Aus Germanischer Urzeit
Varus und die Schlacht im Teutoburger Walde
| Römische Zwingherrschaft |
| Germanische Verschwörung |
| Ein Kriegszug voller Gefahren |
| Die Vernichtungsschlacht |
|
Über diese wichtige Schlacht
(9 n. Chr.) erzählen am ausführlichsten Vellejus und Cassius
Dio; ihren berichten ist im folgenden gefolgt. Kurze Stellen sind aus
Florus, Tacitus und Suetonius eingefügt worden. Die Römer hatten in dem Lande zwischen Rhein und Weser einige Punkte, nicht auf einmal, sondern wie es sich gerade traf, in ihre Gewalt gebracht. Römische Soldaten lagen dort im Winterquartiere, Städte entstanden, und die Barbaren wurden durch römische Sitten wie umgewandelt; Märkte wurden eröffnet und friedlicher Verkehr mit ihnen unterhalten. Doch nicht hatten sie die Sitten ihrer Väter, ihre angeborene Art, ihr freies Leben und die Macht, welche ihnen die Waffen gaben, vergessen. So lange sie ganz allmählich und mit Geduld umgebildet wurden, empfanden sie die Veränderung ihrer Lebensart nicht drückend und merkten es selbst nicht, wie sie andere wurden. Dann aber wurde Quintilius Varus zum Oberbefehlshaber in Germanien ernannt. Er war ein Mann von ruhigem Charakter, mehr an die Muße des Lagerlebens, als an den Felddienst gewöhnt. Wie wenig er Verächter des Geldes war, bezeugte Syrien, das er verwaltet hatte. Arm war er in das reiche Land gekommen, reich verließ er ein armes Land. Dieser wollte die Verhältnisse in Germanien mit größerer Schnelligkeit und mehr Nachdruck umwandeln. Er erteilte den Germanen Befehle wie Sklaven, forderte Geld wie von Untergebenen und sprach Recht, als könne er der Barbaren Ungestüm mit Ruten dämpfen. Das ertrugen sie nicht, Fürsten so wenig wie Volk. Jene trugen Begehr nach ihrer früheren Macht, und diese zogen die gewohnte Ordnung der Dinge der fremden Zwingherrschaft vor. Mit Kummer blickten sie auf ihre Schwerter, die der Rost bedeckte, und auf ihre Rosse, die müßig standen. Einen offenen Aufstand wagten
sie nicht, weil sie sahen, daß die Römer zahlreich am Rhein,
zahlreich auch in ihrem eigenen Lande standen; sondern indem sie Varus
bereitwillig aufnahmen, als würden sie alles tun, was ihnen befohlen
würde, lockten sie ihn weit ab vom Rhein in das Land der Cherusker
und an die Weser. Da sie auch dort in Friede und Freundschaft mit ihm
lebten, brachten sie zu den Glauben, daß sie auch ohne Waffengewalt
sich fügen wollten. Ein Jüngling von edlen Geschlechte,
tapferer Hand, schnellem Sinne, gewandt im Geist, mehr als sonst Barbaren
es sind, namens Armin, Sohn des Segimer, eines Fürsten des Cheruskerstammes,
aus dessen Antlitz und Augen geistiges Feuer leuchtete, der unser steter
Begleiter auf den früheren Feldzügen gewesen war und neben den
römischen Bürgerrechte den Rang eines römischen Ritters
inne hatte, benutzte des Feldherrn Schläfrigkeit zu einer Freveltat.
Zuerst weihte er wenige, bald mehrere als Genossen in seine Pläne
ein; daß es möglich sei, die Römer zu überwältigen,
behauptet er mit Zuversicht und überzeugt davon auch seine Gefährten.
Unmittelbar an dem Beschluß knüpft er die Tat; er bestimmt
eine Zeit zum Überfalle. Dies wird Varus durch einen aus jenem Stamme,
mit Namen Segestes, angezeigt. Dieser haßte Armin, da er seine Tochter
Thusnelda, die einem andern verlobt war, geraubt hatte. Varus entgegnet,
er könne das nicht glauben; übrigens, erklärte er, wisse
er den Beweis von guter Gesinnung gegen ihn nach Gebühr zu schätzen.
Nach der ersten Anzeige blieb zu einer zweiten schon keine Zeit mehr. Als er aufbrach, ließen
sie ihn vorausziehen und blieben zurück, angeblich um Bundesgenossen
zu werben und sodann binnen kurzem zu ihm zu stoßen. Nachdem sie
die Hilfsmacht, welche schon an einem bestimmten Platze bereit stand,
herangezogen und die bei ihnen befindlichen Soldaten getötet hatten,
rückten sie auf ihn an, als er schon mitten in den Waldungen steckte,
wo kaum ein Ausgang zu finden ist. Mit einem Schlage zeigten sie da, daß
sie feinde sein wollten, nicht Untergebene, und vollbrachten viele furchtbare
Taten. Als sie einen tauglichen Platz fanden, soweit dies in dem Waldgebirge möglich war, schlugen sie ein Lager auf. Die Mehrzahl der Wagen und was ihnen sonst nicht durchaus notwendig war, verbrannten sie oder ließen es im Stich und zogen am andern Tage in besserer Ordnung weiter, bis sie wirklich an eine lichtere Stelle gelangten; doch kamen sie nicht los, ohne Blut zu lassen. Als sie aber, von dort aufgebrochen, wiederum in die Waldungen gerieten, wehrten sie sich zwar gegen die, welche auf sie eindrangen, gerieten aber geradezu auch dadurch in nicht geringe Not. Denn indem sie sich auf einen engen Raum zusammendrängten, damit das Fußvolk und die Reiterei zugleich mit voller Macht sich auf den Feind stürzen könnten, hatten sie unter sich, einer von dem andern, und alle von den Bäumen viel zu leiden. Kaum hatten sie sich mit Anbruch des dritten Tages auf den Weg gemacht, als heftiger Regen und starker Wind hereinbrach, der ihnen weder vorzurücken, noch festen Fuß zu fassen gestatte, ja sogar den Gebrauch der Wurfspeere, noch die Schilde - die ja von Regen durchnäßt waren - konnten sie ordentlich gebrauchen. Die Feinde, die der Mehrzahl nach leicht bewaffnet waren und ohne Bedenken angreifen oder sich zurückziehen konnten, wie sie wollten, wurden von dergleichen Unfällen natürlich weniger betroffen. Überdies waren sie weit stärker an Zahl, da auch von denen, welche anfangs noch unschlüssig waren, viele schon um der Beute willen zu ihnen stießen; deshalb konnten sie jene, deren Zahl bereits verringert war - denn viele waren in dem bisherigen Kampfe umgekommen -, um so leichter umzingeln und niederhauen. Darum vollbrachten Varus und die andern angesehensten Männer aus Furcht, entweder gefangen zu werden oder unter den Händen erbitterter Feinde zu sterben (verwundet waren sie schon) eine furchtbare, aber notwendige Tat: sie töteten sich selbst. Als dies bekannt ward, wehrte
sich auch von den andern keiner mehr, wenn es ihm auch nicht an kraft
gefehlt hätte. Die einen folgten dem Beispiel ihres Anführers,
die andern warfen die Waffen fort und ließen sich von den ersten
besten umbringen; fliehen konnte keiner, hätte er es auch noch so
gern gewollt. So ward denn alles ohne Scheu niedergehauen, Männer
und Rosse. Quelle: Aus Germanischer Urzeit, Hermann Schaffstein Verlag, Erstes der Grünen Bändchen, Jadu 2000. |
| Da ich mich für die Varusschlacht interessiere, möchte ich Euch
auf Folgendes aufmerksam machen: Von Herrn F.H. R. Friebe erschien in diesem Zusammenhang ein interessantes Buch, daß ich allen Interssierten nur weiter empfehlen kann : <<< gesichert von Türmen geschützt
vom Schwert >>> Der Autor hat intensiv recherchiert , Missdeutungen- und übersetzungen der alten Texte ins neue Licht gerückt. Mehr unter: www.varus-und-arminius.de Meiner Meinung, muß hier das Kapitel um die Schlacht im Teutoburger Wald, neu geschrieben werden. es grüßt Euch freundlichst: Hartwig |