Die jüngste Entwicklung des Luftschiffbaus
Von Dr.-Ing. P. Schuster.
Droben am Himmel zieht ein Zeppelin seine Bahn. Ruhig und gleichmäßig
schwebt das Luftschiff dahin, bald helleuchtend vom Himmelsblau sich abhebend,
bald durch Wolkenfetzen verdeckt. Wer da doch mitfahren könnte, hoch
über Wiesen und Wälder, Flüsse
und Täler! Wie herrlich müßte es sein, dem Vogel gleich
in den Lüften zu schweben! Ob man aber wohl wirklich zu fliegen meint,
wenn man sich vom Luftschiff hoch über den Erdboden tragen läßt?
Nein, an Fliegen wird kaum einer von den Fahrgästen eines neuzeitlichen
Luftschiffs denken. Auch nicht das Gefühl des freien Schwebens im
Luftraum, das den Freiballonfahrer umfängt, kann den Fahrgast des
Zeppelins überkommen; hat er doch festen Boden unter seinen Füssen
und sichere Wände um sich herum. Wie aus einem Eisenbahnwagen oder
der Kajüte eines Schiffes betrachtet er durch die Fenster die Welt,
allerdings von oben aus der Vogelschau in ungewohnt schnell wechselnden
Bildern. Und tatsächlich befindet er sich ja auch in einem Schiff,
eben dem Luftschiff, das heute zu einem sicheren Beförderungsmittel
geworden ist, wenigstens soweit unsere Zeppeline in Betracht kommen.
Ist es nicht eigentlich seltsam, daß man beim Luftschiff immer
in erster Linie an den ,,Zeppelin" denkt, mit seinem langgestreckten
vieleckigen Körper, dem das Metallgerüst Form und Festigkeit
verleiht? Ist es nur ein Zufall, daß keine der anderen Ballonarten
sich
in den Abmessungen großer Luftschiffe durchzusetzen vermocht hat?
Wer so von außen her an die Betrachtung des Luftschiffes oder
Lenkballons, wie man früher sagte, herantritt, dem scheint die Frage
der Lenkbarkeit doch sehr leicht und einfach zu lösen, wenn nur der
leichte Motor da ist, der mit Hilfe des bewährten Propellers den
Ballon schon vorwärts treiben und zwingen wird, seinen Steuern zu
gehorchen. Freilich, den alten beim Freiballon üblichen Kugelballon
kann man seines hohen Luftwiderstandes wegen nicht verwenden; man wird
vielmehr dem Tragkörper selbstverständlich eine langgestreckte
Gestalt geben. Und in der tief herabhängenden Gondel kann man natürlich
Motor und Propeller auch nicht unterbringen, weil sonst der Ballon infolge
seines Luftwiderstandes hinter der Gondel zurückbleiben und das Luftschiff
sich vorn aufbäumen würde. Wenn man also außer der langgestreckten
Gestalt des Ballons auch noch hochliegende Propeller verwenden würde,
so scheinen auf den ersten Blick die Hauptschwierigkeiten überwunden.
Und doch beginnen sie in der Tat erst, wenn es heißt, diese Maßregeln
in die Praxis umzusetzen.
Die langgestreckte Gestalt ist ja sehr gut und richtig und läßt
sich beim Füllen des entsprechend geformten Ballons in ruhiger Luft
auch ohne weiteres erreichen. Wie aber wird die Sache nun, wenn der Fahrtwind
von vorn gegen das Luftschiff strömt und gegen Bug und Seiten des
Ballons drückt? Wenn unser Luftschiff nur einigermaßen den
Winden gewachsen sein soll, so muß es sich mit 80 bis l 00 km
in der Stunde oder mit 25 bis 30 m in der Sekunde vorwärts bewegen.
Ein Wind von dieser Stärke, gewaltiger als der ärgste Sturm,
trifft dann ständig auf die Vorderfläche unseres dünnen
Stoffballons. Wie soll er diesen Riesenkräften widerstehen?
Da ergibt sich zunächst ein altes, schon kurz nach der Erfindung
des Ballons vorgeschlagenes Mittel; man setzt den Ballon innen unter
Druck, so daß er den äußeren Windkräften nicht mehr
nachgibt und sich nicht unter der Wirkung des Fahrtwindes einbeult. Man
bläst
den Ballon also von innen auf, und da man während der Fahrt zu diesem
Zweck kein Gas zur Verfügung hat, so legt man in den überall
gut geschlossenen Gasballon hinein einen Luftsack und bläst in diesen
Luft durch einen Ventilator. Der Druck des Luftsacks überträgt
sich
auf das Gas und dieses spannt die äußere Hülle prall an.
Man nennt diese Luftschiffe darum Pralluftschiffe.
Das wäre nun also wieder eine sehr schöne und einfache Lösung,
die uns anscheinend über alle Schwierigkeiten des Windeinflusses
und
der Formbeständigkeit hinwegbringt und bei Anwendung genügend
hohen Innendrucks auch gestattet, den Ballon beliebig groß zu bauen
und so schnell fahren zu lassen, als die Motorenleistung dies ermöglicht.
Wie aber steht es dann mit der Festigkeit der Ballonhülle?
Die Luft, die vorn gegen den Bug des Ballonkörpers bläst und
sich daselbst unter Vernichtung ihrer Strömungsgeschwindigkeit gegenüber
dem Ballon an dessen Spitze staut, ergibt den sogenannten Staudruck. Diesen
pflegt man in der Weise sichtbar und meßbar zu machen, daß
man die Stelle, an welcher der Luftdruck herrscht, durch einen Schlauch
mit einem U-förmig gebogenen und unten mit Wasser
gefüllten Rohr verbindet. Durch den Luftdruck wird dann in dem einen
Rohrschenkel der Wasserspiegel gesenkt, im ändern gehoben
und der Spiegelunterschied gibt das Maß für die Grosse des
Luftdrucks; man mißt diesen also in Millimeter Wassersäule.
Man könnte
nun sehr leicht auf Grund der physikalischen Gesetze berechnen, wie groß
bei einer gewissen Luftgeschwindigkeit der Spiegelunterschied
sein muß Für uns genügt es aber, wenn wir uns als Erfahrungstatsache
merken, daß einer Geschwindigkeit der Luft von l 5 m/sek rund eine
Wassersäule von 15 mm entspricht. Wenn wir nun bedenken, daß
es sich bei der strömenden Luft um Bewegungsenergie handelt, der
bekanntlich immer das Quadrat oder die zweite Potenz der Geschwindigkeit
zuerteilt ist, so erkennen wir, daß der doppelten
Fahrgeschwindigkeit von 30 m/sek oder rund 100 km/st eine Flüssigkeitssäule
von 4 X 1 5 = 60 mm Wassersäule entspricht. Die von den besten deutschen
Luftschiffen erreichte Höchstgeschwindigkeit von 132 km/st oder rund
37 m/sek aber entspricht dem 2 ½fachen
der Geschwindigkeit von 15 m/sek und ergibt darum einen Winddruck von
etwa 94 mm Wassersäule. Diese Drücke erscheinen zwar gering,
denn erst 10 m oder 10 000 mm Wassersäule ergeben den Druck einer
Atmosphäre oder 1 kg für den Quadratzentimeter, mit dem man
in der Technik rechnet. Wenn man nun aber bedenkt, auf welch riesige Flächen
an der Ballonhülle dieser anscheinend so geringe Luftdruck zur Geltung
kommt, so kann man sich eine Vorstellung machen, welch riesige Kräfte
in der Hülle eines Prallballons auftreten.
Wenn der Ballonkörper beispielsweise 20 m Durchmesser hat, so kommt
zu beiden Seiten auf jeden Meter Stoffbahn der auf 10 m²
Fläche lastende Luftdruck. Nehmen wir nur eine Fahrgeschwindigkeit
von 15 m/sek oder rund 55 km/st an, so wird, wie wir fanden, ein Druck
von l5 mm Wassersäule oder .15 kg für den Quadratzentimeter
erforderlich. Da der Quadratmeter nun aber 10000
Quadratzentimeter enthält, so wirkt auf den Quadratmeter ein Druck
von 15 kg und auf die errechneten 10 m² und mithin auf 1 m Stoffbahn
unseres Ballons von 20 m Durchmesser ein Druck von 150 kg. Das ist aber
schon die höchste Beanspruchung, die man dem besten Hüllenstoff
zumuten darf; denn bei einer Belastung von etwa l 200 kg auf den laufenden
Meter reißt er und mit Rücksicht auf die unausbleibliche und
höhere Beanspruchung durch Windstöße und dergl. muß
man mindestens mit 8facher Sicherheit rechnen, d. h. man darf nur den
8. Teil der Zerreißfestigkeit in Rechnung stellen.
Wir sehen also, daß man über die geringe Geschwindigkeit von
rund 55 km/st, wie sie die älteren Parseval-Luftschiffe etwa besaßen,
nicht hinausgehen kann, ohne die Sicherheit des Ballons zu vermindern
oder stärkeren und schwereren Hüllenstoff zu verwenden. Schon
die immer noch massige Geschwindigkeit von 95 km/st würde die Verwendung
eines dreifachen Hüllenstoffs nötig machen. Und wenn der Ballon
größere Abmessungen erhalten soll, verschlechtern sich die
Verhältnisse noch weiter. Bauen wir aber den Ballon schlanker mit
geringerem Durchmesser, so ergeben sich Schwierigkeiten mit der Gondelaufhängung
und Steuerbewegung. Hängt man nämlich die
Gondel dicht unter dem Ballon auf, wie dies die Vortriebsverhältnisse
erfordern, so kann nur der annähernd über der Gondel liegende
Teil des Ballons zum Tragen herangezogen werden. An die entfernteren Teile
des Tragkörpers kann man nur mittels sehr schräg gerichteter
Aufhängeseile heran, deren Zug den Ballon zusammenzuknicken droht.
Und auf den langen Strecken zwischen Gondel und Steuer reckt und verdreht
sich ferner der Ballon leicht, so daß dann die Längen der Steuerzüge
nicht mehr stimmen. An den Steuern selbst aber werden schließlich
bei schneller Fahrt ungeheuere Kräfte ausgelöst, die auch die
aufgeblasene Ballonhülle einknicken wollen.
Man
sieht also, daß die Vorteile des Pralluftschiffes, seine Leichtigkeit
und Einfachheit, sich nur bei kleinen Abmessungen und Geschwindigkeiten
wahren lassen. Für grosse, schnell fahrende Luftschiffe ist dieses
System nicht mehr zu brauchen. Was an Größe und Geschwindigkeit
aus dem Pralluftschiff noch herauszuholen ist, das zeigt das mit grossem
Geschick gebaute Parsevalluftschiff P. S. 27 aus dem Jahre 1917. Dieses
Luftschiff besaß einen schönen, tropfenförmigen Tragkörper
von 31 500 m³ Inhalt und 160 m Länge, der unten mit einem Laufgang
zur Verbindung der fünf Gondeln ausgestattet war. Ganz vorn dicht
unter dem Ballon war die Führergondel angebracht, hinter der ein
Stück tiefer die erste Motorengondel sich befand. Es folgten dann
etwa am dicksten Teile des Ballons zwei seitlich einander gegenüberliegende
Maschinengondeln und schließlich am Hinterteil des Luftschiffes
noch eine Motorengondel. Durch die weitgehende Verteilung der Lasten war
es möglich, das Luftschiff mit vier Maybach-Motoren von je 240 PS-Leistung
auszustatten und ihm so eine Geschwindigkeit von 95 km/st zu verleihen.
Natürlich mußte für die Ballonhülle besonders verstärkter
Stoff verwendet werden.
Diese Glanzleistung des Pralluftschiffes dürfte aber kaum mehr überboten
werden können. Die grossen Abmessungen und Geschwindigkeiten gehören
vielmehr dem Starrluftschiff.
Aber wie wäre es denn mit dem ebenfalls schon erfolgreich verwendeten
halbstarren System, bei dem der durch Innendruck prall gehaltene Ballonkörper
durch eine Art Rückgrat versteift ist und einen über seine ganze
Länge oder wenigstens deren größten Teil verlaufenden
Gitterträger besitzt, an dem die Gondeln, Steuerflächen und
grösseren Lasten befestigt sind? Nun, wir erkennen auf Grund unserer
früheren Betrachtungen ohne weiteres, daß dieses Mittel zwar
Abhilfe schafft für die zusätzlichen Beanspruchungen der Ballonhülle
durch Gewichtskräfte und Steuerkräfte, nicht aber gegen die
gewaltigen Wirkungen des Fahrtwindes. Also für grosse, schnellfahrende
Luftschiffe ist auch dieses System nicht zu verwenden, und wir sehen nun,
daß es kein bloßer Zufall, sondern technisch begründet
ist, daß die Starrluftschiffe es sind, denen wir die grossen Erfolge
der neuzeitlichen Luftschiffahrt verdanken.
Ohne die allbekannten Erfolge der Starrluftschiffe müßte es
aber wohl auch heute den meisten Menschen noch unmöglich erscheinen,
aus so schwerem Material, wie es selbst das leichte Aluminium und seine
Legierungen immer noch darstellen, das ausgedehnte Bauwerk eines Luftschiffgerüstes
herzustellen, das sogar in Verbindung mit dem unvermeidlichen äußeren
Stoffbezug und den Hüllen der innen liegenden Ballone noch leicht
genug ausfallen muß, um den Auftrieb des Ballons nur zu einem Bruchteil
aufzubrauchen. Diese Aufgabe ist auch nur unter gewissen Bedingungen zu
lösen. Eine rein geometrische Tatsache ist es, die hier dem Konstrukteur
zu Hilfe kommt. Das Verhältnis der Oberfläche eines Körpers
zu seinem Inhalt ist nämlich nicht für alle Grossen des Körpers
das gleiche, sondern es nimmt mit wachsender Grosse des Körpers ab.
Dies kommt einfach daher, daß die Oberfläche mit der zweiten,
der Inhalt mit der dritten Potenz der linearen Abmessungen sich ändert.
So hat Z. B. ein Würfel von l m Kantenlänge 6 m² Oberfläche
und nur 1 m³ Inhalt; sein Verhältnis von Oberfläche zu
Inhalt beträgt also 6:1. Bei 2 m Kantenlänge beträgt die
Oberfläche 24 m² und der Inhalt 8 m³, das Verhältnis
von Oberfläche zu Inhalt 24:8 oder 3:1. Der Würfel von 10 m
Kantenlänge erhält 600 m2 Oberfläche und 1000 m3 Inhalt;
sein Verhältnis von Oberfläche zu Inhalt ist schon kleiner als
1 geworden, denn es beträgt 600 : l 000 oder 6:10. Umgekehrt nimmt
bei Verkleinerung der Abmessungen der Einfluß der Oberfläche
stark zu. Kleine Körper fallen darum wegen ihres grösseren Luftwiderstandes
viel langsamer als größere, und während ein faustgrosser
Stein mit großer Wucht zu Boden fällt, wird das feine Stäubchen
aus dem gleichen Material von jedem Lufthauch in die Höhe getragen.
Für das Starrluftschiff wird diese geometrische Beziehung von ausschlaggebender
Bedeutung. Die Abmessungen und das Volumen des Gerüstes werden zwar
im Grunde im gleichen Verhältnis zunehmen wie das Volumen des Ballons,
da ja auch das Gerüst ein räumliches Gebilde darstellt; bei
Vergrößerung des Ballons wird sich also eine etwa der Steigerung
des Auftriebs entsprechende Erhöhung des Gerüstgewichtes geltend
machen. Hinsichtlich des Gerüstgewichtes würden also die Verhältnisse
beim grossen und kleinen Luftschiffe im Prinzip die gleichen bleiben.
Gewisse Vorteile und Möglichkeiten, an Gewicht zu sparen, bietet
das in grossen Abmessungen gehaltene Gerüst aber doch, weil hier
manches überflüssige Material, das bei den feinen Einzelteilen
eines kleinen Gerüstes aus Herstellungsrücksichten stehen bleiben
mußte, entfernt werden kann. Ausschlaggebend ist jedoch, daß
nicht das Gerüst allein das Gewicht des Luftschiffkörpers bestimmt,
sondern daß die Stoffbespannung und die Ballonhüllen einen
ganz wesentlichen Anteil an diesem Eigengewicht des Tragkörpers haben.
Betrachten wir einmal ein neuzeitliches Luftschiff von etwa 55000 m³
Tragkörperinhalt; sein Eigengewicht setzt sich wie folgt zusammen:

| Gerippe und Verspannung |
12 500 kg
|
| Hülle der Gaszellen |
3 500 kg
|
| Aussenhülle |
2 000 kg
|
| Flossen und Steuer |
1 000 kg
|
| Gondeln nebst Ausrüstung |
3 000 kg
|
| Motoren und Hilfsmaschinen |
4 500 kg
|
| Benzinbehälter, Leitungen usw. |
l 000 kg
|
| |
27 500 kg
|
Selbst bei einem Luftschiff von so gewaltigen Abmessungen wiegen also
die Stoffhüllen noch beinahe halb so viel wie das Metallgerüst.
Da die Stoffe auch bei kleineren Luftschiffen kaum dünner und leichter
und für größere Starrluftschiffe nur wenig dicker und
schwerer zu wählen sind, so ersieht man ohne weiteres, daß
gerade wegen der nur als Oberfläche zu wertenden Stoffhüllen
die Gewichtsverhältnisse beim grossen Starrluftschiff sich viel günstiger
gestalten als beim kleinen Luftschiff. Für dieses letztere würde
bei Verzicht auf das starre Gerüst eine äußere Hülle
aus dem leichten Ballonstoff genügen oder, wenn mit Rücksicht
auf den Innendruck schließlich auch eine doppelte Stofflage erforderlich
wäre, so würde sich doch erst das Hüllengewicht des Starrluftschiffes
gleicher Grosse ergeben,und es ließe sich das Gerüstgewicht
sparen. Für die kleinen Abmessungen ist also der Prallballon dem
Starrluftschiff überlegen und dieses schließlichüberhaupt
unbrauchbar. Bei grossen Abmessungen des Luftschiffs tritt aber der Einfluß
der Oberfläche, die für die Hüllenausmaße bestimmend
ist, immer mehr hinter dem Volumen und damit dem Gewicht der übrigen
Teile zurück, ganz im Gegensatz zum Pralluftschiff, wo, wie wir fanden,
mit Rücksicht auf die grossen Beanspruchungen die Hülle immer
stärker und schwerer gemacht werden müßte Die grossen
Abmessungen kann also einzig und allein das Starrluftschiff beherrschen.
Dann müßte es aber doch ganz einfach sein, ein brauchbares
Starrluftschiff zu bauen; man müßte nur seine Abmessungen groß
genug wählen und allerdings für die riesigen Kosten das nötige
Geld zur Verfügung haben. Wie wichtig der letztere Punkt, die Beschaffung
der nötigen Geldmittel, ist, das hat der Mann, der zuerst die technischen
Zusammenhänge klar erkannte und die Bedeutung und Verwendungsmöglichkeiten
des starren Systems überschaute, Graf Zeppelin, gar sehr zu spüren
bekommen. Daß er zunächst fast sein ganzes Vermögen opfern
und auch dann nur mühselig gegen den Widerstand der meisten Fachleute
und die Teilnahmlosigkeit der militärischen Behörden sich die
nötigsten Geldmittel verschaffen konnte, bis endlich nach dem Unglück
von Echterdingen ihm das ganze deutsche Volk zu Hilfe kam, das ist ja
allgemein bekannt. Weniger aber kommt es dem Fernerstehenden zum Bewußtsein,
welche riesige technische Einzelarbeit auch dann noch zu leisten war,
als der Gedanke des Starrluftschiffes sich schon durchgesetzt hatte. Es
gehörte die ganze eiserne Energie des Grafen Zeppelin und die aufopfernde
Tätigkeit seiner Ingenieure dazu, um aller dieser Schwierigkeiten
Herr zu werden, die wohl von wenigen richtig eingeschätzt werden.
Die wunderbaren Leistungen der Ingenieure auf dem Gebiete des Brückenbaues,
in der Konstruktion von riesigen eisernen Türmen und Hallen haben
die Welt so verwöhnt, daß man dem Ingenieur die Leistung aller
derartigen Aufgaben ohne weiteres zutraut und von ihm erwartet, daß
er auch den Bau eines Metallgerüstes für Luftschiffe sicher
vollbringen würde. Wer aber etwas tiefer in die Ingenieurwissenschaft
hineingeblickt hat, der weiß, daß auch hier in langen Zeiträumen
sorgfältig Erfahrungen haben gesammelt und eine Erkenntnis die andere
hat ergänzen müssen, bis das volle geistige Rüstzeug verwendungsbereit
stand. Noch vor wenigen Jahrzehnten war es nicht möglich, das Fachwerk
einer Brücke in allen Einzelheiten zu berechnen, und Glück,
Geschick und Erfahrung mußten die sicheren Konstruktionsregeln ersetzen.
Auch heute noch sind nicht alle räumlichen Fachwerksgebilde der Berechnung
zugänglich,
weil nur ganz bestimmte Systeme eine eindeutige Verteilung der Kräfte
bedingen; der Konstrukteur ist daher an bestimmte Anordnungen der Streben
und Stangen gebunden. Er muß auch die verschiedenartigen, von außen
her auf sein Bauwerk einwirkenden Kräfte, wie Eigengewicht, Belastung,
Winddruck und Wärmeausdehnung, im vornherein klar übersehen,
um sie in Rechnung setzen zu können. Dazu gehört aber jahrelange
Beobachtung und Erfahrung. Erst als alle diese Bedingungen erfüllt
waren, konnten die Ingenieure ihre vielbewunderten Werke schaffen, die
den Beschauer besonders durch den geringen Materialaufwand in Staunen
setzten, Brücken, die im ganzen betrachtet wie ein leichtes Netzwerk
erscheinen, und Türme, die wie Spinngewebe aus Stahl und Eisen anzuschauen
sind.
Während nun aber für diese Bauwerke die von außen einwirkenden
Kräfte genau bekannt sind, und man Wege gefunden hat, diese Kräfte
durch sehr einfache und in jedem Teil übersichtliche Stab- und Trägeranordnungen
aufzunehmen, trafen diese Voraussetzungen für das Luftschiff nicht
ohne weiteres zu. Die Kräfte, die auf das Gerüst einwirken,
konnte man zunächst nur notdürftig abschätzen. Man wußte
zwar, in welcher Grosse und an welchen Punkten der Auftrieb der einzelnen
Ballonzellen sowie die Hauptgewichtskräfte der Gondeln, Benzin- und
Ballastbehälter sowie die Propellerkräfte und der Luftdruck
des Fahrtwindes angreifen; man konnte aber noch nicht übersehen,
wie die Windkräfte bei böiger Luftbewegung sich über das
ganze Schiff verteilen würden, welche Beanspruchungen bei plötzlichem
Ruderlegen, bei scharfen Kurven, beim Heben und Senken und schließlich
beim Verankern im Sturm und durch Berühren
des Bodens beim Landen auftreten würden. Man konnte auch die Linienführung
in den Einzelteilen nicht so einfach gestalten, daß jeder Teil ohne
weiteres sicher zu berechnen war, vielmehr ergaben sich zahlreiche Knotenpunkte
von komplizierter Form, in denen eine Menge von Trägern und Spannseilen
verbunden werden mußte
Alle diese Teile mußten daher im Betrieb erprobt und genau beobachtet
werden. Zeigte ein Teil unzulässige Formänderungen, so mußte
er ausgewechselt und verstärkt werden; schien er zu schwer, so konnte
mit einer leichteren Ausführungsform ein Versuch gemacht werden.
Hier und da konnte man Stellen ausfindig machen, an denen noch etwas Material
wegzunehmen und an Gewicht zu sparen war, das schließlich an anderen
zu schwach befundenen Stellen wieder zugesetzt werden konnte. So wurde
schließlich ein in allen Teilen durchgeprobtes Ganzes geschaffen.
Aber auch das genügte noch nicht. Denn das so mit vieler Mühe
in einer Ausführung geschaffene Bauwerk mußte nun in gleicher
Güte und beliebig oft nachzubauen sein, d. h. es mußte sich
für die fabrikmäßige Herstellung eignen. Die einzelnen
Teile durften also nicht eine kunstvolle handwerksmäßige Bearbeitung
verlangen, sondern mußten sich durch einfaches Vernieten und Verschrauben
aus maschinell gefertigten Einzelteilen herstellen lassen. So konnte man
also doch nur schrittweise vorwärts gehen und mußte zunächst
an den ungünstigen kleinen Luftschiffen Erfahrungen sammeln, ehe
man zu dem eigentlichen Bereich des Starren Systems, den riesenhaften
Luftschiffen, vordringen konnte.
 Wie
ausschlaggebend auch die scheinbar geringfügigste Änderung in
den Abmessungen ist, zeigt folgende Betrachtung. Die Trägerelemente
für die Zeppeline bestehen in ausgestanzten Blechstücken, die
mit Profilstäben zu Gitterträgern vernietet werden. Nehmen wir
nun an, es handle sich um die Entscheidung, ob diese Teile aus 2 mm oder
2,2 mm starkem Blech hergestellt werden sollen; der fragliche Unterschied
in der Wandstärke betrage also nur 0,2 mm. Welche Wirkung ergibt
sich für die Nutzlast des Luftschiffs? Ziehen wir wieder das Luftschiff
von 55 000 m³ Inhalt und 27 500 kg Eigengewicht zum Vergleich heran.
Sein Auftrieb beträgt 62 500 kg, so daß nach Abzug des Eigengewichts
eine Tragkraft von 35 000 kg verbleibt. Von dieser Tragkraft müssen
nun aber, wenigstens bei einem Kriegsluftschiff, 25 000 kg zum Mitführen
von Ballast verwendet werden, "damit die bei dem starken Heben und
Senken des Luftschiffs unvermeidlichen Gasverluste ausgeglichen werden
können. Es bleiben dann noch 10 000 kg für die Nutzlast. Wird
nun bei Verstärkung des Gerüstes um 0,2 mm Blechstärke
das 12 500 kg betragende Gerüstgewicht um 10 °/o vergrößert,
so bedeutet dies eine
Vermehrung des Eigengewichts um 1250 kg oder eine Verminderung der Nutzlast
um ein Achtel.
Auch die Einzelheiten in der Formgebung des Tragkörpers, in der
Ausbildung der Steuermittel und der Anordnung des Antriebs und der Gondeln
mußten allmählich durchgebildet werden. Hier hat auch die inzwischen
neben den Zeppelinen in Deutschland entwickelte zweite
Bauart des Starrluftschiffs, diejenige von Schütte - Lanz, sehr befruchtend
gewirkt.
Da
ist zunächst die Form des Tragkörpers. Bei den alten Zeppelinen
bestand dieser aus einem von parallelen Flächen begrenzten, im Querschnitt
vieleckigen Mittelteil, an den sich nur vorn und hinten verhältnismäßig
kurze zugespitzte Teile anschlössen. Zeppelin und seine Ingenieure
waren ursprünglich der Ansicht, daß diese Gestalt für
die Überwindung des Luftwiderstandes genüge. Denn man glaubte
damals, daß die Grosse des Luftwiderstandes, was die Körperform
anbelangt, lediglich von dem Ausmaß der größten Querschnittsfläche
des Körpers abhänge, so daß also ein zylindrischer oder
prismatischer Körper von möglichst großer Länge und
möglichst kleinem Querschnitt am vorteilhaftesten erschien. So erklärt
sich die eigentümliche langgestreckte Zigarrenform der früheren
Zeppeline. Erst im Laufe der Zeit zeigte sich mit der fortschreitenden
Erkenntnis der Strömungsvorgänge, daß den geringsten Luftwiderstand
der tropfenförmige Körper besitzt, dessen Vorderteil und Hinterteil
vom größten Querschnitt in stetigem Übergang allmählich
ihren Querschnitt verkleinern bis zum sanft abgerundeten Bug und zum spitz
auslaufenden Heck. Ein solcher Körper besitzt einen fabelhaft geringen
Luftwiderstand, denn der ganze langgestreckte Tropfenkörper erzeugt
nicht mehr Widerstand als eine kreisförmige dünne Platte, deren
Fläche nur den 25. Teil des größten Körperquerschnitts
ausmacht. Es ist darum nicht zu verwundern, daß trotz der Schwierigkeiten,
welche die Umstellung der Gerüstkonstruktion auf die neue Tragkörperform
verursachte, auch die Zeppeline die neue Tropfenform erhielten, nachdem
diese sich schon bei den Prallballonen und den Schütte-Lanz-Luftschiffen
trefflich bewährt hatte.
Auch
die Steuerausbildung war nicht so einfach, wie es auf den ersten Blick
erscheint, weil zu grosse Kräfte in den Steuerzügen vermieden
werden sollten. Man schritt daher anfangs zur Unterteilung der Steuer
in einzelne langgestreckte Flächenteile, die man jalousieartig über
einander anordnete. Die Höhensteuer wurden anfangs auch vorn und
hinten am Luftschiff angebracht. Schließlich lernte man aber auch
grossflächige Steuerflächen durch kleine, außenüber
die Drehachse überstehende Flächenstücke auszugleichen
und ihnen durch unmittelbaren Anschluß an Flossen oder Kielflächen
eine kräftige Wirkung zu erteilen. So entstand zuerst am Schütte-Lanz-
und dann auch am Zeppelin-Luftschiff die einfache und übersichtliche
Steuerung aus zwei Paar senkrecht zu einander stehenden Flossen und anschließenden
Steuerflächen. Die Bewegung der Steuer erfolgt wie bei den Seeschiffen
durch Zugseile, die an den Steuerquadranten angreifen, das sind Hebel
mit anschließender viertelkreisförmiger Führung für
das auf- und ablaufende Seil.
Die Verringerung des Tragkörperwiderstandes und die Vervollkommnung
der Höhensteuerung gestatteten es nun auch, die Propeller aus ihrer
Lage in der Nähe der wagrechten Mittelebene nach unten zu rücken.
Denn der unvermeidliche Gondelwiderstand kam jetzt gegenüber dem
geringen Tragkörperwiderstand mehr zur Geltung, und die kräftig
wirkenden Höhensteuer Hessen zusammen mit geeigneter Gewichtsverteilung
das gefürchtete Aufbäumen des Luftschiffs unter der Einwirkung
des Propellerschubs vermeiden. Schließlich spielte bei den ins Riesenhafte
gesteigerten Abmessungen des bis 200 und 225 m langen Luftschiffs der
Abstand der Gondel vom Luftschiff, der bei grossen und kleinen Luftschiffen
natürlich annähernd dieselbe Grosse erhalten muß, keine
so grosse Rolle mehr.
Schütte-Lanz sowohl wie Zeppelin verlegten darum die Propeller unmittelbar
auf die Motorenachse, lediglich unter Einschaltung eines Übersetzungs-
und Umkehrgetriebes. Dadurch kam der Antrieb durch Kegelräder und
lange Zwischenwellen in Fortfall, der besonders darum so unsicher im Betriebe
ist, weil bei ganz bestimmten Wellenlängen und Durchmessern sowie
Umlaufzahlen die Stöße des Motors gerade in dem Takt erfolgen
können, auf den die durch die Stöße entstehenden Schwingungen
der elastischen Wellen sich einstellen, so daß sich dann Motorstösse
und Schwingungen addieren und so weit vergrößern, daß
schließlich irgendwo im Getriebe, an den Wellen oder Zahnrädern,
oder am Propeller selbst irgend ein Bruch erfolgt. In den ersten Jahren
hatten die Zeppeline bekanntlich vielfach unter Störungen ihres Antriebs
zu leiden. Auch diese Gefahr besteht jetzt bei dem einfachen Getriebe
nicht mehr.
Bei
dieser Anordnung der Propeller unmittelbar am Hinterteil der Motorengondel
muß allerdings dafür gesorgt werden, daß die Propeller
beim Landen den Boden nicht berühren. Diese müssen daher bei
den Kielgondeln, wenn der Motor steht, entweder wagrecht gestellt werden,
und die Motoren dürfen erst angelassen werden, wenn das Luftschiff
sich schon vom Boden entfernt hat; oder aber die Gondeln müssen,
wie bei dem alten Schütte-Lanz-Luftschiff, mit einer Art von Fußgerüst
versehen werden. Bei den neuesten Luftschiffen kann man nun aber unbedenklich
darauf verzichten, die Motoren der Kielgondeln am Boden laufen zu lassen,
weil diese Luftschiffe noch mit zwei oder mehr Seitengondeln ausgestattet
sind, die in einer Querebene des Luftschiffs einander gegenüber zu
beiden Seiten des Tragkörpers und daher bedeutend höher als
die unter dem Kiel angebrachten Gondeln liegen. Diese Anordnung hat noch
den weiteren Vorteil, daß die Hauptlasten, nämlich die Motoren,
besser über das Luftschiff verteilt sind und daß man die grosse
erforderliche Maschinenleistung auf eine größere Anzahl Motoren
verteilen und dabei die bewährten Motorengrößen mittlerer
Leistung beibehalten kann und nicht zu den modernen Ungetümen von
500 und l 000 PS Einzelleistung zu greifen braucht. Mit zwei Daimler-Motoren
von je 15 PS begann das erste Zeppelin-Luftschiff im Jahre 1900 seine
Fahrten. Im Jahre 1910 führten die Zeppeline schon drei Motoren von
je 120 PS Einzelleistung, im Jahre 1915 waren es vier Maybach-Motoren
von je 220 bis 240 PS Leistung. Der etwas stärkere Maybach-Motor
von 260 PS Leistung wurde schließlich beibehalten. Bei den letzten
Kriegsluftschiffen wurden dann in der Regel fünf solcher Motoren
eingebaut und mit diesen Maschinenanlagen von l 300 PS Leistung über
l 00 km/st Geschwindigkeit erreicht. Diese Luftschiffe hatten allerdings
auch schon eine gewaltige Grosse von 55 000 bis 65 000 m3 Inhalt. Die
viel kleineren, nur 22 500 m³ fassenden Luftschiffe Bodensee"
und ,,Nordstern" mit ihrer verhältnismäßig starken
Maschinenanlage von vier Maybach-Motoren zu 240 PS erreichten gar über
l 30 km/st Geschwindigkeit.
Diese
kleinen Verkehrsluftschiffe zeigen auch in vollendeter Weise die Ausgestaltung
der Gondeln, die diese Bezeichnung eigentlich kaum noch verdienen (vergl.
Abb. 144). Denn aus den oben offenen, bootsähnlichen Körpern
sind vollständig geschlossene und je nach ihrem Zweck verschieden
ausgestattete Räume geworden, die dicht unter dem Tragkörper
an wenigen kräftigen Seilen aufgehängt und gegen den Luftschiffkörper
durch leichte, im Notfall bei harter Landung nachgebende Stützen
abgesteift sind. Da ist zunächst die Führergondel. Sie gleicht
innen vollständig der Schaltanlage einer grossen Maschinenzentrale.
Hier laufen alle Maschinentelegraphen und Telephonleitungen, die Züge
für die Gas- und Ballastwasserventile und die Steuerzüge für
die Höhen- und Seitensteuerung zusammen. Hier sind auch die Steuerräder
und die zahlreichen Instrumente, wie Kompaß, Barometer und die verschiedenen
Anzeiger für Gasdruck und Benzinstand untergebracht.
Hinter dem Führerraum, unmittelbar an diesen sich anschließend,
liegt die Passagierkabine mit 30 Sitzplätzen und allen erdenklichen
Bequemlichkeiten für die Fahrgäste.
Die Motorengondeln liegen weiter zurück. Zunächst folgen seitlich
die beiden Einmotorengondeln, während am Hinterteil in der Kiellinie
eine mit zwei Motoren ausgestattete Gondel angebracht ist. Daß die
Schütte-Lanz-Luftschiffe während des Krieges eine ganz ähnliche
Entwicklung durchgemacht haben, konnten wir schon feststellen. Bemerkenswert
ist jedoch noch, daß diese Luftschiffe ursprünglich ein aus
dünnem Fournierholz ganz nach Art der Eisenblechträger mit hohen
Stegen und breiten Flanschen hergestelltes Gerüst besaßen Die
einzelnen Holzlagen wurden durch wasserunlöslichen Käseleim
verbunden und durch Drahtklammern zusammengeheftet. Diese Bauart ist inzwischen
durch ein Gerüst aus Metall-Gitterträgern ersetzt worden, dessen
Einzelelemente aus Duraluminium-Röhren bestehen.
Seit dem Versailler Friedensdiktat liegt die Luftschiffahrt in Deutschland
und damit auch diejenige der ganzen Welt still. Zwar haben die Engländer
mehrere Versuche gemacht, Starrluftschiffe zu bauen; sie haben aber nur
einmal Glück dabei gehabt, und zwar in dem Falle, wo sie sich genau
an die nach den erbeuteten Zeppelinen angefertigten Zeichnungen hielten.
Das nach diesen Zeichnungen als getreue Kopie der Zeppeline gebaute Luftschiff
war der R 34, mit dem die zweimalige Überquerung des Atlantischen
Ozeans gelang. Als die Engländer daraufhin beim Bau eines Luftschiffes
für Amerika zu ändern Abmessungen übergehen wollten, kam
schon der Fehlschlag; das Luftschiff brach bei der Probefahrt in der Mitte
durch und stürzte ab, den größten Teil seiner Besatzung
unter sich begrabend. Seitdem ist den Engländern und den übrigen
Ententestaaten offenbar die Lust vergangen, selbst Starrluftschiffe zu
bauen. Und von den eroberten und ausgelieferten deutschen Luftschiffen,
einschliesslich der friedlichen Verkehrsluftschiffe »Bodensee"
und ,,Nordstern", die zahlreiche erfolgreiche Fahrten in Deutschland
durchgeführt hatten und eine ganz neue Epoche des Luftverkehrs hätten
eröffnen können, ist kaum eines mehr betriebsfähig. Alles
ist in Grund und Boden ruiniert!
Aber noch besteht einige Hoffnung, daß es nicht bei diesem Zustand
moderner Barbarei verbleiben wird. Denn jüngst haben die Zeppelinwerke
ein neues, alles Dagewesene an riesenhaften Abmessungen übertreffendes
Luftschiff gebaut, allerdings für Amerika, das unter amerikanischer
Flagge fährt. Es hat bei 200 m Länge und 27,6 m größtem
Durchmesser einen Gasinhalt von 70000 m³ und wird von fünf Maybach-Motoren
von je 400 PS Leistung angetrieben, die ihm eine Geschwindigkeit von rund
130 km in der Stunde erteilen. Das Luftschiff bietet Platz für 30
Reisende und hat eine Besatzung von 24 Mann. Außerdem kann das Luftschiff
auch bei einer mehrtägigen Reise noch etwa 15 t Fracht und Post befördern.
Auch die Schütte-Lanz-Werke tragen sich mit grossen Plänen,
die durch amerikanisches Geld verwirklicht werden sollen. Sie bauen ein
Luftschiff von 150 000 m³ Inhalt für Reisen von zwei bis drei
Tagen Dauer, daß 100 Fahrgäste aufnehmen kann und an Bequemlichkeit
der Einrichtung den eleganten Passagierdampfern nicht nachsteht. Die Maschinenanlage
soll 3900 PS betragen und dem Luftschiff bei voller Kraft eine Geschwindigkeit
von etwa 130 km/st erteilen. Mit etwas geringerer Marschgeschwindigkeit
könnte das Luftschiff in ununterbrochener Fahrt l6 000 km zurücklegen,
d. h. also in unseren Breiten den halben Erdumfang überqueren.
Ob diese Pläne wohl Wirklichkeit werden? Und ob wir im alten Europa
dann von den Segnungen des neuen Luftverkehrs auch etwas zu verspüren
bekommen?
Quelle: Die weite Welt, ein Buch der
Reisen und Abenteuer, Erfindungen und Entdeckungen; © 1924 by Rascher
Cie. A.-G., Verlag, Zürich; Jadu 2001
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