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Die Samoa- oder Schifferinseln
(Navigatoren), inmitten der englischen Interessensphäre gelegen,
bestehen aus 4 größeren und 10 kleineren Inseln, in deren
Besitz sich das Deutsche Reich und die Vereinigten Staaten von Nordamerika
geteilt haben. Von den größeren Inseln sind Savaii und Upolu
deutsch, Tutuila und Manua amerikanisch. Eingerechnet auch die kleineren
Eilande umfaßt des deutsche Gebiet 2588, das amerikanische 199
qkm.
Die Samoainseln
wurden 1722 von dem holländischen Seefahrer Roggeveen entdeckt,
aber nicht betreten, ebenso wenig 1768 von den Franzosen Bougainville,
welcher indessen die Lage der größeren Inseln genauer bestimmte
und ihnen den Namen Navigateurs, Schifferinseln, beilegte, aus Bewunderung
der erstaunlichen Gewandtheit , mit welcher sich die Pirogen der Eingeborenen
um seine Fregatte herumtummelten. Erst 1787 versuchte Lapérouse
eine Landung auf Tutuila, leider mit höchst unglücklichem
Erfolge, denn die landende Mannschaft wurde von den Wilden überfallen,
und dabei verloren ein Offizier und eine Anzahl Leute das Leben. Diese
Tat brachte die Samoaner in den Ruf , daß sie eine äußerst
kriegerische und grausame Nation seien, was sich dann aber in der Folge
in keiner Weise bestätigte. Der Ruf mag aber dazu beigetragen haben,
das diese Inseln bis tief in das 19. Jahrhundert hinein nur von den
Walfischjägern in der Südsee besucht wurden, die sich hier
auf die billigste Weise mit frischem Proviant versehen konnten. Mit
Recht durfte such daher d'Urville 1838 rühmen, daß er hier
einen für den Naturforscher völlig jungfräulichen Boden
betreten habe. Deutsche waren es, die das Land zuerst erschlossen. Ein
Agent des früheren Hamburger Handelshauses Godeffroy, der in Valparaiso
seinen Sitz und schon auf den Gesellschaftsinseln eine Station errichtet
hatte, fand die Samoainseln als Zwischenstation für die Fahrten
nach Australien noch günstiger gelegen, außerdem für
den Anbau fast noch mehr versprechend als selbst Tahiti. So entstanden
hier sehr bald blühende deutsche Niederlassung. Im Jahre 1878 gelang
es den Amerikanern, mit der auf Tutuila herrschenden Partei einen Freundschafts-
und Meistbegünstigungsvertrag abzuschließen und den Hafen
Pago-Pago zugesichert zu erhalten.
Dies benutzte
der deutsche Kapitän von Werner, welcher von Apia auf Upolu lag,
gestützt auf Verpflichtungen, welche die samoanische Regierung
gegen die Deutschen eingegangen war, einen gleichen Vertrag abzuschließen
und den Hafen Galuafata als Kohlestation zu sichern. Da kamen denn natürlich
auch die Engländer und erzielten 1879 einen ähnlichen Vertrag.
Nach vielen Wirren und Verwicklungen sind dann schließlich durch
die sogenannte Samoakonferenz in Berlin die Verhältnisse so geregelt
worden, daß England, entschädigt durch andere Abtretung in
der Südsee, mit seinen Ansprüchen zurücktrat, und Deutschland
und Amerika sich in die Inselgruppen teilten, wie oben angegeben worden
ist.
Die größte
der Inseln, Savaii (deutsch), 1707 qkm, steigt von der Küste sehr
allmählich aufwärts und erreicht fast im Mittelpunkte ihre
höchste Höhe, dem Mua bei dem Dorfe Aopo, der von dem amerikanischen
Naturforscher Dana auf 2000 m angegeben wird. Die ganze Erhöhung
ist durchaus vulkanisch, mit vielen kleinen Kratern, sämtlich erloschen
zwar, aber die Lava auf der Insel ist vielfach noch so unverwittert,
daß die letzte vulkanische Tätigkeit nicht weit zurückliegen
kann. Mit Ausnahme dieser Lavafelder ist Savaii mit zusammenhängendem
Walde von Palmen, Plantanen, Brotfruchtbäumen usw. bedeckt, der
nicht nur die Abhänge, sondern auch die Vulkankegel bekleidet.
Dennoch ist die Vegetation hier nicht so üppig, wie auf den Schwesterninseln,
denn es fehlt mehr oder weniger an Bächen, da der poröse Boden
den reichlichen Niederschlag aus der Luft einsaugt und ihn erst weiter
unten als Quellen wieder hervorsprudeln läßt. Das ist auch
sicherlich der Grund, weshalb die Korallenriffe, welche Savaii umgeben,
keine Öffnungen zeigen, wie solche immer vorhanden sind, wo ein
Fluß ins Meer mündet, weil die Korallentierchen ihre Bauten
nur im salzigen Meerwasser aufführen und niemals da, wo sie dieses
mit süßem Wasser mischt. Die Südküste der Insel
ist schroff, die Nordküste weniger rauh, hier auch der einzige
geschützte Hafen Mataatu. Der Küstenstreifen ist außerordentlich
fruchtbar, doch wird selbstverständlich auch das Bergland, wenn
es erst der Kultur untertan gemacht ist, reiche Erträge liefern.
Die zweitgrößte,
auch deutsche Insel ist Upolu, 868 qkm, mit dem Hafen Apia an der Nordküste,
hinter welchem sich unmittelbar der 812 m hohe Lanutovulkan erhebt,
dessen Krater von einem kreisrunden See ausgefüllt ist, der rings
und sehr regelmäßig von einer hohen Felsenmauer umgeben ist.
Die Küsten erheben sich in der Mitte der langgestreckten Insel
steil aus dem Meere, zum Teil schmale und tiefe Fjorde bildend, am westlichen
und östlichen Ende dagegen hebt sich das Land aus wellenförmiger
Ebene allmählich in die Höhe. Wenn der nach dem Hafen von
Apia steuernde Seefahrer an der Küste hinfährt, bleibt es
stets in Sicht von lieblichen Buchten und volkreichen Dörfern.
Diese stehen meist auf den vorspringenden Landzungen, sind von prachtvollen
Kokoshainen umgeben und von klaren Bächen durchrieselt, die oft
auch als malerische Wasserfälle von den höheren Wänden
herabstürzen. Die sanft ansteigenden Berghänge sind überall
kulturfähig, und der außerordentlich üppige Pflanzenwuchs
verheißt auch dem Anbau des Bodens eine große Zukunft.
Die dritte
Insel, Tutuila, 135 qkm, gehört jetzt den Amerikanern und steigt
großenteils mit hohen mauern aus dem Meere auf. Das Land erhebt
sich bis zu 800 m Höhe, zeigt aber überall da, wo die Täler
ausmünden, überaus fruchtbares Flachland; eine prachtvolle
Vegetation bedeckt die ganze Insel. Merkwürdig ist der Hafen von
Pagopago an der Südküste, Wilkes nennt ihn den merkwürdigsten
der ganzen Südsee. Die Küste in der Nähe hat ein besonders
schroffes Aussehen, ohne Spur von Einschnitten, und der schmale Eingang
ist nicht leicht zu erkennen, so daß hier niemand einen sicheren
Zufluchtsort für die Schiffe vermutet. Ist man jedoch durch den
schmalen Eingang gedrungen, so erweitert sich das Binnenwasser, rings
umgeben von unzugänglichen Wänden deren schmalen Küstenrand
eine zahlreiche Bevölkerung ernährt, welche die Schiffe mit
frischen Lebensmitteln aller Art versorgen kann. Schwierig ist nur das
hinauskommen aus diesem Hafen, denn der Südpassat bläst mit
voller Gewalt in den engen Zugang hinein, und es bedarf oft eines mehrstündigen
Kreuzens, um das freie Meer zu gewinnen.
Die vierte
Insel Manua oder Tau, gleichfalls amerikanisch, ist nur 42 qkm groß,
aber gleichfalls äußerst üppig bewaldet. Von den kleineren
Inseln seien hier nur noch Manono und Apolima (deutsch) genannt. Manono,
nur 8,5 qkm groß, aber einen fortlaufenden Hain bildend und eine
zahlreiche Bevölkerung ernährend, hatte früher einen
überwiegenden Einfluß auf die ganze Samoanergruppe, denn
diesen Insulanern war schwer beizukommen, weil sie an dem benachbarten
Apolima gleichsam eine uneinnehmbare Festung besaßen. Dieses nur
4, 7 qkm große Eiland ist nämlich nichts als ein ehemaliger
Vulkan, der nur an einer einzigen Stelle einen Zugang zum Lande gestattet,
wo eine ganz schmale Einfahrt zu einer Bucht bleibt, die sicher nur
den eingestürzte und mit Meerwasser gefüllte Krater ist. Dieser
Zugang war gegen jeden Feind leicht zu verteidigen, und die Insulaner
saßen im falle der Not dahinter ganz sicher und konnten dann unvermutet
immer wieder hervorbrechen.
Die eingeborenen
Samoaner sind ein großer, schöner Menschenschlag, ernst und
würdevoll, dabei gesitteter, als viele andere Polynesier. Von dem
blutigen Zusammenstoß bei der ersten Bekanntschaft mit ihnen abgesehen,
fanden sie spätere Seefahrer gutmütig und gastfrei, auf der
andern Seite aber durchaus nicht blöde, um alles zu bitten, was
sie sahen. An Kunstfertigkeit standen sie keinen andern Stamm nach,
im Flechten von Matten und Weben von zeugen aus Pflanzenfasern entwickelten
die Weiber große Geschicklichkeit. Im Bau von Häusern zeigten
auch die Männer eine hervorragende Fertigkeit. Ihre oft sehr großen
Pirogen bestanden nicht aus ausgehöhlten Baumstämmen, sondern
aus verschiedenen, so sorgfältig mit einander verbunden Stücken,
daß es einer geraumen Untersuchung bedurfte, um an der Außenseite
die Fugen zu entdecken. Und die Mittel dazu gaben nur Fäden aus
Kokosbast und das Harz des Brotfruchtbaumes; eine Kunstfertigkeit, die
um so bewundernswerter war, als den Wilden keine eisernen Werkzeuge
zur Verfügung standen. Aber auch in jeder andern Beziehung zeigten
sich die Samoaner als ein hervorragender Stamm. Liebe zu den Kindern
und Achtung vor dem Alter war ein Grundzug ihres Familienlebens; an
den Fonos oder beratenden Versammlungen durften nur Männer reiferen
Alters teilnehmen. Diese Versammlung, bestehend aus den Ältesten
der Bezirke und den Dorfältesten, waren die eigentlichen Regenten
auf jeder der Inseln, die Häuptlinge, Tuis, waren von ihnen abhängig.
Wohl kam es zuweilen vor, daß es einem besonders hervorragenden
Tui gelang, seine Macht über seine Insel hinaus auszudehnen, doch
hatte das nie langen Bestand.
Mit der
Einführung des Christentums und der Ansiedlung von Europäern
haben sich die ehemaligen Sitten natürlich wesentlich geändert,
sind doch die Samoaner gegenwärtig fast durchweg protestantische
Christen. Mit der Besiedlung ist auch erst der Landbau, dem die Samoaner
nie hold waren, von Wichtigkeit geworden. Dazu mußten dann freilich
fremde Arbeiter eingeführt werden, da die Samoaner nicht gut dazu
zu verwenden waren, und zwar wurden Eingeborene von andern Inselgruppen
geholt, die nach abgelaufenem Kontrakt wieder in ihre Heimat zurückgebracht
werden, wenn sie es nicht vorziehen, einen neuen Kontrakt einzugehen,
was vielfach geschieht, da sie es als freie Arbeiter in den Plantagen
weit besser haben, als daheim. Als Hauptkulturen werden Kokospalmen
und Baumwolle gepflanzt, dazu treten vornehmlich Brotfruchtbäume,
Bananen, Yams und Taro, welche Wurzeln neben dem Mais vorzugsweise die
Nahrungsmittel für die Arbeiter liefern. Auch Kaffee, Kakao und
Vanille haben gute Resultate erzielt, Orangen, Zitronen und viele andere
Früchte sind im Überfluß vorhanden. Die Ausfuhr belief
sich 1901 schon auf eine Million Mark.
Quelle:
Länder- und Völkerkunde, Gustav A. Ritter, Verlagsdruckerei
Merkur 1904, von rado jadu 2000
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