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Reisen S.M.S. "Gneisenau"

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Tsingtau Ist die Haupt- und Handelsstadt im Schutzgebiet Kiautschou, dem deutschen Stützpunkt in Ostasien. Am 14. Nov. 1897 ergriff Vice-Admiral v. Diederichs Namens des deutschen Reiches Besitz von der Kolonie. An dieser Aktion beteiligten sich die Schiffe, Kaiser" Prinzess Wilhelm" und Cormoran". Das Pachtgebiet führt den Namen nach der schmutzigen und unanschaulichen Hauptstadt Kiautschou. Das jetzige Tsingtau liegt an der Ostseite der Kiautschou-Bucht in hügeligem Gelände, es war früher ein armes chinesisches Fischerdorf. Aus dieser Zeit stammt noch das alte Yamen, welches damals der Sitz der chinesischen Gouverneurs war. Die jetzige Stadt ist jedoch in modernem Stil erbaut, weitläufig und gesund angelegt. Sie besitzt vorzügliche Verkehrswege, elektrische Strassenbeleuchtung, eine einwandfreie Wasserleitung u. ausgedehnte Kanalisation, wodurch die Gesundheit der Bevölkerung sehr gefördert wird. Grössere Epidemien, wie sie in den ostasiatischen Grossstädten vorkommen, sind in Tsingtau noch nicht ausgebrochen. (Ausserhalb der Stadt im Lauschangebirge liegt das Genesungsheim Mecklenburghaus.") Das gesunde Klima, der vorzügliche Badestrand locken alljährlich viele Ausländer zur Wiederherstelluug ihrer Gesundheit nach Tsingtau. Tsingtau gehört zu den wenigen Orten Chinas, welche Waldreichtum aufzuweisen haben. Die Aufforstung der Tsingtau umlagernden Hügelketten ist trotz grosser Schwierigkeiten gelungen. Vorherrschend sind Akazien und Kiefern angepflanzt, auch Obstkultur wird betrieben. Jede Art Sport ist in Tsingtau beliebt, Pferderennen, Fussball, Polo, Tennis u. v. a. m., ja die Tsingtauer Sportwoche hat sogar schon einige Bedeutung erlangt. Es besteht auch ein Alpenverein der im Lauschangebirge Unterkunftshütten und Fusswege angelegt hat. Die Einwohnerzahl setzt sich zusammen aus ca. 1600 Europäern, 58.000 Chinesen, 170 Japanern, sowie einigen anderen Rassevertretern. Die Garnison besteht aus dem III. Seebataillon und der Matrosen-Artillerieabteilung Kjautschou. Hervorragende Gebäude sind das Gouvernementsdienstgebäude, Gouverneurwohnhaus, Bismarck- und Iltiskasernen, das Artillerielager, Lazarett, evangelische Kirche, Seemannshaus und die Deutschchinesische Hochschule. Ausserdem bestehen mehrere Missionsanstalten und das Faber-Hospital. Am Kaiser Wilhelm Ufer" liegt die vorzügliche Anlage- und Verkehrsbrücke Tsingtau-ürücke." An die Villenstadt mit ihrem prächtigen Badestrande, Sport- und Rennplatz schliesst sich die Chinesenstadt Tapautau. Der grosse geräumige Freihafen mit seinem 16000 ts. Schwimmdock nimmt Schiffe jeder Grosse auf, die Kaianlagen sind mit Bahngeleisen und Lagerschuppen versehen. Die Werft ist modern eingerichtet und kann rasch jede Schiffsreparatur ausführen. Der grosse Krahn hebt 150 ts. Der Signalberg mit dem bekannten Diedrichsstein (Inschrift zum Andenken an die Besitzergreifung) überragt die Stadt. Auf dem nächstliegenden Berge befindet sich des Observatorium, die Sturmwarnungsstelle u. der Zeitbai!. Tsingtau hat wöchentlichen Passagierverkehr mit Schanghai, Tschifu, Tientsien u. Dalny. Es besteht Eisenbahnverbindung mit Tsinanfu, der Hauptstadt des Schantung-Hinterlandes, (400 km Strecke) von dort mit Nanking und Peking. Die wichtigste Marktstadt in der Nähe das Schutzgebiets ist Kauini. Bei dem Orte Fangtse befinden sich grosse Kohlenlager, welche von der deutschen Schantung EisenbahnGesellschaft" ausgebeutet werden. Tsingtau ist Freihafen und dank der vorzüglichen Lösch- und Ladegelegenheiten ist der Handel noch immer im Aufblühen begriffen. Der Nettowert des Ein- und Ausfuhrhandels betrug im Jahre 1911 ca. 140 000 000 M. Einfuhr: Baumwolle und Baumwollwaren, Papier, Zucker, Baumaterial u. s. w. Ausfuhr: Schantungkohle, Erdnüsse, Wallnüsse, Bohnenkuchen, Bohnenöl, Melonensamen, Nudeln, gesalzene Schweine, Obst u. a. Bis Ende Juni 13 wurden die neu an Bord kommandierten Leute in ihren einzelnen Funktionen unterwiesen, Einzelschiessen, Landungsmanöver p.p. Am 22. Juni 1913 abends 7 Uhr trat S. M. S. Gneisenau die Reise nach dem Süden an und traf nach ca. 37 stündiger Fahrt in Nagasaki (Japan) ein. Hier wurden indes nur Kohlen aufgefüllt und am Abend desselben Tages (24. VI.) gegen 7 Uhr ging es weiter südwärts. Nachdem wir die Kurilen" hinter uns gelassen hatten, passierten wir am 28. Juni vormittags die nördlichste Insel der Marianen-Grippe, Uracas". |
