HOME
Luftfahrt - Index
Zeppelin - Index

 

Einiges von Luftschiffen was mancher nicht weiß

Schon im Jahre 1783 hat der französische General Meusnier ein Luftschiff entworfen, dessen Körper elliptische Form besaß. Erfolgreiche Konstruktionen konnten natürlich erst entstehen, nachdem ein leistungsfähiger leichter Motor geschaffen worden war.

Das kleinste Luftschiff der Welt ist kürzlich von der Meadowcraft Ballon and Airship Company erbaut worden und ist nur etwa 20 Meter lang. Es sieht aus wie eine mißratene Kartoffel, trägt einen 20 PS Motor und erreicht eine stündliche Geschwindigkeit von 32 Kilometern. Seine Manövrierfähigkeit ist so groß, das es fast an der Stelle wenden kann. Der Gasinhalt des LZ 127, 105 000 Kubikmeter, würde ausreichen, eine Gaslampe 235 Jahre lang ohne Unterbrechung brennen zu lassen.

Während des Baues blieb zwischen dem Schiff und den Seitenwänden der Halle nur ein Raum von einem Meter und zwischen Schiff und Dach von sogar nur 65 Zentimetern. Größer also hätte das Luftschiff der Bauhalle wegen gar nicht werden können. Die Gesamtlänge aller Träger auseinandergelegt, beträgt 15 Kilometer. Insgesamt wurden 3 Millionen Nieten verwendet. Die einzelnen Ringe sind 28 Ecke und jeweils 15 Meter voneinander entfernt. Die Außenhaut ist mit feinem Sandpapier abgeschliffen, damit der Luftwiderstand möglichst verringert werde. Die Gaszellen bestehen aus Baumwollgewebe, das durch mehrere eingeklebten Lagen von Tierdärmen stark undurchlässig gemacht ist. 120 Kilometer Schnüre wurden verarbeitet, um ein Netzwerk zu schaffen, an das sich die prallgefüllten Gaszellen anlegen können, damit sie nicht auf die Außenhülle drücken.

Luftschiffmotoren ähneln insofern den Schiffsmaschinen, als sie umsteuerbar sein müssen, damit das im Gegensatz zum Flugzeug schwebende Fahrzeug sicher manövrieren kann. Die Umsetzung wird beim LZ 127 durch Verschiebung der Steuerwelle erreicht. Der Verbrauch von Brennstoff und Öl macht das Luftschiff im Verlaufe der Fahrt immer leichter. Daher würde das Schiff in die Höhe gedrückt werden, wenn man nicht Traggas abließe, was aber wiederum einen erheblichen Geldverlust bedeutet. Auf der Fahrt von Europa nach Amerika werden rund 35 000 Kilogramm an Betriebsstoffen verbraucht. Bei Wasserstoffüllung ergibt es einen Kostenaufwand von 7000 Mark, bei Heliumanwendung das Siebenfache, also etwa 50 000 Mark. Um diese Verluste zu vermeiden, werden die Motoren des LZ 127 mit einem Gas getrieben, dessen Gewicht annähernd gleich dem der Luft ist und rund ein Drittel des gesamten Rauminhaltes des Luftschiffes einnimmt. Je mehr Motortriebgas verbraucht ist, desto mehr Luft wird nachgefüllt. Folglich bleibt das Gewicht des Schiffes immer dasselbe.

Der zum Betriebe der Funkstation nötige Strom wird durch einen vom Fahrtwind gedrehten Propeller Generator erzeugt. Bei stillstand des Luftschiffes sorgt eine akkumulatorenbatterie für elektrische Energie. Bei längerem Aufenthalt in der Halle wird das Luftschiff aufgehängt, während kürzerer Fahrtpausen ruht es dagegen, durch Sandsäcke beschwert, auf Böcken.

Die beiden neuen amerikanischen Luftschiffe ZRS 4 und ZRS 5, deren Fertigstellung für 1933 zu erwarten ist, werden um zwei Drittel größer sein als der "Graf Zeppelin". Wie die Känguruhs ihre Jungen sollen sie je 5 Kampfflugzeuge in einer am "Bauch" gelegene Tasche mit sich führen. Die zum Bau der Luftschiffe nötige und in Akron errichtete Halle enthält genügend Flächenraum, daß 14 Fußballspiele nebeneinander darauf ausgetragen werden könnten. 360 Meter ist sie lang, 100 Meter breit, und ihre Höhe gleicht der eines achtzehnstöckigen Hauses. Durch Motoren von 125 PS werden die Türen der Halle zurückgeschoben und geben eine 72 Meter weite und 54 Meter hohe Öffnung frei. Die sommerliche Hitze läßt das Bauwerk sich um rund 32 Zentimeter dehnen, weshalb seine Hauptbogen beweglich im Fundamente eingelassen sind.

Die Frage, ob drehbare Luftschiffhallen oder ob Landemasten praktischer seien, ist in England zugunsten der letzteren entschieden worden. Eine Halle würde 8 Millionen Mark kosten, ein Mast von 60 Meter Höhe dagegen nur 750 000 Mark. Ein älteres Luftschiff hat ein halbes Jahr lang bei wechselnder Witterung am Mast gehangen, ohne daß die geringsten Störungen vorgekommen sind. Mit 15 Mann Bedienung lassen sich Starten und Landen reibungslos bewerkstelligen. Die Fahrgäste werden durch einen im Inneren des Mastes befindlichen Fahrstuhl auf die Plattform gebracht und betreten über eine Landungsbrücke das Luftschiff. Ebenfalls im Mastinnern befinden sich die Maschinen zum Betriebe der die Seile des Schiffes heranholenden Winden.

Akron
Lakehusrt

 

Nordamerika ist das einzige Land in der Welt, das genug Helium besitzt, um seine Luftschiffe mit diesem unverbrennbaren Gas zu füllen. Helium wurde 1868 als Bestandteil der Sonne entdeckt und erst 27 Jahre später auf der Erde gefunden. Fast der ganze praktisch verfügbare Vorrat stammt aus den Quellen von Texas, Oklahoma und Kansas. Die Ausfuhr dieses farblosen Gases ist von der Regierung verboten. Seine Leichtigkeit steht nahe derjenigen des Wasserstoffs (92,5 Prozent davon). Das den Quellen entströmend Gas wird unter Druck gesetzt und abgekühlt, bis sich alle Beimengungen verflüssigt haben und nur das Helium in noch gasförmigem Zustande zurückgeblieben ist. Besondere Tankwagen befördern es zum Flugplatz. Zwölf dieser mit je drei Tanks von zwölf Meter Länge und anderthalb Meter Dicke ausgestatteten Wagen sind für ein Luftschiff wie die "Los Angeles" nötig.

Luftschiff oder Flugzeug? Wahrscheinlich werden die beiden Beförderungsarten in gegenseitiger Ergänzung nebeneinander behaupten. Das Luftschiff ist wegen seiner Geräumigkeit und Bequemlichkeit, wegen seiner auch bei böigem Wetter ruhigen und für die in der Gondel sich aufhaltenden Reisenden fast geräuschlosen Fahrt zu tagelangem Unterwegssein gegenüber dem unruhigeren Flugzeug sehr im Vorteil. Dieses ist mehr ein Schönwetter, jenes aber ein Schlechtwetterfahrzeug. Also wird es wohl heißen: Luftschiff und Flugzeug.

Quelle: Auto, Schiff und Flugzeug von John Fuhlberg Horst, Ullstein Verlag 1930, von rado jadu 2000

Zeppelin Museum
Zeppelin Museum


© Copyright 2000 by JADU

www.jadu.de