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Mönchs- und Klosterwesen

Schon frühzeitig wurden im Leben der Christen gute Werke als besonders verdienstlich angesehen. Viele glaubten daher, der Welt und ihren Versuchungen entfliehen zu müssen, um sich in der Einsamkeit unter Fasten und Beten einem beschaulichen Leben zu widmen. Man nannte sie Asketen (Enthaltsame) oder Anachoreten (Einsiedler).

Das erste bekannte Beispiel eines Einsiedlers gab zur Zeit der decianischen Verfolgung (250 n Chr.) Paulus von Theben. Seinem Vorbilde folgten bald andere. Antonius zog sich in die thebaische Wüste (Oberägypten) zurück; sein Schüler Pachomius bildete um das Jahr 400 n. Chr. diese Einrichtung weiter aus. Die Einsiedler wohnten in dicht beieinander stehenden Häusern mit mehreren Zellen, die zusammen das Monasterium (vom griech. monos = allein) oder Kloster (vom lat. claustrum = abgeschlosener Ort) hießen. Die Bewohner hielten sich an eine gemeinsame Lebensregel; sie nannten sich Mönche, und der Vorsteher hieß Abbas, Vater. Im 5. Jahrhundert bestand auf einer Insel im Nil bereits eine Kolonie von 50 000 Mönchen. Auch Frauenklöster gab es, die in ihrer Einrichtung derjenigen der Mönchsklöster nachgebildet waren; ihre Bewohnerinnen hießen Nonnen. Nachdem von Ägypten aus das Klosterwesen sich über Syrien, Palästina und Armenien verbreitet hatte, fand es auch bald Eingang im Abendlande, zuerst in Gallien und Irland und von hier aus auch in Deutschland.

Für die Gestaltung des Klosterwesens im Abendlande wurde Benedikt von Nursia von Bedeutung. Die von ihm geschaffene Ordensregel, ursprünglich nur für das Kloster Monte Kasino bei Neapel bestimmt, wurde bis ins 10. Jahrhundert für mustergültig angesehen. Sie verpflichtete zu lebenslänglichem Aufenthalt im Kloster und zu dem dreifachen Gelübde der persönlichen Armut, der Keuschheit und des unbedingten Gehorsams. Die nach seiner Ordensregel eingerichteten Klöster hießen Benediktinerklöster. Als das Christentum in Deutschland eingeführt wurde, fanden sie hier bald allgemeine Verbreitung. Das älteste Kloster entstand am Fuße der Alpen; es war das Benediktinerkloster St. Gallen, so genannt nach dem von Irland herübergekommenen Glaubensboten Gallus, der hier in der öden Wildnis eines Hochtals um das Jahr 600 eine Schar Gleichgesinnter um sich gesammelt und eine Kirche gegründet hatte. Immer mehr dehnten sich um die Kirche herum die Gebäude aus, die den Mönchen zum Aufenthaltsort dienten; die ganze Anlage wurde zum Muster für die meisten späteren Klöster.

Der Mittelpunkt des Klosters, dessen Anlage ein großes Rechteck bildete, war die kreuzförmige Kirche. Daran schlossen sich die zahlreichen Nebengebäude, wie die Schreibstube mit der Bibliothek, die Sakristei mit dem Aufbewahrungsort für die priesterlichen Gewänder, das Gasthaus für fremde Mönche und die Wohnung des Vorstehers der Klosterschule. Um die Kirche herum verteilten sich die übrigen Räume. Auf der einen Seite stand das Gebäude mit den Zellen der Mönche, mit dem Versammlungs-, dem Schlaf- und dem Speisesaal; darunter war der mit Tonnen und Fässern wohlgefüllte Keller. An einer Ecke befand sich das Wasch- und Badehaus, an einer anderen die Küche, weiterhin die Bäckerei und das Brauhaus, Mühle, Küferei, Tenne und Stallung für Reitpferde, endlich die Räume für die Handwerker, Gerber, Schuster, Drechsler, Goldschmiede, Schwertfeger und Schildmacher.

Hinter dem Mönchshause war das Gasthaus für arme Reisende und Pilger mit eigener Küche und Brauerei. Auf einer anderen Seite war das Haus für vornehme Gäste mit Vorratsräumen und Stallungen, sowie die innere Schule und der Palast des Abtes mit eigenem Nebengebäude für die Diener, mit Küche, Speisekammer und Badestube. Getrennt davon war die äußere Schule, die Kirche für die Novizen und Patienten und das Krankenhaus, der Garten, der Friedhof, die Geflügelställe, der Fruchtspeicher und die Stallungen für das Vieh. Das Ganze war mit Pfahlwerk und Graben, auch wohl mit Mauern und Türmen burgartig umschanzt und gleich einer kleinen Stadt. In der Nähe lag das Dorf mit den hörigen Landleuten und die Burg eines reisigen Dienstmanns, dem der nächste kriegerische Dienst und Schutz des Klosters oblag. — Die Mönche selbst bauten an dem großen Werke; sie schmückten die Kirche mit bunten Malereien, Glasfenstern und Kronleuchtern; die Altäre waren mit kostbaren Teppichen bedeckt und mit elfenbeinernen goldenen und silbernen Kruzifixen, mit prachtvollen Kelchen und Reliquienkästchen geschmückt.

Nicht alle Klöster waren so reich ausgestattet und so großartig angelegt; namentlich die in Städten errichteten Klöster mußten sich des engen Platzes wegen in ihrer Anlage beschränken. Aber der Plan, nach dem sie angelegt waren, blieb im wesentlichen derselbe. Die Einrichtung eines Klosters war um so wertvoller, je reicher es an Besitztum war. Dieses ward häufig vermehrt durch bedeutende Schenkungen vermögender Personen. Gar oft besaßen einzelne Klöster große Meierhöfe und Bauerngüter, die in der Regel verpachtet waren und reiche Erträge lieferten. Die bedeutendsten Klöster in Deutschland waren Fulda, Korvey, Reichenau, Gandersheim, Wessobrunn.

An der Spitze eines Klosters stand der Abt. Er hatte die Oberleitung des Ganzen, vertrat das Kloster nach außen hin, schloß Kauf- und Pachtverträge ab, empfing die Gäste des Klosters und speiste mit ihnen an einem besonderen Tische. Er hatte, da er über der Klosterregel stand, eine eigene, meist sehr reich und behaglich ausgestattete Wohnung und eine besondere Küche. Er leitete die kirchlichen Verrichtungen und stand in den meisten Fällen im Range eines Bischofs. Als Zeichen seiner Würde trug er einen gekrümmten Stab. Dem Abt zur Seite stand der Prior, der ihn in seiner Abwesenheit vertrat. Im übrigen leitete er alle Übungen und Arbeiten der Mönche, nahm ihnen die Beichte ab, legte ihnen Bußen auf und überwachte die genaue Ausführung der Ordensvorschriften. Während alle Brüder untereinander sich mit "du" anredeten, gebrauchten sie dem Abt und dem Prior gegenüber das "Ihr".

Dem Provinzenmeister war die Aufsicht über die neu eintretenden Klosterbrüder anvertraut, so lange sie noch nicht das Mönchsgelübde abgelegt hatten. Der Sakristan oder Kustos hatte die äußere Ordnung des Gottesdienstes zu besorgen, zur Kirche zu läuten und alles, was zum Gottesdienste gehörte, wie Wachskerzen, Altarbekleidung, Abendmahlgeräte, in seine Obhut zu nehmen. Der Singmeister oder Kantor leitete den Gesang in der Kirche, überwachte das Abschreiben der Bücher und hielt die Bibliothek in Verwahrung. Der Kellermeister war eine der wichtigsten Persönlichkeiten im Kloster und hatte mehrere Gehilfen zur Besorgung seines umfangreichen Amtes unter sich. Unter seiner Aufsicht standen die Ackerhöfe des Klosters; er sorgte dafür, daß die nötigen Vorräte in die Küche und in den Keller geschafft wurden und führte die Schlüssel zu den Vorratsräumen. Der Bruder Pförtner saß am Eingang des Klosters in einer besonderen Zelle. Wenn ein Fremder Einlaß begehrte, meldete er ihn beim Abte und führte ihn nach erteilter Erlaubnis hinein. Die Klöster boten Pilgern und Reisenden gern gastfreundliche Herberge. An vorübergehende Arme verteilte der Pförtner Brot und Überbleibsel vom Tische.

Klosteranlage

Amtspersonen untergeordneter Art waren der Kleidermeister, der die Schneider, Schuhmacher, Gerber und Weber beaufsichtigte, der Werkmeister, der den Bauleuten vorgesetzt war, und der Siechenmeister, der die Aufsicht über das Krankenhaus führte.

Die Mönche unterschieden sich in eigentliche und Halbmönche oder Laienbrüder. Die letzteren hatten hauptsächlich die wirtschaftlichen Tätigkeiten im Kloster zu besorgen, Acker und Gärten zu bestellen und die Wirtschaftshöfe außerhalb der Klostermauern zu beaufsichtigen.

Wer als Mönch in ein Kloster eintreten wollte, mußte 14 Jahre alt sein und zunächst ein Probejahr durchmachen. Er hieß in dieser Zeit Novize und wurde ganz wie ein Mönch gehalten, nur trug er die Ordenstracht nicht. Bewährte er sich, so erfolgte seine Einkleidung als Klosterbruder. Nachdem er das Ordensgelübde beschworen hatte, wurde ihm das Haar geschoren, das Novizenkleid abgenommen und das Mönchsgewand (die Kutte) angetan. Von nun an gehörte er ganz dem Kloster; der Verkehr mit seinen Verwandten wurde aufs äußerste beschränkt.

Das Leben im Kloster war ursprünglich sehr einfach und die Zucht sehr streng. Wer dagegen fehlte, wurde oft mit sehr schweren Strafen belegt. Fasten, Ausschluß von der Teilnahme am Gottesdienst, Kasteiung bis aufs Blut, ja mitunter sogar Verurteilung zum Hungertode und zur Einmauerung waren die Strafen der Mönche, die sich Vergehen zu schulden kommen ließen.

Die Mönche teilten ihre Beschäftigung zwischen gottesdienstlichen Übungen und gewöhnliche Klosterarbeiten, wie die Versorgung der Küche, das Reinigen der Schlaf- und Speisesäle, das Waschen der Kleider und Tischwäsche. Dies mußte alles von ihnen besorgt werden, da weibliche Personen im Kloster nicht geduldet wurden. Die gottesdienstlichen Übungen wurden täglich acht bis neun Mal abgehalten; sie begannen bald nach Mitternacht und bildeten den Anfang und den Schluß des Tages. Nach dem zweiten Gottesdienste gingen die Mönche an ihre Arbeiten, die meistens allwöchentlich verteilt wurden. Viele Mönche widmeten sich dem Studium und dem Abschreiben von Büchern. Diese Tätigkeit der Mönche ist von der weittragendsten Bedeutung geworden; ihr verdanken wir unsere ganze Kunde des Altertums. In seiner Klosterzelle saß der Schönschreiber des Klosters, glättete und linierte sein Pergament, daß aus Fellen von Ziegen, Lämmern oder Kälbern hergerichtet war, schrieb unermüdlich mit dem "Schreibrohr", der Gänsefeder, malte die Anfangsbuchstaben sauber aus mit Rot, Blau, Grün und Gold und zeichnete mit Wohlgefallen die Verzierungen am Rande. Durch dieses emsige Abschreiben wurden den Klöstern wertvolle Bibliotheken geschaffen, und mit Recht waren sie Stolz auf ihre Handschriftensammlungen; sie wurden als vielbegehrter Schatz sorgfältig gehütet.

Eine andere segensreiche Tätigkeit war die Einrichtung und Leitung von Klosterschulen, die in innere und äußere zerfielen. Im ersteren wurden die angehenden Mönche, in letzteren die Söhne der Edlen und Freien aus der Umgegend in strenger Zucht unterrichtet. Jede Schule hatte ihren eigenen Vorsteher; unterrichtet wurde in Lesen, Schreiben, Rechnen, Musik, Astronomie und vor allen Dingen in Latein. Ein besonderes Verdienst der Mönche besteht ferner darin, daß sie den Landbau teils eingeführt, teils wesentlich verbessert und manche Gegenden Deutschlands überhaupt urbar gemacht haben. Sie haben neue Getreidearten und bessere Obstsorten eingeführt, Weinberge angepflanzt, Blumen, Kräuter und Bäume veredelt. Aber nicht allein in Garten und Feld, in Schreibstube und Schule entfalteten sie ihre segensreiche Tätigkeit, sondern auch in der Werkstatt des Handwerkers und des Künstlers. Musik, Malerei, Bildhauer- und Baukunst, sowie mancherlei Gewerbe fanden in den Klöstern eifrige Pflege und wurden von hier aus weiter verbreitet.

Aber allmählich gerieten die Klöster in Verfall. Veranlassung dazu gab vor allen Dingen die Verweltlichung der Äbte und Mönche. Erstere wandten sich immer mehr irdischen Dingen zu, namentlich seitdem fürstliche und adelige Personen mit Vorliebe sich in die Ämter der Abte und Klostervorsteher drängten, weil sie fürstlichen Würden fast gleichkamen. Gar oft vertauschten sie den Amtsstab mit dem Schwerte und zogen zu Roß und im Harnisch aus, um mit umliegenden Herren Fehden auszufechten, oder jagten mit dem Jagdspieß und dem Edelfalken im Wald und auf der Heide. Der zunehmende Reichtum der Klöster verführte zu Sinnlichkeit und Wohlleben innerhalb der Klostermauern und vertrieb Wissenschaft und Frömmigkeit.

Nicht selten wurden die Klöster zu Stätten der Schwelgerei und der Unzucht; sie suchten einen Ruhm darin, die besten Weine im Keller zu haben oder sich in der Kochkunst hervorzutun; selbst in den Nonnenklöstern herrschte arge Sinnlichkeit und Weltlust. Dies weckte heilige Männer auf, die den Geist Benedikts wieder in die Klöster einzuführen suchten und die Klosterregeln verschärften. So entstanden die Klöster der Kluniazenser 910 ( vom Kloster Kluny in Burgund), der Cistercienser 1098 ( nach dem Kloster Citeaux bei Dijon), der Prämonstratenser 1120 ( vom Kloster Prémontré bei Laon), der Karthäuser 1084 ( vom Kloster Chartreuse bei Grenoble).

Verfall

Wohl erlangten diese Klosterverbindungen mit der Zeit eine außerordentliche Macht; aber die ursprünglich einfache, strenge Klosterzucht vermochten auch sie nicht wieder durchzuführen. Da ward noch einmal der Versuch gemacht, indem im 13. Jahrhundert die sog. Bettelmönchsorden der Franziskaner ( gestiftet von dem reichen italienischen Edelmann Franz v. Assisi) und der Dominikaner ( nach dem Spanier Domingo v. Calaroga) gebildet wurden. Zu den Bettelmönchsorden gehörten auch die Karmeliter und die Augustiner, jene genannt nach dem Berg Karmel in Palästina, diese nach dem Kirchenvater Augustin.

Die Mönche dieser Orden hielten sich streng an das Gelübde der Keuschheit, Enthaltsamkeit und Armut; sie durften außer dem Kloster kein festes Eigentum besitzen und mußten sich den Unterhalt durch Einsammeln milder Gaben erwerben. Dabei aber lebten sie nicht bloß in strenger Klausur, dem abgeschlossenen Raum des Klosters, sondern begaben sich unter das Volk, um geistliche Dienste zu verrichten, zu predigen und die Beichte entgegenzunehmen. Beide Orden wurden mit der Zeit außerordentlich brauchbar und nützliche Werkzeuge des römischen Priesterfürsten; sie wirkten gegen die Ketzer, sammelten für ihr Oberhaupt reiche Spenden ein und übten anfänglich einen bedeutenden Einfluß über den großen Hausen aus.

Aber auch diese Orden konnten das Klosterwesen nicht wieder auf die Höhe früherer Jahrhunderte bringen, und ihr Einfluß auf das Volk verminderte sich namentlich immer mehr, als Spaltung innerhalb der einzelnen Orden schroff zu Tage traten und "Mönchsgezänk" immer häufiger wurde. Die Mönche der Bettelorden waren größtenteils einfältige, ungelehrte Leute und schwer in Zucht und Regel zu erhalten zu erhalten. Kein Wunder daher, daß sie allmählich den Unwillen der Besseren und Freieren erregten und ihre Schwächen oft Hohn und Spott herausforderten. Daher bedurfte es nur des kräftigen Anstoßes durch die Reformation, um das Klosterwesen zu verdrängen, das im Mittelalter zwar eine der hauptsächlichsten Kulturstätten gewesen ist, in der neueren Zeit dagegen seine Bedeutung vollständig verloren hat.

Quelle: Kulturbilder aus Deutschlands Vergangenheit, Verlag Gustav Gräber, 1904, von rado jadu 2001

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