Gerichtstag.
Die Grafengerichte der karolingischen Zeit haben sich in Deutschland bis zum Ende des vierzehnten Jahrhunderts, an einzelnen Orten weit darüber hinaus erhalten. Dreimal im Jahre in der Regel wurde wegen Verbrechen gegen Leib und Leben, Hof und Habe im echten "Ding" verhandelt. Vor das "unechte", "geboten" Ding gehörten die leichteren Vergehen. Unsere Darstellung folgt einem überlieferten genauen Berichte über ein Gericht in Usedom. Die Dingstätte ist unter freiem Himmel, unter einer uralten Eiche. Haselgerten, in die Erde gesteckt und mit roter Schnur verbunden, bilden die Hegung. Ernst thront der Richter auf hohen Steinsitze vor aufgehängtem Schilde, das Gesicht nach Osten, das rechte Bein über das linke geschlagen, den weißgeschälten Stab in der Hand. Solange der Richter so sitzt, ist das Gericht gehegt. Klopft er mit dem Stabe, so gebietet er Ruhe; legt er ihn nieder, so ist das Gericht geschlossen. Dem Richter zur Seite sitzen die Schöffen, die Urteiler. Vor ihnen, zu ihrer Rechten, steht der Kläger, das Antlitz gen Norden; gegenüber der von ihm selbst geladene Verklagte; ringsum sieht man dingplichtige Hofbesitzer des Gerichtsbezirkes. Alle sind in Waffen nach dem Rechte freier Männer. Dem Richter gegenüber steht der Dingbote. Eben erhebt der Kläger seine Klage, auf das blutige Gewand am Boden weisend. Gelingt es dem trotzig dreinblickenden verklagten nicht, sich durch Zeugen oder Eideshelfer zu reinigen, so wird er hohes Wergeld zahlen müssen, denn ein Freier war es, den er erschlagen haben soll.

Quelle: Geschichtsbilder, J.C. Andrä, 1908, Voigtländer Verlag, von rado jadu 2000.


© Copyright 2000 by JADU

www.jadu.de

 

Webmaster