Aus Germanischer Urzeit
Drusus
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Im Jahre 30 v. Chr. wurde der römische Staat (bis dahin Republik) ein Kaiserreich; sein erster Kaiser war der Stiefsohn Julius Cäsars, Augustus (d,h, der Erhabene). Das römische Reich umfaßte damals alle Länder ums Mittelmeer und vereinigte in sich etwa 120 Millionen Menschen. Die Kriege des Augustus bezweckten namentlich die vollständige Unterwerfung bereits eroberter Provinzen oder die Sicherung der Völker gegen feindliche Nachbarvölker. Zu seinen Zielen gehörte auch die Unterwerfung der germanischen Stämme. Der Gedanke an den großen Julius Cäsar - so sagen die alten - trieb ihn dazu, auch jenseits des Rheins eine Provinz zu erkämpfen: Germanien. Mit dieser Aufgabe betraute er nacheinander seine beiden Stiefsöhne Drusus und Tiberius und später den Quintilius Varus. Über die Züge
des Drusus unterrichten Cassius Dio und mehrere andere (Florus, Vellejus)
folgendes: (13 v.Chr.)
Die Sorge und Last dieses germanischen Krieges ward dem Drusus übertragen,
einem Jüngling, begabt mit so vielen und so hohen Tugenden, wie
nur immer die sterbliche Menschennatur sie in sich zu schließen,
und Fließ und Tüchtigkeit sie auszubilden vermag. (12 v.Chr.) Die Sigambrer und ihre Bundesgenossen rüsteten zum Kriege gegen die Römer. Drusus kam der Empörung der bereits unterworfenen Stämme zuvor. Er forderte ihre Häuptlinge, angeblich wegen eines Festes, zu sich und schlug die Germanen zurück, indem er gerade den Augenblick abpaßte, wo sie über den Rhein gingen. Danach rückte er selbst über den Fluß und in das Land der Usipeter ein. Von dort unternahm er noch einen Zug in das Gebiet der Sigambrer und verheerte große Strecken Land. Dann schiffte er den Rhein entlang bis an den Ozean und gewann die Friesen zu Verbündeten. Als er über das Wasser in das Land der Chauker eingerückt war, kam er in Gefahr, da die Schiffe wegen der Ebbe auf das Trockne gerieten. Von den Friesen, die als Fußmannschaft den Zug mitmachten, aus dieser Not befreit, kehrte er, da es Winter ward, um und begab sich nach Rom. (11 v.Chr.) Mit dem Anfang des Frühlings jedoch brach er wieder zum Kriege auf, ging über den Rhein und unterwarf die Usipeter. Nachdem er über die Lippe eine Brücke geschlagen hatte, fiel er auch in das Land der Sigambrer ein, durchzog es und gelangte so in das Cheruskerland und bis an die Weser. Auch über die Weser würde er wohl gegangen sein, wenn er nicht am Notwendigsten Mangel gelitten hätte und der Winter vor der Tür gewesen wäre. Da die kräftigsten Stämme, Cherusker, Sueven und Sigambrer, gegen ihn den Krieg eröffneten, griff er sie gleichzeitig an. Diese Stämme waren von so zuversichtlicher Hoffnung auf den Sieg, daß sie im voraus schon vertragsmäßig die Beute unter sich teilten: die Cherusker hatten sich die Pferde, die Sueven das Gold und Silber, die Sigambrer die Gefangenen ausgesucht. Doch alles das schlug auf sie selbst zurück. Denn ihre Pferde, ihr Vieh, ihre Halsketten, ja sie selbst verteilte und verkaufte der siegreiche Drusus. Als er sich in Freundesland zurückziehen wollte, geriet er in eine furchtbare Gefahr. Einmal nämlich hatten ihn die Feinde, die ihm auch sonst durch Hinterhalte manchem Schaden zufügten, in einer engen Talschlucht eingeschlossen und beinahe in das Verderben gestürzt. Sie würden die Römer allesamt niedergehauen haben, wenn sie nicht getan hätten, als wären diese schon gefangen und es bedürfe nur noch eines Schwertstreiches,und deshalb ohne Regel und Ordnung auf sie losgestürzt wären. Da sie infolgedessen besiegt wurden, sank ihnen der Mut. Überdies legte Drusus zur Sicherung der Provinzen überall Schanzen und feste Plätze an, an der Maas, an der Elbe, an der Weser. Vollends am Rheinufer entlang errichtete er mehr als fünfzig Kastelle, eins legte er am Zusammenflusse von Lippe und Eliso an (Aliso); auch verband er Bonn und Geusen durch Brücken und legte zur Sicherheit eine Flotte dahin. (9. v.Chr.) Drusus fiel in das Land der Chatten ein und drang bis zu den Sueven vor. Das Land, das er betrat, unterwarf er, aber nicht ohne große Anstrengungen. Die ihm entgegentraten, schlug er, aber nicht ohne blutige Kämpfe. Von da wandte er sich zu den Cheruskern, ging über die Weser und drang, alles verheerend, in schnellem Zuge bis an die Elbe vor. Über diesen Fluß versuchte er zu gehen, vermochte es jedoch nicht, sondern kehrte um, nachdem er Denkzeichen aufgerichtet hatte. Ein Weib nämlich, vom mehr als menschlicher Größe, trat ihm entgegen und sprach: "Wohin willst du, unersättlicher Drusus? Das Geschick hat dir nicht bestimmt, alles dieses zu schauen. Ziehe hin! Denn deiner Taten und deines Lebens Ende ist nahe herbeigekommen." - Wunderbar ist es freilich, daß eine solche Stimme der Gottheit von einem Menschen vernommen wird, dennoch vermag ich nicht die Wahrheit in Zweifel zu ziehen. Denn augenblicklich kam die Erfüllung. Drusus kehrte eilends um und starb nach dreißig Tagen auf dem Heimwege an einer Krankheit, bevor er an den Rhein gelangte. Als Beweis für die Richtigkeit, bevor er an den Rhein gelangte. Als Beweis für die Richtigkeit der Erzählung gilt es mir auch, daß um die Zeit seines Todes Wölfe heulend um das Lager schweiften, daß man sah, wie zwei Jünglinge mitten durch den Lagergraben ritten, daß sich ein Jammergeschrei, wie von weiblichen Stimmen, vernehmen ließ, und die Sterne ihre Bahn änderten. Dies verhielt sich also. Als Augustus, der nicht weit entfernt war, von seiner Krankheit erfuhr, schickte er schnell den Tiberius zu ihm; dieser fand ihn noch lebend und geleitete später seine Leiche nach Rom. Ihm und seinem Nachkommen ward der Name "Germanikus" verliehen; geehrt wurde er durch Statuen, einen Triumphbogen und ein Denkmal am Ufer des Rheins. Quelle: Aus Germanischer Urzeit, Hermann Schaffstein Verlag, Erstes der Grünen Bändchen, Jadu 2000. |
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