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Samoanische Schönheiten

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Im allgemeinen haben die erotischen Völker eine andere Vorstellung von weiblicher Schönheit als der moderne Europäer. Eine chinesische beauté dürfte unserm Geschmack kaum entsprechen. Anders die Samoanerin! Ein eigener Reiz liegt über der natürlichen Schönheit dieser braunen Insulanerinnen.

Im "Berliner Lokal Anzeiger" gibt Dr. Georg Wegener ein anschauliches Bild von den Samoanerinnen, die eines Abends an Bord des "Cormoran" gekommen waren, um die europäischen Gäste mit der Aufführung ihres Nationaltanzes "Siwa" zu erfreuen: Unsere Mädchen waren diesmal ganz in ihr nationales Kostüm gekleidet, d.h. nur die schlanken Hüften waren mit dem bunten Lavalava verhüllt, der Oberkörper war frei, aber über und über mit Blumenguirlanden behängt. Die Samoanerin trägt sehr wenig Schmuck, dafür aber immer frische Blumen, leuchtend an Farbe und gern auch stark an Geruch. Selten sieht man ein Haupt ohne den grünen oder bunten Kranz und den Hals ohne wenigstens eine Guirlande oder ein paar Schnüre aufgereihter roter Beeren. In full dress umwinden sie auch die Oberarme, die Hüften mit Blumen, ja sie kleben sich auch noch bunte Blumenblättchen auf die Backen oder an die Mundwinkel. Vielleicht trägt gerade diese Art des Schmucks am meisten mit dazu bei, den Samoanerinnen jenen Hauch zarter Poesie zu geben, der sie so reizend und anmutig macht.

Es ist erstaunlich, wie verschiedene Typen unter den Insulanerinnen sind: die stolze Schönheit, die neckische, die lieblich mädchenhafte, die strenge, die weiche usw. Auch ein Porträt der Sefilina kann ich beifügen, der reizenden Samoanerin, die gewiß manchem Leser von Otto Ehlers"Samoa" wohlbekannt sein wird.

Die Frau nimmt ja auch bei den Samoanern eine ganz andere Stellung ein als in der Regel bei sogenannten Naturvölkern. Sie ist durchaus nicht die Sklavin oder das Arbeitstier des Mannes. Das Maß von Arbeiten, mit dem der Samoaner auskommt, ist überhaupt sehr gering, und alle schweren Hantierungen darunter übernimmt der Mann, selbst das Kochen. Die Frau verfertigt feinere Handarbeiten, flicht Matten, Körbe, Fächer und, solange sie jung und schön ist, schmückt sie sich vor allen Dingen, lacht , singt und tanzt. An den öffentlichen Geschäften nimmt sie nicht teil, aber eine deutlich erkennbare Ritterlichkeit der Männer gegen sie, die ganz der unserer guten Gesellschaft ähnlich ist, tritt bei vielen Gelegenheiten hervor.

Eine ganz eigentümliche und bezeichnende Sitte ist die, daß jedes Dorf sich ein Taupo, eine Ehrenjungfrau, erwählt, eine Häuptlingstochter, die gleichsam die Repräsentantin des Dorfes ist, bei feierlichen Gelegenheiten den Ehrentrunk bereitet, bei großen Tanzaufführungen die Vortänzerin ist usw. Kommt ein distinguierter Gast, so empfängt sie ihn, bewirtet ihn am "Faletele", d.h. Empfangs - und Versammlungshaus der Eingeborenen, unterhält ihn, massiert ihm wohl auch den Kopf, bereitet ihm abends das Lager und schläft die Nacht an seiner Seite.

Irrig aber wäre es, diese letztere Handlung anders als rein symbolisch aufzufassen; ein paar ältere Anstandsdamen wachen sorgfältig darüber, daß die Tugend der Taupo unangetastet bleibt, bis sie die Frau irgendeines hohen Häuptlings wird. Diese vornehme Stellung, diese stete Gewohnheit, mit den festgeregelten Formen samoanischer guten Sitte zu repräsentieren, gibt den Taupos oft eine ganz eigentümliche, sichere, stolze Haltung, die ganz an die einer gefeierten Ballkönigin bei uns erinnert.

Doch um zu unsern Ankömmlingen zurückzukehren — wir leiteten sie jetzt auf die Hütte, wo Kapitän Emsmann sämtliche elektrische Lampen anzünden ließ, so daß ein helles Licht sich über die Plattform ergoß. In einem Halbrund nahmen wir, d.h. die Gäste des Kapitäns und die Offiziere, auf Stühlen Platz, vor uns ließen sich die Samoaner in mehreren Reihen auf den Boden nieder, in der ersten Reihe die jungen, mit Blumenketten geschmückten Mädchen, in der zweiten und dritten einige ältere Frauen und die Knaben und Männer. Dahinter baute sich die gesamte Mannschaft des "Comoran" auf, die der Kapitän auf die Hütte beordert hatte, um auch seinen Leuten das Schauspiel zu gönnen.

Und nun sah ich zum erstenmal einen jener Siwatänze mit an, auf die ich durch alle Schilderungen früherer Samoareisen schon so gespannt war. Es ist freilich nicht möglich, den außerordentlichen Reiz dieser allerliebsten Ballettaufführungen — so kann man den Charakter des Tanzes wohl am besten definieren — mit Worten wiederzugeben. Der Siwa hatte hier seinen regelmäßigen Verlauf. Er begann zunächst ohne Gesang, nur mit einer rhythmischen Begleitung, ausgeführt durch die hinteren Reihen, mittels Händeklatschen und einer Art Trommelbegleitung durch ein Mattenbündel, das mit einem Stäbchen geschlagen wird.

Die Tänzerinnen machen dabei mit ihren Armen und dem Oberkörper taktmäßige Bewegungen, die wie Freiübungen aussehen, nur das sie außerordentlich graziös sind. Bei der nächsten Tour, die durch eine kleine Pause markiert wird, trat dann ein mehrstimmiger, eigentümlich melodischer Gesang hinzu. Die ersten Touren waren ziemlich gemessen und langsam, allmählich jedoch wurden die Rhythmen immer schneller und lebhafter, die Oberkörper bewegten sich rascher und rascher, die Mädchen begannen sich auch auf den untergeschlagenen Beinen zu wiegen, neigten sich hierhin und dorthin, immer aber klappten Rhythmus der Musik und die eleganten Bewegungen aufs genauste in einem glänzenden Drill, so daß wir nach jeder Tour in ein lauteres "malie", den Bravoruf der Samoaner, ausbrachen. Dies entzündete die Musiker und Tänzerinnen zu immer lebhafterem Feuer. Die Mädchen erhoben sich jetzt auf den Knien und tanzten so; dann stand die schönste von ihnen, ein schlankes, sanftäugiges Mädchen, auf und führte stehend und vor- und rückwärtsschreitend überaus reizende Tanzbewegungen aus, lebhaft, aber doch ohne jede Gewaltsamkeit.

Eine zweite folgte ihr nach einiger Zeit, ein jüngeres Ding mit ungemein beweglichem Körper, kurzgeschnittenem, rotem Pudelkopf und gaminhaft drolligen Gesichtszügen. Sie war die Komikerin der Gesellschaft, schnitt lächerliche Gesichter und drehte ihren noch backfischmäßig jugendlichen Körper so parodistisch, daß wir laut lachen mußten. Eine dritte und vierte gesellte sich dazu. Nun begannen sie einzelne jener reizenden pantomimischen Szenen aufzuführen, die, so einfach und harmlos ihr Inhalt ist, doch durch ihren naiven Humor und durch die Grazie, mit der sie immer wieder dem Tanzrhythmus sich anpassen, das größte Vergnügen machen.

Da kommt der Wanderer ins Dorf, wird von kläffenden Hunden angebellt und fürchtet sich in lächerlicher Weise; da wird ein Fischzug veranstaltet, zwei Mädchen werfen symbolisch ein Netz aus, eine dritte lockt den Fisch, eine andere tritt, mit geblähten Backen pustend, als Sturmwind auf, der den Fischfang zeitweilig stört, schließlich geht die Beute aber doch ins Garn usw. Welche von diesen Aufführungen ich gerade an diesem Abend sah, welches anderswo, weiß ich nicht mehr genau, unvergeßlich aber wird mir das reizende Gesamtbild bleiben, diese bunte, liebenswürdige Kinderschar unter den elektrischen Reverberen des "Comoran" in der lauen, tropischen Nacht der samoanischen Küste. Nachdem der "Siwa" unter lautem Beifall sein Ende erreicht hatte, ließ Kapitän Emsmann unsern Dank aussprechen und dann Geschenke verteilen, die das Entzücken der Empfänger erregten."

Quelle: Die Woche 1900, von rado by jadu 2002

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