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Kelten - Index

Die Nachbarn der Germanen =>

Die Kelten. Die nach dem Südwesten ausgewanderten Nordleute hatten sich zum Teil in Süddeutschland, am Rhein und in der Schweiz niedergelassen und sich dort mit der einheimischen Bevölkerung, die sich vom Mittelländischen Meer her nordwärts ausgebreitet hatte, vermischt. In der Urgermanenzeit erfolgte ein neuer nordischer Zustrom, und unter seiner völkischen Kraft entstand das Volk der Kelten.

Die Kelten, deren Herrschaft und Reiche sich von Spanien bis zum Balkan und nach Vorderasien erstreckten, hatten gegen die Germanen, die langsam im Vorrücken waren, einen harten kampf zu bestehen. Um sich besser verteidigen zu können, legten sie besonders auf den Bergen Burgen an. Daneben bauten sie bisweilen auch Wasserburgen. Die berühmteste keltische Wasserburg ist Buchau im alten Federsee zwischen Ulm und dem Bodensee.

Genau wie beim Königsgrab von Seddin ist von der Wasserburg Buchau eine Sage bis zur Gegenwart lebendig geblieben. "Vorzeiten stand im Federsee eine feste Stadt. Sie hatte sieben Türme und hohe Mauern, und ihre Einwohner waren gute Christen, die Gott zu Ehren ein Kirchlein auf ihrer Insel errichtet hatten. Im Laufe der Jahre mehrte sich ihr Wohlstand, und da sie niemandem Böses taten, hatten sie auch keine Feinde.

Da erschienen eines Tages viele Kähne auf dem Federsee, und die Inselbewohner erkannten mit Schrecken, daß eine feindliche Kriegsschar sich ihrer Insel näherte. Es waren Heiden, von deren Bluttaten man schon oft mit Grauen gehört hatte.

Der Kampf war heftig. Die friedlichen Inselbewohner erlagen den heidnischen Fremden, die zwischen den brennenden Trümmern der eroberten Stadt bis in die Nacht hinein schwelgten und tranken.

Allein die Sieger mußten ihre Bluttat mit dem Leben bezahlen. Als die trunkenen Heiden in tiefem Schlaf lagen, begann die Insel zu sinken, und am anderen Morgen sahen die wenigen geretten Flüchtlinge vom Ufer nur noch die Spitze des Kirchturms aus dem Wasser ragen. Seither schläft die versunkene Stadt im Moore, und nur Auserlesene können zu gewissen Stunden tief unten die Hähne krähen und die Hunde bellen hören."

Die Grabung hat die Sage bestätigt. Nur das Christliche und Heidnische ist später hinzugekommen. Wie kam es zu der Entdeckung der Siedlung?

Im Jahre 1920 gruben Vorgeschichtsforscher nicht weit von Buchau Häuser der Urierzeit aus. Zu ihnen kam ein Bauer und meldete, auf seiner Wiese im Moor sei ein ovaler Ring aus Pfählen. Der größte Durchmesser betrug etwa 150 Meter. Oft schon hatte man die Pfähle abgehauen, aber jedesmal, wenn die Wiese gemäht werden sollte, waren sie wieder da und machten die Sense stumpf. Die Stelle wurde darauf genau untersucht, und bald entdeckte man, daß es sich hier um eine Siedlung handle, die von einem Pfahlring umgeben war. Zur Erforschung wurde der Rasen abgedeckt, und bald kam eine Wohnschicht zum Vorschein. Auf ihr lag Asche. Das ist ein Zeichen dafür, daß die Siedlung einmal abgebrannt war. Unter der Asche lagen die merkwürdigsten Funde. Fußböden, Wandreste, Balken und Herdstellen kamen zum Vorschein. Zwischen ihnen fand man über 500 schöne Tongefäße, Bronzebeile und die mannigfaltigsten Schmucksachen. Nach der Verteilung der Fundstücke kann angenommen werden, daß die Burg in einem Kampf zerstört wurde und in Flammen aufging, denn am Südwesttor wurden zahlreiche Beile gefunden. Dazu kam eine Unmenge von Tierknochen zum Vorschein. Sie lassen auf eine hohe Viehzucht schließen. Einzelne Häuser waren zusammenhängend, so daß regelrechte Gehöfte vorhanden waren. Die schöne Ordnung in der ganzen Siedlung erzählt uns von einem Führer, der hier einst geherrscht haben muß, und von einem Gesetz, dem sich die einzelnen Burgbewohner beugten.

Beim weiteren Graben entdeckte man unter der ersten Siedlung eine zweite, ältere. Sie unterschied sich von der oberen jüngeren dadurch, daß hier die Häuser einfacher waren. In der nördlichen Inselfläche lag das zweiräumige Führerhaus. Auch diese Siedlung ist durch Brand untergegangen. Beide Siedlungen waren durch Palisaden mit einem Wehrgang und mit starken Toren geschützt. Die Siedlungen stammen aus der Zeit zwischen 1100 und 800 v. Chr. So entspricht die Sage der Wahrheit. Kurz nachdem die jüngste Siedlung verbrannt war, stieg das Wasser des Sees und bedeckte alles. Später verlandete der See wieder. Durch die Überschwemmung und die folgende Verlandung ist alles erhalten geblieben bis auf den heutigen Tag.

Quelle:Klagges, Volk und Führer, Ausgabe für Mittelschulen, Klasse 2; 1940 Verlag Moritz Diesterweg/ Frankfurt a.M.; Jadu 2000