Aus Germanischer Urzeit
Julius Cäsar und der Germanenkönig Ariovist
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Der römische Feldherr Julius
Cäsar unterwarf in den Jahren 58 - 50 v. Chr. ganz Gallien und kam
bei diesen Kämpfen auch wiederholt mit germanischen Völkern
in Berührung.Über seinen Kampf gegen Ariovist schreibt Cäsar
im "Gallischen Kriege": Cäsar fand es also für gut, Abgesandte an Ariovist zu schicken mit der Forderung, er sollte einen Ort zu ihrer beiderseitigen Unterredung bestimmen; er wolle sich mit ihm über einige Staatsangelegenheiten von größter Wichtigkeit besprechen. Ariovist gab diesen Abgesandten den Bescheid: "Wenn er etwas von Cäsar wolle, würde er zu ihm kommen; verlange aber Cäsar etwas von ihm, so müsse auch er zu ihm kommen. Außerdem getraue er sich nicht, ohne Heer in die Teile Galliens zu gehen, die Cäsar besetzt habe, und das könne er nicht ohne viele Beschwerden zusammenziehen. Überhaupt erschien es ihm sonderbar, was Cäsar besetzt habe oder gar das römische Volk in seinem Gallien, das er durch Recht des Krieges erworben hätte, zu schaffen habe. Kriegsrecht sei es, daß der Sieger dem Besiegten Befehle erteilen könne; auch das römische Volk pflege mit seinen unterjochten Völkern nach eigenem gefallen, nicht nach der Vorschrift eines anderen zu verfahren. Wenn er also den Römern in der Ausübung ihrer rechte keine Vorschriften mache, so dürften auch sie ihn in seinen Gerechtsamen nicht kränken. Die Äduer hätten ihr Waffenglück versuchen wollen, hätten Schlachten gewagt und wären überwunden worden. Sie zahlten ihm infolgedessen Tribut. Cäsar aber handle sehr ungerecht, daß er durch seine Einmischung ihm seine Einkünfte schmälere. wenn er Luft hätte, solle er nur gegen ihn anrücken; noch niemand habe sich ohne sein verderben in Krieg mit ihm eingelassen. Er werde die Tapferkeit seiner unüberwindlichen Germanen fühlen, die so geübt in den Waffen und seit vierzehn Jahren unter kein Obdach gekommen wären." Gerade als Cäsar diese Antwort
erhielt, brachten gesandte der Trevirer die Nachricht, hundert Gaue der
Sueven ständen am Rheine und wollten übersetzen. Durch diese
nachricht gerit Cäsar in große Unruhe und dachte, er müsse
schleunig zu Werke gehen, damit ihm nicht durch die Vereinigung des neuen
Germanenhaufens mit Ariovists altem Heere der Widerstand erschwert werde.
Er legte daher in möglichster Geschwindigkeit Getreidevorräte
an und ging in Eilmärschen auf Ariovist los. Während der kurzen Zeit, in der Cäsar des Getreides und der Zufuhr wegen bei Vesontio stand, breitete sich durch die Erkundigungen unserer Soldaten, sowie durch geschwätz der Gallier und der Kaufleute das Gerücht aus, die Germanen seien ungeheuer groß, unglaublich tapfer, geübt in den Waffen; man könne in den Schlachten mit ihnen nicht einmal ihre Blicke und das Funkeln ihrer Augen ertragen. Und dies Gerücht veranlaßte plötzlich einen solchen Kleinmut und eine solche Verzagtheit im ganzen Lager, daß alles aus der Fassung kam. Diese Furcht aber ging zuerst von den Kriegstribunen (Obersten), sonstigen Offizieren und den übrigen aus, die dem Cäsar nur aus Freundschaft von Rom gefolgt waren und nun bei ihren geringen Kriegserfahrungen über die große Gefahr jammerten, und von denen jeder unter einem Vorwand sich zu einer notwendigen Reise die Einwilligung Cäsars erbat. Einige hielten zwar aus Scham, um dem verdachte der Feigheit zu entgehen, stand; allein sie konnten doch ihre Mienen nicht verstellen, noch die Tränen zurückhalten. In den Zelten versteckt, beklagten sie entweder ihr Mißgeschick oder bejammerten mit ihren Vertrauten die allgemeine Gefahr. Im ganzen Lager machte man durchgängig sein Testament. Durch ihr Geschwätz und ihre Zaghaftigkeit wurden nach und nach auch die Soldaten, die schon viele Erfahrungen im Kriege hatten, die Hauptleute und die Führer der Reiterei beunruhigt. Die noch am unerschrockensten sein wollten, gaben vor, nicht der Feind mache sie so bange; nur die Engpässe, die ungeheuren Waldungen zwischen ihnen und Ariovist seien bedenklich, und auch, daß man die Lebensmittel nicht leicht genug berbeischaffen könne. Einige erklärten sogar Cäsar, die Soldaten würden bei dem Befehle zum Aufbruche und Marsche nicht gehorchen und aus Furcht nicht vorrücken. Als Cäsar das gehört
hatte, hielt er einen Kriegsrat, zu dem er auch die Hauptleute des ganzen
Heeres hatte rufen lassen, und gab ihnen einen harten Verweis. Durch diese Rede wurde das ganze
Heer wunderbar umgestimmt und es entstand größte Bereitwilligkeit
und Luft zum Kriege. Vor allem aber stattete die zehnte Legion durch ihre
Tribunen (Majore) dem Cäsar für das geäußerte günstige
Urteil Dank ab, mit der Versicherung, sie bräche mit größtem
Eifer gegen den Feind auf. Hierauf verhandelten auch die übrigen
Legionen durch ihre Tribunen und Hauptleute, wie sie den Cäsar besänftigen
möchten. Sie versicherten, sie wären ja nie unschlüssig
oder furchtsam gewesen und hätten nie geglaubt, daß ihnen ein
Urteil über die allgemeine Leitung des Krieges zustehe. sondern dies
sei die Sache des Feldherrn. Cäsar nahm ihre Entschuldigung an und
brach um die vierte nachtwache auf. Nach sieben Tagesmärschen ohne
Rasttag erhielt er von seinen kundschaftern die Nachricht: Ariovist stände
mit seinem Heer 24. 000 Schritte entfernt. Als Cäsar sah, das Ariovist
nicht aus seinem Lager rückte, ließ er, um nicht länger
von der Zufuhr abgeschnitten zu werden, ungefäht 600 Schritte hinter
dem Standort der Germanen an einem bequemen Ort ein Lager abstechen und
marschierte in einer dreifachen Schlachreihe dahin. Die erste und zweite
ließ er unter den Waffenstehen, die dritte das Lager schlagen. Wie
schon gesagt, der Ort war ungefähr 600 Schritte von dem feindlichen
Lager entfernt. Dahin schickte also Ariovist gegen 16. 000 mann leichter
Truppen mit seiner ganzen reiterei, um uns zu erschrecken und an der Befestigung
zu behindern. Trotzdem ließ Cäsar, wie er es angeordnet hatte,
nur die beiden ersten reiehen den Feind zurückwerfen, die dritte
die arbeit vollenden. Als das Lager fertig war, besetzte er es mit zwei
Legionen und einem Haufen von Hilfsvölkern. Mit den vier übrigen
Völkern ging er in das Hauptlager zurück. Am folgenden Tage ließ Cäsar
in beiden lagern so viel Volk zurück, als nach seinem Gutdünken
zu ihrer Sicherheit hinreichte. Hierauf stellte er die sämtlichen
Hilfstruppen im Angesichte der Feinde vor das kleine Lager, um sich ihrer
nur zum Scheine zu bedienen, weil er im Verhältnis zu der Stärke
des Feindes zu Schwach an Legionen war, und zog in drei Treffen vor das
feindliche lager. Nun waren endlich die Germanen genötigt, auszurücken.
Sie stellten sich nach den einzelnen Völkerschaften in abgeteilte
Haufen auf, in gleichen Zwischenräumen, und umschlossen ihre ganze
Schlachtordnung mit einer Wagenburg, um jede Aussicht zur Flucht zu benehmen.
Von dieser Wagenburg herab baten die Weiber, die man bei dem Aufmarsche
zum Treffen hatte hinaufsteigen lassen, die Krieger mit fliegenden Haaren
und unter Tränen, sie doch ja nicht in die Knechtheit der Römer
fallen zu lassen. So ward die Schlacht wiederhergestellt: die Feinde wandten sich sämtlich zur Flucht und hörten nicht eher auf zu fliehen, als bis sie an den Rheinstrom - von jener Stelle ungefähr 5. 000 Schritt - gelangten. Nur wenige waren es, die dort entweder im vertrauen auf ihre kräfte hinüber zuschwimmen sich bemühten, oder dadurch, daß sie Kähne auffanden, ihr leben retteten. Unter letzteren war Ariovist, der ein kleines Boot am Ufer antraf und auf ihm entkam; die übrigen alle holten unsere reiter durch Schnelligkeit ein und töteten sie. Quelle: Aus Germanischer Urzeit, Hermann Schaffstein Verlag, Erstes der Grünen Bändchen, Jadu 2000. |