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Eine Neuerung im Luftschiffbau

Helium für "LZ 129"

von Dr. Eckmann

Für das neue Zeppelin-Luftschiff "LZ 129" soll Helium als Traggas verwendet werden.
Helium - ein Edelgas - findet sich nahezu rein in 80 - 100 km Höhe und, in Hohlräumen eingeschlossen, im Innern der Erde. Es ist dort teilweise vermischt mit Erdgasen, Erdöl und Mineralquellen. Bisher hat man abbauwürdige Heliumquellen nur in den Vereinigten Staaten und in Kanada gefunden. Der Vorschlag, Helium als Ballongas zu benutzen, anfangs nur scherzhaft gemacht angesichts der Seltenheit des Gases, gewann um 1917 in den Vereinigten Staaten Bedeutung. Das amerikanische Luftschiff "C 7" war das erste, das Heliumfüllung erhielt.
Versuche haben ergeben, daß der Hauptvorteil des Heliums, die Unverbrennbarkeit, auch dann noch bestehen bleibt, wenn ein großer Teil des im Luftschiff zur Verfügung stehenden Gasraumes aus dem leicht brennbaren Wasserstoffgases besteht. Zur Verbilligung kann man dem sehr teuren Heliumgas ohne Gefahr ungefähr 15 v. H. des sehr billigen, in ungeheuren Mengen vorhandenen Wasserstoffgases zumischen.

Solche Gemischfüllung hat, entgegen einer Füllung mit reinem Helium, eine nicht unwesentliche Erhöhung der Hubkraft des Luftschiffes zur Folge. Von den überhaupt in Frage kommenden Füllgasen für Luftschiffe hat Wasserstoff das geringste Gewicht und daher auch die größte Hubkraft, ihm am nächsten kommt das Helium.
Der Hauptfeind der Füllung von Luftschiffen mit Wasserstoffgas ist die Feuers- und besonders die Blitzgefahr, obwohl wir bisher keinerlei Schäden durch Blitz zu verzeichnen hatten. Das ist beim Helium völlig anders, da es eine sehr geringe thermische und eine sehr hohe elektrische Leitfähigkeit besitzt, die die Blitzgefahr bis auf ein Minimum herabdrückt. Wenn nun die Erhöhung der Sicherheit durch die Verwendung von unbrennbaren Helium mit dem Vorteil der größeren Wirtschaftlichkeit, die durch das Mischen mit dem billigen Wasserstoff erreicht wird, verbunden werden kann, so ist das natürlich eine sehr glückliche Lösung.

Bei der Entscheidung der Frage, ob Helium oder Wasserstoff in dem neuen Luftschiff Verwendung finden sollte, spielte natürlich die Kostenfrage die ausschlaggebende Rolle. Man wird nun in Friedrichshafen beim Bau des neuen Luftschiffes die Gaszellen so anordnen, daß das Wasserstoffgas über der Heliumschicht liegt, so daß im Bedarfsfalle in erster Linie nur Wasserstoff "abgeblasen" zu werden braucht und das Helium auf diese Weise gespart wird.
Für die Lieferung von Helium kommen nur die Vereinigten Staaten von Nordamerika in Frage. Die Hoffnung der maßgebenden Stellen, in Rußland oder in Deutschland Gebiete mit größeren Heliumvorkommen zu finden oder das wertvolle Edelgas auf künstlichem Wege in nennenswertem Maße billig herzustellen, hat sich vorläufig noch nicht erfüllt. Die in Amerika jetzt erreichte Produktion von etwa 300. 000 m³ Helium im Jahr wird jedenfalls für mehr Luftschiffe ausreichen, als die Amerikaner zu bauen beabsichtigen. Sie wird den deutschen Bedarf mit decken können, zumal, wenn man bedenkt, daß das Gas immer wieder gereinigt und neu verwendet werden kann. Bei dem Entschluß, das Luftschiff "LZ 129" mit Helium zu füllen, mußte hauptsächlich berücksichtigt werden, daß der Betrieb des Luftschiffes so außerordentlich verteuert wird, daß die unbestrittenen Vorteile der Helium-Verwendung den Nachteil der hohen Kosten anfangs nur schwer aufwiegen werden. Noch 1920 betrug der Heliumpreis 47 RM für einen Kubikmeter, eine Luftschiffüllung kostete 28 Millionen RM. Der Preis ist heute (1932, Anm. d. Red.) auf 3 RM für einen Kubikmeter gesunken. Man hofft jedoch, da im vergangenen Jahr ein weiteres großes Heliumgebiet in Amarillo in Texas erschlossen worden ist, in absehbarer Zeit den Preis von 3 RM auf 2 RM herabdrücken zu können.

Die Füllung des neu auf dem Stapel gelegten deutschen Luftschiffes wird daher rund 500. 000 Reichsmark kosten. Obwohl diese summe zunächst sehr hoch erscheint, wird sie sich zweifellos bald bezahlt machen, da die infolge des Betriebes mit Helium erreichte Sicherheit des Luftschiffes ein fallen sämtlicher Versicherungsprämien - für Passagiere und Mannschaft, Nutzlast und nicht zuletzt das Luftschiff selbst - bedingen wird.
Der Entschluß, das neue Luftschiff mit Helium zu füllen, bedeutet einen wichtigen Schritt vorwärts und wird das Luftschiff in absehbarer Zeit zu einem ernsthaften Wettbewerber der Seefahrt im transatlantischen Verkehr machen. Und wenn auch das Wort "Seefahrt ist not" weiterhin Geltung behalten wird, so lehrt doch die Gegenwart, daß in der Zukunft Seefahrt und Luftschiffahrt im weltenverbindenden Verkehr Hand in Hand gehen werden.

Quelle: Durch die weite Welt, Jahrbuch für Natur - Sport und Technik, © 1932 by Franckh'sche Verlagsbuchhandlung Stuttgart, Jadu '00

 

L Z 129

Zeppelin Museum
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