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von
Otto von Gottberg

Fünfter Abschnitt

 

Die zähe Verteidigung von Kutapu ließ den Feind spüren, mit welcher Art Gegner er zu rechnen habe.Durch einen Angriff mit stärkeren Kräften setzte er sich am nächsten Tag von neuem in besitz des Postens. Vierundzwanzig Stunden später warf die Kompagnie Schaumburg ihn nochmals heraus und über den Paischaho zurück. Einigen Reitern der berittenen Kompagnie stürmte Leutnant d. R. Freiherr von Riedesel als erster durch das versiegte flußbett voran. Am jenseitigen Rand durchschlugen feindliche Geschosse seine Schlagadern. Zwischen zwei Reihen heißer Gewehre verblutend, durfte er als erster der Tsingtauer-Festungsbesatzung sterben. Als Legationssekretär unserer Gesandtschaft in Peking ein in China bekannter und geschätzter Mann, war er eben jauchend zur Fahne und schnell zu schönem Reitertod gekommen.

Unter Feuer kroch ein Braver der Kompagnie Schaumburg durch das Flußbett, um die Leiche des Offiziers zu bergen. Durch verstärktes Feuer der Japaner vertrieben, brachte er immerhin des Toten Waffen zurück. Die Truppe hielt sich, bis sie nach Einbruch der Dunkelheit die Leiche des Gefallenen bergen konnte. Sie führte einen Kleinkrieg, in dem sie bis zum letzten Tag dem Gegner weder Lebende noch Tote und keinerlei Trophäen lassen wollte. Morgens drückte der Feind stärker. Um günstigere Feuerwirkung zu erzielen, besetzte seine Infanterie den Tempel auf den Mükuschan, aber räumte ihn schnell, als von der Bucht her die Geschütze von "S 90" in den Kampf traten. Das Gefecht erstarb. Ohne Kampf räumten die Unseren Kutapu vor dem Drohen erdrückender Übermacht. Mit dem hellen Gesang froher Marschlieder, in den laut und selbstbewußt der feste Tritt der Braven hallte, ging die Kompagnie Schaumburg zurück in ihre Stellungen auf den Tsangtouer Höhen und Alarmbereitschaft.

Während der gleichen Tage war das Gelände vor unserem rechten Flügel ein Schauplatz ähnlicher Kämpfe. Auf den Straßen über den Marschpaß und durch das Herzogin-Elisabeth-Tal beim Mecklenburghaus drückte der Gegner mit Infanterie so heftig gegen schwache Posten, daß unsere Leitung zu ahnen begann, dort vom Osten und nicht vom Norden, aus der Richtung seiner ersten Landung, werde der Feind den Angriff auf Tsingtau vorbereiten und anstzen. Mit nur zehn mann hielt Leutnant Below durch einen Tag und eine Nacht in zäher Verteidigung den Paß beim Mecklenburghaus, in das er nach neuer Munition schickte, wenn sein Häuflein sich verschossen hatte. Dem endlich zurückgehenden Posten folgte als letzter der Gefreite Zanzinger von der berittenen Kompagnie. Allein, sah er sich plötzlich von den sechs gefällten Gewehren einer feindlichen Infanteriepatrouille umstellt. In gebrochenem Deutsch forderten die Japaner Zanzingers Waffe. Der augenscheinlich in der schönen Literatur und namentlich den werken Goethes sehr bewanderte Gefreite antwortete mit dem Zuruf, den der Dichter Götz von Berlichingen in den Mund legte. Mit einem Hieb zog er zwei Japanern den begehrten Säbel durchs Gesicht und entkam im Galopp. Von den Geschossen, die ihm nachsausten, trafen drei Schulter, Hand und Hüfte. Im Lazarett genesen, durfte er spätere Kämpfe als Unteroffizier mitmachen.

Dem nachdrängenden Feind verlegte das Feuer der bei Han Ho stehenden Feldbatterie den Weg. Doch erreichte er mit den Spitzen seiner Infanteriekolonnen am 17. September die Wegegabel der Straße östlich von Litsun. Nicht nur die Batterie, sondern auch die bei Shat zy kou stehenden Kompagnie Hertzberg war jetzt in Gefahr, vom Gegner in der linken Flanke wie im Rücken gefaßt und abgeschnitten zu werden. Auch hielten feindliche Kriegsschiffe seit Tagesanbruch Shat zy kou unter Feuer. Batterie und Kompagnie wurden in vorbereitete rückwärtige Stellungen zurückgezogen, die werke und Bauten von Shat zy kou gesprengt.

In dauernd naher und nächster Fühlung mit dem Feind hielten unsere Truppen jetzt eine Stellung, etwa fünfzehn Kilometer lang, von Tsang Kou an der Kiautschoubucht bis zum Kaiserstuhl am Gelben Meer. Die wirkung der feindlichen Artillerie hatte bei den Kämpfen Litsun erreicht und dort am 18. September das neue Wasserwerk zerstört. Als die Leitung versagte, spürten die Tsingtauer den ernst des Kampfes, dessen Lärmen sie hörten. Das alte Wasserwerk in der stadt versorgte sie noch, aber nur für einige Tagesstunden. Später zertrümmerten Granaten auch das alte Werk. Durstige mußten zum Brunnen gehen. Ein Bad wurde begehrter, aber seltener Luxus.

Der zähe Widerstand, den der Feind abermals gefunden hatte, mahnte ihn zur Vorsicht. Für neue größere Angriffe wartete er auf Verstärkung, die er nun ungestört in der Wangodschwangbucht am Gelben Meer landen konnte. Dort betraten am 23. September auch englische und indische Truppen unter general Barnadiston in Stärke von etwa zwölfhundert Mann den Schauplatz des Kampfes. Die Kriegsgeschichte wird von ihnen nicht sprechen. Wie die Deutschen im Platz bekundeten die Japaner draußen den tatenlos Zuschauenden Geringschätzung. Weit vom Schuß spielten sie Fußball hinter der Front und durften den Japanern allenfalls Kulidienst beim Sammeln und Schleppen von Holz tun. Das halbe Dutzend ihrer Renommiertoten starb an Typhus oder Ruhr, die während der Regenzeit die Reihen der Belagerungsarmee lichteten.

Nachricht von Landungen, die später auch bei Shat zy kou stattfanden, und von allen Bewegungen des Feindes brachte Oberleutnant z. S. Plüschow, des Platzes einziger Flieger, ins Gouvernement. —
Zierlich, fast schmächtig von Gestalt, muß der junge Offizier bullenstark von Willen und Nerven sein. Mit waghalsigster Tapferkeit hat er kühle Ruhe, das junge Herz auf dem rechten Fleck und wie den geschmeidigen Körper seinen Kopf fest in der Hand. Drei Tage vor der Kriegserklärung an Rußland mit seiner Rumpler-Taube in Tsingtau eingetroffen, machte er sich der Verteidigung noch über Erwarten nützlich. Wohl half ihm das Glück, das ihn als einzigen Flieger hinter Tsingtaus Werke rief und auf seine Schultern eine Verantwortung legte, größer als sie andere seiner Kameraden der Flugwaffe auf irgendeinem Kriegsschauplatz zu tragen hatten.

Bei den ersten Aufstiegen in Tsingtau erfuhr der junge Offizier, daß seine Rumpler-Taune zu schwer war, um in der dünnen asiatischen Luft mit ihm auch einen Beobachter zu tragen. Allein flog er täglich zu den Wolken und über den feind. Wenn es galt, japanische Batterien oder des Feindes Lagerplätze und Anmarschstraßen zu finden, um durch genaue Meldung der eigenen Artillerie Ziele zu weisen, steuerte er seine Taube mit den Füßen. Die Hände griffen zu Notizbuch und Bleistift. Vor ihm lag die Karte. Dann mochte die Luftkarre wohin sie wollte schwirren. Plütschow hing den Kopf nach links heraus und schrieb oder zeichnete, bis ein steifes Genick ihn zwang, den Kopf nach rechts herauszuhängen. Lässig griff er dazwischen einmal nach einer der Bomben, die er mit eigenen Händen aus Kaffeebüchsen, Dynamit und Schuhnägeln ferigte, und ließ die Knallerbsen plumpsen, um auch bei Bekämpfung des Feindes zu helfen. Viel Schaden tat sie dem Gegner nicht, aber Plütschow hatte Spaß dabei.

Wenn wenigstens seine Maschine in Ordnung gewesen wäre! Aber die Propeller fand er schon beim Auspacken zerbrochen. Er flog — wer glaubt es überhaupt? — mit neuen, die er von Chinesen mit Axten ausschlagen ließ. Nach jeder Landung war es nötig, sie abzuschrauben und zu reparieren. Nie hatte der tapfere junge Seeoffizier in der Luft das sonst allein den Erfolg verbürgende Gefühl, daß er sich auf seinen Apparat verlassen könne. Aber doch weckten seine Leistungen in den Japanern den schließlich bis zu wahrnehmbarer Wut gesteigerten Wunsch, ihm den Garaus zu machen. Täglich nahmen Batterien seinen Flugplatz unter Feuer. Täglich begleiteten seinen Aufstieg Schrapnellwölkchen. So dicht hingen sie beieinander, daß ihre Bleikugeln wie Hagelschloßen fielen. Täglich auch jagten ihn die vier Flieger des Feindes. Plütschow schraubte sich höher oder wehrte mit dem Armeerevolver ihre Angriffe ab. Jeden Abend mußte er die von Geschossen durchlöcherten Tragflächen seiner Taube flicken lassen. Jeder neue Morgen fand der Unverzagten wieder auf dem Flugplatz und lachend brachte er bald neue Meldungen von Wichtigkeit. — Hell tritt seine fröhliche junge Soldatengestalt sogar aus dem lichten Glanz des Heldenkampfes der Viertausend von Tsingtau heraus!

Den schon überhaus vorsichtigen Anmarsch des Gros der Japaner verzögerte während der nächsten Tage vor dem linken Flügel unserer Stellung das Feuer, mit dem "Jaguar" (Kommandant: Fregattenkapitän Freiherr von Bodecker), "S 90" und "Kaiserin Elisabeth" die Anmarschstraßen belegten. Vielleicht darum entschloß sich der Gegner, etwa die Hälfte seiner Truppen weit vor unserer Front nach Osten zu ziehen und sie vereint mit bald hinter dem Lauschan landenden Verstärkungen auf den beschwerlichen Höhenstraßen des Gebirges zum Angriff gegen die Festung zu führen. Geheimnis blieb das feindliche Vordringen gegen unseren rechten Flügel dem Gouverneur nicht, denn in neuen Patrouillengefechten gelang es unserer kleinen Reiterschar, den Schleier der feindlichen Kavallerie zu zerreßen. Am 21. September hatte die japanische sich in Besitz des Kletterpasses — an der gleichen Straße wie der Marschpaß — gesetzt. Am 23. September ging der mit der ersten und vierten Kompagnie bei Hsia Ho und östlich davon stehende Major Anders zu einer gewaltsamen Erkundung vor, warf mit Reitern die feindliche Feldwache aus dem Paß und stieß mit der Infanterie bis in Sicht der feindlichen Kolonnen vor.

Als am 26. September Oberleutnant z. S. Plüschow den Aufmarsch des durch Landungen in der Lauschanbucht auf etwa fünfundzwanzigtausend Mann verstärkten Gegners gemeldet hatte, war unsere Stellung die folgende:Schykou und die Tsangtoner Höhen hielten unter Major Kleemann 2/D, M.D. 4/III S.B., der Zug Gaul, die Maschinengewehre und die M.F.B.. Auf dem Paß der Litsuner Höhen stand der Zug Bier. die Höhen zu beiden Seiten der Straße Litsun — Tan Schan hielt hart südlich Lo Tschuen Tschien 3/D. M.D. Bei Hsia Ho standen unter Major I/D.M.D., 4/III S.B. (ohne I.Zug) und die Res.F.B. Tschang Tschien hielt Leutnant d. R. von Frieß mit zwanzig Reitern. Am Kaiserstuhl stand die Kompagnie Hertzberg mit einem vorgeschobenen Posten unter Oberleutnant Trendelburg in Shat zy kou.

Aus seinem Beobachtungsstand auf den Tschangkouer Höhen sieht Hauptmann Schaumburg um Mittag dieses 26. September auf dem fernen Mükuschan chinesische Kulis mit Spaten bei der arbeit. Der Feind hebt wohl Artilleriestellungen aus. Der neben dem Hauptmann durch das Glas spähende Leutnant Cordes meldet auf der Straße neben dem Hügel eine feindliche Kolonne. Neun Kompagnien und zwei Batterien glauben die Herren festzustellen. Meldung davon geht an Major Kleemann und bald sausen die Geschosse unseres kleinen Geschwaders aus der Kiautschoubucht zur Linken von Tsangkou in den Feind. Die japanische Infanterie beschleunigt ihren Marsch nach Osten, aber hält, um Deckung zu suchen,in dem Dorf Lou schan hou drei Kilometer von den Tsankouer Höhen. Sofort sprechen die Geschütze unserer Feldbatterie. Schrapnells platzen über den Häusern und Granaten schlagen ein. Die Strohdächer brennen. Grimmig schmunzelnd sieht Schaumburg auch aus dem hart umstrittenen Tempel von Kutapu eine Feuersäule schlagen. Die Chinesen flüchten in Scharen.

Schaumburg läßt in seinen Scheinbatterien Kanonenschläge lösen und dreht sich zu den Leuten: "Ganz anständige Kanonade, was, Kinder? Doch geht ein Gerücht, daß sie in Frankreich lauter Ballern!"

Lachend sehen die Unseren drüben feindliche Offiziere auf Orientierungsritten durch das Gelände galoppieren und in Gruppen auf Gipfeln halten. Ein japanischer Flieger schraubt sich zu großer Höhe über die Stellung der Kompagnie hinauf, schwenkt kehrt und geht hinter der feindlichen Front nieder.
"Jetzt dürfte es losgehen", sagt Hauptmann Schaumburg. Bald krepieren hinter ihm vier Schrappnells über Handpferden der berittenen Kompagnie. Wahrscheinlich hielt der Flieger die Ponies für Tiere der Artillerie. Schnell werden sie zurückgeschickt. Die fünfte Nachmittgasstunde kommt. Wie Hauptmann Schaumburg gewollt hat, nimmt der Gegner die Scheinstellung unter verheerendes Artilleriefeuer. In den wirklichen Stellungen liegen unsere Leute unbehelligt. Zu ihrem Ergötzen fliegen die Ofenrohre meterhoch in die Luft. Die Strohpuppen hopfen und tanzen zum Takt der Granatenmusik.

Die Sonne sinkt, aber noch im Dämmern ist wahrzunehmen, daß der Gegener seine Infanterie für einen Nachtangriff vorschiebt. Nach den letzten Meldungen einer Patrouille im Vorgelände weiß Hauptmann Schaumburg vier Bataillone vor sich. Um sie aufzuhalten, entschließt er sich, seine Streitmacht von ganzen hundert Mann an den beiden zwei Kilometer voneinander entfernten Straßen durch seinen Abschnitt zusammenzuziehen. Am Weg von Tsangkou bleibt er mit achtzig Mann, zwei Maschinengewehre und zwei Geschützen. Die Die Schykou Straße muß ein Feldwebel mit zwanzig Mann halten. Die Mitte der Stellung sichern zwischen den Straßen zwei Gruppen von acht Mann unter einem Offizier gegen etwaigen Durchbruch.

Der Feind wartet die Dunkelheit ab und eröffnet das Feuer gegen acht Uhr abends. Mit seinen Granaten schlagen bald Infanteriegeschosse in die Stellungen. Aber auch die Zwischenräume belegt der Gegner, denn er überschätzt die Zahl der Unseren wie bis zum letzten Tag die Ziffer der Verteidiger der Festung. Die Kompagnie kargt nicht mit Antwort, aber näher und näher kommt der Feind. Heller und heller flammt es wie von vielen hundert Streichhölzchen aus der langen Reihe seiner Gewehre auf. Eine Patrouille bringt Nachricht, daß der Feind den rechten Flügel zu umfassen drohe. Auf Meldung davon nimmt Major Kleemann die Batterie zurück. Unterdem Schutz des knatternden Feuers der beiden Maschinengewehre ziehen die Geschütze ab. Die Maschinengewehre folgen, als der Gegner auf Sturmweite von den Schützen ist.

Hauptmann Schaumburg hat Befehl, den Kampf mit der blanken Waffe zu vermeiden. Des Gegners erdrückende Übermacht würde ihn zu einem vernichtenden machen, und die Unseren sollen sich für die Verteidigung der Hauptstellung in den fünf Infanteriewerken erhalten. Der Führer beginnt langsam abzubauen. In kleinen Gruppen läßt er seine Leute die Stellung räumen. Als letzter folgend, hat er um sich die zehn Beherzten der Kompagnie und gibt Befehl, von rückwärts oder aus der Flanke nachdrängende Gegner ohne Schuß mit Hurraruf anzugreifen. Unbelästigt erreicht er den Sammelplatz. In der Stellung beim Gasthaus von Tsangkou erwartet die Kompagnie, Gewehr im Arm, einen neuen Morgen und Angriff.

Vor Tagesgrauen noch kommt Nachricht, der Gegner habe weiter rechts auch die Kompagnie Stranz zurückdedrückt. Nur der nach Instruktion auf sein eigenes Urteil gestellte Feldwebel an der Schykoustraße steht im schwarzen Dunkel der Nacht noch als Keil vorn in der Brandung der vorflutenden feindlichen Angriffswelle. Patrouillen, die ihn rufen sollen stoßen auf Japaner, und jetzt zieht ein Befehl des Majors die Kompagnie auf die Höhen südlich des Litsunflusses zurück. Im Marsch sieht sie vor sich die mit Dynamit gesprengten fiskalischen Gebäude von Litsun unter Donnerkrachen in Flammenkegeln bersten. Lichterloh brennen die Trümmer, als die Kompagnie östlich des Dorfes Schuitschingkou Auffstellung nimmt. Dann geht blutrot die Sonne eines herrlich klaren Tages auf. Vorn und rechts hallt das Feuer aus Gewehren und Geschützen. Weiß wie Schneebälle hängen die Scharpnellwölkchen in der reinen Morgenluft. Lichtgrau wie Möwen fliegen zur Linken die drei flinken Fahrzeuge unseres Geschwaders über den glitzernden Wasserspiegel der Bucht, und deutlich sieht der Hauptmann des Feindes Kolonnen auseinanderspritzen, als das Feuer der Schiffe und der auf dem Kuschan stehenden Zwölf-Zentimeter -Batterie in sie schlägt. Des Gegners Vordringen stockt. Er sucht in den Ravinen Schutz, aber unsere Granaten platzen auch dort. Namentlich das Flankenfeuer der Schiffsgeschütze hat dem Angriff längs der Straßen von Tsangkou und Schykou ein Zeil gesetzt.

Gegen zehn Uhr vormittags kann Hauptmann Schaumburg in unerwarteter Freude den verloren geglaubten Feldwebel umarmen. Bei einem Happen und Tropfen muß der Unteroffizier von den Abenteuern der Nacht erzählen. Auch er hatte, um des Gegners Vordringen zeitig zu gewahren, das Gelände vor der Stellung durch in Blechbüchsen brennendes Petroleum erleuchten lassen. Eine Büchse verlosch. Ein Mann schlich mit Petroleum und Streichölzern nach vorn und stieß auf zwei mäuschenstill vor dem Nahenden geduckte Japaner. Unser Mann schoß sie ab, zog das Seitengewehr, brach gemächlich die neue Petroleumbüchse auf und sorgte für bessere Beleuchtung. — Kurz vor Tagesanbruch setzten drei feindliche Kompagnien ihren Angriff gegen den Feldwebel an. Der Schützenschwarm lief auf eine Minengruppe. Als sie aufflog, kam der angriff zum Stehen. Unsere Sechzehn feuerten in die Zaudernden. Die drei Kompagnien gingen zurück. Vor einem neuen Sturmangriff mit lautem Banzaischrei mußte der Feldwebel weichen. Ihm auf den Fersen erklommen die Japaner die Höhe, die er gehalten hatte. Dort aus ihren eigenen Geschützen einschlagende Granaten nahmen ihnen die Lust zu folgen.

Weiter nach Osten drängte das Feuer unserer Schiffsgeschütze die Japaner. Bald konnte Hauptmann Schaumburg melden, daß sie sich anschickten, den Litsun östlich vom gleichnamigen Dorf bei Tinglitsun zu beschreiten. Auf Nachricht davon legte sich draußen in der Bucht "Kaiserin Elisabeth" so, daß sie das Flußbett mit voller Breitseite bestreichen konnte. Sie war in Feuerstellung, als die mit acht bis zehn Pferden bespannten Geschütze einer japanischen Batterie den Fluß durchfuhren. Hier hauten die Fünfzehn -Zentimeter-Granaten von fünf Geschützen ein und zermalmten die Batterie zu Brei. Pferde und Protzen urzelten, Kanonen zerfielen zu Trümmern, während zürnend der tiefgrollende Baß der Salven durch die Landschaft strich.

Quelle: Verlag Ullstein und Co., 1915, Verlag Karl Kurtius, Berlin, Jadu 2000.

Bilderschau der japanischen, englischen Truppen

Bildershow über den Krieg

Japan

Kap 5

 

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