Die Luftjacht
Seit
den Tagen um die Jahrhundertwende, als der brasilianische Millionär
Santos Dumont durch die abenteuerlichen Fahrten in seinen kleinen, freilich
noch recht primitiven Motorluftschiffen die Pariser Bevölkerung ständig
in Atem hielt, ist der Gedanke, Sportluftschiffe zu bauen, nur selten
wieder ernsthafter verfolgt worden. Beachtenswert ist gerade deswegen,
daß die amerikanische Good-Near-Gesellschaft, die sich seit einer
Reihe von Jahren mit dem Bau von Pralluftschiffen befaßt, jetzt
ein kleines Luftschiff hergestellt hat, daß als ein ausgesprochenes
Sportluftschiff bezeichnet werden muß. Über den praktischen
Wert derartiger kleiner Luftschiffe oder "Luftjachten", wie
man sie in Amerika bezeichnet, kann man verschiedener Ansicht sein. Wer
Zeit und Lust zu einer Luftreise hat, dürfte sicherlich den größeren
Genuß im einfachen Freiballon haben, und wer ein bestimmtes Reiseziel,
soweit es im Fahrbereiche eines so kleinen Luftschiffes liegt, erreichen
will, der steigt heutzutage besser ins Flugzeug.
Vielleicht
darf man aber trotzdem die Bedeutung dieser kleinen Luftjachten nicht
überschätzen. Sie können nämlich ein recht wertvolles
Werbemittel für das Luftschiff an sich sein, das den Gedanken an
den Weltverkehr mit Luftschiffen wachhält, solange es eben noch nicht
gelungen ist, die ziemlich erheblichen Mittel zum Bau der dafür notwendigen
großen Luftschiffe aufzubringen, die allein für den transatlantischen
Schnellverkehr der Zukunft in Frage kommen.
Das
nur 1400 Kubikmeter fassende, in unseren Abbildungen wiedergegebene neue
Goodnear-Luftschiff "Pilgrim" trägt mit Heliumgasfüllung
drei Personen, erreicht mit seinem sechzigpferdigen Motor eine Eigengeschwindigkeit
von rund 75 Kilometer in der Stunde und kann genügend Brennstoff
für eine sechsstündige Fahrt über etwa 450 Kilometer an
Bord nehmen. Wenn dieses Luftschiff also auch gerade kein neues Weltverkehrsmittel
darstellt, so ist es als Sportmittel vielleicht doch ganz brauchbar.
Quelle: Das neue Universum, Union
Deutsche Verlagsgesellschaft Stuttgart, Berlin, Leipzig; 49. Jahrgang;
Jadu 2001
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