Die Marianen Inhalt Agrigan Pagan Rabaul

Reisen S.M.S. "Gneisenau"

Uracas

Die nördlichste Insel der Marianen-Gruppe ist ein fast kreisrunder tätiger Vulkan von 317 m Höhe, ganz aus frischer Asche aufgeschüttet, durch welche die jungen Lavaströme teilweise bedeckt sind. Ein alter jetzt zusammengefallener Lavahügel umgibt die Insel in Form von Klippen. Die am Fusse des Kegels sich fortwährend erneuernde heisse Asche und Lava wird von vielen Tausend Seevögeln zum bequemen Ausbrüten ihrer Eier benutzt. Auch hoch oben sieht man diese Vögel sehr oft in dem aus dem Krater aufsteigenden gelbbraunen Rauche. Auf der Insel befindet sich eine kleine japanische Ansiedlung zur Kopragewinnung.

Am 29. Juni gegen 5 Uhr nachmittags ankerte S. M. S. ,Gneisenau" in Agrigan.

Agrigan

Ist eine 32 qkm grosse und 750 m. hohe Insel. Sie besteht aus einem erloschenen Vulkan mit grossem Krater. Der Strand ist mit schwarzem Sande bedeckt und eine Arbeiterniederlassung von ungefähr 20 Hütten befindet sich dort. In der Nähe mündet das steile Basaltbett eines Flusses, der während der Regenzeit Wasser führt. Sobald man an Land kommt, wird man von einer Unmenge Fliegen belästigt, deren man sich kaum erwehren kann. Am nördlichen Teil der Westküste sind reiche Kokosbestände. Es befanden sich ca. 100 Seelen auf der Insel. Die Schwarzen zeigten sich sehr gutmütig und willfährig, so leisteten sie auch z.B. beim Aus- und Einbooten bereitwilligst Hilfe. Viele von ihnen sprachen deutsch. Die Niederlassung stand im Sold einer Gesellschaft für Kopragewinnung. Die Arbeiter bekamen monatlich 20 M. Wir blieben hier die Nacht über liegen und fuhren am nächsten Morgen nach dem 40 sm. südlicher liegenden „Pagan". wo wir im Apaän Hafen ankerten.

Pagan

Die Insel Pagan ist fast 11 sm lang und 3 sm. breit, sie hat ca. 100 qkm. Flächeninhalt und ist die viertgrösste Insel der deutschen Marianen. Zwei, auf dem nördlichen und südlichen Ende der Insel stehende Krater sind durch eine niedrige 23/4 sm. breite Ebene miteinander verbunden. Die Vulkane sind 300 bis 500 m hoch und von mehreren Bergkegeln umgeben. Eine Niederlassung befindet sich am Fusse des nördlichen Vulkans, hier wohnen ca. 180 schwarze Arbeiter zur Gewinnung der Kopra (jährlich ca. 200 ts). Angebaut werden Mais, Bataten, Bananen und Ananas. Im Innern der Insel kommen neben der Kokospalme auch noch Brotfruchtbäume vor. Pagan soll nächst Saipan die wirtschaftlich wertvollste Insel der Gruppe sein. Während unseres Aufenthaltes in Pagan kam der als Fähnrich an Bord kommandierte Leutnant zur See Maximilian Prinz zu i Solms Hohensolms-Lich von Wege ab. Als man ihn mittags vermisste, wurden sofort sämtliche entbehrlichen Leute zum ' Suchen an Land geschickt. Gegen 4 Uhr nachmittags fand man ihn im dichtesten Schilf, ein Hitzschlag hatte seinem Leben ein Ziel gesetzt. Mittels eines Leuchtsternes wurde dies dem Schiffskommando gemeldet.

Durch ungünstigen Wind vertrieben, fiel der brennende Stern jedoch in die ausgedörrten Schilfgräser, im Nu einen Band erzeugend. Die Rettung aller Beteiligten lag in schleuniger Flucht. Glücklicherweise war kein weiterer Unfall zu verzeichnen; dem Feuer wurde durch Auswerfen eines mehrere Meter breiten Gürtels Einhalt geboten. Trotzdem brannte es doch die ganze Nacht hindurch, aber dank der vereinigten Anstrengungen war es gelungen, einen grösseren Schaden zu verhüten. Durch den erwähnten Unfall wurde unsere Reise wesentlich verändert, denn nun ging's ohne Zwischenstation nach Rabaul, da von dort die Leiche mit dem gerade fälligen und nur 14 tägig verkehrenden Dampfer „Prinz Sigismund" nach der Heimat befördert werden sollte. Am 1. Juli 1913 morgens 6 Uhr 35 Minuten ging S. M. S. Gneisenau Anker auf und traf nach 5 Tagen, also am 6. Juli 9 h. V. in Rabaul (Simpson Hafen) ein.

Nach Abhaltung eines Trauergottesdienstes wurde die Leiche auf „Prinz Sigismund" überführt und beim von Bord gehen drei Gewehrsalven gefeuert. Am 7. des Mts. verliess der Dampfer Rabaul und schon am 9. Juli rnussten wir den Matrosen Wörmann, welcher inzwischen an Blinddarmentzündung verschieden war, in Rabaul beisetzen.

Rabaul (Simpsonhafen)