Hexenwahn und Teufelsglauben im Mittelalter
Neben dem herrschenden Teufelsglauben
regte sich schon früh der Gedanke, daß alle Zauberei nichts
anderes als richtiger Teufelsspuk sei. Die Synode von Bracara (563)
verfügt:
"Wer
da glaubt, daß der Teufel, weil er einige Dinge in der Welt hervorgebracht
hat, auch aus eigener Macht Donner und Blitz, Gewitter und Dürre
mache, der sei verflucht."
Unter den Kirchenlehrern des
5. und 6. Jahrhunderts waren sogar nicht wenige, welche vor jeder Zauberei,
auch vor solcher, welche mit christlichen Formeln und Amuletten getrieben
wurde, ernstlich warnten, wie der erleuchtete Patriarch Chrysostomus
von Konstantinopel (gest. 407).
Wie oft oder selten, ob strenge
oder gelinde Strafbestimmungen gegen Zauberei in Anwendung gekommen,
darüber geben die Geschichtsschreiber nur unvollständig Auskunft.
Was indes Gregor von Tours über den Zustand der Dinge unter den
Franken berichtet, läßt eine auffallende Milde und Mäßigung
erkennen. Es mögen hier einige Vorfälle kurz erwähnt
werden.
Die berüchtigte Fredegunde beschuldigte (ums Jahr 582) den Präfekten
Mummolus, ihren und Chilperichs Sohn durch Zauberei getötet zu
haben. Als sie zwei Söhne, Chlodobert und Dagobert, an einer Seuche
verloren, ließ sie sich nicht ungern überreden, ihr verhaßter
Stiefsohn Chlodwig habe die Kinder durch die "bösen Künste"
der Mutter seiner Buhlerin aus dem Weg geräumt. Das Weib wurde
eingezogen und ließ sich unter den Qualen der Folter ein Geständnis
abpressen. Fredegunde erhob jetzt ein Rachegeschrei und brachte Chilperich,
ihren Gemahl, dahin, daß er seinen Sohn Chlodwig der Wütenden
preisgab, der nun unter den Messerstichen gedungener Mörder fiel,
während das verhaftete Weib trotz ihres Widerrufes lebendig verbrannt
wurde. Bald darauf raffte die Ruhr den eingangs erwähnten dritten
Sohn Fredegundes hinweg. Da geschah es, daß der Majordomus Mummolus
gelegentlich bei Tische zu seinen Gästen äußerte, er
habe ein Kraut, dessen Absud auch den hoffnungslosesten Ruhrkranken
in kurzer Zeit wiederherstelle könnte. Kaum hatte dies Fredegunde
erfahren, greift sie etliche Weiber auf und zwingt sie durch die Folter
zu dem Geständnisse, daß sie den Prinzen durch Zauberkünste
für das Wohlergehen des Majordomus hingeopfert haben. Nachdem dies
geschehen, werden die Weiber teils verbrannt, teils gerädert, Mammulus
aber zunächst gefoltert. Dieser bekannte indesnur, daß er
von jenen Frauen zuweilen Salben und Getränke erhalten habe, die
dazu dienen sollten, ihm die Gnade des Königs und der Königin
zu erwerben. Auf die Folter gespannt und gemartert, sagt er zum Büttel:
"Sage dem Könige, meinem Herrn, daß ich nichts Übles
empfinde von dem, was man mir zugefügt hat!" Darüber
ruft Chilperich aus: "Muß denn dieser Mensch nicht ein Zauberer
sein, wenn ihm alle diese Strafen nicht wehe getan haben!" und
Mummolus wird von neuem gegeißelt und soll, nachdem man ihm Pflöcke
unter die Nägel getrieben hat, enthauptet werden; doch die Königin
verfügt endlich seine Begnadigung und verweist ihn nach Bordeaux.
Mummolus aber starb auf der Reise an den Folgen der erlittenen Tortur.
Eine Leibeigene in der Diözese
von Verdun hatte sich etwa um dieselbe Zeit aufs Wahrsagen gelegt, erwarb
sich dadurch ihre Freilassung, Gold und Silber und zog in kostbarem
Schmuck umher. Tausend Jahre später würde es ihr schlimm ergangen
sein, während sie damals vom Bischof Agerich einfach als eine Besessene
behandelt wurde, der er den Teufel durch Salben auszutreiben versuchte
und die er dann in Frieden ziehen ließ.
Einen gewissen Desiderius in
Tours, der sich Wundergaben rühmte und Kranke durch Zauberkünste
zu heilen sich vermaß, wies man aus der Stadt, ebenso einen anderen
derartigen Abenteurer.
Die Westgoten bestraften die
Wettermacher mit 200 Prügeln und schoren ihnen die Haare, d.h.
sie machten sie ehrlos. -
Die entschiedenste Stellung zum überlieferten Hexenglauben nahm
aber das Frankenreich unter den Karolingern ein, indem in diesem Zeitabschnitt
der deutsche Geist nicht nur die Reinigung der Kirche und des Volkslebens
von allem Zauberwerk mit Kraft anstrebte, sondern auch mit dem Zauberglauben
selbst für immer brechen zu wollen schien.
Das unter Karlomann (742) versammelte erste deutsche Nationalkonzil
(concilium germanicum) befahl u.a.:
"Jeder
Bischof soll in seiner Parochie mit Beihilfe des Grafen darauf bedacht
sein, daß das Volk keine heidnische Totenopfer, Losdeuterei, Wahrsagerei,
Amulette, Auguren, heidnische Opfer, welche die Toren oft neben den
christlichen Kirchen den Märtyrern und Bekennern darbringen, oder
die sakrilegischen (kirchenschänderischen) Feuer, welche sie "Nodfyr"
nennen."
Karl der Große wiederholte
diese Bestimmungen, ging aber in seiner Auffassung der Zauberei noch
weiter. Er bestätigte nämlich den von der Paderborner Synode
(785) aufgestellten Beschluß:
"Wer vom Teufel
verblendet, nach Weise der Heiden glaubt, es sei jemand eine Hexe und
fresse Menschen und diese Person deshalb verbrennt ect., der soll mit
dem Tode bestraft werden." -
Im 8. Jahrhundert glaubten die
Leute fest an Teufel und sprachen von ihnen als von fliegenden Drachen,
von glühenden Schlangen, die durch die Lüfte fliegen, durch
Fenster und Schornsteine drängen und mit ihren Verbündeten
Umgang pflegen. Ehe man sich den steten Versuchungen des Satans aussetzte,
zog man es vor, lieber ein Bündnis mit ihm einzugehen, wobei man
sich mit seinem eigenen Blut verschrieb. Derartige Bündnisse wurden
auch im großen geschlossen, und ganze Gemeinden verstanden sich
dazu, den Zauberern und Teufelsbündnern einen jährlichen Tribut
zu entrichten, damit wenigstens die Wettermacher den Feldern keinen
Schaden durch Hagel, Mißwuchs und dgl. zufügen möchten.
So berichtete Bischof Agobart (841). Derselbe erzähl ferner daß
nach dem damaligen Volksglauben die Zauberer in Schiffen in der Luft
umherführen, um die aufgeflogenen Schätze zu sammeln,und daß
er im Jahre 832 schwere Mühe gehabt habe, vier Männer und
eine Frau aus den Händen desPöbels zu befreien,die aus einem
solchen Schiff herausgefallen sein sollten. "So weit", sagt
Agobart aber am Schlusse seiner Schrift, "ist es mit der Dummheit
der armseligen Menschen gekommen, daß man jetzt unter den Christen
an Albernheiten glaubt,die in früheren Zeiten niemals ein Heide
sich aufbinden ließ."
In gleichem Sinne schrieb Agobarts
Schüler und (seit 840) Nachfolger im Erzbistum Lyon, Amolo. Daher
war es ganz dem Geiste des karolingischen deutschen Staatswesens entsprechend,
daß auf der Reformsynode zu Paris (829) die Hexerei nur als ein
im Volke spukender Aberglaube erwähnt wird.
Zur Kennzeichnung der Stellung,
welche die Kirche in der nachkarolingischen Zeit im 10.,11. und 12.
Jahrhundert zur Hexerei und zum Glauben an dieselbe einnahm, kommt vor
allem der sogenannte Ancyranische Kanon episcopi (ums Jahr 900)
in Betracht, in welcher den Bischöfen zur Pflicht gemacht wird,
den Glauben an die Möglichkeit dämonischer Zauberei und an
eine Möglichkeit von Nachtfahrten zu und mit Dämonen als bare
Verblendung in ihren Diözesen und Gemeinden entschieden zu bekämpfen
und die demselben Ergebenen als Frevler am Glauben aus der Kirchengemeinschaft
auszuschließen.
Die Hauptstelle des Kanons lautet nämlich:
"Es gibt verbrecherische
Weibsleute, welche, durch die Vorspiegelung und Einflüsterung des
Satans verführt, glauben und bekennen, daß sie zur Nachtzeit
mit der heidnischen Göttin Diana oder der Herodias und einer unzählbaren
Menge von Frauen auf gewissen Tieren reiten, über vieler Herren
Länder heimlich und in aller Stille hinwegeilen, der Diana als
ihrer Herrin gehorchen und in bestimmten Nächten zu ihrem Dienste
sich aufbieten lassen. Leider haben nun diese Weibsleute ihre Unheil
bringende Verkehrtheit nicht für sich behalten; vielmehr hat eine
zahllose Menge, getäuscht durch die falsche Meinung, daß
die Dinge wahr seien, von rechten Glauben sich abgewendet und der heidnischen
Irrlehre sich hingegeben, indem sie annehmen, daß es außer
Gott noch eine übermenschliche Macht gebe. Daher sind die Priester
verpflichtet, den ihnen anvertrauten Gemeinden von der Kanzel herab
nachdrücklichst einzuschärfen, daß alles dieses durchaus
falsch und Blendwerk sei, welches nicht vom Geiste Gottes, sondern von
dem des Bösen herrühre. Der Satan nämlich, der sich in
die Gestalt eines Engels verkleiden könne, wenn er sich eines Weibleins
bemächtigt, so unterjoche er es, indem er es zum Abfall vom Glauben
bringe, nehme dann sofort die Gestalt verschiedener Personen an und
treibe mit ihnen im Schlafe sein Spiel, indem er ihnen fernab bald heitere,
bald traurige Dinge, bald bekannte, bald unbekannte Personen vorführe.
Dabei bilde sich dann der ungläubige Sinn des Menschen ein, während
der Geist dieses erleide, daß dieses doch nicht in der Vorstellung,
sondern in Wirklichkeit geschehe. Wer aber - heißt es weiter -
ist nicht im Traume so aus sich herausgefahren,daß er vieles zu
sehen geglaubt hat, was er im wachen Zustand niemals gesehen hat? Und
wer sollte so borniert und töricht sein, daß er glaube, alles
das, was nur subjektives (persönliches) Erlebnis ist, habe auch
objektive (gegenständliche) Wirklichkeit? Ezechiel hat Gott nur
im Geiste und nicht mit dem Körper geschaut. Es ist daher allen
Leuten laut zu verkündigen, daß derjenige, der dergleichen
Dinge glaubt, den Glauben verloren hat. Wer aber den wahren Glauben
verloren hat, der gehört nicht Gott, sondern dem Teufel an."
So lautet der Kanon bemerkt
Soldan in welchem wir die Grundlage des späteren Hexenwahns
(und zugleich die damalige Urteil des Kirche über denselben) deutlich
genug erkennen.
Der Glaube an Hexerei galt sonach
in der Kirche im Anfange und noch in der Mitte des Mittelalters als
einHirngespinst, welches vom Teufel herrühre, mit welchem der Teufel
aber nur diejenigen berücken könne, die sich in ihrem Herzen
von Gott ab- und dem Teufel zuwendeten und welche eben darum strafbar
wären.
Dementsprechend richtete sich
die Kirche ihr Strafverfahren gegen Hexerei ect. ein, und noch immer
galt die Handhabung der Kirchenzucht und die Ausschließung aus
der Kirchengemeinschaft als das eigentliche Strafmittel gegen Zauberei.
Der Gedanke einer kriminalrechtlichen
Verfolgung abergläubischer Übungen war damals der Kirche noch
ganz fremd; vielmehr hieß es in einem Dekret aus dem Jahre 799:
"Zauberer,
Zauberinnen u. dgl. sollen eingekerkert und durch einen Archipresbyter
(Erzpriester) womöglich zum Geständnis gebracht werden; aber
am Leben darf ihnen nichts geschehen."
Papst Alexander III. (gest. 1181)
selbst bestrafte einen Priester, der um gestohlenes Kirchengut zu entdecken,
einen Wahrsager befragt hatte, nur mit ein- bis zweijähriger Amtsenthebung,
indem der an sich gute Wille in Anschlag gebracht wurde.
Ja, Päpste und Synoden sind
in dieser Periode bisweilen sogar der barbarischen Strenge, mit welcher
die Staatsgewalt hin und wieder die Zauberei verfolgte, entgegengetreten.
So erklärte Papst Nicolaus I. (858 bis 867) in einem Schreiben
an den Bulgarenfüsten sich nachdrücklichst gegen den Gebrauch
der Folter, weil ein solches Verfahren gegen alles göttliches und
menschliches Gesetz sei.
In demselben Sinne fordert noch
Gregor VII. den König von Dänemark auf, es zu verhindern,
daß in seinem Lande bei eintretenden Unwettern und Seuchen unschuldige
Frauen als Zauberinnen, welche solches Unglück verursacht hätten,
verfolgt würden.
Auch von Seiten der weltlichen
Gewalten kam übrigens ein peinliches und blutiges Einschreiten
gegen Hexerei überaus selten vor, und ist die Nachricht: "im
Jahre des Herrn 914 wurden viele Hexen in unserem Territorium verbrannt"
(in Westfalen), welche in den sogenannten Annalen von Corvey (bei Höxter)
unecht, enthält auch nicht, was ein solches Ereignis als eine gerichtliche
Handlung hinstellen könnte.
Sehr vereinzelt stehen historisch
beglaubigte Beispiele aus jener Epoche von Hinrichtungen wegen Zauberei
ect. da, wie dasjenige, welches sich i.J. 1004 zu Köln zutrug.
Dort wurde eine Frau von der Stadtmauer herabgestürzt, weil sie
in dem Rufe stand, den Verstand der Menschen verwirren zu können.
Völlig klar liegen die Verhältnisse im damaligen Königreiche
Ungarn vor. Da heißt es in der Gesetzgebung des Königs Stephan
I. (997 bis 1038):
"Der Zauberer,
der Menschen an Leib und Seele schädigt, begeht ein bürgerliches
Verbrechen, und soll darum dem Geschädigten oder den Angehörigen
desselben zu beliebiger Behandlung übergeben werden. Dagegen gilt
Hexerei als Dämonendienst und als rein kirchliches Vergehen. Daher
bestimmt das decretum sancti stephani, daß, wenn man eine
Hexe finde, sie in die Kirche geführt und dem Geistlichen empfohlen
werden solle, der sie zum Fasten und zur Erlernung des Glaubens anhalten
werde. Werde sie zum anderen Mal über demselben Vergehen ergriffen,
so solle sie wieder fasten, darauf aber mit dem glühend gemachten
Kirchenschlüssel auf der Brust, an der Stirn und zwischen den Schultern
in Kreuzesform gebrandmarkt werden. Bei dem dritten Betretungsfalle
möge man sie dem weltlichen Gericht übergeben. Wer Wahrsagerei
treibe, solle vom Bischof mit Geißelhieben auf den rechten Weg
zurückgebracht werden."
König Ladislaus der Heilige
stellt Hexerei in eine Linie mit Hurerei, und König Kolomann sagt
von den Hexen: "Über die Hexen, die es nicht gibt, soll keine
Untersuchung angestellt werden."
In Wahrheit lag im Glauben, Denken und Leben der Christenheit
"während der ersten drei Jahrhunderte des 2. Jahrtausends
ein tiefgehender Gegensatz vor" - bemerkt Soldan - "aus welchem
neben frohen Hoffnungen für die Zukunft der abendländischen
Völker auch Gespenster auftauchten, die Schreckliches ahnen ließen."
Im 11. und 12. Jahrhundert wurde
es dagegen leichter in den Köpfen. Mancherlei Ableitung nach außen,
wie die Kreuzzüge, und religiöse Aufklärung lockerten
den finsteren Glauben an Teufel und Zauberei.
Im 13. Jahrhundert begann indessen
der Teufelsglaube sich wieder mächtig zu regen. Von da ab wurde
besonders das südliche Frankreich und in diesem wieder die Gegend
von Narbonne die Pflanzstätte aller Ketzerei und Teufelskünste,
wozu besonders die Nähe von Spanien beitrug, welches als das verrufenste
Zauberland der Sarazenen und Juden galt. Nach den damaligen Vorstellungen
hatten die spanischen Zauberer alle Tiefen der finsteren Magie (Zauberei,
Zauberkunst, Geheimniskunst) erforscht, und die Nekromantie (Schwarzkunst,
Totenbefragung, Geisterbeschwörung und Geisterbannung) wurde in
Salamanca und Toledo öffentlich gelehrt, wie später in Prag
und Krakau.
Nachdem man zu Trier mehrfach
Hexen und Zauberer verbrannt hatte, nahm das Hexenverbrennen vom Jahre
1232 an in der Rheingegend so überhand, daß man endlich zu
Mainz ernstliche Klagen über das Verbrennen so vieler unschuldiger
Menschen führte. Aber nicht nur am Rhein, sondern auch in Schwaben,
Bayern, Franken und Thüringen flammten die Scheiterhaufen, in welchen
Gegenden besonders der glaubenswütige Konrad von Marburg sein fluchwürdiges
Wesen trieb.
Wirft doch die Bulle des Papstes Gregor IX. (1233) den deutschen Ketzern
vor, daß sie bei Aufnahme erst einem backofengroßen Frosch
den Hintern küßten, dann einen tiefblassen Mann von wunderbarer
Kälte begrüßten. Nach dem Mahle stiege durch eine Säule
rückwärts ein schwarzer Kater herab und bliebe erwartungsvoll
in Stellung. Man küßte ihn und brachte ihm allgemeine Huldigung
dar, worauf die Lichter gelöscht würden und die Orgien der
Sittenlosigkeit zwischen den beiden oder denselben Geschlechtern den
Anfang nähmen. Alle bekannten, nur tun zu wollen, was Gott zuwider
sei. Die Verfolgungen, welchen man damals auf solche Anklagen nach dem
Muster der südfranzösischen den Deutschen zugedacht, stockten
aber bald, indem, wie wir weiter unten sehen, die Deutschen den gesandten
Großinquisitor Konrad von Marburg auf der Heide bei Marburg am
30. Juli 1233 einfach wie einen Bluthund totschlugen. Sein Tod rettete
Deutschland vor der Inquisition.
Man verfolgte schon damals nicht
nur Weiber und geringe Leute,sondern ging zu Edlen, Grafen,ja sogar
zu ganzen Gemeinden und Ordensgenossenschaften über. So hatten
sich die Einwohner des Gaues Steden oder Stedingen in Oldenburg durch
ketzerische Meinung und Zinsverweigerung der Kirche mißliebig
gemacht, worauf dieselbe die Stedinger beschuldigte, daß sie Ketzer
seien, Zauberei trieben und den Teufel anbeteten. Papst Gregor erließ
eine Bulle, in welcher er die Beschuldigung auseinandersetzt und zum
Kreuzzug gegen die Stedinger auffordert. Der Glaubenseiferer Konrad
von Marburg*1 war es, der einen Kreuzzug gegen sie
zusammenbrachte, in dem sie nach langen heldenmütigen Kämpfen
der Übermacht erlagen.
Mit Beginn des 14. Jahrhunderts
wurde und zwar auf französischen Boden der gebildetste,
reichste und mächtigste geistliche Ritterorden, der der Templer,
der Zauberei und des Teufelsdienstes beschuldigt. Durch Folter suchte
man die fehlenden Geständnisse zu erpressen, auf welcher allein
36 Ordensritter starben. Durch besondere Grausamkeit zeichnete sich
dabei namentlich der Dominikaner Imbert aus, welcher durch entsetzliche
Qualen 302 Ritter zum Geständnis brachte, in Folge dessen am 12.
Mai 1311 76 Ritter von der Abtei St. Antoine und am 19. März 1314
die übrigen mit dem Großmeister Molay vor dem Justizpalast
verbrannt wurden.*2
Papst Johannes XXII. (1334) erließ
zwei Bullen, welche das Hexenwesen der damaligen Zeit charakterisierten.
In der Bulle vom Jahre 1327 heißt es unter anderem, "daß
verschiedene gottlose Personen, welche sich dem Teufel ergeben haben,
böse Geister in Zirkel, Ringe und Spiegel gebannt hätten,
und daß sie Menschen, welche ihnen verhaßt wären, dadurch
Schaden zufügen suchten,indem sie deren Bilder von Wachs oder Blei
durchbohrten".
Dieser Aberglaube dauerte übrigens
noch Jahrhunderte hindurch fort. Man wähnte beispielsweise, daß
eine gewisse von der Hexe oder dem Zauberer gehaßte Person sterben
müsse, sobald jene das Bild derselben durchschösse.
In einer anderen Bulle vom Jahre
1327 sprach Papst Johann XXII seine Betrübnis darüber aus,
daß gottvergessene Menschen mit dem Tode und der Hölle ein
Bündnis geschlossen hätten, die bösen Geister anbeteten,
ihnen opferten und von ihnen die Enthüllung der Zukunft, sowie
Rat und Tat zu frevelhaften Anschlägen gegen ihre Mitmenschen verlangten.
Im Jahre 1398 erließ die
theologische Fakultät zu Paris 27 Artikel gegen die Zauberei, in
welchen folgende Handlungen als Gotteslästerung verboten waren:
die Anrufung der bösen Geister durch zauberische Hilfe, die Abschließung
eines Vertrages mit ihnen, ferner, sie durch Zauberkünste in Spiegel,
Ringe und Steine zu bannen, die Anwendung der Zauberei zu irgend einem
guten Zwecke, die Auflösung eines Zaubers durch einen Gegenzauber,
der Glaube, daß magische Werke durch eine vorhergegegangene Anwendung
von Gebeten, Fasten und dergleichen sündlos würden, daß
man durch Zauberei den freien Willen seines Nebenmenschen unkräftig
machen könne, daß man durch gewisse Künste und Mittel,
wie z.B. das Blut eines Wiedehopfs, eines Bockes, das Pergament einer
Jungfrau, die Haut eines Löwen und dgl. Geister zitieren könne
usw.
Einen Beweis, wie groß
der Glaube an Hexerei in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts
bereits geworden war, liefert das Schicksal Johanna d'Arc's, der Jungfrau
von Orleans, welche, nachdem sie ihr Vaterland, Frankreich, von den
Engländern befreit, von der theologischen Fakultät der Universität
Paris der Hexerei schuldig befunden und im Jahre 1431 zu Rouen auch
wirklich als Hexe verbrannt wurde!
Der gesunde Sinn des Volkes knüpfte
an ihrAndenken die schöne Sage,daß sich aus ihrer Asche eine
weißeTaube erhoben habe und gen Himmel geflogen sei.
So hatte denn bis gegen Ende
des 15. Jahrhunderts hin der Teufels- und Hexenwahn in der gesamten
Menschheit den Sieg über die gesunde Vernunft davongetragen, und
die Kirche hatte eine förmliche Lehre desselben ausgebildet, welche
nur noch des Schlußsteins bedurfte, damit sie auch in Beziehung
auf das gerichtliche Verfahren die Weihe der sogenannten Untrüglichkeit
erhielt.
Der Volksglaube erblickte im
13. Jahrhundert und, wie wir gesehen, schon früher, den Teufel*3
bald in Tiergestalt, als Kröte, Drache, Katze, Affe, Hund usw.,
bald in Menschengestalt, als Mann sowohl wie als Weib. Es hatte sich
in allen Kreisen des Volkes der Wahn festgesetzt, daß sich der
Teufel mit seinen Gesellen in die Angelegenheiten der Menschen mische
und allenthalben die Hand im Spiel habe. Die Phantasie der Leute glaubte
ihn überall und in tausenderlei Gestalt zu erblicken. An vielen
Orten glaubte man auch, daß manche Zauberer und Hexen vom Teufel,
dem sie sich verschrieben, die Macht erhalten hätten, sich in Wölfe
zu verwandeln und in dieser Gestalt einzeln oder in Scharen umherstreiften
und Menschen und Tiere anfielen; man nannte die Werwölfe, und in
den Protokollen der Hexenprozesse kommt der Ausdruck*4
"wulfen" nicht selten vor.
In Norddeutschland spielte der
Brocken in der Geschichte des Aberglaubens eine große Rolle. Im
Jahre 1634 gab ein gekrönter Poet, Johannes Prätorius, ein
seltsames Buch heraus: "Blockesberges Verrichtungen oder Ausführlicher
Geographischer Bericht von dem hohen, trefflichen, alt und berühmten
Blocksberge, ingleichen von der Zauberfahrt und Hexensabbath, so auf
solchem Berge die Unholden (Hexen) aus ganz Teutschland jährlichen
den 1. Mai in St Walpurgisnacht anstellen sollen."
Die Bezeichnungen : Teufelskanzel,
Hexenaltar, Hexenwaschbecken, Hexentanzplatz, Teufelstopf und Hexenbrunnen
erinnern noch heute an den wilden Spuk, welchen man auf den stets vom
Nebel umhüllten Fabelberg verlegte.
Der Brocken ist häufig von
Nebel- und Wolkenschichten umgeben, die ein fast beständiger Luftzug
hin- und herpeitscht. Diese Lufterscheinungen mögen ehedem auch,
indem sie die Phantasie mit unheimlichen Bildern erfüllten, das
ihre dazu beigetragen haben, die Höhe als von bösen Wesen
belebt erscheinen zu lassen. Noch in unseren Tagen macht das sogenannte
"Brockengespenst", das durch Schattenbilder von Haus und Menschen
in einer östlichen Nebelwand zur Zeit des Sonnenunterganges bisweilen
hervorgerufen wird, einen seltsamen Eindruck.
Die Entstehung der Hexensage auf dem Brocken*5
selbst entstammt heidnischer Zeit. Als die Christen siegend und ihren
Glauben verbreitend in die alten Sachsenlande einbrachen, flüchtete
sich das Heidentum mit seinen Bräuchen auf die Kuppe des höchsten
Berges des Harzes, wohin ihnen die Fremden nicht zu folgen vermochten,
auch schreckten sie dieselben durch Nachahmung von Tierstimmen und wilden
Gestalten zurück.
"Kommt mit
Zacken und mit Gabeln,
Wie der Teufel, den sie sabeln,
Und mit wilden Klapperstöcken
durch die leeren Felsenstrecken!
Kauz und Eule
heut in unser Mundgeheule!"
So beschreibt Goethe die Walpurgisnacht der Sachsen, und auch
Faust und Mephisto muß hinauf auf den Blocksberg.
Die alten Sachsen beteten zum Allvater stets auf den Bergspitzen, wo
sie den Wolken näher waren, von wo aus Flamme und Rauch weithin
in den Landen zu sehen waren. Und so hielten sich auch nirgends Aber-
und Hexenglauben länger als in den wilden Felsschluchten des Harzes,
auf dessen verborgenen Wegen das Priestertum nicht zu folgen vermochte,
ja bis auf den heutigen Tag lassen sich in jenen Gegenden noch zahllose
Sachsenbräuche nachweisen, die im flachen Lande längst nicht
mehr nachgeahmt werden.
Aus Merians Topographie von Jahre
1654 ersieht man, daß ganz in der Brockennähe, auf der alten
Harzburg, ebenfalls noch allerhand heidnischer Dienst stattfand. Dreihundert
Jahre vor Christi Geburt sollte die Harzburg erbaut, damals aber Saturburg
genannt worden sein. Es heißt in der Merianschen Beschreibung:
"Als aber Kaiser
Carolus Magnus Anno 780 sich gegen die Ostsachsen und den König
Wedekind mit einem starken Kriegsheer wenden mußte, hat er, der
Kaiser, bei solcher Gelegenheit, nachdem gedachter Wedekind zum christlichen
Glauben gebracht, die damalig benambte Saturburg eingenommen, auf welcher
Burg ein Abgott oder Teufel, Crodo genannt, von den Sachsen angebetet
oder verehret worden. Und ist von der Mechthilden, Imperatoris Henrici
Ancupis Tochter, auf einem gewirkten seidenen Rock, wie derselbe Abgott
sich allemal zu präsentiren pflegen, mit allerhand Farben von Seiden
künstlich abgewirket worden, welcher Rock aber durch den Kron-Schweden-General
Feldmarschallen Herrn Bannier von dem Stift S. S.Simonis und Judai in
Goslar abgefordert und nach Schweden gesandt ist.
Hierbei ist zu erinnern, ob wohl
benanntes Haus Harzburg, wie obgedacht, von dem heidnischen Greuel durch
Carolum Magnum befreiet worden, so hat sich doch annoch für hundert
und noch für vierzig und fünfzig Jahren, welches Jedermann
des Orts wissend, auch bei den Christen eine solche Abgötterei
finden lassen, in dem nicht allein, in der Nähe, besondere auch
aus weit abgelegenen Oertern viele boshaftige, kranke und an Händen
und Füßen lahme und blinde Leute sich durch Mittel auf die
Harzburg durch Connivenz des Pförtners gemacht, ihr Gebet für
den Altar verrichtet, ein wenig Geldes in den Armenstock geleget, und
dann das membrum corporis*6, an welchem der Kranke
böshäftig oder Noth gelitten, in Wachs abgebildet, in den
Kirchen auf und an die Wand, nebst den Krücken, worauf sie hinaufgekrochen,
gesenket und sich alsdann gesund davon gemacht. Es wird aber beständig
berichtet, daß an der Mutter Maria Rock, welches Bildnis au dem
Altar gestanden, unten am Saum der Brodo oder Teufel fast unkenntlich
gemalet gewesen, welches nochmals abgetan und also diesem Greuel durch
die hohe christliche Obrigkeit, das Final gemacht worden."
Die Angaben der "Hexen"
waren so genau gewesen,daß man nach denselben eine Brockenkarte
darstellte. An einem alten Haus in Goslar, dem sogenannten "Brusttuch"
ist noch eine Hexenfahrt bildlich dargestellt zu sehen. Auf dem Blocksberge*7
oder dem Brocken sollte sonach der Haupttanzplatz für Deutschland
sein. In Schweden heißt der Ort Blaskulla. In Schwaben kamen nach
dem Volksglauben die Hexen auf dem Heuberge*8 bei Balingen,
in Thüringen auf dem Inselsberg zusammen.
In Thüringen fürchtete man den Hexenritt in der Walpurgisnacht*9
nicht minder, als in anderen deutschen Gauen und malte sich gar gruslig
aus, wie die Mitglieder der Hexengilde auf Besen und Ofengabeln, Spinnwocken
und schwarzen Böcken mit großem Geschrei, gleich dem wilden
Heere, durch die Luft reiten und dort in Gesellschaft des lustigen "Steppchen"
und Konsorten sich eine Nacht belustigten, bis sie dann beim Hahnschrei
am Morgen wieder auf dieser Gabel- und Besenpost in ihre Wohnungen zurückkehrten*10.
Der Teufelsglaube des frühen
Mittelalters erlangte im fünfzehnten Jahrhundert durch den niederen,
meist bildungslosen und abergläubischen Klerus (Geistlichkeit)
eine eifrige Unterstützung. Das Volk war der festen Überzeugung,
daß der Höllenfürst mit Menschen im Verkehr stehe, mit
ihnen an bestimmten Tagen und abgelegenen Orten wüste Feste feiere
und seine Lieblinge mit besonderen Kräften austatte. Der entsetzliche
Wahn, daß es Hexen und Zauberer gebe, beherrschte wie schon
früher gesagt fast alle Köpfe, und zwar mit einer Macht,
welche in der Weltgeschichte beispiellos dasteht. Das finstere, unheimliche
Aussehen einer alten Frau, irgend ein besonderes Merkmal an ihr, irgend
eine zufällige Rede genügten schon, um eine solche Unglückliche
bei dem abergläubischen Volke als Hexe zu verdächtige und
dem peinlichen Gericht zur Folter und zum Feuertode zu übergeben;
aber auch Jugend und Schönheit, Untadelhaftigkeit des Wandels,
ja selbst der geistliche Stand schützten nicht vor der furchtbaren
Angeberei auf Teufelsbündnis, wenn Neid, Haß, Rachsucht der
Ankläger oder Habsucht der Richter und Scharfrichter als Beweggrund
wirkten, um diese oder jene Person dem Verderben zu überliefern.
Auch gaben wohl Gefolterte aus wahrhaft teuflicher Schadenfreude andere
als Genossen eines Verbrechens an, welches gar nicht vorhanden war.
Zahllose unter den vermeintlichen Hexen bekannten unter den Qualen der
Folter und im Todesröcheln, eben alles, was die Richter zu hören
wünschten, namentlich auch, daß sie wirklich mit dem Teufel
Umgang gepflogen, in der Tat durch die Luft zum Hexensabbat geritten*11
seien und den höllischen Festen beigewohnt hätten. Ja, manche
Personen von schwachen Nerven und krankhafter Störung hielten sich
für besessen und klagten sich selbst aus freien Stücken als
Hexen vor Gericht an.
In Böhmen war am Schlusse
des fünfzehnten Jahrhunderts der Glaube an Hexen so allgemein,
daß selbst Bohuslav von Kobkowic, das "Licht der Welt"
genannt, "das alle Zeigenossen an Geist übertreffe",
behaupten konnte, ganze Herden gingen durch die Teufelskünste der
Hexen zugrunde.
Dieser Hexenwahn steckte an wie
die Pest und währte Jahrhunderte. In Frankreich, Italien und Spanien
verbrannte man bereits um die Mitte des fünfzehnten Jahrhunderts
Hexen und Zauberer in großer Zahl, während solche Fälle
damals in deutschen Ländern seltener vorkamen. Als aber Papst Innozens
VIII. durch seine berüchtigte Bulle (summis desiderantes affectibus*12)
vom 4. Dezember 1484*13 das Aufspüren von Hexen
direkt befahl, da kam die Sache bei den Deutschen in Schwung, und die
Hexenprozesse drückten dem fünfzehnten, sechzehnten, siebzehnten
und selbst noch dem achtzehnten Jahrhundert auch in der Geschichte des
deutschen Volkes ihr Brandmal auf. Aber auch das Hexenunwesen griff,
seit vom päpstlichen Stuhl die Hexenverfolgungen als "unerläßliche
Pflicht der christlichen Kirche" bezeichnet wurden, gerade mit
dem Wachsen der Verfolgungen rasch um sich. Der sogenannte "Hexenhammer"
brachte alle Anschauungen über den Verkehr des Teufels mit Weibern
und Männern in ein spitzfindiges System und diente als Grundlage
der Rechtssprüche sogar der gelehrtesten Juristen.
Selbst zur Zeit der Reformation
und in den beiden darauf folgenden Jahrhunderten wurde der Hexenwahn
nicht abgestellt. Man glaubte, daß boshafte Weiber einen Bund
mit dem Teufel schlössen, von dem sie lernten, böses Wetter
machen. Hagel und Gewitter kochten sie angeblich in Töpfen auf
einem Bergesgipfgel und streuten sie aus ins Land, oder sie harnten
durch drei alte Besen und spritzten daraus das Unwetter, in welche Gegend
sie wollten. Die Kunst, Hagel zu machen, Kinder und Vieh beschreien
und verhexen, Menschen und Tiere bannen, aus einem in ein Brett gestoßenen
Messer Milch melken, die des Nachbarn Kühen entzogen wird, und
eine Menge anderer verpönter Zauberkunststückchen gehörten,
beiläufig bemerkt, zu den kleineren Verbrechen.
Man glaubte namentlich von alten
bösen Weibern, sie entzögen den Kühen die Milch, entführten
fremdes Getreide durch die Luft, töteten durch den bösen Blick
Menschen und Vieh oder machten es siech, erweckten unnatürliche
Liebe oder Haß, brauten Liebestränke und dgl. mehr und definierte
(erklärte) den Begriff Zauberer folgendermaßen:
"Ein Zauberer oder Hex (Hexin) ist, wer
fürsetzlich und wissentlich durch teufelische Mittel sich bemühet
und unterstehet, sein Fürnehmen herauszubringen oder zu etwas dadurch
zu kommen oder zu gelangen."
Im Elsaß nannten sich die
Hexen Saufvessel, Schwanzdesche, Zipperle, Grundt, Krautdorsche, Gänsfüssel,
Kräutel, Blümel, Grünspecht, Sipp usw., in einem westfälischen
Prozesse nennt sich eine Succubus Christine. Die Taufe wird mit Blut
(so in Schwaben), bisweilen auch mit Schwefel und Salz vollzogen (wie
in Frankreich). Auch führten Hexen dem Teufel unmündige Kinder
zur Aufnahme zu, die er ebenfalls nicht mit seiner Unzucht verschonte.
Die Hexen fasteten am Sonntage, aßen dagegen am Freitage Fleisch.
Um nun diese Zauberkraft, d.h. also die teufelischen Mittel zu erlangen,
glaubte man, hätten die Zauberer und Hexen den Pakt mit dem Satan
schriftlich oder mündlich, vertragsmäßig, wie einen
Kontrakt, geschlossen; vor allem aber werde von den Teufelsanhängern
verlangt, "unseren Herrgott und seine zehn Gebote" oder "Maria
und Gott" zu verleugnen und so viel Böses als möglich
zu tun.
Leider gab es in manchen Klöstern
Hexenpatres, das waren Mönche, die sich auf Bannen und Vertreibung
der Hexen und des Teufels legten, die Hexenpulver verkauften usw. und
damit ein einträgliches Geschäft machten.
In der Folterpein gestanden weitaus die meisten der der Zauberei angeklagten
Weiber, daß sie die Kunst von einem anderen alten Weibe erlernt
hätten, das ihnen entweder den Teufel in Gestalt eines Buhlen,
meist als Junker, habe kennen lernen, oder durch welches sie Hexensalbe*14
erhalten hätten. Die Frau (Hexe) kleide sich völlig aus und
schmiere sich mit der Salbe ein, ergreife einen Besen, Bratspieß,
Spinnrocken, eine Ofengabel, einen Ziegenbock oder eine Katze usw.,
setze sich rückwärts reitend darauf, rufe: "Oben hinaus
und nirgends an!" und fahre durch den Schornstein zum großen
Hexensabbat in der Walpurgisnacht*15 (1. Mai) auf
den Blocksberg (Brocken).
Die Hexensalbe, vom Satan angeblich
aus dem Fett neugeborener Kinder, aus Wolfswurzel, Eppich und Mönchskappen
gekocht, sollte nämlich die Fähigkeit verleihen, auf den genannten
Gegenständen oder Tieren die Reise durch die Luft nach den Zusammenkunftsorten
auszuführen. Bei diesen Zusammenkünften*16
fand sich auch der Satan ein,der als ein düsterer, häßlicher,
schwarzer Unhold beschrieben wird und den Mittelpunkt der höllischen
Feste bildete. Man stellte ihn sich vor auf einem hohen verzierten Thron
von schwarzem Holz sitzend, eine Krone von kleinen Hörner tragend,
mit 2 großen Hörnern am Hinterkopf und einem dritten auf
der Stirn. Mit dem letzten erleuchte er den Versammlungsplatz. Sein
Licht sollte heller als das des Mondes, aber schwächer als das
der Sonne sein und einen grünlichen Schein haben.
"Aus den mächtig
großen Augen sprühen Flammen, der Bart gleicht dem einer
Ziege, die ganze Gestalt scheint halb Mensch, halb Ziegenbock. Die mit
langen Nägeln bewaffneten Fingerspitzen sehen wie Vogelkrallen
aus, die Füße ähneln Gänsefüßen. Wenn
der Teufel spricht, so ist seine Stimme rauh, wie die Stimme eines Esels.*17
Oft redet er undeutlich, leise, ärgerlich und stolz; der Gesichtsausdruck
verkündet üble Laune und Trübsinn."
Bisweilen erschien Satanas auch
als buntgekleideter Tänzer und war nicht immer ein mürrischer
Gebieter. Oft saß er mit einem gewissen Ausdruck der Milde da,
liebte einen Spaß, ließ die Hexen kopfüberspringen
oder zog ihnen die Besen und Stangen unter den Beinen weg, daß
sie hinfielen, lachte, daß ihm der Bauch wackelte, und spielte
anmutige Melodien auf der Harfe. In dem berüchtigten Hexenprozesse
von Mora in Schweden (1670) der 72 Weibern und 15 Kindern das Leben
kostete, wird er auch zuweilen krank und läßt sich Schröpfköpfe
setzen; einmal stirbt er sogar auf kurze Zeit und wird laut betrauert.
Außer der Würde des Königs und der Königin gibt
es in der Hexenwelt verschiedene Chargen, so Offiziersgrade vom General
bis zum Leutnant und selbst Hexenkorporale, ferner Gerichtsschreiber,
Sekretäre, Rentmeister, Köche, Spielleute und Hexenpfaffen.
Die Militärs und Beamten werden mittels zusammengeschossener Beiträge
besoldet. General und Korporal kommen in Lindheimer Akten, Oberst, Kapitän
und Leutnant in Coesfelder Akten vor. Der Gerichtsschreiber protokolliert
den Eid, welcher dem Satan an Sabbat geschworen wird (Coesfelder A.);
der Rentmeister kassiert die für den König eingehenden Opferheller
(Friedh. Akten), der Pfaff reicht das Teufelsmahl (ebendaselbst).
In Schottland finden sich (nach Soldan) die Hexen zuweilen in Rotten
und Schwadronen abgeteilt, deren jede zwei Befehlshaberinnen hat, und
in der Gascogne trägt der Befehlshaber einen goldenen Stab.
Auf dem Blocksberge kommen
nach den ehemaligen Volkswahne in der Walpurgisnacht alle Hexen
zusammen, tanzen in einem Nebelringe mit den Rücken zueinandergekehrt
und treiben Götzendienst*18 mit einem großen
schwarzen Bock, indem sie demselben den After küssen ect. Zuletzt
verbrennt der Bock sich selbst und die Hexen verbergen die Asche*19,
um damit zu zaubern. Dann ergreift jede wieder ihr abenteuerliches Roß
und reitet darauf durch die Lüfte heim. Von da ab kommt der Teufel
zu diesen Weibern und buhlt mit ihnen, läßt sich förmlich
mit ihnen trauen, zeichnet sie am Leibe durch das sogenannte Hexenmal
(Stigma)*20 und gibt ihnen Macht zu zaubern. Im übrigen
hält er sie hart und in Armut."
Das sind im allgemeinen die fast
ganz übereinstimmenden Aussagen der der Zauberei halber gefolterten
alten Weiber.
"In einigen Fällen", heißt es, "fand man die
Angeklagte starr und regungslos auf dem Boden liegend, und nach ihrer
Wiederbelebung gestand sie ein, während dieser Zeit in weiter Ferne
in einer Hexenversammlung gewesen zu sein. Danach waren Somnambulen*21
auch Hexen.
In neuerer Zeit nimmt man an,
die ganze Vorstellungsweise vom Hexensabbat*22 sei
in die armen Weiber nur hineingefoltert worden; man habe nur daraufhin
inquiriert, und sie hätten in der Folterqual alles bejaht.
Die gewöhnlichen Tage der
Sabbatfreude und der schwarzen Messe waren nach übereinstimmenden
Aussagen der wegen Zauberei prozessierten alten Weiber der Montag, Mittwoch
und Freitag jeder Woche.*23
Den Höhepunkt dieser höllischen
Zusammenkünfte und Teufelsbündnisse bildete nach dem allgemein
herrschenden Aberglauben die "schwarze Messe", "bei welcher
die Zauberer und Hexen vor dem Teufel niederknien und ihm Hand, Fuß,
Sterz und andere Teile küssen. Bisweilen müssen sie ihm ihre
Sünden bekennen, die selbstverständlich darin bestehen, daß
sie nicht genug Werke des Bösen verrichtet haben. Nun teilt der
Satan das Abendmahl in beiderlei Gestalt aus. Die dabei gebrauchten
Hostien schmecken wie Leder oder faules Holz und bringen die Kommunizierenden
äußerlich in Schweiß, während bittere Kälte
zugleich ihr Gebein erstarren macht. Teufel in Tiergestalten machen
die Musik. Nach der Messe läßt Satan silbernes Tafelgeschirr
und eigenartige, prächtig aussehende Gerichte auftragen; rote und
grüne Pechlichter erhellen die Tafel; aber es ist verdächtig,
daß trotz der Auswahl lockender Speisen weder Brot noch Salz erscheinen;
auch sind nach dem Naturforscher Unger die Speisen zwar
wohlschmeckend, aber sie sättigen nicht, das bezeichnende Gefühl
aller geträumten Gastmähler. Der Wein, im Überfluß
vorhanden, wird aus dem Stamme einer Eiche oder Buche gelassen und in
silbernen Bechern kredenzt. Nach diesem Schmause folgt die berüchtigte
tolle Sabbatrunde. Alle Anwesenden fassen sich an den Händen, schließen
einen engen Kreis um ihren Fürsten, wobei sie ihm den Rücken
zukehren, und es werden von den meist nackten oder durchsichtig bekleideten
Festgenossen Unzüchtigkeiten der scheußlichsten Art verübt.
Die schönsten und jüngsten der anwesenden Weiber gelten als
die Königinnen des Bacchanals; mit ihnen eröffnet Satanas
den Ball. Die Sabbatrunde*24 ist aber nicht der einzige
Tanz, der aufgeführt wird; es verbinden sich damit unzählige
tolle Sprünge und Gebärden, in welchen der Hauptreiz bestand,
der so viele Weiber zu diesem nächtlichen Unfug lockte. (In Schottland
wird bei dem Ringeltanz gesungen.) Eine Hexe in der Mitte des Kreises
steht auf dem Kopfe und dient als Lichtstock. Sobald einzelne Paare
tanzten, so kehrten die Tanzenden einander den Rücken zu. Sackpfeifen,
Geigen, Trommeln ertönten, und der Chor singt:" Harr, harr,
Teufel, Teufel, spring hie, spring da, hupf hie, hupf da, spiel hie,
spiel da!"
Hatte sich ein Uneingeweihter
zum Hexenmahl eingeschlichen und begehrte Salz oder sprach zufällig
den Namen Gottes aus, so verschwand augenblicklich das ganze Mahl mit
sämtlichen Gästen, und der Vorwitzige fand sich plötzlich
ganz allein am Hochgericht oder an Schindanger und hatte statt der Speisen
Fleisch vom gefallenen Vieh vor sich, mit dem der Teufel seine Leckerbissen
zu bereiten pflegte, mit denen er die Hexen traktierte. Ging das Mahl
ungestört vor sich, so ergötzten sich die Hexen dann mit ihren
Buhlteufeln, von denen jede einen hatte, der meistens als Junker mit
einem grünen Gewand erschien. Zum
Schluß des Hexensabbats teilte der Teufel unter seinen Getreuen
Zauberpulver aus, wodurch sie bei Menschen und Vieh Krankheiten hervorbringen
mußten. Außerdem hatten sie zum Spott ihrer Nebenmenschen
die Hexenbutter. Das Pulver bestand aus der Asche von dem verbrannten
Herzen oder sonstigen Gliede eines vor der Taufe getöteten Kindes
und sollte zugleich die Eigenschaft haben, daß die Hexen, wenn
sie sich den Leib damit einrieben, für die Qualen der Folter dadurch
unempfindlich wurden. Die Hexenbutter entstand auf eine sehr unappetitliche
Weise. Die Hexen hatten nämlich zwei sogenannte Heckenmännchen,
kleine Geister, die ihnen in Gestalt eines Raben oder einer Katze Milch,
Schinken oder andere aber nur gestohlene Speisen zubrachten,
sich selbst aber oft so sehr davon übernahmen, daß sie den
Überfluß wieder von sich gaben, und dieses Gespei der dienstbaren
Geister war die Hexenbutter.
Nach einigen Stunden endete das
Gelage. Der Teufel mit Roß und Wagen, "Koblwagen, Khalleß","im
Zwei- oderViergespann, steht nun bereit, die Gesellschaft aufzunehmen
und durch die Lüfte zu führen. Entweder setzt er seine Gäste
im Walde, auf einer Wiese oder an einer Brücke auf die Erde nieder,
und das ganze hat damit ein Ende erreicht, oder es beginnt die Bereitung
von Sturm, Gewitter und Hagel! Das wurde angeblich dadurch bewirkt,
daß man in einem Fasse Schnee und Wasser zusammenrührte oder
aus den Wolken und allerlei "Gefräß" mit den Händen
kleine Ballen zusammenwalzte, woraus erst schwarze, dann weiße
Kügelchen entstehen. Die geweihte Hostie*25 spielte
im Hexenwesen stets eine hervorragende Rolle. Sie ist gestohlen, oder
die Einlieferer haben sie bei einer früheren Kommunion im Munde
behalten und aufbewahrt. Nachdem diese Hostie auf verschiedene Weise
mißbraucht worden ist, wird durch sie die Verwandlung der Küglein
in Eis bewerkstelligt. Der so bereitete Hagel wird nun in Säcken,
Körben, Schürzen ect. gesammelt und bei der Weiterfahrt in
die Luft gestreut. Deshalb soll man in besonders großen Hagelkörnern
zuweilen Menschenhaare finden, und noch bis in die neuere Zeit war es
in manchen Dörfern Sitte geblieben, beim Nahen eines Gewitters
die Glocken zu läuten, um die bösen Luftgeister zu zwingen,
einen anderen Weg einzuschlagen.
Nach einer thüringischen
Sage soll der Teufel auf dem Herde des Hegemolhäuschens bei Neuschmidtstedt
auf seiner Rückkehr vom Blocksberge in der Walpurgisnacht Rast
halten, und nach einer Mansfelder Sage soll beim Schlosse Mansfeld,
allwo zwei alte Mauertrümmer neben einander in die Luft ragen,
der Teufel mit ihrer Hilfe sich der Stiefel entledigt haben, woher der
Name "des Teufels Stiefelknecht".
Eine der ersten Erzählungen
des Hexensabbats*26 versetzt uns nach dem südlichen
Frankreich. Alphons de Spina, ein getaufter Jude und Inquisitor, berichtet
in seinem Buche Fortalitium Fidei nämlich, daß in
der Dauphine die von den Dämonen verführten Frauen, Bruxae
und Xurgone genannt, des Nachts in Einöden zusammenkämen
und einen Bock verehrten. Diese Frauen seien von der Inquisition etliche
gefangen und verbrannt worden. Zu dieser Zeit und an diesen Orten entstand
der Glaube an die Buhlschaften des Teufels und der Hexen.
Von da ab traten nunmehr in Südfrankreich die angeblichen
Verwandlungen des Teufels und der Zauberer in Hunde, Katzen,Böcke,
Kröten usw. auf, und die Inquisitoren nahmen darüber die wahnsinnigsten
Aussagen zu Protokoll. Von Südfrankreich verbreitete sich dieser
ausgebildete Zauberglaube immer weiter. Von Italien, wo die Hexenprozesse
besonders in der Gegend von Verona wüteten, kamen sie durch Tirol
nach Oberdeutschland, wo dann in Schwaben, im Elsaß, in der Gegend
von Speyer und Worms die ersten Scheiterhaufen flammten.
Zu all den unsinnigen Geständnissen mochten wohl vorzugsweise
trübsinnige Personen geneigt gewesen sein, die zu dem Wahne gelangt
waren, sie seien von einem bösen Geiste besessen und beherrscht.
Sie bekannten von sich die abenteuerlichsten und schaurigsten Dinge,
welche sie in ihren Kreisen hatten erzählen hören und welche
ihre Phantasie fortwährend beschäftigte.
Häufig sind es auch arme, verführte und von ihren Verführern
verlassene Mädchen, die sich dem Teufel überlassen und von
ihm hexen lernen, um sich an ihrem untreuen Liebhaber oder ihrer Nebenbuhlerin
zu rächen, und so ergeben die Akten der Hexenprozesse die verschiedensten
Beweggründe, durch welche die Beschuldigten zu ihrem Bündnisse
mit dem Teufel gekommen sein wollten.
Im ehelichen Zwist läuft
eine wütende Frau von zu Hause fort unterwegs stellt sie
der Böse, redet ihr zu, und sie ergibt sich ihm und richtet
danach allerhand Schaden an ihrem Manne und der Nachbarschaft an.
"Vor ein einsames, einfältiges, trauerndes oder von Not bedrängtes
oder auch vor ein fürwitziges Weib tritt plötzlich
der Versucher " sagt O. Wächter in seinem Buche "Fehmgerichte
und Hexenprozesse in Deutschland". Er erscheint als schmucker Kavalier,
als Junker, Jäger, Reiter oder auch als ehrsamer Bürgersmann
und stellt sich unter eigentümlich-bedeutsamen Namen vor. Diese
Namen sind an verschiedenen Orten verschieden; er nennt sich: Volland,Federlin,
Flederhans, Hölderlein, Peterlein, Kreutle.
In den Akten der Hexenprozesse
kommen noch andere Namen vor: Junker Hans, Schönhans, Grünhans,
Hans Busch, Heinrich, Grauheinrich, Hinze, Kunz, Künzchen, Trutchen,
Nickel, Großnickel, Merten, Hemmerlin, Junker Strorf, Junker Hahn,
Göckehhahn. Schubbert, Jüngling Schöne, Wohlgemuth, Wegetritt,
Blümchenblau, Lindenzweig, Lindenlaub, Grünlaub, Eichenblaub,
Grünelaub, Zumwaldfliehen, Birnbaum, Birnbäumchen, Rautenstrauch,
Buchsbaum, Stutzebusch, Stutzfeder, Weißfeder, Straußfeder,
Federbusch, Flederwisch, Kehrtwisch, Straußwedel, Grünwadel,Springinsfeld,
Allerleiwollust, Unglück, Schwarzbuch, Dreifuß, Kuhfuß,
Kuhhörnchen, Dickbauch, auch Alexander, Müsgen, Firlenhahn,
Laub, Kreutlin, Peterling, Feuerher, Leichtfuß, Möysel, Hemmerlin
Hans Rumpel, Schuhfleck, Knipperdolling, Machleid, Zumwaldfliehen, ;
im Münsterland: Frerichs, Rodderbusch, Jurgen, , im Elsaß:
Blümlein, Strohputz, Kochlöffel, Rotmentlin, Größlin,
Läubel, Ognon, Zirkelscherb, Käsperlin, Schiffmann, Lömer,
Harerlindt, Durst, Glöckel,; in Remiremont:Maitre Leonhard.
In Holland kommen die Namen Pollepel, Roltje, Hendrik, Harmen, Hanske
usw. vor, in der Schweiz Hänsli, Hans Lang, Jean Wyla, Hörsch-Martin,
Robet, Robin, Remonius, in Schottland: Pastetenwächter, Beißindiekrone,
Thomas Weinessig usw., in Schweden: Loeyta. Er tröstet das Weib,
verspricht ihr, ihr in ihren Bedrängnissen beizustehen, verheißt
ihr vergnügliches Leben und großen Reichtum, mitunter auch
droht und schreckt er. Er gibt ihr Geld,das sich aber meist über
Nacht in Scherben oder Dung oder dürres Laub verwandelt. *27
- Der Botaniker Unger macht darauf aufmerksam, daß in vielen Gegenden
die Zigeuner als nahe beteiligt an der Entstehung jenes Wahns angesehen
werden dürfen. Ihre Religionslosigkeit, ihr Hang zu geheimnisvollem
Tun, zu Zauberkünsten, hat ohne Zweifel in allen Ländern,
wo sie sich zeigten, bereitwillige Lehrlinge gefunden. Die Beschreibung
des Teufels paßt oft so genau auf einen gelbbraunen, in Lumpen
gekleideten Zigeuner, daß man keinen Augenblick an dem bei dieser
Vorstellung vorschwebenden Bilde zweifeln kann. Unter dem sonst so geringen
Hausgeräte der wandernden Zigeuner aber fehlt nie der silberne
Becher, und, merkwürdig genug, wird der aus einer Eiche gelassene
Wein bei den Hexengastmählern immer in silbernen Bechern kredenzt.
Den Zigeunern, als Zauberern und Wahrsagern, sind sicherlich auch alle
Mittel bekannt gewesen, deren sich die Menschen zur Betäubung der
Sinne, zur Aufregung einer zügellosen Phantasie jemals bedient
haben. Mit dem Gebrauche des Opiums waren sie von ihrem ursprünglichen
Stammsitz am Indus her bekannt, und in der Tat weiß man, daß
Opium zu den Artikeln gehört, die der obdachlose Zigeuner mit sich
führt und mit denen er verbotenen Handel treibt. Doch gibt
es ja der Pflanzengifte noch so manche, die in grauer Vorzeit bekannt
waren und ausgenutzt wurden.
Außer in der erwiesenen
Ansteckung, die jede solche Geistesseuche ausübt, meint man in
neuerer Zeit, im Genuß und in den Einflüssen der Pflanzengifte,
wie beispielsweise des weitverbreiteten Stechapfels, die Erklärung
des Hexenspuks gefunden zu haben. Wie ein dunkler Schatten zieht sich
die Geschichte dieser unheimlichen Pflanze durch die Überlieferungen
der vergangenen Jahrhunderte. Er vor allem gehört zu jenen geheimnisvollen
Giften, die betäubend und aufregend zugleich auf die Nerven einwirken
und dadurch die merkwürdigsten Visionen oder Einbildungen hervorzubringen
vermögen.
Es erscheint unter diesen Umständen immerhin glaubhaft,
daß von den zahlreichen Unglücklichen, die als Hexen und
Hexenmeister verbrannt wurden, ein guter Teil nicht bloß als Opfer
der Beschränktheit oder Bosheit ihrer Richter gefallen ist, sondern
daß viele von ihnen geradezu geglaubt hatten, Zusammenkünfte
mit bösen Geistern gehabt zu haben. In den Erzählungen
und Bekenntnissen der meisten kehrt als Grundthema immer derselbe Hergang
wieder. Meist waren es Personen niederen Standes und von beschränkter
Geistesbildung. Zu ihnen gesellte sich, gewöhnlich in abgelegenem
Walde, ein fremder Mann oder ein unbekanntes braunes Weib wieder
der Zigeuner, wie er leibt und lebt. Nach vorhergegangener anderweitiger
Unterhaltung bestreicht endlich der Unbekannte die Achselhöhlen
mit der Hexensalbe, und kurze Zeit darauf nachdem das Mittel
wirkt fühlt sich der Gesalbte leicht und wie verwandelt.
Er fliegt, er schwebt wie ein Vogel, und alles, was er erlebt zu haben
vorgibt, deutet auf die Erregung bestimmter Nervenpartien hin, wie sie
bei Gebrauch von Stechapfel und ähnlichen Betäubungsmitteln
jedesmal eintritt. Die Betörten glauben, ihre Visionen wirklich
erlebt zu haben, da ihnen, ebenso wie ihren Richtern, das Verständnis
des Zusammenhangs gänzlich fehlt. Wer möchte hierbei nicht
an die Opiumraucher der Orients denken, die sich noch heute willkürlich
in ähnliche Ekstase versetzen?
Nächst Besprechungen, d.i. die mit Blut bewirkte Unterschrift
der Satanskinder, kannte man das Anamali- oder Teufelszeichen, auch
Teufelsmal, die Blutmischung, Stigma im alten Köln Stigma
diaboli oder Teufelskratz , schon lange, bevor man Hexen verfolgte
und verbrannte. Der Teufelswahn lehrt, daß der Satan, wie erwähnt,
dem Körper seiner Opfer ein Zeichen eindrückte, als Sinnild
seines Eigentumsrechts (an Leib und Seele), gleichwie die Schafbesitzer
den einzelnen Stücken ihrer Herden ein Brandmal einsengen. Die
Stelle, wo dies bei den Höllenopfern geschehen, hielt man für
unempfindlich, mochte das Stigma hinter den Ohren, unter den Augenbrauen,
auf der Achsel, der Brust oder am Rücken angebracht sein.
Nach diesem Teufelszeichen wurde
seitens der peinlichen Richter eifrigst gefahndet. Auch unterließen
diese es nicht, die Hexen nach ihren Mitgenossinnen zu befragen, und
ob sie die Kameradinnen an dem "Teufelskratz", jenem meist
einem Krötenfuß gleichenden Zeichen, zu erkennen vermöchten.
Die Richter gingen dabei von der Überzeugung aus, daß die
Hexen (Unholdinnen) und vornehmsten "Trutten"*28
sich untereinander kennen müßten. Jenes Hexenzeichen glaubten
die Gerichtsknechte aber entdeckt zu haben, wenn sich irgendein Fleck
oder eine Narbe am Körper des Angeschuldigten vorfand, eine Stelle,
die nicht blutete, wenn man eine Nadel in sie stieß oder sie ritzte.
Es wurde angenommen, daß gerade ältere Personen, welche im
schlimmen Geruche standen, große Zauberer oder Zauberinnen zu
sein, mit zwei oder drei Merkmalen versehen zu sein. Da es nun dem menschlichen
Körper selten an Schrammen oder Flechten und anderen Malen fehlt,
so fiel es dem Hexenmeistern nicht schwer, "ausgemachte Höllengezeichnete"
zu ermitteln. Der große Zauberer, Priester Gaufridius, welchen
das Parlament von Aix im Jahre 1611 am 30. April richtete, gab ausdrücklich
zu, daß seine Tochter das Brandmal des Satans an Kopf, Herz, Bauch,
Hüften, Schenkeln, Füßen und vielen anderen Orten ihres
Leibes trage.
Es ward von Priestern, Hexenrichtern
und der leichtgläubigen Menge erst recht als unumstößlicher
Satz angenommen, daß der Teufel mit den Hexen mißgestaltete
Kinder, sogenannte Wechselbälge, erzeuge. Eine spätere Behauptung
nennt als Frucht solcher Verbindungen Schlangen, Kröten, Frösche
und Ungeziefer aller Art. Von den mit dem Satan erzeugten Kindern weiß
die Geschichte des Hexenwesens gar mancherlei zu erzählen. In Riehls
"historischem Tagebuch" wird von einem Teufels- oder Incubuskinde,
das 1249 in England existiert haben soll und mit einem halben Jahr die
Größe eines erwachsenen Burschen erreicht habe, berichtet.
Ebendaselbst ist zu lesen, daß bei einer großen Hexenverbrennung
zu Toulouse in Frankreich eine der Verurteilten, die sechsundsiebzigjährige
Labarthe, ausgesagt hätte, ihr von Teufel herrührendes Kind
sei ein Ungeheuer mit Wolfskopf und Schlangenschwanz gewesen, für
welches sie jede Nacht ein kleines Kind habe stehlen und schlachten
müssen, da es keine andere Nahrung als diese zu sich nehmen wollte.
Ein französischer Richter
Pierre de Lacre erzählt weiterhin, eine Angeklagte habe
22 Kinder zum Hexensabbat geführt und dieselben hätten bei
dieser Gelegenheit sämtlich das Zauberzeichen erhalten, wie denn
auch bei der Hexe selbst das Zeichen am linken Auge bemerkbar gewesen
wäre. Bei dieser Gelegenheit bestätigte der Protokollführer
des Gerichtshofes der "Großen Kammer", daß Verurteilte
angegeben hätten, der Teufel begnüge sich keineswegs damit,
wenn seine Opfer sich mittels unaussprechbarer Gotteslästerung
von Gott absagten, er sei auch mit einer ersten Anbetung nicht zufrieden,
sondern verlange von den Hexen ein mehrmaliges Erscheinen zum "Sabbat".
Freilich vermeldet der Berichterstatter aber auch, wie diese und ähnliche
Aussagen doch nicht so sicher und unfehlbar seien, um dieselben in "allgemeine
Regeln" zu bringen und als solche bekannt zu geben.
Wie der Teufelswahn in alle Kreise
des Volkes eingedrungen war, geht daraus hervor, daß für
die Alumnen (Kostschüler) der theologischen Fakultät zu Salzburg
der daselbst angestellte geistliche Professor Dr. Andreas Gaßner
ein Lehrbuch über Besessenheit und Teufelsaustreibung verfaßte,
aus welchem hervorgeht, daß ein großer Teil der Menschen
zeitlebends vom Teufel besessen ist und daß nur Beschwörungen,
Besprengung mit Weihwasser, Priestersegen ihn mit Erfolg austreiben
können. Gaßner unterscheidet verschiedene Arten von Besessenen:
1. Angezauberte (maleficiati), welche es sein können an
ihrem Eigentum, z.B. an Tieren wie Kühen, die keine Milch geben,
Butter, Weizen, der vom Hagelschlag getroffen wird, oder an ihrem Körper,
wenn der "Böse" nur in ein Glied desselben eindringt
und Schmerzen usw. verursacht. 2. Umsessene (obsessi), deren
Leib der böse Feind belagert. 3. Eigentümlich Besessene (possessi),
deren Leib der "Böse" größtenteils oder völlig
in seinen Besitz hat. Sodann jene, deren Häuser oder Gemächer
von diabolischen Erscheinungen heimgesucht sind oder welche den Teufel
in ein Gefäß eingeschlossen halten und sich nicht von ihm
losmachen können, endlich solche Mannspersonen, welche mit hübschen,
jungen, verblühten Teufelchen in vertrautem Verhältnisse lebten.
Zu den Zeichen, aus welchen nach Gaßner bei Erwachsenen die diabolische
Plage ersehen werden kann, gehört das Erbrechen von Nadeln, Nägeln,
Glasscherben, oder wenn aus dem Mund höllischer Gestank oder Schwefel-,
Pech-, Kohlen- und Rußgeruch hervorgeht, "wenn sich im Leibe
ganz ungewöhnliche Töne z.B. wie Froschgequak hören lassen".
Sichere Zeichen bei Kindern sind, wenn sie mehrere Tage nacheinander
nichts essen, häufig zusammenschrecken, nicht schlafen, ganze Nächte
ohne Ursach weinen, wenn sie furchtsam umherblicken und, insbesondere
Priester nicht ansehen mögen, wenn sie sich bei fortwährendem
Saugen nicht satt trinken können, wenn sie plötzlich erblassen
und wenn sie an an der Brust anschwellen oder in der Nierengegend schwarz
werden. -
Sehr richtig bemerkt O. Wächter:
"Überblickt man die zahllosen Erzählungen von Hexen und
Zauberern, so ist auffallend, daß trotz der großen satanischen
Kunst und aller Vorspiegelungen, durch die sie berückt wurden,
alle diese Weiber in Elend und tiefer Armut stecken bleiben; auch die
vermeintlichen Genüsse und Freuden bei den nächtlichen Zauberfahrten
und anderem Verkehr mit dem Teufel geben ihnen keine wahre Befriedigung.
Ein zweites charakteristisches (eigentümliches) Merkmal ist, daß
der Teufelskult als durchgehende Parodie (Spottnachahmung) der christlichen
Religion sich ausprägt und seinen Mittelpunkt darin findet, daß
Hexen und Zauberer ihre Taufe und den christlichen Glauben abschwören.
In diesen beiden Merkmalen, namentlich auch in dem des Betrogenwerdens
durch den Teufel, liegt das tiefe Volksbewußtsein von der Nichtigkeit
aber auch Verwerflichkeit des ganzen Zauberwesens."
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ANHANG:
*1 Die Stedinger, ein Stamm biederer
Menschen, an den Niederungen der Weser zwischen Bremen und Oldenburg
in stiller Zurückgezogenheit, unbekümmert um die Welt und
ihre Händel, friedlich lebend, hatten sich von alters her die altdeutsche
Volksfreiheit erhalten. Körperlich und geistig gesund und kräftig,
hatten sie gar manches an der Kirche auszusetzen. So verlangten sie
den Kelch beim Abendmahle und verweigerten namentlich dem Bischof von
Bremen, der sie in Gemeinschaft mit dem Grafen von Oldenburg auf alle
Weise zu drücken und auszusaugen bemüht war, den Zehnten.
Da es aber von jeher in der römisch-katholischen Kirche keine größere
Ketzerei gab als das Auftreten gegen ihr habgieriges Zusammenscharren,
so schleuderte der Bischof sogleich den Bann auf die Widerspenstigen,
die auf die Aussprüche der Bibel gestützt und auf ihre Kraft
und ihren Mut bauend, ihn kühn trotzten. Es entspann sich ein furchtbarer
Kampf, gefährlich für Rom und das Priestertum. Und das Häuflein
norddeutscher Helden hielt sich 40 Jahre lang, und erst als der Kreuzzug
gegen dasselbe unternommen wurde, erlagen die Edlen im großen
herrlichen Todeskampfe in einer furchtbaren Schlacht im Jahre 1234 für
ihre Unabhängigkeit und ihren Glauben. 6000 Männer deckten
die Walstatt. Mit ihnen verschwand Geschlecht und Namen der Stedinger
aus der Geschichte. Der Priesterhaß hat sie ausgerottet.
*2 Damit Philipp der Schöne
von Frankreich und Papst Clemens V. den reichen Orden vernichten und
sich dessen ausgedehnte Besitztümer anmaßen konnten, mußte
der Vorwurf der Zauberei die Beschuldigung der Ketzerei motivieren.
Schon seit langer Zeit war es Philipp ein Dorn im Auge gewesen, daß
die Templer sich seiner Gewalt nicht unterwerfen brauchten. Im Bunde
mit dem Papste berief er im im Jahre 1266 den Großmeister Jacob
von Molay von Zypern nach Frankreich, damit er sich mit dem König
über einen Kreuzzug gegen die Ungläubigen berate. Mit einem
Gefolge von 60 Tempelherren kam Moloy nach Frankreich, und rasch ließ
nun der König alle in seinen Staaten sich aufhaltenden Ordensmitglieder
in Haft nehmen, auf die Ordensgüter Beschlag legen und die Personen
dem kirchlichen Urteilsspruch überweisen. Die gefürchteten
Jünger Torquemadas fungierten als Inquisitoren. Des absonderlichen
Vergehens wurde jener berühmte und verdienstreiche Orden, der allenthalben
nur Segen gestiftet hatte, beschuldigt. So wurde den Mitgliedern nachgesagt,
daß sie ein Götzenbild, Braffonat geheißen, anbeteten,
Christus abschwörten und das Kreuz anspien, unnatürlichen
Lastern frönten, Kinder opferten ect. Da Folter und andere grausame
Qualen die Beschuldigten nicht zu einem Geständnisse zu bewegen
vermochten und die Untersuchung eine für den Orden günstige
Wendung zu nehmen drohte, nahm Philipp seine Zuflucht zu einem schimpflichen
Gewaltakte. Ein Konzil wurde berufen und durch dasselbe 54 Tempelritter
als Ketzer zum Tode verurteilt und im Jahr 1310 außer den Mauern
von Paris verbrannt. Der Orden wurde im Jahre 1312 von Papst Clemens
aufgehoben und Molay, nachdem er gegen das Urteil, welches auf lebenslänglich
Gefängnis lautete, Protest eingelegt hatte, zum Feuertode verdammt.
Philipp hatte sein Ziel erreicht, die Ordensgüter fielen ihm zu,
die er später teuer an die Johanniter verkaufte. So ward der Tempelherrenorden,
der überall nur Segen und Heil verbreitete und der Christenheit
im Orient wohl am förderlichsten gewesen war, durch die Habsucht
eines Monarchen und die Kabale des Klerus aufgehoben.
*3 Ein böses Wesen höherer
Art, im "Neuen Testament" auch Satan genannt, ein Wesen, das
nur in der Einbildung der Menschen existiert, ein Wahngebilde. Den Ursprung
des Teufels suchte man wie folgt zu erklären: So wie alles von
Gott gut erschaffen war, so war er auch als ein guter Engel erschaffen
und besaß vortreffliche Eigenschaften. Da er aber mit diesem glücklichen
Zustande nicht zufrieden war und sogar andere Engel gegen Gott aufrührerisch
machte, vielleicht gar, um sich über ihn zu erheben, so wurde er
aus dem Himmel vertrieben und an einen finsteren, abgelegenen Ort, die
Hölle, verwiesen. In sehr alten Büchern und Katechismen findet
man abscheuliche Abbildungen von dieser Ausgeburt des Menschenhirns.
Über seinen Kopfe ragen Hörner hervor. Die Stirn ist unförmlich
gewölbt, die Nase unverhältnismäßig lang, und unter
dem Mund mit den sichtbaren scharfen Zähnen ragt das lange spitze
Kinn hervor. Eine zischende Schlange bildet den Gurt seines flatternden
Kleides, unter welchem Bocksfüße hervorragen. Die Hände
sind mit scharfen Klauen bewaffnet, und der Schweif endet in einem spitzen
Pfeil. Die schwarze, abschreckende Gestalt sieht man meist, von einem
grimmig die Zähne zeigenden, zottigen Hunde begleitet, abgebildet,
dem die geifernde Zunge weit aus dem Rachen hängt.
*4 Werwolf = von wair, angelsächsisch
wer = Mann und Wolf zusammengesetzt = ein in einen Wolf verwandelter
Mann
*5 Die Vorstellung von den Nachtritten
war auf italienischen und gallischen Konzilen schon um mehrere Jahrhunderte
früher besprochen worden, als die Sachsen sich dem Christentume
zuwandten, ja die schriftlichen Denkmäler, welche den Brocken zu
einem unter den zahllosen Schauplätzen der Hexenfahrten machen,
reichen sogar nicht einmal bis über das 15. Jahrhundert zurück.
Auch in Preußen sollten die Hexen auf sogenannten Blocksbergen
ihre nächtlichen Versammlungen abhalten. Als ein solcher wird noch
heute einer bei Pogdanzig im Schlochtauer Kreise bezeichnet. Dorthin
ritten zweimal jährlich auf Volbrecht (Walpurgis) und Johannis
Hexen und Zauberer meist auf einem Gerstel (d.i. ein Gerät, dessen
man sich bedient, Brot in den Ofen zu schieben), auch wohl auf auf schwarzem,
dreibeinigem Pferd und zwar durch den Schornstein mit den Worten: "Auf
und nirgends an!" Wenn alles zusammen war, speisten die versammelten
Hexen und Zauberer. Dann wurde auf einer gespannten Leine unrechts (links
herum) getanzt, wozu ein Mann auf einer Trommel und einem Schweinskopfe
die Musik machte. Als Hexenberg galt auch ein Hügel unfern Probethen
im Samlande.
*6 Glied des Körpers
*7 Versammeln sich die Hexen von
Navarra in Aquelarre, so gibt es in Deutschland außer den genannten
Versammlungsorten noch den Weckingstein bei Minden, den Staffelstein
bei Bamberg, den Kreidenberg bei Würzburg, den Königsberg
bei Locum, Hupella auf den Vogesen, Fellerberg bei Trier, Kandel im
Breisgau und viele andere Berge; Frankreich hat seinen Puy de Dome,
Italien den Burco di Ferara, Paterno di Bologna und namentlich Benevent
(wo die Hexen unter einem Nußbaum die beneventische Hochzeit feierten)
und die Schweiz die Brattelenmatte. Die Hexen des Busecker Tales versammelten
sich in den Klimbacher Hecken, die Trierschen zuweilen auf der Hetzeroder
Heide, die Oldenburgischen auf der dasigen Pfalz, die Coesfeldischen
"ufr Vlämschen Wieschen, ufm Voßkamp" usw.
*8 Der Heuberg mit dem "Hexenbäumlein"
wird schon im Jahre 1506 erwähnt, während vom Blocksberge
zuerst in einem Beichtbuche des fünfzehnten Jahrhunderts die Rede
ist.
*9 Bei den Römern wurden im
Mai namentlich die ärgsten Orgien gefeiert.
*10 Weil man die Kavalkade nicht
hindern konnte, wollte man wenigstens verhüten, daß die durch
die Lüfte galoppierenden Hexen nicht etwa sich ermüdet hier
und da niederlassen möchten, um Unheil anzurichten; deshalb blieb
in dieser Nacht jedermann wach. Man trommelte, lärmte, schoß
in der Folge und tat alles mögliche, um die bösen Gäste
zu verscheuchen. Der Brauch, die Türen der Häuser, Ställe
und Scheunen mit drei Kreuzen zu versehen, findet sich heute noch. Das
Trommeln übertrug man beim Sinken des Aberglaubens Leuten, die
für Geld mit Trommeln, Pfeifen und Getöse in der Gegend umherschwärmten,
um die Hexen zu verscheuchen. So beauftragte man in Erfurt diejenigen
mit diesen Geschäften, welche die Trommeln schlugen, und gönnte,
auch nachdem der Hexenglaube längst ausgetrommelt worden, den neunundzwanzig
Tambours und 8 Querpfeifern der Bürger-Compagnie mit ihrem Tambourmajor
lange noch an diesem Tage den Gewinn, vor den Häusern der wohlhabenden
Einwohner durch eine militärische Musik sich eine Vergütung
zu holen. Die Schwärme von Touristen, welche alljährlich
den Blocksberg umflattern, haben wohl die nebelhaften Hexengestalten
verscheucht, ganz aber ist in der Harzbevölkerung der Aberglaube
daran noch nicht ausgerottet, und es mag wohl bis in die neuere Zeit
vorgekommen sein, daß arme häßliche Weiber als Hexen
galten und man ihnen den Eintritt in die Häuser wehrte und kreuzweise
Besen vor die Tür stellte sowie daß in der Dämmerung
schleichende Katzen unfehlbar als Hexen angesehen wurden; auch Kinder
und Vieh konnten nach mancher Leute Meinung ebenfalls noch behext werden!
Der im sechzehnten Jahrhundert lebende Prätorius berichtet aus
dem Jahre 1597, daß während seiner Anwesenheit in Bübingen
(Hessen-Darmstadt) die Bürger scharenweise mit Büchsen auszogen,
über die Äcker schossen und gegen die Bäume schlugen,
um die Hexen zu verjagen, und noch heute unterhalten in Hessen, besonders
im Schwalmgrunde, die jungen Burschen in der Walpurgisnacht ein lautes
Peitschenknallen auf den Hofraithen und freien Plätzen der Dörfer,
während der Hausvater drei Kreuze auf die Haus- und Stalltüren
malt
*11 In Frankreich geschah die Ausfahrt
auf Besenstielen (zuweilen durch das Fenster), auf Böcken in Italien,
stets durch den Schornstein, auch durch die Tür oder das Kammerfenster.
Ein sinnreiches Verfahren wendeten die schwedischen Hexen an, wenn sie
zur Fahrt nach Blakulla ihre Nachbarinnen, Freundinnen und Kinder mitnehmen
wollten. Sie steckten nämlich ihrem Bock eine Stange in den Hintern,
auf welche sich die lieben Freundinnen setzten, worauf es dann sofort
durch die Luft gen Blakulla ging. In Schottland besteigt man
Strohschütten, Bohnenstangen oder Binsenbündel und erhebt
sich mit dem Rufe, Roß und Heuhaufen in des Teufels Namen.
*12 In Joseph Svateks trefflichen
"Kulturhistorischen Bildern aus Böhmen" (Verlag von W.
Braunmüller, Wien, 1879) finden wir folgende beachtenswerte Stelle:
"Papst Innozens VIII.. welcher durch die Bulle "summis desiderantes
affectibus" vom 5. Dezember 1484 zum eigentlichen Begründer
des Instituts der Hexenprozesse bei den Katholiken wurde, und Martin
Luther, welcher durch seine fehlerhafte Bibelübersetzung jener
Stelle im zweiten Buche Moses 22, 18 ("die Zauberinnen sollst du
nicht sehen lassen", während dieselbe sich im hebräischen
Original bloß auf das Nichtunterstützen derselben bezieht)
hinwieder die Basis für Hexenverfolgungen bot, haben ganz gleiche
Verdienste um Verbreitung und Ausbildung jenes unseligen Wahnes, der
durch volle drei Jahrhunderte in sämtlichen Ländern Europas
wütete und Hunderttausende von Menschenleben auf schauderhafte
Art vernichtete."
Demgegenüber muß zu Luthers Ehre gesagt werden, daß
zu seiner Zeit die Hexenprozesse bereits in voller Blüte standen
und er, ein Kind seiner Zeit, auch in deren Vorurteilen und Anschauungen
erzogen war. Mag er immerhin den angegebenen beklagenswerten Übersetzungsfehler
gemacht haben, so ist ihm doch nirgends nachzuweisen, daß er,
wenngleich im Teufelswahn befangen, die Hexenverfolgung geschürt
oder sich gar ihrer Einführung befleißigt hätte. Dagegen
müssen wir in das Urteil des Verfassers einstimmen, wenn er fortfährt:
"Katholiken und Protestanten teilten sich in die zweifelhafte Ehre
der eifrigsten Hexenvertilger, und während der katholische Süden
Europas mit Vorliebe zumeist Männer unter dem Vorwande der Ketzerei
dem Scheiterhaufen zuführte, gefiel sich der protestantische Norden
im Verbrennen von Weibern, welchen Hexerei als todeswürdiges Verbrechen
zur Last gelegt wurde. Nicht nur in Italien und Spanien, auch in Deutschland,
England und den übrigen protestantischen Ländern brannten
lustig die Scheiterhaufen, und gerade in der Reformationsepoche, die
man doch als den Licht und Aufklärung bringenden Besieger des Mittelalters
sich vorzustellen gewohnt, gebärdeten sich die Hexenrichter am
wütendsten und weihten die meisten Opfer dem Flammentode."
Leider ist dem so, leider ging der Teufelswahn und Hexenglaube, wie
er vom Judentum auf das Christentum überkommen, auch von der katholischen
Kirche auf die lutherische und reformierte mit all dem in seinem Gefolge
befindlichen Aberglauben zur Schande der Menschheit und zur Schmach
der reinen Christuslehre, der Lehre der Duldung und Liebe, mit über.
Noch im Jahre 1793 klagt der Verfasser des "Buchs vom Aberglauben"
(Hannover):
"Es wäre doch endlich wohl einmal Zeit, daß man die
alte Rüstkammer des Satans, die bloß aus jüdischen Träumereien
besteht, von Grund aus zerstörte. Ihre ehemals so fürchterlichen
Waffen sind doch zu stumpf geworden für unsere Zeiten (1793), wo
man wahrlich reinere und wahrere Begriffe hat, als zu des guten Luthers
Zeiten, der dem leidigen Teufel noch ein Tintenfaß an den Kopf
werfen konnte."
Man vergesse übrigens nicht, daß nach einer Polemik des sechzehnten
Jahrhunderts der rasche Fortschritt der Reformation einfach auf den
Teufelsbuhlschaften beruhte. Martin Luther, behauptete man, habe nur
darum ganze Völker so leicht um ihr Seelenheil zu betrügen
vermocht, weil er der Sohn des Teufels gewesen, der sich einst unter
der Maske eines reisenden Juweliers in das Haus eines Wittenberger Bürgers
Eingang verschaffte und dessen Tochter verführte. So versicherte
allen Ernstes im Jahre 1565 ein Bischof von der Kanzel herab, und Fontaine
wiederholte es in seiner Kirchengeschichte.
*13 In dieser päpstlichen
Bulle heißt es unter anderem: "Gewiß ist es neulich
nicht ohne große Beschwerung zu Unseren Ohren gekommen, wie in
einigen Gegenden des oberen Deutschland usw. sehr viele Personen beiderlei
Geschlechts, ihrer eigenen Seligkeit vergessend und von dem katholischen
Glauben abfallend, mit Teufeln, die sich mit ihnen vermischen, Mißbrauch
treiben und ihren Bezauberungen, Liedern und Beschwörungen und
anderen abscheulichen, aftergläubischen Handlungen, zauberischen
Übertretungen, Lastern und Verbrechen die Geburten der Weiber,
die Jungen der Tiere, die Feldfrüchte, das Obst und die Weintrauben,
wie auch Männer, Frauen, Tiere und Vieh aller Art, ferner die Weinberge,
Obstgärten, Wiesen, Weiden, das Getreide und andere Erzeugnisse
des Bodens verderben, ersticken und umkommen machen und selbst die Menschen,
Männer und Frauen und alle Arten Vieh mit grausamen, sowohl innerlichen
als äußerlichen Schmerzen und Plagen belegen und peinigen."
*14 Die Blöcke, Stöcke
ect., welche man zur Hexenfahrt benutzte, auch die Glieder des eigenen
Körpers wurden mit einer weißen, blauen oder schwarzen Salbe
beschmiert, über deren Substanz die Hexenrichter niemals sicheres
erfahren konnten.
*15 Die Walpurgisnacht bemerkte
Soldan ist nirgends die ausschließliche Hexenepoche; am
meisten scheint sie im nordwestlichen und nördlichen Deutschland
hervorzutreten. In bayrischen, schwäbischen, französischen
und anderen Prozessen werden mehr der Johannistag, Ostern, Pfingsten,
Weihnachten und Fastnacht genannt.
*16 Aus den Bekenntnissen der im
Jahre 1610 zu Logrona in Spanien neunundzwanzig Verurteilten geht noch
folgendes hervor: Sie nannten den Ort ihrer Zusammenkünfte in gascognischer
Sprache Aquelarro, d.h. Bockswiese. Für die Hauptzusammenkünfte
waren die hohen Kirchenfeste wie Ostern, Pfingsten, Weihnachten, auch
Johannistag und andere Heiligenfeste festgesetzt.
*17 Nach lothringischen Akten singen
die Teufel mit einem heiseren Geschrei "gleich als wenn sie durch
die Nase trommeln", oder sie geben eine Stimme von sich "gleich
denen, so den Kopf in ein Faß oder zerbrochenen Hafen (Topf) stecken
und daraus reden".
*18 Nach den Bekenntnissen der
1610 zu Logrona in Spanien hingerichteten Hexen wirft sich bei der Eröffnung
der Versammlung alles nieder, betet den Satan an, nennt ihn Herrn und
Gott ect.; hierauf küßt man ihm den linken Fuß, die
linke Hand, den After und die Genitalien. Um 9 Uhr abends beginnt die
Sitzung und endet gewöhnlich um Mitternacht: über den Hahnenschrei
hinaus darf sie nicht dauern. Im schwarzen Ornat, mit Inful und Chorhemd,
Kelche, Patene, Miffale usw. nimmt der Teufel eine Parodie der Messe
vor. Er warnt vor Rückkehr zum Christentum, verheißt ein
seligeres Paradies als das der Christen und empfängt, auf einem
schwarzen Stuhl sitzend, den König und die Königin der Hexen
zu beiden Seiten, die Opfergaben usw. Hierauf betet man wiederum den
Satan an, küßt ihm abermals den After, was der dadurch erwidert,
daß er Gestank von sich gehen läßt, während sein
Assistent ihm den Schweif aufhebt. Dann nimmt und gibt der Teufel nach
einer Einsegnungszeremonie das Abendmahl in beiderlei Gestalt; was er
zum Essen darreicht, gleicht einer Schuhsohle, ist schwarz, herb und
schwer zu kauen, die Flüssigkeit, in einer Kuhklaue oder einem
becherartigem Gefäß dargereicht, ist schwarz, bitter und
ekelerregend. (In Südfrankreich galten geschwärzte Rübenscheiben
als Hostien. Das Teufelsabendmahl wird auch zuweilen durch einen Hexenpfaffen
gereicht, wie aus den Lindheimer und Burgfriedbergischen Originalakten
hervorgeht.)
Nach der Messe vermischt sich der Teufel fleischlich mit sämtlichen
Manns- und Weibspersonen und befiehlt Nachahmung; am Ende vermischen
sich die Geschlechter ohne Rücksicht auf Ehe und Verwandtschaft.
Das ganze Hexenwesen war überhaupt eine teuflische Parodie (Spottnachahmung)
auf das Christentum (wenigstens auf das, wie es damals war). Daher ist
Hexerei ohne Abfall vom Christentum undenkbar, und niemals wurden Juden
der Hexerei halber verfolgt, sondern stets wegen Ketzerei. Während
das Christentum Gottesverehrung ist, ist Hexerei Teufelsverehrung. Der
Christ sagt dem Teufel ab, Zauberer und Hexen entsagen Gott und den
Heiligen. Der Christ sieht im Heiland den Seelenbräutigam; die
Hexe hat in dem Teufel ihren Buhlen. Im Christentum sollen walten Liebe
und Demut, im Hexentum dagegen Haß, Bosheit, Unzucht und Lästerung.
Der Christ hat das Böse zu meiden, die Hexe wird vom Satan gezüchtigt,
wenn sie Gutes tut. Christi Joch soll ein sanftes und seine Bürde
leicht sein, aber des Teufels Joch ist schwer, und er ist nimmer zu
befriedigen. Gott ist die Wahrheit, und Gott ist barmherzig, der Teufel
dagegen die Lüge, er betrügt selbst seine treuesten Diener.
Auch die angeblichen Gebräuche beim Hexensabbat und der schwarzen
Messe sind nichts anderes als eine Nachäffung des christlichen
Rituals, der kirchlichen Gebräuche). Was der Kirche heilig, Taufe,
Abendmahl, Kreuz, Weihwasser, Messe, Anrufung der Heiligen, das entweiht
der Teufel durch Verzerrung. Die Zauberei in der Hexenperiode, sagt
Soldan, ist Ketzerei und Apostasie in ihrer höchsten Steigerung.
*19 Eine Beschwörungsform,
die im Jahre 1659 im Elsaß vorgekommen, lautete: "Hiermit
fahre ich dem lebendigen Teufel zu, der soll mich behüten und bewahren,
bin auch Gott nicht mehr angehörig."
Eine andere im Elsaß vorgekommene lautet:
"Da stehe ich auf dem Mist,
Verleugne Gott, alle Heiligen
Und meinen Jesum Christ!"
Ganz ähnlich war die Formel im protestantischen Hessen. Nach Hofers
"Dämonologie" bekennt eine protestantische Hexe, welche
1651 verbrannt wurde, "sie habe müssen an einen weißen
Stock fassen, der gewesen, als wenn er von Weide geschnitten und abgeschülfert
wäre, und zwei Finger der linken Hand auf ihre linke Brust legen,
sich an einen Berg lehnen und also sprechen:
"Hier greife ich an diesen Stock
und verleugne hiermit unseren Herren Gott
und seine zehn Gebote."
Katholische Hexen gebrauchten auch die Formel:
"Ich fasse an diesen weißen Stock
Und verleugne Marias Sohn und Gott."
Andere Hexen gestehen, Glockenspäne vom Teufel erhalten und mit
den Worten ins Meer geworfen zu haben: "So wenig diese Späne
wieder zur Glocke kommen, ebensowenig ich zu Gott und seinen Heiligen."
*20 Nicht alle Hexen waren mit
dem Stigma behaftet; es wurde den sicheren Opfern des Teufels nicht
aufgedrückt, bloß den zweifelhaften. Der Teufel drückte
das Hexenmal gewöhnlich durch einen Griff mit der Hand oder einem
Schlag mit der Klaue an den Schultern oder auch an der Hüfte, Schenkeln
oder an einem anderen Körperteil ein, d.h. er hatte es überall
da getan, wo man im Prozeß am Beschuldigten ein Muttermal, eine
Warze, einen Leberfleck oder ähnliches vorfand. In lothringischen
Prozessen kamen Hexenzeichen an verschiedenen Körperteilen vor,
selbst an den geheimsten, in schottischen auf der linken Seite, in badischen
"auf den rechten Arm gepetzt, in die linke Seite gebissen, auf
das rechte Auge gestoßen, an den linken Fuß gegeben, ins
linke Auge gestochen, auf das rechte Knie gebissen" usw.
*21 Nachtwandlerinnen, Mondsüchtige
*22 Bei den Hexensabbaten präsidiert
der Teufel entweder selbst oder ein ihm untergebener Dämon, dem
die Hörner fehlen und der von Platze weicht, sobald der Teufel
erscheint.
*23 Daß übrigens Orgien,
ähnlich den beschriebenen, hier und da vorgekommen sind, steht
unzweifelhaft fest. Manche wollen sogar auf weit verzweigte geheime
Gesellschaften zurückführen, wie Mone (Anzeiger zur Kunde
deutscher Vorzeit 1839), oder doch die Vermutung als sehr wahrscheinlich
hinstellen, daß die sogenannten Hexensabbate in Wirklichkeit nur
Zusammenkünfte zur Befriedigung der Wollust gewesen seien, in welchen
"fahrend Volk"(d.w. Bettler, Vagabunden und verkommene Geiger
und Spielleute und dgl.), namentlich aber auch vornehme Wüstlinge
ihrer Sicherheit wegen sich als Teufel vermummt und so ihren Opfern
jeder Anzeige bei der Obrigkeit unmöglich gemacht hätten.
So Lamberg Kriminalverfahren bei Hexenprozessen Cardanas.
an)
*24 Nach den Bekenntnissen der
gerichteten Hexen zu Logrona wird an manchen Tagen nach der Musik der
Querpfeife, der Leier, Trompete oder Trommel getanzt. Um sich zum Fliegen
vorzubereiten, bestreicht sich der Zauberer mit dem aus der Kröte
ausgedrückten Safte. Gifte aus Pflanzen, Reptilien und Christenleichen
werden unter Aufsicht des Teufels zubereitet .Nicht alle Zauberer haben
Zutritt, aber alle erhalten von der Salbe, damit sie ihre Übeltaten
mit derselben bewerkstelligen können. Damit der eine Ehegatte die
Bockwiese besuchen kann, ohne daß es der andere bemerkt, wird
der letztere entweder in tiefen Schlaf gesenkt, oder es wird ein Stock,
der die Gestalt des Abwesenden annimmt, zu ihm ins Bett gelegt. Oft
macht der Teufel auch seine unkeuschen Besuche in den Wohnungen der
Hexen. Ein kleines, in die Tür gebohrtes Loch genügt den Hexen
zum Ausgange.
*25 Das geweihte Brot, d.h. die
beim Abendmahle empfangenen Oblaten, zu stehlen und als Zaubermittel
zu gebrauchen, soll noch in unserem Jahrhundert vorgekommen sein.
*26 Den Hexentanz finden wir zum
ersten Male bei einem Autodafé (Ketzerverbrennung) zu Toulouse
im Jahre 1353 erwähnt.
*27 Remigius kennt nur einen Fall,
wo der Teufel drei aufrichtige Pfennige ohne Betrug schenkte. Binsfeld
dagegen weiß von einem doppelten Dukaten zu erzählen. Nur,
wenn reiche Leute in Untersuchung kamen, ließ man den Teufel sein
Wort gehalten haben, so bei einer Angeklagten in Osnabrück. Dem
Kaufmann Köbbing zu Coesfeld wurde ein geldbringender Unhold beigelegt,
und ähnliches findet sich hier und da in den Akten, besonders im
17. Jahrhundert, in welchem öfter auf Reiche Jagd gemacht wurde.
*28 Druide = Drude = Druden = ein
Zauberer; Druidenbaum = ein Hexenbaum (= der Traubenkirschbaum).
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