatte Mühe, das Ganze in einem Tage zu bewältigen. Zwischen den einzelnen Ausstellungsgruppen befanden sich Restaurationen und Erfrischungsbuden. Luftakrobaten, Rollschuh- und Zauberkünstler, Parterre-Gymnastiker und Schauspielertruppen hatten viel Zulauf. Besonderer Beliebtheit erfreuten sich die Geishas (Tänzerinnen), welche sich graziös und anmutsvoll nach den Klängen der dazu passenden japanischen Musik rythmisch bewegten. Auch Begebenheiten aus der jap. Geschichte, wie der russ.-jap. Krieg, L'ebergabe Formosas, Tod des Mikados u. ä. m. waren durch Wachsfiguren dargestellt.

Von den vielen in Kobe-Hyogo befindlichen Tempeln bietet der Suwa-Tempel eine schöne Aussicht über Stadt u. Hafen und lohnt wohl einen Aufstieg. In Hyogo befindet sich ein Bronze Daibutsu (sitz. Buddha) von 48 FUSS Höhe und 85 FUSS Leibes-Htnfang. Im Innern ist ein Altar angebracht. Der Buddha ist die Stiftung eines jap. Kaufmanns (1891J. Mehrere kurze Ausflüge konnte man in die nähere Umgebung machen, so z. ß. nach dem Wasserfall Nunobiki, welcher aus einem oberen u. einem unteren Fall besteht. Beide Fälle sind von einer, von einem Teehaus aus hindurch führenden Brücke, aus schön zu sehen. Ausserdem war nach kurzer Eisenbahnfahrt die Millionen- und Industriestadt Osaka leicht zu erreichen, ebenso die alte Hauptstadt Kioto. Den Hauptanziehungspunkt für die Heimkehrenden bildete jedoch der Motomachi. Hier herrschte denn auch lebhaftes Durcheinander und jeder war bemüht, für seine Angehörigen das Schönste der dort aufgestapelten japanischen Kuriositäten zu ergattern.

Am 20 V. 6.45 morgens gings wieder weiter durch die Inlandsee. Leider war das von früheren Fahrten noch in der Erinnerung lebende prächtige Landschaftsbild, das in dem Beschauer das Verlangen erweckt, die Schönheiten dieses wunderbaren Landstriches näher kennen zu lernen, durch den anhaKenden Regen vollsländig verwischt, zum mindesten aber doch stark beeinträchtigt. Nachdem wir am nächsten Morgen den schmalen Kanal der Shimonoseki-Strasse passiert hatten, gelangten wir in die durch die Seeschlacht so berühmt gewordene Tsushima-Strasse und nahmen Kurs auf Tsingtau. Am 22. V. 7 Uhr morgens trafen wir bei der südlich von Korea liegenden Insel Quelpart mit S. M. S. Scharnhorst und am 23. V. 7 Uhr morgens mit S. M. S. Leipzig u. Emden zusammen und benutzten die Gelegenheit zu einigen taktischen Übungen. Am 23. V. - - nachmittags machten wir an der Kohlenmole in Tsingtau fest. Jetzt geht es nach der, durch die zweijährige Abwesenheit, doppelt liebgewordenen Heimat zurück.